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Archive forMärz, 2005

Ökologische Tragödien aus Entenperspektive

EntenweltDer Minipark “Lauenburger Platz” inklusive Teich – die Oase im Berliner Bismarckstraßenkiez für Currywurst-Esser, Wohnungslose und natürlich Enten.

Lauenburger Platz bis Herbst 2004

Zufriedene Launi-Enten bis 2004

Allerdings nur bis zum Herbst 2004, als der Bezirk Steglitz-Zehlendorf beschließt und den Anwohnern in mintgrünen Briefwurfsendungen erfreut mitteilt, “dass trotz geringer Haushaltsmittel der Bezirks (sic!) Steglitz-Zehlendorf entschieden hat, dem weiteren Verfall der denkmalgeschützten Grünanlage am Lauenburger Platz eine investive Baumaßnahme zur Grundinstandsetzung nach historischen Vorgaben entgegenzusetzen.”

Dass zum Zwecke der allseitigen Öffnung des Platzes und der Möglichkeit zur sozialen Kontrolle auch einige Strauchpflanzen und Bäume würden weichen müssen, wurde sogar anhand eines skizzierten Bebauungsplanes verdeutlicht. Diverse unüberhörbare Protestaktionen von engagierten Anwohnern versuchten im Herbst 2004 das Schlimmste zu verhindern – die Bäume jedoch fielen trotzdem.

Trauer um die Hainbuchen

Keine Chance auf angemessenen Protest und Trauer um ihre Heimat erhielten hingegen offenbar die anwohnenden Enten, wie in den vergangenen Nächten deutlich wurde: heimkehrende Entenpärchen auf der Suche nach ihrem angestammten Nistplatz stimmten – zu Recht! – ein empörtes Beschwerdegequake an, als sie weder die zur Brut notwendige üppige Uferböschung noch ihr heimeliges Feuchtbiotop vorfanden. Aus unerfindlichen Gründen scheint das Federvieh keinerlei Verständnis für menschliche Bedürfnisse nach “Offenheit” und “sozialer Kontrolle” aufzubringen – wohingegen die bezirksamtliche Menschheit ja geradezu überquoll vor respektvoller Rücksichtnahme auf wohnberechtigte Launi-Enten, wie die grandios einfühlsame Antwort des Gartendenkmalpflegers von Krosigk auf die Frage, warum gesundes Grün für den Denkmalschutz sterben müsse, eindrucksvoll demonstriert: “Weil das Grün in der Stadt nicht nur für Vögel, sondern auch für Menschen da ist.” (zit. nach: Der Tagesspiegel, 13.10.2004).

Da im Herbst 2004 versäumt wurde, mintgrüne Zettelchen mit gewählter rationaler Argumentation nicht nur an ANwohner, sondern auch an EINwohner des Teiches zu verschicken, sollten sich die Mitarbeiter des Bezirksamts nun auf einen geschnäbelten Proteststurm bezüglich des verunstalteten Platzes gefasst machen – teeren und federn nicht ausgeschlossen.

Welche Ente könnte hier brüten???

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Zwiespältig

§?Ich habe schon gesehen, dass einige den typischen Landgericht-Hamburg-Haftungsausschluss auf ihre Seiten packen und wohlmeinend als “Zusatzservice” das Ganze mit einer Seite verlinken, auf der erklärt wird, warum man das machen muss – und dabei leider übersehen, dass in dem erklärenden Text ziemlich exakt steht, dass sowas Blödsinn ist. Nun ja, manche haben eben nicht die Zeit, längere Texte auch zu lesen.

Das hier lässt sich allerdings nicht mehr nachvollziehen: da verlinkt uns eine Vereinsseite in ihrem Impressum (Danke übrigens!) und reiht sich damit ein in die Riege der Aufklärer, die die weitere Verbreitung der Linkurteil-Legende nicht einfach nur hinnehmen wollen…

Screenshot

…bringt auf der selben Seite ein paar Zeilen höher aber einen bekannt vorkommenden, ausführlichen “wichtigen Hinweis” an:

Wichtiger Hinweis - mit Urteil vom 12. Mai...

Entweder ist da etwas gründlich schief gegangen, oder aber ich muss dringend an meiner Glaubwürdigkeit arbeiten… ;-)

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Kein Popcorn in Weblogs

Eigentlich gibt es Wichtigeres, dennoch schwappt die Diskussion darüber immer mal wieder durchs Netz, ob man RSS-Ströme – insbesondere die von Weblogs – denn besser im Volltext anbieten sollte oder doch lieber nur Anreißertexte für die schnelle Übersicht offeriert. Eine eigene Meinung habe ich dazu selbstverständlich auch und praktischerweise sind derzeit RSS-Wochen bei Knetfeder. Daher an dieser Stelle ein paar redundante Gedanken zum Thema:

XML-ButtonAus Nutzer-Sicht ist die Sache eigentlich klar. Weblogs machen woanders als im Browser keinen Spaß. Wenn ich normformatierte Textwüsten sehen will, gehe ich ins Usenet. Selbst wenn ich mal keine Lust auf ‘bunt’ habe, dann lässt sich die CSS-Anzeige im Browser deaktivieren. Den eigentlichen Webseitentext noch einmal komplett auch als XML-Datei angeboten zu bekommen, erscheint überflüssig. Schlimmer noch: dadurch geht der ursprüngliche Vorteil von RSS verloren: sich bandbreitensparend, schnell und übersichtlich über Neuigkeiten informieren zu können. Die Entscheidung, ob ich einen Beitrag überhaupt interessant finde, lesen und herunterladen möchte, wird mir so vom Volltextanbieter abgenommen – er verweigert mir, die Auswahl meiner Lektüre selbst zu treffen. Als Analogmodemnutzer ärgere ich mich fast schon, wenn ich, statt in einer Minute 30 Weblogs abklappern zu können, letztendlich doch 5-10 Minuten brauche, weil einige eben ihr Weblog komplett in XML spiegeln. Und wenn man sich sowieso schon selbst für eine Auswahl entschieden hat, dann gönnt man sich auch schon mal das dazu passende Layout anstatt Einheitsbrei und Standardgrau. Auf optische Perlen wie z.B. Melody, Jeena Paradies oder das kleine Seitenschwein und die vielen anderen flairverströmenden Seiten würde man freiwillig sowieso nicht verzichten. Das Auge liest eben mit.

Aus Sicht des Anbieters ist die Angelegenheit verzwickter, weil man natürlich auch die Interessen und Gewohnheiten der Leserschaft berücksichtigen möchte, die vielleicht andere Vorlieben hat. Dass manche ausschließlich im RSS-Reader lesen und den Browser gar nicht mehr bemühen wollen, ist auch nachzuvollziehen. Andererseits: wie wahrscheinlich ist es, dass neben der RSS-Software gar kein Browser mehr läuft? Bestehen viele Weblogeinträge nicht oft sogar fast nur aus Links? Worin werden die geöffnet? Ist es da wirklich zuviel verlangt, auch für den Weblogtext an sich einen Klick zu machen? Bandbreitenverwöhnte, die RSS-Leser wie z.B. Mozilla Thunderbird einsetzen, können sich ohnehin auch gleich die HTML-Seite statt der XML-Version in ihrem Programm anzeigen lassen.

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Liebe Kinderinnen und Kinder…

dagegen!Wieso wird die Verwendung des Binnen-I im Deutschen eigentlich immer mit der Gleichberechtigung bzw. Geschlechterfairness begründet? Mal davon abgesehen, dass Binnen-I-Schreiber gerne leugnen, dass es ein sprachliches Neutrum gibt und auch oft den Unterschied (die Unterschiedin?) zwischen grammatischem und natürlichem Geschlecht nicht verstanden haben (warum ist ein Brief männlich, eine Brücke weiblich – im Französischen ein Brief weiblich und eine Brücke männlich – und im Englischen keins von beidem?), jeder mit nur ein wenig Sprachgefühl vor Binnen-I-Konstruktionen schreiend davonläuft: ist eigentlich mal jemandem aufgefallen, dass diese Gebilde konstruktionsbedingt oft das männliche Geschlecht “diskriminieren”? “Student” wird man heutzutage beispielsweise kaum noch genannt, selbst wenn man einer ist. Man liest nur noch von “StudentInnen”. Dass das ziemlich schräg aussieht und sich auch nicht wieder vernünftig auftrennen lässt (Studentinnen und Studentnnen?) muss dann doch schon mal jemandem aufgefallen sein, denn gerne wird man stattdessen auch als “die Studierenden” bezeichnet. Clever eigentlich – dumm nur, dass ein Studierender etwas anderes ist als ein Student oder eine Studentin (nämlich jemand, der gerade jetzt in diesem Augenblick die Nase in ein Buch steckt – und nicht nur sonst auch generell BAFöG bezieht). Da ist man vom “den Teufel mit dem Beelzebub austreiben” nicht mehr weit entfernt. Wenn man beide Geschlechter meint – kann man sich dann nicht wenigstens die Zeit nehmen, auch beide Formen auszuschreiben, wenn sie denn existieren? An “Studentinnen und Studenten” stirbt man doch nun wirklich nicht.

PS. Wie spricht man “StudentInnen” eigentlich aus, um auch die darin enthaltenen Studenten deutlich werden zu lassen? Macht man eine Pause vor dem “I”?

PPS. Wieso schreibt man eigentlich nicht Student(inn)en oder z.B. Radfahrer/-innen, wenn man unbedingt Platz sparen muss?

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Wozu man einen Disclaimer braucht

§?Ich dachte bisher immer, Leute schreiben Disclaimer auf ihre Webseiten, weil sie meinen, sich damit tatsächlich vor rechtlichem Unbill schützen zu können. Alles falsch, wie ich heute dank “Yima” erfahren durfte. Disclaimer-Verwender wissen also, dass Disclaimer Quatsch sind, benutzen sie aber trotzdem, um böse Anwälte zu verjagen:

“vielleicht sollte man auch mal beachten dass so ein disclaimer wohl eher als abschreckung für angehende möchtegern- und habgierpatienten sprich anwälte gelten soll.”

Lieber Yima, momentan habe ich tatsächlich mal nicht zuviel Zeit, aber für einen kleinen, ganz unjuristischen Hinweis reicht es noch: Juristen lesen diese Disclaimer, lachen kurz, und machen dann trotzdem ihren Job. Wenn man auf Sinnloses im Impressum partout nicht verzichten möchte, sollte man dort Kochrezepte veröffentlichen. Das schützt zwar auch nicht vor Problemen, hat aber einen höheren Informations- und Nutzwert für die Allgemeinheit.

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