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Rubrik: Artefakte

Tastaturenkauf bei Mediamarkt

Früher war die Welt noch in Ordnung. Computertastaturen waren beige, hatten alle Tasten an der richtigen Stelle und schlimmstenfalls eine Flut an Multimedia-Sondertasten, die aber auch nicht weiter gestört haben. Dann kam der Notebooktrend, die ultraflachen Tasten wurden auch bei Normaltastaturen en vogue – und klassische Klötzchentasten traut sich heute kaum noch ein Hersteller, maximal halbhoch werden die Tastenkappen noch gebaut. Kein Problem, alles Gewöhnungssache, auch auf flachen Tastaturen kann man schnell und präzise schreiben. Theoretisch.

Doch wenn man jetzt in den Mediamarkt geht und etwas Vernünftiges zum Schreiben sucht, dann glaubt man sich im falschen Film. Keine einzige weiße Tastatur. Die Hälfte der Modelle kabellos. Der Nummernblock bei manchen Modellen scheinbar nur wie aufgemalt (Touchpad-Ausführung). Standard-Layout nur noch im untersten, indiskutablen Klappertastaturenpreissegment. Ultra-kompakt-Tastaturen auch für den Schreibtisch, Blindschreiben nicht mehr möglich. F-Tasten sind primär mit Sonderfunktionen belegt. Oder auf winzig geschrumpft. Tasten wahllos neu angeordnet oder in der Größe verändert. Abstände zwischen F- und Pfeiltasten nicht eingehalten. Furchtbare Druckpunkte.

Bin dann wieder aus dem Laden raus und habe mir eine Etage tiefer …
… einen FÜLLER gekauft.
So. Das hammse jetzt davon.

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Die verschiedenen Anschlagscharakteristika bei Cherry-Tastatur-Schaltern (MX-Schalter-Übersicht)

Black
Lineare Schalter, das heißt, man spürt nicht, wann die Taste auf halbem Weg nach unten auslöst. Haptische Resonanz gibt es erst, wenn die Taste auf dem Gehäuseboden aufschlägt. Der Widerstand ist recht hoch, man benötigt mehr Kraft als bei einer handelsüblichen Gummimembrantastatur, um die Taste ganz herunterzudrücken.

Red
Die Light-Variante der Black-Schalter: ebenfalls linear, aber sehr leicht zu drücken, leichter als bei Membrantasten. Die Tasten lassen sich dadurch sehr schnell bedienen, die Finger sollte man jedoch besser nicht auf der Tastatur zum Ausruhen abstützen.

Brown
Vom Kraftaufwand ähnlich wie die Red-Schalter einzuordnen, sehr viel leichter als die Black-Schalter, dafür haben die braunen Schalter einen künstlich eingebauten Widerstand (Druckpunkt) beim Auslösepunkt. Sicheres Schreiben wird daher möglich, ohne die Tasten voll herunterdrücken zu müssen, die Lautstärke beim Tippen reduziert sich bei dieser Art von Tippverhalten etwas.

Clear
Die weißen Schalter sind eine Art verstärkte Form der Brown-Schalter (oder andersherum die Brown-Schalter eine leichtere Version der Clear-Schalter): Mit fühlbarem Druckpunkt, aber einen Tick schwerer zu drücken als die braunen Schalter. Das Tippgefühl ähnelt den herkömmlichen Tastaturen am ehesten.

Blue
Kraftaufwand und Charakteristik wie die Brown-Schalter, jedoch zusätzlich zum fühlbaren Druckpunkt auch noch mit einem deutlichem, hellen Klicken beim Auslösen auf halbem Wege. Schnelles und präzises Schreiben wird auf diese Art sowohl haptisch als auch auditiv unterstützt.

leichter Anschlag: rot, braun, blau
härterer Anschlag: schwarz, weiß
linear: schwarz, rot
fühlbarer Druckpunkt: braun, weiß
klickend: blau

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Bahn-Deutsch Deutsch-Bahn

Bahn: Aus Gleis 2.

Deutsch: Der Zug hält auf Gleis 2 und fährt von dem Bahnsteig ab, der an Gleis 2 grenzt. Aus den Schienen wird er deswegen nicht springen.

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Weniger Englisch bei der Bahn muss nicht besseres Bahnsprech heißen

Die meisten Bahnfahrer dürften es begrüßenswert finden, dass die englischen Ansagen in Zügen und Bahnhöfen weniger werden sollen. Ansagen, die die regelmäßigen Fahrgäste stören und von Englischsprachigen ohnehin kaum verstanden werden – sei es, weil Grammatik und Aussprache des Zugbegleiters nicht passen oder man bei parallel bremsenden Loks auf dem Bahnsteig ohnehin nichts mehr versteht.

Auch die ausufernden Anglizismen sollen eingedämmt werden. Die Bahncard bleibt die Bahncard, der Intercity der Intercity, aber der ServicePoint heißt nun wieder – international verständlich – Information.

Dass das Bahndeutsch deswegen wieder mehr in Richtung Standarddeutsch rückt, das darf jedoch weiterhin skeptisch gesehen werden. Zu verbürokratisiert ist das Bahnsprech, zu festgefahren die Begrifflichkeiten der Bahnersprache. Auch in Zukunft werden die Bahnansagen komisch klingen. Statt von Gleisen wird aus Gleisen gefahren werden, statt in Waggons wird man in Wagen einsteigen.

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Vergleich Einzeltickets Nahverkehr in deutschen Großstädten

Die Berliner sind entrüstet über die neuerliche Fahrpreiserhöhung. Doch im bundesweiten Vergleich stehen sie damit immer noch besser da. Vergleichbare Fahrscheine, mit denen man ebenfalls 2 Zonen befahren kann und die etwa 2 Stunden gültig sind, kosten in anderen Metropolen teils deutlich mehr. Ein kleiner Überblick:

2,60 Berlin
2,95 Hamburg
5,20 München
3,10 Hannover
2,60 Stuttgart
4,25 Frankfurt/Main
2,90 Leipzig
3,80 Dresden
2,20 Nürnberg
5,10 Düsseldorf

Nur in Nürnberg fährt man derzeit noch günstiger als in Berlin, auf dem gleichen Preisniveau befindet sich Stuttgart, und in Dresden, Frankfurt, Düsseldorf und München sollten Berliner lieber keine Einzelfahrten unternehmen.

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Intercity 2952, der Pannenzug

Von der Bahn ist man ja geradezu gewohnt, dass irgendwas nicht funktioniert, und auch nicht für alles kann man der Bahn die Schuld in die Schuhe schieben. Manchmal sind es die Reisenden selbst, die für Verzögerungen oder Unannehmlichkeiten sorgen, manchmal die äußeren Umstände. Dass mal etwas nicht wie im Lehrbuch klappt, damit muss man rechnen. Aber dass überhaupt nichts klappt? Ist das nur Inkompetenz oder schon Absicht?

Intercity 2952 am 27.7. von Berlin Richtung Westen. Die Angabe “Ersatzzug” in der elektronischen Fahrplanauskunft hätte schon stutzig machen müssen, aber es ist eben der zeitlich günstigste Zug.

1. Am Hauptbahnhof angekommen bleiben “nur” knappe 20 Minuten Umsteigezeit. Das reicht gerade so, um auf den überfüllten Rolltreppen kreuz und quer vom Tiefgeschoss, wo die Regionalzüge halten, auf die oberste Ebene, wo die Fernzüge abfahren, anzukommen. Auf einen Fahrstuhl zu warten wäre hoffnungslos. Allerdings klappt das nur, wenn man möglichst vorher weiß, zu welchem Gleis man muss. Auf der Fahrkarte fehlt die Angabe des Bahnsteiges.

2. Auf dem Bahnsteig fehlt der Zug auf dem Wagenstandsanzeiger. Man hat eine Reservierung für Wagen 10, weiß aber nicht, wo sich dieser befinden wird.,

3. Die elektronischen Anzeigetafeln blenden ein Laufband ein: “Bitte die abweichende geänderte Wagenreihung beachten”. Ja, wie denn? Man sieht immerhin, wo die 1. Klasse hält.

4. Der Zug fährt ein. Wagen 10 fehlt.

5. Die elektronischen Reservierungsanzeigen funktionieren nicht, aber das ist nun auch egal.

6. Durchsage, dass auch die Reservierungsschildchen aus Papier nicht vollständig gesteckt werden konnten und man Plätze bitte freigeben sollte, wenn Besitzer mit Reservierungen auftauchten.

7. Ich suche immer noch Wagen 10.

8. Durchsage, dass das Zugrestaurant leider geschlossen bleiben muss, aber dass man im Rahmen der Möglichkeiten im Bistro versorgt werden könne.

9. Der pünktlich eingefahrene Zug fährt mit 10 Minuten Verspätung ab.

10. Anschlusszüge in Braunschweig und Hannover können nicht warten und werden verpasst.

… Aber immerhin die Hauptsache hat wohl funktioniert: alle geplanten Bahnhöfe wurden angefahren. Und die Klimaanlage hat auch durchgehalten.

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