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Rubrik: Tageslicht

Postschalterdialoge

Zugegeben, es war keine allzu alltägliche Aufgabe. 2 Pakete von 2 unterschiedlichen Empfängern von 2 unterschiedlichen Tagen. Abzuholen am Postschalter. Bei 10 Metern Warteschlange hat man genügend Zeit, sich zu überlegen, welchen Satz man gleich aufsagen möchte, damit eigentlich nichts schiefgehen kann …

Mustermann: Guten Tag, ich hätte gern 2 Zalando-Pakete abgeholt – einmal für Mustermann von heute und einmal für Normalnutzer von letztem Samstag.

Post: (schroff) Erstmal Ihren Ausweis, bitte.

Mustermann:
Wollt ich Ihnen gerade geben, aber…

Post: Geben Sie mir einfach schon mal den Ausweis, Mustermann ist ja kein ganz seltener Name…

Mustermann: (schiebt den Ausweis über den Tresen)

Post: Was ist denn drin?

Mustermann: Es sind Zalando-Pakete.

Post: (wissend) Ja, es gibt große und kleine Zalando-Pakete.

Mustermann: Es sind Schuhe drin.

Post: Also mittel.

***

Post: Also eins hab ich gefunden, wie viele sollten das sein?

Mustermann: Zwei. Aber das zweite läuft auf den Namen Normalnutzer.

Post: (entrüstet) Na, da kann ich ja lange suchen (wedelt demonstrativ mit dem Mustermann-Personalausweis herum)

Mustermann: Sie müssen mir schon zuhören.

Post: Aber da brauch ich sowieso ne Vollmacht von Ihnen!

Mustermann: Hab ich (schiebt Vollmacht über den Tresen). Aber das zweite ist von… (Post rennt weg)

***

Post: (aus dem Hintergrund) Also da ist keins mehr von heute.

Mustermann: (lauter) Von Samstag!!!

***

Post: (zweites Paket anschleppend) Na, wenn wir uns auf Freitag einigen würden…

Mustermann: Ups.

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Leise rieselt der Schnee, Edition 2015

Aktualisierte Weihnachtsliedtexte für 2015. Folge 1: „Leise rieselt der Schnee“

Leise wächst schon der Klee, Sonnencreme braucht man am See.  Krokusse blühn schon im Wald, Freue Dich, Sommer ist bald.  In den Stuben ist's heiß, Draußen sieht man kein Weiß.  Dieses Jahr wirds nicht mehr kalt, Heizkosten sparen wir halt.  Bald ist heilige Nacht, wer hat an Coolpacks gedacht? Schnee gibt's vielleicht andernorts, Der Weihnachtsmann kommt jetzt in Shorts.

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Fußball-WM 2014 (2)

Vergesst eure armseligen Deutschlandfähnchen am Auto. So muss ein Auto zur WM aussehen:

Parkender Kombi mit gelb-schwarzer Karosserie, rotem Dach und roter Heckklappe

PS. Wer 2 Fähnchen am Auto hat, könnte ruhig mal eins abgeben.
PPS. Wer 3 oder mehr Fähnchen hat, sollte sein Auto abgeben.

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Fußball-WM 2014

Deutschlandfahnen auf dem Berliner Reichstag

Man kann’s aber auch echt übertreiben mit dem Fußballfähnchenwahn …

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Geschenkideen für unliebsame Zeitgenossen

Winterzeit – Teezeit. Man hat sich ja an die absurdesten Teesorten gewöhnt mittlerweile. Aber diese Erfahrung war wirklich neu. Honigmelone-Zitronengras-Tee (“honey melon and lemon grass”). Das Fatale an dieser Sorte ist, dass die Kombination verlockend klingt und in der Tat verführerisch riecht – nach Melonen-Eis etwa. Mit dieser Erwartungshaltung nehme ich den ersten Schluck – und erschaudere, denn das Letzte, was ich freiwillig trinken möchte, ist warme Honigmelone.

Mein Tipp: Wenn Sie noch ein Geschenk suchen für jemanden, den sie überhaupt nicht leiden können, dann versuchen Sie es mal mit Honigmelonentee!

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Die taubstumme Plüschbärchenbettlerin im Regionalexpress

Der Regionalverkehr ist ihr bevorzugtes Revier: nur partiell kontrollierendes Bahnpersonal, viele unterschiedliche Reisende, deren Zusammensetzung sich durch viele Zwischenhalte stets ändert, aber dabei ausreichend lange Fahrtzeiten, dass die Menschen eine Weile am Platz sitzen bleiben – die professionellen Bettler.

Aus Fußgängerzonen kennt man sie ebenfalls, hier lauern sie mit Schnellheftern von gequälten Tieren oder Kindern, die sie den Passanten zeigen, um „Spendenbereitschaft“ hervorzurufen. Oder sie kommen an die Cafétische, verteilen kleine Aufmerksamkeiten, mit der Bitte um eine kleine Spende – und sammeln die Aufmerksamkeiten selbstverständlich wieder ein, wenn man nichts gibt.

In den Zügen des Nahverkehrs lässt sich dieser Tätigkeit am effizientesten nachgehen. Hier sitzen die Menschen alle auf einem Fleck, an den Tischchen an den Fenstern ist genug Platz, um etwas abzulegen – und die meisten Reisenden haben sowieso nichts zu tun und fühlen sich nicht ganz so gestört von dem Treiben, als wenn ihnen jemand im Restauraut beim Essen zu nahe kommt oder sich direkt in den Weg stellt; nein, sie sind eher neugierig und aufgeschlossen.

Die Bettlerin wirkt südosteuropäisch, trägt eine schmuddelig wirkende Jogginghose und ein pinkfarbenes Oberteil. Sie legt wortlos und ohne Blickkontakt zu suchen routiniert ein laminiertes Kärtchen und einen Schlüsselanhänger, an dem ein kleiner niedlicher Plüschbär baumelt, auf die Ablageflächen zwischen den Reisenden.

Auf der Karte steht: „Sehr geehrte Damen und Herren!!!! Wir sind keine Bettler – wir sind gehörlos!“, was sich jedoch grundsätzlich nicht ausschließen muss. Der Text der Karte bittet um eine Spende von 4 Euro für die armen Gehörlosen, die sich auf diese Art ihren Lebensunterhalt verdienen müssen – als Geschenk für die gute Tat gäbe es dann den Bärenschlüsselanhänger. Wer mehr gäbe als 4 Euro, würde damit beweisen, dass er ein großes Herz habe.

Hierbei wird mit besonderer Rafinesse besonders perfide manipuliert: man erweckt einerseits Mitleid mit der die Tätigkeit ausübenden Person, appelliert generell an das soziale Gewissen der Menschen und erzeugt andererseits zusätzliche Sympathien, indem man den niedlichen Plüschminiteddy platziert und kitschige Bildchen auf den Nachrichtenkärtchen unterbringt. Wer will schon als geizig gelten, oder wie jemand wirken, der etwas gegen niedliches Plüsch hat oder arme Gehörlose nicht unterstützt? Das Belohnungszentrum wird gleichsam getriggert, erhält man doch eine Gegenleistung, statt dass einfach nur so gebettelt wird.

Doch offenbar ist die Masche einfach schon zu alt oder die Protagonistin wirkte in ihrer routinierten Arbeitsweise doch zu wenig bedürftig. Die vermeintlich Gehörlose, in Wirklichkeit professionelle und aller Wahrscheinlichkeit nach in kriminellen Strukturen organisierte Bettlerin, kommt nach einer halben Minute wieder zurück und sammelt die Kärtchen samt Bären wieder ein, ohne einen müden Euro kassiert zu haben. Sie öffnet ihre Gürteltasche, taxiert kurz die Tageseinnahmen, und geht dann weiter in den nächsten Waggon.

Lukrativ dürfte die Tätigkeit trotzdem sein. Wenn sie nur 2 naive Reisende pro Zugfahrt findet, die ihr die Schlüsselanhänger abkaufen, hat sie einen höheren Stundenlohn als mancher Friseur in Ostdeutschland erzielt – steuerfrei natürlich.

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