Saturday, October 11, 2014

Rotlichtspießer

So weit ist es nun schon in Berlin. Wenn man an der roten Ampel hält, ruft die Stadtjugend von der Bushaltestelle nebenan:

„Hast aber gut aufgepasst in der Fahrschule, Junge!“

Wednesday, August 27, 2014

Tödlicher Fahrradunfall in Lankwitz

Wieder ein toter Radfahrer, und wieder durch einen rechtsabbiegenden LKW, diesmal im Zentrum Lankwitz’, direkt vor der Lankwitzer Kirche, auf der Kreuzung Leonorenstraße/Kaiser-Wilhelm-Straße. Die Polizei berichtet:

Bei einem Verkehrsunfall in Lankwitz hat eine Radfahrerin (…) so schwere Verletzungen erlitten, dass sie wenig später noch an der Unfallstelle verstarb. Nach bisherigen Erkenntnissen wollte ein 39 Jahre alter Lkw-Fahrer (…) von der Kaiser-Wilhelm-Straße nach rechts in die Paul-Schneider-Straße abbiegen und erfasste hierbei die 76-jährige Radfahrerin, die auf dem Radweg in Richtung Bruchwitzstraße unterwegs war.

Pressemeldung der Berliner Polizei

Es ist der zweite tödliche Radfahrunfall an dieser Straße, vor 2 Jahren verunfallte am anderen Ende der Leonorenstraße, Kreuzung Siemensstraße, ebenfalls eine Radfahrerin, ebenfalls auf dem Radweg, und ebenfalls durch beteiligten rechtsabbiegenden LKW. Dort wurde draufhin die Ampelschaltung verändert, so dass Fahrradfahrer an dieser Stelle nur noch Grün bekommen, wenn die Fahrbahnampel Rot zeigt. Die Radwegpflicht besteht dort aber weiterhin.

Anders an der Kreuzung in Lankwitz, dort dürfen Radfahrer auch auf die Straße - tun es in dieser Richtung in der Regel jedoch nicht immer, da die vierspurige Kaiser-Wilhelm-Straße stark befahren ist und viel Bewegung in den Parkbuchten herrscht, der Radweg aber einigermaßen angenehm zu befahren ist. Grün bekommen sie gemeinsam mit dem übrigen Verkehr.

Unmittelbar vor der Kreuzung wird der Radweg dafür allerdings auf Fahrbahnebene abgesenkt und mündet in einer Art Aufstellfläche, sodass sich wartende Radfahrer bei Rot gut sichtbar schräg links vor den ebenfalls haltenden Autos aufstellen können. Die Autos müssen etwas früher anhalten als die Radfahrer. Einen Haken gibt es allerdings: Ein paar Meter vor der Kreuzung befindet sich ebenfalls ein Taxenstand, so dass dort fahrende Radfahrer eine Zeitlang aus dem Blickfeld des übrigen Straßenverkehrs verschwinden und von den wartenden Taxis verdeckt werden.

Das Timing spielt daher eine entscheidende Rolle, wie gut man vom motorisierten Verkehr an dieser Stelle gesehen wird - ob man bereits an der Ampel wartet, wenn es Grün wird, ob man sich auf Höhe der Taxen befindet, wenn sich Autos zum Abbiegen nähern, oder ob man an schon wartende Fahrzeuge an der Haltelinie von hinten heranfährt.

Inwieweit dies zu dem Unfall beigetragen haben könnte, ist momentan jedoch nur Spekulation, wie es genau zu dem Unfall kam, steht noch nicht fest; die Ermittlungen der Polizei sind noch nicht abgeschlossen.

Monday, July 14, 2014

Schwerpunktaktion gegen Abbiegeunfälle in Berlin

Die Polizei in Berlin macht nun genau das, was Radfahrer immer fordern: Statt nur Gehwegradeln zu ahnden und den korrekten Sitz aller Speichenreflektoren zu kontrollieren, wird nun dorthin geschaut, wo wirklich schwere und tödliche Unfälle passieren: beim Abbiegen von motorisiertem Verkehr.

[…) die Polizei Berlin [wird] in der kommenden Woche vom 14. bis 20. Juli in einer Schwerpunktaktion ihr Hauptaugenmerk in der Verkehrsüberwachung auf Fehlverhaltensweisen von abbiegenden Kraftfahrzeugen gegenüber Radfahrern richten. Polizeibeamte werden im gesamten Stadtgebiet intensive Verkehrskontrollen zum Schutz des Radfahrverkehrs durchführen. (…) In den vergangenen Jahren war fast die Hälfte aller getöteten Radfahrer an Verkehrsunfällen mit abbiegenden Kraftfahrzeugen beteiligt. (…)

(Polizeimeldung Nr. 1637 vom 11.07.2014)

Man könnte meinen, die Berliner Polizei liest hier mit.

Saturday, July 12, 2014

Einer wie der andere

Die junge Radlerin hat dicke Kopfhörer auf und macht auch sonst nicht den Eindruck, viel vom Verkehrsgeschehen um sie herum wahrzunehmen. Gedankenverloren, aber flott radelt sie zielstrebig geradeaus und ignoriert klischeehaft kampfradlerisch das Rot der Ampel, weicht aber immerhin dem älteren Herrn mit einem eleganten, knappen Schlenker aus. Der ältere Herr ruft ungehört der Unerhörten hinterher: „Es ist Rooooot!“ – Bevor er, immerhin bei Grün, mit dem Rad über den Fußgängerüberweg fährt.

Wednesday, June 18, 2014

Radwege können tödlich sein.

Jedenfalls dann, wenn dumme Autofahrer dazukommen. Es ist erschreckend, wie viele Autofahrer die elementarsten Verkehrsregeln nicht kennen. Zum Beispiel, dass Fußgänger und Radfahrer, die geradeaus weiterlaufen/-fahren, Vorfahrt haben, wenn das Auto nach links oder rechts in eine Seitenstraße abbiegt. Stattdessen scheint im Bewusstsein vieler Autofahrer verankert zu sein, dass die Straße nur ihnen gehört – und wer sie betritt oder kreuzt, gefälligst zu warten habe.

Heutiges Beispiel aus der Praxis: Statt dem Radfahrer die Vorfahrt zu lassen, bremst der Autofahrer in seinem angerosteten 2er-Golf scharf, kurbelt wütend die Seitenscheibe herunter und motzt den Radfahrer an, dass auch Radfahrer gefälligst ab und zu mal auf den Verkehr achten sollten. Und fühlt sich wahrscheinlich moralisch noch überlegen, weil er nicht auf seine – in Wirklichkeit nicht existierende – Vorfahrt bestanden, sondern Rücksicht auf die dummen Radfahrer genommen hat.

Konsequenz: Am besten fahren Radfahrer immer auf der Straße, wenn keine Radwegnutzungspflicht besteht, und werden somit im Bewusstsein der Autofahrer zum gleichwertigen, regulären Straßenbenutzer. Mit ausreichend Sicherheitsabstand zu parkenden Autos. Auch dort, wo es gut ausgebaute Radwege gibt. Damit behindert man den motorisierten Verkehrsfluss gerade auf engeren und vielbefahrenen Straßen ohne Überholmöglichkeiten zwar gewaltig und bremst die Autos stellenweise auf Fahrradgeschwindigkeit herunter, aber derartige Abbiegeunfälle werden vermieden. Das haben die Autofahrer dann davon.

PS. Fußgänger sind zwar weiter im Hintertreffen, da sie weiterhin vom abbiegenden Verkehr über den Haufen gefahren werden – doch Fußgänger haben wenigstens die Chance, noch anzuhalten, während Radfahrer schon über den Kotflügel fliegen.

Helmtragen ist unvernünftig …

… zumindest aus rechtlichen Gründen. Mit dem jüngst ergangenen Urteil (VI ZR 281/13) des Bundesgerichtshofs, das die heftig diskutierte Entscheidung des OLG Schleswig-Holstein einkassiert hat, wird dies noch einmal deutlich: wenn irgendwann einmal die Mehrheit der normalen Radfahrer einen Helm im Straßenverkehr trägt - und dies dann als üblich eingestuft werden kann - werden Radfahrer bei eigentlich unverschuldeten Unfällen (sich plötzlich öffnende Autotür) zur Mitverantwortung gezogen werden, wenn sie gerade keinen Helm getragen haben. Jeder Helmträger mehr trägt also nicht nur einen Helm, sondern auch gewissermaßen ein Stückchen mehr dazu bei, dass es irgendwann zu einer Verschärfung der Haftung für Radfahrer kommen könnte.

Als zynisches Fazit kann man daher nur formulieren: Tragt keine Fahrradhelme! Denn ob diese bei schweren Unfällen überhaupt signifikante Wirkung haben, ist bislang nicht geklärt - aber wenn man im Krankenhaus landet, weil Autofahrer nicht aufgepasst haben, bleibt man wenigstens nicht auch noch auf den Kosten sitzen.

Saturday, April 5, 2014

Presseschau

Frankfurter Allgemeine: Fahrradhelmpflicht wäre unvernünftig:
http://www.faz.net/a … fahrer-12876835.html

Berliner Zeitung: Grüne Welle für Berliner Radfahrer:
http://www.berliner- … 809298,26724426.html

Saturday, March 15, 2014

Berlin hat die fahrradfreundlichste Polizei

Während man als Radfahrer in Köln damit rechnen muss, in Handschellen gelegt und in Wien sogar von einem Beamten persönlich krankenhausreif vom Rad gestoßen zu werden, helfen die Berliner Polizisten sogar Betrunkenen mit Gleichgewichtsproblemen, wenn diese sich nicht mehr selbst auf dem Rad halten können:

Gegen 17.50 Uhr fiel den Beamten ein auf dem Gehweg fahrender Radfahrer auf. Er wurde angehalten und wäre beinahe gestürzt, wenn die Polizeibeamten ihn nicht festgehalten hätten. Der Radfahrer roch deutlich nach Alkohol und unterzog sich einer freiwilligen Atemalkoholkontrolle. Diese ergab einen Wert von 3,69 Promille.

Quelle: Polizeibericht Berlin, Meldung Nr. 0575 vom 10. März 2013