Shōgun von James Clavell

Nachdem ich „Musashi“ durchgelesen hatte, wurde mir klar, dass ich „Shōgun“ eigentlich vorher hätte lesen sollen. Denn wie Musashi basiert auch Shōgun auf wahren Begebenheiten und es endet dort, wo Musashi beginnt, obwohl beide Romane ansonsten nichts miteinander zu tun haben. Sie sind also durchaus separat voneinander zu betrachten.

Shōgun erzählt die Geschichte von John Blackthorne, einem englischen Seemann, der sich mit einem holländischen Schiff auf den Weg gemacht hat, um die japanischen Inseln zu finden und durch ein Unwetter dann tatsächlich auch an einen japanischen Strand landet. Er mus lernen, sich zwischen Anstand, Offenheit und Ritualen zurechtzufinden und er lernt schnell nicht nur japanisch.

Es ist aber auch die Geschichte Toranagas, des mächtigsten Feudalherrn Japans, der sich Blackthornes bedient, um seine Ziele zu erreichen.

Nicht zuletzt ist es die Geschichte einer verbotenen Liebe zwischen Blackthorne und der Dame Mariko, die durch den Verrat ihres Vaters mit Schande bedeckt ist und eigentlich nur noch den Wunsch hat, Seppuku begehen zu dürfen.

Das Buch zieht einen tief in die seltsamen Sitten und Gebräuche des Japans im frühen 17. Jahrhundert hinein. In einem Land, wo es praktisch nur Papierwände gibt, sind der Schein und die Beherrschung der eigneen Gefühle nach außen hin das Wichtigste überhaupt. Alles wird hinter pompösen Riten und aufwendigen Ritualen verborgen. Die eigene Ehre und die der Familie sind das höchste Gut eines Samurai. Dies wird im Buch immer wieder überdeutlich. Das eigene Leben spielt dabei kaum eine Rolle. Fast leichtfertig werden Menschen für bereits geringe Vergehen, selbst wenn sie nur eine falsche Meinung geäußert haben, dazu gezwungen, sich selbst zu töten, also Seppukku zu begehen. Dagegen ist körperliche Liebe, das Kopfkissenmiteinanderteilen, auch gleichgeschlechtliche unter Männern, ein offenes Thema.

Sicher ist das nicht einfach und hat auch seine Schattenseiten, aber man fragt sich doch, ob es nicht manchmal wünschenswert wäre, man könnte eine solche Vollkommenheit im Sichnichtsanmerkenlassen erlangen wie es die Samurai beherrschten.

Wer schwache Nerven hat, sollte darum lieber die Finger von diesem Roman lassen, denn abgeschlagene Köpfe begegnen einem hier öfter mal. Wer aber den Mut hat, sich an diesen Wälzer heranzutrauen, dem sei großes Lesevergnügen trotzdem garantiert. Denn die brutale Seite wird durch die Liebe, die einem immer wieder begegnet, doch sehr gemildert.

Allen, die sich daran wagen, viel Spaß beim Lesen! :)

Shōgun
James Clavell
Droemer Knaur, 1976
918 Seiten

Gefundene Druckfehler: 3

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Eine Antwort zu Shōgun von James Clavell

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