Dolfi und Marilyn von François Saintonge

Der Mensch ist einzigartig und nicht ersetzbar, heißt es, denn selbst eineiige Zwillinge unterscheiden sich voneinander und das Klonen von Menschen ist, einmal völlig davon abgesehen dass es auf Grund ethischer und moralischer Bedenken verboten wäre, noch Utopie.

Doch was wäre, wenn man nicht mehr nur Tiere klonen könnte, sondern auch Menschen? Wie weit würde der Wert jedes Einzelnen dann sinken? Wäre Trauer beim Verlust eines geliebten Menschen in einer Zeit, wo man sich jederzeit einen Klon per Katalog bestellen könnte, dann noch möglich?

Der Autor François Saintonge versucht in dem Roman “Dolfi und Marilyn” sich diesen heiklen Fragen zu stellen.

Im Jahr 2060 ist das Klonen alltäglich, jedoch nicht alles was geht, ist auch erlaubt. So wurde eine Serie von Adolf-Hitler-Klonen genehmigt, nach massiven Protesten jedoch wieder zurückgezogen und alle A.-H.-Klone zurückgerufen. Nur einer entkommt dieser Rückrufaktion, nämlich A.H.6, der als Tombolagewinn bei Tycho Mercier landet, einem Geschichtsprofessor, dessen Spezialgebiet – ausgerechnet – die Epoche des Zweiten Weltkrieges ist. Und weil ein Unglück selten allein kommt, gerät er auch noch in Besitz einer Raubkopie von Marilyn Monroe.

Letztere nun verändert Merciers Meinung über die Klone, hat er sie praktisch für lebende Puppen gehalten, die eigentlich keine Menschen sind, ändert sich dies, als er feststellt, dass er sich in Marilyn verliebt hat. Entgegen seiner Absicht, die Klone sofort loszuwerden, weil sie illegal sind, entschließt er sich, sie zu behalten, solange es geht. Als die Polizei schließlich vor der Tür steht,fliehen sie.

Jahre später erfährt Mercier, was aus seinen Klonen geworden ist und bekommt anschaulichen Geschichtsunterricht, als er die Bekanntschaft eines Altnazis macht, der ihm die volle Tragweite der NS-Zeit vor Augen führt.

Der Roman mutet etwas skurril an, ist spannend geschrieben, nicht zu sehr moralisierend und ohne die Geschehnisse um 1940 herum zu verharmlosen. Alle Gewissensfragen, die sich bei dem Thema stellen, werden durch die Gedankengänge Merciers sehr gut dargestellt, bis hin zu der Frage, ob ein Klon wirklich identisch mit dem Original wäre, selbst bei unterschiedlichen Lebensbedingungen.

Es ist Geschichtsunterricht, gemischt mit Science-Fiction und wer diese Mischung mag, dem sei der Roman wärmstens empfohlen, schon allein, damit noch sehr viele Menschen begreifen, dass nicht alles gut ist, was technisch möglich ist.

François Saintonge
Dolfi und Marilyn
carl’s books 2014
288 Seiten

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