Was für gewöhnlich nach dem Sommer kommt.

November 2006

Wie das eben so ist mit der Klimaerwärmung. Das Wetter spielt verrückt, die Frühlingsblumen blühen im Herbst, Überschwemmungen wälzen sich durch die Lande und ganze Jahreszeiten scheinen einfach so auszufallen. Dabei würden einige sicherlich einiges geben, damit die Klimaerwärmung derzeit wirklich für etwas mehr Wärme sorgen würde. Einige? Alle. Alle, die es in den letzten Tagen kalt erwischt hat. Mitte Oktober war es noch Sommer in Deutschland, und plötzlich haben wir vereiste Straßen und Schneefälle in Deutschland. Anfang November nicht unbedingt etwas Ungewöhnliches, aber haben wo war eigentlich der Herbst? Haben Sie etwas vom Herbst gesehen? Dieses Jahr gab es keinen. Sommerliches Wetter – und dann direkt ab in den eisigen Winter. Die Blätter hatten gerade mal ein paar Tage Zeit, die Bäume zu verlassen.

Auch daran wird sich die Menschheit gewöhnen, dass bestimmte Jahreszeiten in Zukunft kürzer ausfallen als andere, vielleicht wäre es sogar an der Zeit, sich mal ein paar neue Jahreszeiten auszudenken, wo man doch mit der strikten klassischen Einteilung in Quartale nicht mehr sehr weit kommt. Wie wäre es denn mit einem Frühling, einem Frühsommer, einem Sommer, einem Sommer-Sommer, einem Jahrhundertsommer (den könnte man ruhig jedes Jahr begehen, das käme auch den Medien entgegen), einem Herbstsommer, einem Herbst, einem Winter, Winter-Winter, Weihnachtswinter und schneeloser Winter? Na schön, vielleicht doch etwas zuviel.

Das wirklich Schlimme am ausgefallenen Herbst ist etwas ganz anderes: der Handel hat diesmal einen Vorwand, weshalb das Weihnachtssortiment bereits in die Regale darf. So ziemlich jeder hat sich schon darüber aufgeregt, dass Anfang Oktober bereits Lebkuchen, Dominosteine und Spekulatius in den Regalen stehen, dies nocheinmal breitzutreten kann man sich also sparen. Was mich aber wirklich auf die Palme bringt, so dass ich doch noch darauf rumreiten muss, sind die gleichermaßen inflationär verteilten Werbebotschaften. Werbebotschaften, die von allen Seiten nur eines an den Kunden bringen wollen: GESCHENKIDEEN. Überall nur Geschenkideen. Im Kaufhaus, im Ramschladen, sogar in Postfilialen. Überall präsentieren sich die tollsten Geschenkideen.

Anmaßend, wie sich jeder Saftladen dazu erdreistet, seinen Kunden das Denken abnehmen zu wollen. Ideen hat man oder man hat sie nicht, aber man lässt sie sich jedenfalls nicht vom Einzelhandel vorflüstern. Geschenkvorschläge, gerne, jederzeit. Aber auch die noch nicht im November. Und es kann mir auch kein Ladenbesitzer erzählen, dass er die Geschenkideenplakate bereits jetzt aufhängen und hinstellten musste, weil sonst kein Platz mehr im Lager gewesen wäre.

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