Fahrzeitupgrade

Wofür andere viele Punkte im bahneigenen Programm sammeln müssen, um Upgrades für die erste Klasse oder andere Annehmlichkeiten zu erhalten, das bekomme ich regelmäßig völlig gratis. Die Bahn weiß offenbar, wie gerne ich bahnfahre. Deshalb verpasst sie den Zügen, die ich wähle, grundsätzlich ordentliche Verspätungen, damit ich länger mit dem Zug fahren kann, ohne dabei mehr bezahlen zu müssen.

So auch dieses Mal wieder im Intercity 2431 von Emden nach Cottbus. Natürlich geht das nicht, ohne das Fahrzeitupgrade den anderen Reisenden gegenüber irgendwie zu begründen. Daher werden vom Zugbegleiter gleich mehrere Ursachen durchgesagt. Als wir Hannover 5 Minuten zu spät verlassen, geschieht dies noch ohne Angabe von Gründen. Doch kurz hinter der Grenze zu Sachsen-Anhalt wird das Upgrade dann voll ausgefahren. Dreileben-Drackenstedt wird noch zügig passiert, um dann auf offener Strecke gleich eine längere Pause am Stück einzulegen:

Aufgrund von Bauarbeiten verzögert sich unsere Weiterfahrt um wenige Minuten.

Ob es sich dabei um Bauarbeiten auf der Strecke oder am Zug handelt, wird allerdings nicht bekanntgegeben. Als sich nach 10 Minuten immer noch nichts tut, wird noch vorsichtig eins draufgesetzt.

Sehr geehrte Damen und Herren, leider erhöht sich unsere Verspätung wegen einer Weichenstörung ...

Auch das reicht noch nicht, um Stammkundschaft wie mich wirklich zufriedenzustellen, daher legt der Zugchef abermals nach:

Wegen eines liegengebliebenen Güterzuges und einer Weichenstörung ...

Na bitte, es geht doch. Weil die Strecke nun offiziell wegen Bauarbeiten, liegengebliebener Güterzüge und Weichenstörungen überlastet ist, geht es im weiteren Fahrtverlauf nur stückchenweise voran. An gefühlt jedem 2. Signal wird gehalten, um danach wieder auf Höchstgeschwindigkeit zu beschleunigen, nur um am übernächsten Rot zeigenden Signal wieder abrupt abzubremsen. Würde die Bahn für dieses Servicemerkmal einen griffigen Slogan suchen, ich wüsste einen anzubieten: Stop and Go: Rasantes, dynamisches Bahnfahren für Zugenthusiasten, die als kleinen zusätzlichen Bonus den Aufenthalt mit Heißgetränken im Bordbistro zum Survival-Trip ausgestalten.

In Magdeburg fährt  man mit 45 Minuten Verspätung ein, in Brandenburg zeigt die Upgrade-Statusanzeige noch 55 Minuten, in Berlin dann immerhin schon 60 Minuten. Da ginge noch deutlich mehr, wenn man sich mal ein bisschen anstrengen würde.

Trotzdem: Vielen Dank, liebe Bahn, für diesen wieder einmal perfekten Service!

dws Mittwoch 07 August 2013 - 8:50 pm | | bahnblog

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