Tastaturentest: Logitech Bluetooth Multi-Device Keyboard K480

(rr) Man nehme ein paar ausgediente Fernbedienungen aus den 90ern und baue daraus eine Tastatur. So jedenfalls ist der erste Eindruck der Logitech K480, die sich eindeutig an den Multimedia-Nutzer richtet und weniger an Vielschreiber. Es handelt sich hierbei um eine reine Bluetooth-Tastatur, welche sich nicht nur mit bis zu drei Geräten gleichzeitig koppeln lässt, sondern auch für die unterschiedlichsten Betriebssysteme ausgelegt wurde.

Und hierin liegt auch schon eines der größten Mankos begründet: Standardkonformität ist bei der K480 nur sehr begrenzt zu finden. Wer blind schreibt, wird mit der Tastenanordnung keinerlei Probleme haben. Da die Tastatur jedoch für die unterschiedlichsten Betriebssysteme beschriftet wurde, kann die Verwirrung schnell mal groß werden. Graue Beschriftung für die Nutzung mit Apple-Geräten, weiße Beschriftung auf grauen Kreisen für die Belegung der Alt-Gr-Taste unter Windows. Auch bei den Modifier-Tasten links und rechts der Leertaste findet sich diese doppelte Kennzeichnung wieder. Während sich die Beschriftung oberhalb der Trennlinie auf den Modifier bezieht, der an ein Windows-, Android- oder Chrome-Gerät gesendet wird, stellen die Beschriftungen unterhalbder Trennlinie die Modifier für Apple-Geräte dar.

Die Verwirrung setzt sich fort, wenn man die Funktionstasten benutzen möchte. Diese sind nämlich nicht etwa wie gewohnt von F1 bis F12 durch einfachen Tastendruck auszulösen, sondern müssen mittels gedrückter FN-Taste erst umgeschaltet werden, da sie ohne Umschaltung mit Multimedia- und Sonderfunktionen belegt sind. Mit der Software „Logitech Options“ für Windows bzw. „Logitech Preference Manager“ für Mac OS ist es immerhin möglich, die Erst- und Zweitbelegung der Funktionstasten auszutauschen. Einen Nummernblock besitzt die K480 nicht, auch der Sechserblock fehlt an seiner üblichen Position. Dessen Funktionen finden sich aber im Falle von „Entfernen“ und „Einfügen“ innerhalb der Sondertasten oder sind als Zweitbelegung mit dem Cursorkreuz erreichbar, das sich direkt an die rechte Alt-Taste anschließt. Die rechte Windows- und Strg-Taste fehlen damit ebenso wie die Kontexttaste (rechter Mausklick), letztere ist ebenfalls in den Sonderfunktionen zu finden und kann mit F3 aktiviert werden. Durch die kompakte Bauweise sind die Tasten jedoch so eng angeordnet, dass der Blindschreiber etwas Übung braucht, um eine der Funktionstasten zielsicher zu erreichen. Die sonst üblichen Lücken zwischen den Funktionsblöcken fehlen völlig.

Auch wenn die K480 für mobile Endgeräte genutzt werden kann, ist sie mit ihren 822 Gramm bei weitem kein Leichtgewicht. Da sie jedoch einen Tablet- und Smartphone-Ständer mitbringt, dürfte dieses Eigengewicht wohl von Vorteil sein, da besonders größere Tablets die Tastatur sonst zum Umkippen bringen könnten. Im Test mit einem Medion Lifetab P10325 wurde das so gebaute Notebook-Konstrukt zu einem ziemlichen Schwergewicht, das sich auf einem Tisch definitiv angenehmer nutzen lässt als auf dem Schoß. Wie bereits erwähnt, ist die K480 keine Bürotastatur. Zwar sind die Tasten nicht zu klein geraten und die Tastenabstände sogar verhältnismäßig groß, doch der Tastenanschlag irritiert zunächst sehr und ist nur schwer mit bekannten Anschlags-Schemata zu vergleichen.

Weder hat sie den Hub und das klassische Klickern einer Notebook-Tastatur, noch den pappigen Sound einer Cherry G83. Vielmehr erinnert das Drücken der Tasten an den Klang alter Fernbedienungen oder schnurgebundener Festnetztelefone, woran auch die Haptik der Tasten erinnern lässt. Die Geräuschentwicklung ist dabei relativ hoch, die K480 ist also eher keine unauffällige Begleittastatur, um das laufende Fernsehprogramm zu kommentieren. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit können geübte Schreiber jedoch auch auf dieser Tastatur eine passable Geschwindigkeit erreichen, da die Tasten ansonsten sehr leichtgängig sind und der Druckpunkt stabil wirkt.

Fazit: Die Logitech K480 kann mit ihren zahlreichen Einsatzmöglichkeiten eine gute Ergänzung für das Wohnzimmer oder gelegentliche Büroaufgaben sein und erlaubt das schnelle Umschalten zwischen Tablet, Smartphone oder Computer. Die Aussparung zum Hineinstellen eines Tablets ist gut durchdacht, kann die ohnehin schon schwere Tastatur jedoch noch erheblich schwerer machen. Vielschreiber sind mit dieser Tastatur eher falsch beraten, da sie sich zu großen Teilen nicht an Standards hält und mit ihrem eigenwilligen Anschlag nicht zu dauerhaftem Tippen einlädt.

Logitech K480
Tasten: flach; Technik: Schere/Notebook

Wertung: 54,5 %
(wie wir bewerten)

für Schnellschreiber (präziser Anschlag) ja
für Vielschreiber (leichter Anschlag) ja
Standardlayout nein
Multimediatasten ja
geräuscharm nein
standsicher (schwer) ja
abriebfest (Tasten, Beschriftung) nein
nichtspiegelnd ja
guter Kontrast ja
krümelsicher nein
Empfehlung nein

dws | Freitag 04 März 2016 - 01:41 am | | tastentesten | Kein Kommentar