Die Insel des Magiers von Tad Williams

Liebe ist kein Vorrecht der sogenannten gehobenen Gesellschaft. Liebe fragt nicht nach Schulbildung, Stand oder Vermögen. Die Liebe sucht sich immer ihren eigenen Weg und unsere Herzen können dann nur noch folgen, wohl wissend, dass das nicht immer Glück bedeutet.

Diese Erfahrung muss auch ein kleiner Junge machen, der später den Namen Kaliban bekommt. Seine Mutter, eine verurteilte Hexe, wird auf eine verlassene Insel verbannt, auf der er schließlich geboren wird. Jahrelang sieht er nur sie und ahnt nichts von der Existenz weiterer Menschen. Da seine Mutter keine Zunge mehr hat, mit der sie sprechen könnte, ist sie auch nicht in der Lage, ihm Sprache zu vermitteln.

Zwei Jahre nach dem Tod seiner Mutter landet ein Boot an seiner Insel. An Bord befindet sich der Magier Prospero mit seiner Tochter Miranda. Nach langem Misstrauen schließlich traut sich der wilde Junge, der von Miranda schließlich seinen Namen bekommt, in ihre Nähe und lernt, diesen beiden Menschen zu vertrauen. Doch dieses Vertrauen wird grausam enttäuscht. Für Prospero war Kaliban immer nur ein kleiner Wilder, nicht viel mehr als ein Tier und so bringt er ihm erst sprechen und einige weitere Fertigkeiten bei, nur um ihn dann als Sklaven zu behandeln.

Was Kaliban dann durchmacht, erzählt er Miranda 20 Jahre später in einer Nacht, an deren Ende er bittere Rache für all das nehmen will, was sie und ihr Vater ihm angetan.

Tad Williams hat ja schon mit Ohterland eine völlig neue, faszinierende Welt geschaffen. Nun schafft er es, auf wenigen Seiten, die ganzen Abgründe eines menschlichen Dramas zu skizzieren. Der kleine Junge, der an der Seite Mirandas zum Mann heranwächst und von Standesdünkeln keine Ahnung hat, verliebt sich in die einzige Frau, die er außer seine Mutter je gesehen hat und ihm wird unmissverständlich klargemacht, dass er, das wilde Tier, es gewagt hat, sich in einen Menschen von hohem Stand und Rang zu verlieben.

Drum …

willst du nach den Sternen greifen,
bedenke, wie weit weg sie sind
und prüfe, ob du ihrer würdig,
sonst bleibt nur Schmerz und Leid zurück.

Wenn sie dann aber dich verschmähen,
dann füge dich in deinem Los.
Vermeide Bitterkeit und Weinen,
denn wenn der Schmerz dich hat zerrissen,
bricht auch das stärkste Herz entzwei.

Lass Trost dir sein dass du im Leben
für einen kurzen Augenblick
die Sterne durftest sanft berühren,
denn eine Spur bleibt doch zurück.

Die Insel des Magiers
Tad Williams
Deutscher Taschenbuch Verlag, 2005
240 Seiten

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