Start

Rubrik: Linkurteil-Märchen

Neues für’s Kuriositäten-Kabinett

…dank des Landgerichts Neuruppin: das verfügt mit Sicherheit über überaus kompetente Richterinnen, Richter und Verwaltungsangestellte, mit Sicherheit haben sich die Verantwortlichen aber noch nie ihre eigenen Webseiten angesehen. Sonst würde man das hier wohl nicht in ihrem Impressum finden:

Mit dem Urteil vom ... hat das Landgericht Hamburg entschieden...

Immer wieder amüsant, dass selbst Ersteller von Gerichtsseiten auf das Märchen vom Link-Urteil hereinfallen.

(Dank an Ingo F. für den Link!)

Kommentare

Das missverstandene Märchen vom Linkurteil

Ratloser ParagraphIch bin heilfroh, dass ich zum Märchen vom Link-Urteil kein Forum betreibe, denn das würde dann wahrscheinlich aussehen wie hier. Das Zitieren des Urteiles des Landgerichtes Hamburg ist derart zur Internetfolklore geworden, dass man sich anscheinend so sehr daran gewöhnt hat, dass man es einfach nicht in Erwägung ziehen kann, dass es sich dabei um ein sinnentstellendes Zitat handeln könnte.

“Befürwortern” wie “Gegnern” fällt es offenbar immer wieder schwer, sowohl das damalige Urteil des Landgerichts als auch meine Dokumentation dazu richtig zu lesen und zu verstehen (ich werde gerne als Quelle und Beleg für etwas genommen, das ich nie so geschrieben habe – ironischerweise auch wieder oft dadurch, dass aus dem Zusammenhang zitiert wird). Daher hier nochmal die Kurzfassung als besonderer Service für alle Zweifler:

1. Das Landgericht Hamburg hat 1998 eine bestimmte (!) Person dazu verurteilt, für gesetzte Links zu anderen Seiten zu die Verantwortung zu übernehmen. (Eine andere Person ist z.B in einem Fall von “Linkhaftung” von einem anderen Landgericht 2006 freigesprochen worden – dieses Urteil wird lustigerweise nie zitiert ;-)

2. Ich finde es weiterhin skurril bis lächerlich, wenn jemand das Urteil des Landgerichts Hamburg zitiert (unabhängig von seiner Bedeutung für Linkhaftungs-Rechtsprinzipien), um sich vor Regressen zu schützen. Man schreibt ja auch nicht seinen eigenen Namen auf die Homepage und gibt dazu gleichzeitig eine Erklärung ab, was der Name in verschiedenen Kulturkreisen bedeutet, warum sich die Eltern für diesen Namen entschieden haben, wie man geheißen hätte, wenn man kein Mädchen, sondern ein Junge geworden wäre und wieviel Mitspracherecht die Großeltern bei der Namenswahl hatten.

3. Ich behaupt nirgendwo, dass man auf alle Haftungsausschlüsse verzichten sollte. Es kann manchmal durchaus sinnvoll sein, sich pauschal von anderen Webseiten zu distanzieren (das kann man aber auch, ohne Urteile zu zitieren).

4. Wer trotz aller logischen Einwände seinen LG-Hamburg-Haftungsausschluss verteidigt, macht natürlich nichts falsch – aber er trägt zur allgemeinen Internet-Heiterkeit bei, denn:

5. Das Landgericht Hamburg hat niemals behauptet, man könne sich von einer Verantwortung befreien, wenn man sich pauschal von allen Seiten distanziert!

Und wer bis jetzt noch immer nicht verstanden hat, über was ich hier eigentlich schreibe (das dürfte der Normalfall sein) bzw. wer sich jetzt immer noch für die Hintergründe interessiert, darf hier gern nochmal in Ruhe nachlesen.

Kommentar (1)

Kleinere Updates

Ratloser ParagraphEntenweltSommerloch auch beim Knetfeder-Projekt. Doch wir nutzen die Kreativpause, um einige Seiten auf den neuesten Stand zu bringen. Die Dokumentation zum Linkurteil-Märchen wurde lediglich optisch etwas überarbeitet und graphisch-technisch modernisiert, echte Neuerungen gibt es jedoch in der Entenwelt: Die Rubrik Comic und Kunst enthält nun einen Absatz zu chinesischen Glücksenten (nochmals Dank an Michael R. wegen des Fotos), und in der Enternet-Rubrik haben wir auch etwas aufgeräumt: viele entige Seiten, die wir in den letzten Jahren zusammengetragen hatten, sind mittlerweile wieder aus dem Netz verschwunden (nein, keine Angst, die Entenwelt bleibt!), schmerzlich vermissen wir z.B. die Ente “Hibbel”, übrig bleiben glücklicherweise aber noch genug andere virtuelle Enten(-fans), denen wir nun jeweils mehr Platz eingeräumt haben als bloß einen schnöden Link. Ab ins Enternet!

Kommentare

Das Märchen vom Disclaimer

§?Auch SpiegelOnline nimmt sich in einem Artikel dem Märchen vom Link-Urteil an und erklärt kompakt und übersichtlich die Hintergründe der überflüssigen “Präventiv-Freisprüche”.

Allerdings belässt man es nicht dabei, sondern macht einen Disclaimer-Rundumschlag und ergänzt die Thematik mit anderen Bereichen wie E-Mail-Angstklauseln und bringt sogar die kürzlich erfolgte Verfassungsbeschwerde des Heise-Verlags mit ein, hinter der sich eine ganz andere Geschichte verbirgt.

Für eine Spiegel-Online-Banane reicht’s nicht ganz, aber es zeigt, dass das Vermischen unterschiedlichster Rechtsfragen unter ein einziges Schlagwort “Disclaimer” es gerade begünstigt, dass

Genug Raum, für neue Missverständnisse und Märchen … und Disclaimer

bleibt.

Zudem ist ein Disclaimer keineswegs nur eine Marotte privater Homepages – auch Behörden, Firmen und Verlage fallen auf die Legende herein.

Nachtrag: Für einen Eintrag beim Netzwelt-Spiegel hat’s gereicht.

Kommentare

Zwiespältig

§?Ich habe schon gesehen, dass einige den typischen Landgericht-Hamburg-Haftungsausschluss auf ihre Seiten packen und wohlmeinend als “Zusatzservice” das Ganze mit einer Seite verlinken, auf der erklärt wird, warum man das machen muss – und dabei leider übersehen, dass in dem erklärenden Text ziemlich exakt steht, dass sowas Blödsinn ist. Nun ja, manche haben eben nicht die Zeit, längere Texte auch zu lesen.

Das hier lässt sich allerdings nicht mehr nachvollziehen: da verlinkt uns eine Vereinsseite in ihrem Impressum (Danke übrigens!) und reiht sich damit ein in die Riege der Aufklärer, die die weitere Verbreitung der Linkurteil-Legende nicht einfach nur hinnehmen wollen…

Screenshot

…bringt auf der selben Seite ein paar Zeilen höher aber einen bekannt vorkommenden, ausführlichen “wichtigen Hinweis” an:

Wichtiger Hinweis - mit Urteil vom 12. Mai...

Entweder ist da etwas gründlich schief gegangen, oder aber ich muss dringend an meiner Glaubwürdigkeit arbeiten… ;-)

Kommentare

Wozu man einen Disclaimer braucht

§?Ich dachte bisher immer, Leute schreiben Disclaimer auf ihre Webseiten, weil sie meinen, sich damit tatsächlich vor rechtlichem Unbill schützen zu können. Alles falsch, wie ich heute dank “Yima” erfahren durfte. Disclaimer-Verwender wissen also, dass Disclaimer Quatsch sind, benutzen sie aber trotzdem, um böse Anwälte zu verjagen:

“vielleicht sollte man auch mal beachten dass so ein disclaimer wohl eher als abschreckung für angehende möchtegern- und habgierpatienten sprich anwälte gelten soll.”

Lieber Yima, momentan habe ich tatsächlich mal nicht zuviel Zeit, aber für einen kleinen, ganz unjuristischen Hinweis reicht es noch: Juristen lesen diese Disclaimer, lachen kurz, und machen dann trotzdem ihren Job. Wenn man auf Sinnloses im Impressum partout nicht verzichten möchte, sollte man dort Kochrezepte veröffentlichen. Das schützt zwar auch nicht vor Problemen, hat aber einen höheren Informations- und Nutzwert für die Allgemeinheit.

Kommentare



« zurück in die Zukunft