Ein französischer Roman von Frédéric Beigbeder

Der französische Schriftsteller Frédéric Beigbeder sitzt zwei Nächte in Untersuchungshaft, weil er in der Öffentlichkeit Koks konsumiert hat. Normalerweise wäre er wohl schon nach einer Nacht wieder draußen gewesen, aber da er prominent ist und ein Staatsanwalt ihn mit der Figur seines Romans „39,90“ gleichsetzt, beschließt er, ihm eine Lektion zu erteilen und hält ihn eine weitere Nacht fest.

Mangels anderer Beschäftigungen beginnt Beigbeder nun, um sich abzulenken, über seine Vergangenheit nachzudenken, über seine Kindheit, die er wie er dachte, vollkommen vergessen hatte. Er hatte schlicht keinerlei Erinnerungen daran.

Ausgelöst durch die einzige ihm gebliebene Erinnerung kommen nun jedoch nach und nach einige wieder. Lücken füllt er später mit Erzählungen seines Umfeldes. Humorvoll, melancholisch und sehr originell beschreibt er seine Kindheit. Es ist die Kindheit eines Scheidungskindes, das sich gar nicht darüber im Klaren ist, dass es ein Scheidungskind ist.

Es ist eine Abrechnung mit der Familie, mit dem, was sie aus ihm gemacht hat. Mit aus der Nachkriegszeit geprägten Eltern versuchen Frédéric und sein Bruder Charles einen Platz in den beiden Welten ihrer Eltern zu finden. Rührend ist die Liebe zur Mutter, die alles tut, um den Kindern die Wahrheit der Scheidung zu ersparen.

Und nicht zuletzt ist es die Erkenntnis, dass man zu früh erwachsen werden musste, nur um dann im fortschreitenden Alter wieder Kind zu werden, um die Rebellion nachzuholen, die man sich als Jugendlicher nie geleistet hat, um ein perfektes, gehorsames Kind zu sein, dass die Eltern nicht nervt.

„Ein französischer Roman“ ist eine sehr unterhaltsam geschriebene Autobiographie und lässt sich locker in einem Rutsch durchlesen. Man muss Beigbeders frühere Bücher nicht gelesen haben, um Spaß an der Lektüre zu haben.

Frédéric Beigbeder
Ein französischer Roman
Piper 2010
253 Seiten

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