Geht es um Computer und Linux, dann ist natürlich meistens von der Software die Rede, dann kommt die Hardware – und ganz zum Schluss vielleicht noch die Peripherie. Logischerweise gerade dann, wenn sie nicht richtig mit dem System zusammenspielt. Doch auch abseits von Problemen lohnt der Blick auf ein Gerät, dem gemeinhin wenig Beachtung geschenkt wird: die Tastatur.
Während Usability im Bereich Anwendungssoftware ein wichtiges Thema geworden ist, nimmt die echte, greifbare Usability in Form von Tastaturen, der nach dem Monitor wohl wichtigsten Schnittstelle zum PC, in der Regel einen deutlich geringeren Stellenwert ein. Dabei kann man sich mit einer unpassenden oder unergonomischen Tastatur die persönliche „PC-Erfahrung“ nachhaltig verleiden. Mit dem richtigen Equipment tippt man nicht nur gelenkschonender, sondern auch präziser und damit schneller.
Über den Mangel an speziell für Linux geschaffene Tastaturen wurde spaßeshalber schon berichtet, auch die mechanischen Tastaturen für anspruchsvolle Tipper sind hier unter die Lupe genommen worden.
Diesmal geht es um die allgemeine Entwicklung, das Design und die Bauweisen der „Hackbretter“, um Tastenarten und -techniken sowie z.B. um die Frage, warum die Tasten heute meistens schwarz und früher fast nur beige waren (Vorsicht, lang!):
Die Tastatur – eine kleine Geschichte des Computer-Eingabegeräts Nr. 1
Linuxnutzer stehen in dem Ruf, an ihren Rechnern mehr mit der Tastatur zu arbeiten als die „Mausschubser“ aus der Windows- und Mac-Welt. Konsolennutzung, Programmieren, Konfigurationen über Textdateien – sogar die Gnome-Shell ist auf Tastaturbedienung optimiert. Dementsprechend müsste die Wertschätzung für ein gutes und vor allem passendes Eingabegerät bei Linux-Usern doch eigentlich höher sein.

In diesem Zusammenhang würde ich gern die Frage in die Runde werfen: Nach welchen Kriterien sucht ihr eure Tastaturen aus und wie wichtig ist euch „der perfekte Anschlag“? Arbeitet ihr lieber mit flachen oder klassischen Tasten? Habt ihr auch am Desktop-PC notebookartige Tastaturen? Und gibt es jemanden, der seine Tastatur tatsächlich schon mal kaputtgetippt und sie nicht nur aus ästhetischen Gründen entsorgt hat? Wie oft wechselt ihr eure Tastatur und wie viele habt ihr?
Hallo,
ich liebe entweder die Cherry 83 (hießen die glaube ich, aktuell Ende des letzten Jahrtausends…) oder die alten IBM Bretter. Die, die so richtig Krach machen und die unten noch ein Metallplatte haben.
Von denen habe ich mal welche bei einer Firmenauflösung für nen Appel und nen Ei im Dutzend noch neu und original verpackt günstig erstanden. Ein paar hab ich verschenkt, einige auf Vorrat angelegt.
Ich arbeite aber auch sehr viel mit dem Laptop und da sind die Tastaturen der (IBM!) Thinkpads ungeschlagen. Ich habe noch keine besseren gesehen oder probiert, auch nicht im Premiumsortiment von HP, Dell oder sonst wem.
Aus diesen und anderen Gründen gibt es für mich seit meinem ersten, gebraucht gekauften TP keine anderen Laptops mehr, auch keine mit nen Apfel auf dem Deckel.
JO
— JoachimA · 16. Juni 2012, 01:15
Schwierige Frage. Früher habe ich nicht großartig darüber nachgedacht, auf was ich da rumtippe. Aber zu der Zeit hab ich auch noch nicht lange am PC gesessen. Deshalb weiß ich auch leider nicht einmal mehr, was meine erste Tastatur für eine war, nur, dass sie computerbeige war und keine großartigen Sondertasten hatte. Sie erfüllte ihren Zweck und das genügte mir. Und um die Frage nach dem Kaputtkriegen gleich hier zu beantworten: die hab ich kaputtgekriegt, allerdings nicht die Tasten selbst, sondern den Stecker. Das viele Umsteckeln bei Gehäusewechseln (sogar ganze Rechnerwechsel) hat er nicht überlebt und nach einem Umzug waren dann einer der Pins abgebrochen.
Mittlerweile hat sich das aber geändert. Irgendwann Anfang der 200er Jahre kaufte ich mir eine blaue Tastatur mit durchsichtigen Tasten. Sah zwar schick aus, ich kam damit aber nicht wirklich klar. Einige Tasten lagen an anderer Stelle als ich es gewohnt war und sie hatte eine Powertaste, die bei Betätigung den Rechner runterfuhr, das hat mir einige Schreckmomente eingebracht, bevor ich begriff was passiert war und mich wahnsinnig gemacht. Daraufhin kaufte ich mir auf Empfehlung die Evolution Stream von Cherry und war begeistert: sie war leiser als alles, was ich bis dahin gehabt hatte und auf ihr ließ sich viel leichter und schneller tippen.
In diesem Jahr dann wurde mir erstmals beigebracht, dass es unter den Tasten unterschiedliche Bauweisen gibt, die durchaus das Anschlagverhalten beeinflussen können, wurde neugierig und kaufte meine erste mechanische Tastatur. Es wurde eine G80 von Cherry. Ich hatte in den letzten 3 Jahren mehr an einem Netbook gesessen als am Desktop-PC (und damit der Evolution Stream). Netbooktastaturen sind zwar leise, aber durch die sehr nah beieinander stehenden Tasten vertippt man sich schnell mal und da ich hin und wieder spanische Zeichen brauche, an die ich aber nur mit Hilfe der Funktionstasten herankomme (was dafür sorgt, dass ich noch mehr Tasten gleichzeitig drücken muss), wird das ganze sehr umständlich. Die G80 nun schloss ich ans Netbook und das war die beste Idee, die ich haben konnte. Zwar ist die G80 nicht so leise wie meine andere Cherry und die Netbooktastatur, und die Tasten sind auch nicht so flach, aber ich komme damit wesentlich besser klar und ich vertippe mich auch nicht so häufig. Sogar meine Geschwindigkeit wurde schon nach den ersten paar Minuten tippen schneller.
Was die Farben angeht: schwarz empfinde ich als zu düster und computerbeige war auch nicht gerade das Wahre. Aber ganz helles Computergrau find ich schick, am liebsten wäre mir ja weiß, aber man kann halt nicht alles haben. :-)
Und wer jetzt gut aufgepasst hat, weiß: ich hab zur Zeit mit Netbooktastatur 3 Tastaturen. :-)
— Löwente · 16. Juni 2012, 01:46
Ich hatte eine lange Zeit eine Noname-Standardtastatur, bis ich dann wie schon mein Vorposter an eine Cherry CyMotion Master Linux gekommen bin, mit der ich bis heute unterwegs bin. Ich bin leider viel zu spät auf sie aufmerksam geworden: Sie war zu dem Zeitpunkt noch bei einigen Shops gelistet, aber keiner mehr konnte sie liefern. Einige Monate später bin ich im Amazon Marketplace fündeg geworden und habe eine neuwertige gebrauchte gekauft.
Nachdem ich nur diese beiden Tastaturen im Einsatz hatte, kann ich nicht wirklich beurteilen, wie die Tippeigenschaften der Cherry sind, ich komme mit ihr aber wunderbar zurecht. Ich glaube, sie gehört eher zu den lauteren Tastaturen, aber das muss ja kein Minuspunkt sein. :)
— PhotonX · 16. Juni 2012, 09:23
Momentan verwende ich auf Arbeit eine Cherry Strait Corded, sehr flach, beste Tastatur, die ich bis jetzt hatte. Zu Hause ist es ein billiges Saitek Slim Keyboard. Ist Ok, mehr aber auch nicht, aber bis jetzt geht sie mir nicht genug auf die Nerven, dass ich mir noch eine Cherry hole :)
Ansonsten sind hier noch zwei komplett funktionale Tastaturen als Reserve vorhanden, ein Microsoft Comfort Curve Keyboard 2000, was ich wechselweise mit der Saitek verwende, und irgend so eine kompakte, keine Lust, die jetzt rauszukramen. Oh, da liegt noch eine alte, flache Funktastatur von Fujitsu-Siemens, sehe ich gerade …
Tastaturen gehen bei mir tatsächlich kaputt. Bis vor ein paar Jahren hatte ich z. B. ein Microsoft Natural Ergonomic Keyboard 4000, was mir kurz nach Ablauf der Garantie kaputt gegangen ist (eine Buchstabentaste reagierte nicht mehr). Ich habe eine Zeit lang ergonomische Tastaturen bevorzugt, bis ich gemerkt habe, dass die bei mir nichts bringen, weil ich auch auf normalen Tastaturen tippe, ohne die Handgelenke so zu verbiegen. Genau das sollen ergonomische Tastaturen verhindern, aber wenn ich das auch ohne ergonomische Tastaturen schaffe, ist mir das auch Recht :)
— Usul · 16. Juni 2012, 10:50
Ob Linux-Nutzer mehr die Tastatur benutzen?
Kann sein, kann aber auch nicht sein. Ich glaube es kommt auch stark auf die Nutzer (Gelegenheitsnutzer oder Poweruser) an und was sie machen wollen.
Für mich kann ich die Frage eindeutig bejahen. Wenn ich meine Finger auf der Tastatur lassen kann, dann mache ich das auch. Linux bietet meiner Erfahrung nach auch deutlich mehr Möglichkeiten nur mit der Tastatur zu arbeiten, wobei ich bei Windows immer wieder auf die Maus angewiesen bin.
Ich habe in der Cherry Evolution Stream XT meine Tastatur gefunden.
Ich bin sehr zufrieden mit ihrem Tippverhalten und der Ergonomie.
Nachdem ich sie seit ein paar Jahren privat nutze, habe ich mir auch ein solches Modell für die Arbeit besorgt. Die dort standardmäßig gelieferte HP-Tastatur hat mich immer wieder Nerven gekostet, weil sie schwergängig war und ich oft das Gefühl hatte Tasten zu verfehlen. Außerdem besaß sie hohe Tasten, was ich mittlerweile als störend empfinde, da ich Tastaturen im Laptop-Stil (flache Tasten) als angenehmer empfinde.
Vermutlich wird die Tastatur mir noch lange Zeit erhalten bleiben. Ausgetauscht werden sie in der Regel nur, wenn sie kaputt sind – oder falls ich eine für mich noch bessere Tastatur entdecken sollte ;)
— Niko · 16. Juni 2012, 13:09
>Und gibt es jemanden, der seine Tastatur tatsächlich schon mal kaputtgetippt und sie nicht nur aus ästhetischen Gründen entsorgt hat?
Also die Rubberdomes tippen sich nach einiger Zeit schon ziemlich schwammig. Das geht so schleichend langsam, dass man sich daran gewöhnt und bei einer neuen (rubberdome) Tastatur dann plötzlich ganz erstaunt über die knackigen Anschläge ist.
Wegen dem Neo Tastaturlayout beschäftige ich mich relativ viel mit Tastaturen und Tastaturlayouts, tippe mittlerweile mein sechstes Tastaturlayout und verfolge gespannt diverse selbstbau-Tastaturprojekte in der Neo-Mailinglist und im IRC.
Am liebsten hätte ich momentan ein Truly Ergonomic Keyboard. Da ich aber hauptsächlich mit einem Thinkpad unterwegs bin habe ich die 250€ Investition bisher gescheut. Vielleicht baue ich mir aber auch mal selbst eine, in Anlehnung an diese hier: http://files.florian-janssen.de/floly.jpg
— Michael · 16. Juni 2012, 13:30
Ich bin seit vielen Jahren Fan von IBM Modell M – 1391403, so sehr, daß ich die Seriennummer im Kopf habe :-)
Neuere Modelle, wie die erwähnte ‘Das Keyboard’ oder Cherry- Modelle mit MX- Schaltern wären auch interessant, aber bei denen stört mich diese aufdringliche Windows- Taste.
Also vor Jahren meine erste Modell M kaputt ging (Cola reingegossen), habe ich mir mit anderen Tastaturen beholfen, wurde aber nicht glücklich damit.
Ich finde es immer wieder erstaunlich, daß Menschen bei reinen Gebrauchsgegenständen ehr auf Design als auf Handhabbarkeit achten. Diese flachen Notebook- Tastaturen zwingen die Finger zu längeren Bewegungen, während bei der Modell M die Tastatur leicht nach innen gewölbt ist.
Ich kann damit viel schneller tippen.
Eine dieser flachen Dinger hatte ich zwei Wochen in Benutzung, dann hab ich sie auf den Schrank gepackt und mir auf dem Flohmarkt ne alte IBM gekauft, war aber leider nur der Optik nach wie die M, hatte aber ne Gummi- Tastatur.
Vor Kurzem hab ich dann endlich über Ebay eine 1391403 zu vertretbarem Preis ersteigert. Jetzt bin ich happy.
— Didi · 11. Oktober 2012, 09:46