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Rubrik: Knetfeder Magazin

Der NDR tut was für Flüchtlinge: Schildbürgerstreich deluxe

Der Norddeutsche Rundfunkt tut was für die Flüchtlinge: Ab sofort gibt es ein Sonder-Radioprogramm für Flüchtlinge – auf Englisch und Arabisch – auch im NDR-Sendegebiet, übernommen vom WDR.

Der besondere Clou: Das Programm wird über “NDR spezial” verbreitet. Empfangbar ausschließlich über Satellit, Internetstream oder DAB+. Vom Blitz getroffen zu werden dürfte somit noch wahrscheinlicher sein, als als Flüchtling zufällig über dieses NDR-Angebot zu stolpern.

Aber immerhin: Man kann in den anderen Programmen (auf Deutsch) herumposaunen, dass man etwas für Flüchtlinge tut.

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Anti-Werbung fürs Digitalradio

Immerhin, gerade zum ersten Mal die jüngste DAB+-Werbung im Radio gehört.

Was hängen blieb, war der Slogan:

“Ich will es einfach.”

Dümmlich, beliebig, null Aussagekraft.

So verkauft man Kühlschränke am Nordpol. Eindrucksvoller als mit diesem Spruch kann man nicht offenbaren, dass Digitalradio praktisch keine Vorteile gegenüber analogem Radio bereithält.

Argumente? Gab’s doch tatsächlich auch: “Einfach mehr Sender, einfach besserer Klang”. Nun ja.

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DAB+ in Theorie und Praxis

Eigentlich wären sich alle einig: wenn Digitalradio über DAB+ endlich mal so senden würde, wie es optimalerweise funktionieren könnte, dann wäre es das perfekte Radio über Antenne. Wenn es also nicht nur gleich viel oder weniger Sender als über UKW gäbe, sondern signifikant mehr, wenn die Sendeleistung der von UKW-Sendern entsprechen würde, wenn es endlich bundesweit verfügbar wäre und wenn tatsächlich in CD-Qualität gesendet würde statt mit lächerlich geringen Datenraten.

Die Berichterstattung über DAB+ scheint, wenn nicht ohnehin Marketing, oft von Wunschdenken bestimmt und theorielastig zu sein. Zum Beispiel trifft Teltarif.de in einem aktuellen Artikel zu Radioempfangswegen folgende Aussage:

Dabei ist mancherorts das Programmangebot schon heute attraktiver als auf UKW: So sind in Berlin (…) jeweils mehr als 40 Radiosender über DAB+ zu hören.

Stimmt nur leider nicht. Über DAB+ sind in Berlin aktuell 37 Sender zu empfangen. Inwieweit das attraktiver sein soll als die 36 Sender über UKW (in teils besserer Qualität und Sendestärke), erschließt sich nicht wirklich.

Hier gibt es auch (…) Musikrichtungen, die der Nutzer über UKW nicht findet.

Das ist möglich, der ein oder andere Sender, der auf UKW funkt, fehlt auf DAB+ – und umgekehrt. Allerdings unterscheidet sich das Angebot von UKW und DAB+ inhaltlich kaum voneinander. Das, was man mit DAB+ zusätzlich zu UKW erhält, ist im Endeffekt die Verdoppelung des UKW-Angebotes – aber eben nicht mit zusätzlichen Inhalten, sondern mit fast identischem Inhalt.

Doch für Redundanz wird verständlicherweise kaum ein UKW-Hörer bereit sein, sich freiwlillig nach Neugeräten umzusehen.

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Die Nicht-Attraktivität von DAB+ am Beispiel von Berlin

Um Radiohörer vom Digitalradio zu überzeugen, braucht es einen echten Mehrwert. Absolute Rauschfreiheit oder Zusatzdienst-Spielereien sind beim Radioempfang sekundär. Was zählt, ist, wie viele Sender man empfängt, und vor allem welche Sender man damit empfängt. Auf die Inhalte kommt es an. Schauen wir uns die Situation in Berlin, Anfang 2014, an:

Über UKW empfangbar (36 Sender, je nach Standort leicht abweichend): StarFM, MDR Sachsen Anhalt, 88Vier, 88,8, DLR Kultur, Radio Potsdam, Radio Teddy, Berliner Rundfunk, Power Radio, Kulturradio, Inforadio, Jam FM, Hitradio SKW, RS2, BBC World, Radio Eins, Funkhaus Europa, RFI, Radio Rossiji, NPR, Deutschlandfunk, Radio Paradiso, Kiss FM, Antenne Brandenburg, FluxFM, Klassik Radio, Metropol FM, Fritz, Energy Berlin, 104,6 RTL, Spreeradio, Radio B2, Jazzradio, BB Radio, MDR Figaro, MDR Jump

Über DAB empfangbar (37 Sender): Radio Schlagerparadies, Absolut relax, sunshine live, Deutschlandfunk, DLR Kultur, DRadio Wissen, Dokumente und Debatten, Energy Berlin, ERF Plus, Klassik Radio, Lounge FM, Radio Bob, Radio Horeb, Bayern plus, Star*Sat Radio, Radio Paloma, Radio Paradiso, SWRinfo, Radio impala, Radio Gold, FG Radio, Jack FM, Megaradio, Deluxe Radio, ERF Pop, Antenne Brandenburg, Bayern 2, BR-Klassik, Fritz, Funkhaus Europa, Inforadio, Kulturradio, MDR Jump, 88,8, Radio Eins, SWR3, WDR2

Wenn man die Sender nach Inhalten aufschlüsselt, kommt dabei Folgendes heraus:

UKW
Information: #####
Klassik: ###
Pop/Rock/etc: #################
Schlager: ####
Jazz/Chillout: #
Spartensender: ######

DAB
Information: ######
Klassik: ###
Pop/Rock/etc: #################
Schlager: ####
Jazz/Chillout: ###
Spartensender: ####

Die Überraschung: Das Angebot von UKW und DAB+ in Berlin ist nahezu identisch. Zu einer Flut an Pop/Rock-Musik kommen 3 Klassikwellen, ein halbes Dutzend Infokanäle, 3-4 Schlagerradios und eine Handvoll Spartenprogramme – jeweils über beide Übertragungswege.

DAB+ in Berlin bietet enormen Mehrwert allein für Freunde von Kirchenfunk (ERF, Horeb), ein wenig Mehrwert für Newsjunkies (Dokumente und Debatten, DRadio Wissen und Bayern 2 bekommt man hier über Antenne nur via DAB) und ein bisschen mehr Auswahl für Jazz/Chillout-Liebhaber. Ansonsten sind DAB+ und UKW inhaltlich fast gleich.

Wenn man nicht ausgerechnet einen ganz bestimmten Sender hören möchte, der über UKW nicht verfügbar ist, dann ist das DAB-Angebot im Vergleich zu UKW weiterhin nicht attraktiv.

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DAB-Skeptiker in Dänemark

Widerstand gegen die UKW-Verdrängung durch das Digitalradiosystem DAB+ regt sich auch in anderen Ländern, etwa in Dänemark:

Dabminus

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Kiss FM sendet ab April 2014 nicht mehr über DAB+

Der Berliner Sender Kiss FM stellt seine Verbreitung über terrestrisches Digitalradio zu Ende März 2014 ein. Damit beendet erstmals ein etablierter Sender aus anderen Gründen als einer Insolvenz den bundesweiten Betrieb über DAB+. Kiss FM ist dann nur noch im Berliner Raum über UKW und im Netz zu hören.

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