Tastaturenkauf bei Mediamarkt

Früher war die Welt noch in Ordnung. Computertastaturen waren beige, hatten alle Tasten an der richtigen Stelle und schlimmstenfalls eine Flut an Multimedia-Sondertasten, die aber auch nicht weiter gestört haben. Dann kam der Notebooktrend, die ultraflachen Tasten wurden auch bei Normaltastaturen en vogue - und klassische Klötzchentasten traut sich heute kaum noch ein Hersteller, maximal halbhoch werden die Tastenkappen noch gebaut. Kein Problem, alles Gewöhnungssache, auch auf flachen Tastaturen kann man schnell und präzise schreiben. Theoretisch.

Doch wenn man jetzt in den Mediamarkt geht und etwas Vernünftiges zum Schreiben sucht, dann glaubt man sich im falschen Film. Keine einzige weiße Tastatur. Die Hälfte der Modelle kabellos. Der Nummernblock bei manchen Modellen scheinbar nur wie aufgemalt (Touchpad-Ausführung). Standard-Layout nur noch im untersten, indiskutablen Klappertastaturenpreissegment. Ultra-kompakt-Tastaturen auch für den Schreibtisch, Blindschreiben nicht mehr möglich. F-Tasten sind primär mit Sonderfunktionen belegt. Oder auf winzig geschrumpft. Tasten wahllos neu angeordnet oder in der Größe verändert. Abstände zwischen F- und Pfeiltasten nicht eingehalten. Furchtbare Druckpunkte.

Bin dann wieder aus dem Laden raus und habe mir eine Etage tiefer ...
... einen FÜLLER gekauft.
So. Das hammse jetzt davon.

dws | Freitag 27 Februar 2015 - 9:30 pm | | tastentesten | Ein Kommentar

Tastaturentest: Cherry KC 5000

Wer die Cherry Strait prinzipiell in Ordnung, wegen der kreativ neu angeordneten Steuerungstasten jedoch unmöglich findet, sollte sich alternativ einmal die Cherry KC 5000 ansehen. Die KC 5000 hat denselben Anschlag wie die Cherry Strait, cherrytypisch mit gutem Druckpunkt, etwas weicher noch als bei den Stream-Modellen.



Der Hauptunterschied zur Strait liegt in der Tastenbauform: Die KC 5000 hat keine Chiclet-Tasten, also keine Aussparungen im Gehäuse für die einzelnen Tasten, also keine fühlbaren Zwischenräume. Die Tasten bilden eine einheitliche Fläche, ein geschlossenes Tastenfeld und sind derart minimal konkav, dass sie fast eben wirken. Nur wer ganz genau von der Seite schaut, erkennt eine sachte Wölbung nach innen.

Unter den stabilisierten Tasten in Scherenbauweise werkeln klassische Gummistößel - optisch wie funktional entspricht die KC 5000 daher traditionellen Notebook-Tastaturen. Die Tasten selbst bestehen aus aufgerautem Kunststoff und sind nicht gummiert. Die Lautstärke ist nicht flüsterleise, aber Scissor-typisch geräuschreduziert.

Die Tastatur hat Standardlayout - fast, denn bei den F-Tasten fehlen die 4er-Block-Abstände, da man noch eine zusätzliche Medienplayer-Taste ans Ende der Reihe gequetscht hat. Hätte man diese weggelassen, wäre die KC 5000 eine hundertprozentige Standardtastatur mit einigen wenigen ergänzenden Sondertasten. Multimediatasten sind am unteren Rand eingelassen, vier zusätzliche Funktionstasten inklusive Taschenrechnertaste liegen über dem Nummernblock. Die Status-LEDs am oberen Rand sind dezent grün und blenden nicht.

Das Gehäuse spiegelt nicht, Reflexionen gibt es nur auf den 6 unten eingelassenen Hochglanz-Medientasten, die jedoch meist von den Händen verdeckt sind. Auch der silberne Gehäusebereich schluckt das Licht eher, als dass er es zurückwirft - die im Gebrauch speckig werdenden dunklen Tasten spiegeln mehr. Die Buchstaben könnten etwas dicker aufgetragen sein, zugunsten der eleganten Optik wurden sie offenbar etwas schlanker gestaltet. Die Beschriftungen sind geklebt, aber beständig.

Die KC 5000 erfordert mehr Eingewöhnung als andere Tastaturen, da die Wölbung der Tasten fast nicht vorhanden ist und praktisch keine Zwischenräume zwischen den Tasten bestehen. Wer von klassischen Tastaturen wechselt, hat deutliche Anpassungsschwierigkeiten. Doch die Anpassung lohnt sich, denn nach der Eingewöhnungsphase wird man mit erhöhter Schreibgeschwindigkeit belohnt, wie bei anderen Flachtastaturen oder mechanischen Modellen mit geringem Hub. 10-Finger-Schreiber haben dann auch auf dieser Tastatur keine Probleme.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist auch der große Abstand der untersten Tastenreihe vom Rand. Dort, wo die Mediaplayertasten untergebracht sind, verschwendet die Tastatur viel Platz. Das hat zur Folge, dass die untere Kante der Tastatur stört, wenn man sie flach benutzt und dabei die Handballen auf dem Schreibtisch liegen hat - da dann die Gehäusekante in die Handinnenflächen drückt. Das passiert vor allem dann, wenn man die Tastatur ganz flach auf dem Tisch liegend nutzt. Das Verwenden der Aufstellfüßchen ist bei diesem Modell also praktisch Plicht. Wer das ebene Arbeiten ohne Anstellwinkel bevorzugt, sollte dies berücksichtigen.

Gesamteindruck: Die schicke Optik geht partiell auf Kosten der Benutzbarkeit und der Ergonomie. Das geringe Abweichen vom Standardlayout hätte man sich verkneifen können, die Kanten wären besser abgerundet. Das plane Tastenfeld ist ein Hingucker, aber unergonomisch für das schnelle Schreiben. Für Vielschreiber ist sie durchaus geeignet, hochwertig verarbeitet, robust und sieht dabei auch noch sehr elegant aus. Unterm Strich eignet sie sich für den Privat- wie Büroeinsatz gleichermaßen.

Mittlerweile wurde die KC 5000 vom Hersteller bereits wieder aus dem Programm genommen, ebenso wie das baugleiche, aber in Hochglanz ausgeführte Modell "Cherry Infinity". Wenn sie nicht mehr erhältlich ist, kann stattdessen zur ähnlich gestalteten "Easyhub" gegriffen werden, die von Cherry weiterhin vertrieben wird.

Cherry KC 5000
Tasten: flach; Technik: Schere/Notebook

Wertung: 72,7 %
(wie wir bewerten)

für Schnellschreiber (präziser Anschlag) ja
für Vielschreiber (leichter Anschlag) ja
Standardlayout nein
Multimediatasten ja
geräuscharm ja
standsicher (schwer) ja
abriebfest (Tasten, Beschriftung) ja
nichtspiegelnd ja
guter Kontrast nein
krümelsicher nein
Empfehlung ja

dws | Dienstag 01 Juli 2014 - 02:17 am | | tastentesten | Zwei Kommentare

Tastaturentest: Microsoft 600

Die 600er-Tastatur von Microsoft ist eine günstige Standardtastatur, ergänzt um wenige sinnvolle Sondertasten, in einem optisch ansprechenden Gehäuse mit wertigem Eindruck. Die Tastatur wirkt, obwohl sie über ein vollständiges Layout verfügt, sehr kompakt. Sie ist sehr leicht, aber trotzdem ausreichend standsicher, zumindest wenn sie flach auf dem Schreibtisch liegt. Mit aufgestellten Füßen neigt sie ob des geringen Gewichts zum Verrutschen.

Es gibt das Modell in schwarz und weiß, wobei das Weiß der hellen Variante kein Reinweiß ist (eher schmutziges Weiß oder sehr helles Grau), aber immer noch deutlich heller als viele andere "weiße" Tastaturen, die dann eher ins Beige oder Hellgraue tendieren. Wer eine weiße Tastatur will, kann hier bedenkenlos zugreifen.

Passend zum moderneren, abgerundeten Erscheinungsbild sind die Tasten gestaltet, mit halbhohen Tastenkappen, einem Zwischending zwischen Notebook- und klassischen Klötzchentasten. Unter den Tasten verbergen sich die klassischen Gummistößel der Membrantechnik. Die Tastenbeschriftungen sind gelasert und damit abriebfest - in dieser Preisklasse keine Selbstverständlichkeit. Die Tastatur ist matt, bis auf die schmale Leiste, auf der die Sondertasten liegen, was im Betrieb jedoch nicht weiter stört.

Die unterste Tastenreihe ist konvex angelegt, die anderen Tasten konkav - sie wölben sich leicht nach innen. Die Tasten der untersten Reihe sind außerdem zur unteren Kante hin abfallend, so dass sie mit der Höhe des Gehäuses abschließen. Das gesamte Tastenfeld ist leicht nach unten gebogen und steigt dabei nach hinten sachte an, was der Fingerhaltung entgegenkommt. Die mittlere Tastenreihe bildet somit den Tiefpunkt, Leertaste und Zahlenreihe liegen höher. So ist zumindest partiell eine ergonomische Handhaltung auch ohne das Aufstellen der Ausklappfüßchen möglich. Für eine "nicht-ergonomische" Tastatur dürfte dieses wellenartige Profil eines der ergonomischsten Designs sein.


Wellenförmige Tastenanordnung


Farbvergleich mit reinweißer Logitech-Maus

Die Tastatur hat Standardlayout, jedoch sind die F-Tasten sowie die Esc-Taste sehr klein geraten, was den Tastendruck unangenehmer werden lässt. Es tippt sich damit wie auf Fernbedienungen oder Taschenrechnern. Die F-Tasten haben außerdem einen höheren Tastwiderstand. Wer oft mit den F-Tasten hantiert, sollte sich daher eher für ein anderes Modell entscheiden. Positiv ist aber, dass die F-Tasten korrekt in 4er-Blöcken gestaffelt sind und somit auch blind bedient werden können.

Die Tastatur ist sehr leise, wenn man die Tasten einzeln drückt. Beim 10-Finger-System klappert es jedoch ordentlich. Die geringe Lautstärke einer Notebooktastatur wird nicht erreicht. Dafür entfällt das helle Klickern, die Tastatur klackert dumpf. Die halbhohen Tasten bedeuten dabei einen guten Kompromiss zwischen Treffsicherheit und Geräuschreduzierung. Leer- und Rückschritttaste sind lauter als die übrigen. Insgesamt ist die Geräuschkulisse noch vertretbar.

Die Tasten lassen sich recht leicht drücken, das macht die Tastatur für Vielschreiber interessant. Im Laufe der Zeit wird der Anschlag aber noch etwas härter. Schnellschreiber könnten jedoch Probleme mit dem Druckpunkt haben, denn dieser ist nicht sonderlich ausgeprägt, mithin fühlt sich das Tippen etwas schwammig an, es gibt keinen knackigen Anschlag.

DIe Microsoft 600 ist die Kompromisstastatur schlechthin: mittelhohe Tasten, also kein Notebook-Feeling, aber auch keine klassische Bauweise, mittelmäßige Geräuschkulisse, ein paar sinnvolle Zusatztasten, aber keine Überladung mit Sonderfunktionen, ein abgerundetes Erscheinungsbild, aber kein kurviges Layout, keine Experimente mit der Tastenanordnung, aber viele unterschiedlich große Tasten. Das alles sorgt dafür, dass für jeden etwas dabei ist - und das in durchschnittlicher Qualität.

Microsoft 600
Tasten: halbhoch; Technik: Gummimatte

Wertung: 63,6 %
(wie wir bewerten)

für Schnellschreiber (präziser Anschlag) nein
für Vielschreiber (leichter Anschlag) ja
Standardlayout ja
Multimediatasten ja
geräuscharm nein
standsicher (schwer) nein
abriebfest (Tasten, Beschriftung) ja
nichtspiegelnd nein
guter Kontrast ja
krümelsicher ja
Empfehlung ja

dws | Sonntag 25 Mai 2014 - 11:17 pm | | tastentesten | Ein Kommentar