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Archive forSeptember, 2005

Ich bin Deutschland

Und dafür braucht man keinen Nobelpreis, keine Goldmedaille oder einer Fernsehshow.

Vielleicht sind auch sie Deutschland. Aber sie sprechen nicht unserer Sprache.

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… shoot the whole day down…

Gestern war wieder einer dieser Tage. Tage, an denen man spätestens beim Verlassen des Hauses ganz sicher sein kann, dass von diesem Moment an für die nächsten 14 Stunden rein gar nichts mehr reibungslos laufen wird. Solche Tage spielen sich z.B. so ab:

Aufstehen und sich freuen, dass der erste Blick aus dem Fenster und der Wetterbericht nichts Schlimmes verheißen – die Sonne scheint, ein milder Frühherbsttag kündigt sich an. Entsprechende Klamottenwahl. Einen wichtigen Termin haben, der keine Verspätungen duldet. Sich trotzdem für die spätere von zwei möglichen Busverbindungen entscheiden. An der Bushaltestelle frohlocken: der Bus ist schon in Sicht! Beim Hantieren mit der Geldbörse feststellen, dass die Monatskarte sich ominöserweise nicht an ihrem angestammten Platz befindet. Erster Unmutsanfall – umkehren in die Wohnung, Karte holen??? Sich dagegen entscheiden, weil ansonsten nebst des einmaligen Ereignisses, nicht die maximal auf dem Fahrplan stehende Wartezeit bis zum nächsten Bus überbrücken zu müssen auch der wichtige Termin verpasst würde. [Am Ende des Tages denken: hätte man sich an dieser Stelle des Ereignisablaufs anders entschieden, hätte vielleicht doch noch alles gut werden können...] Folglich: Einzelfahrausweis für 2,10 EUR erstehen (macht mit Rückfahrt 4,20 EUR!). Im Bus auf das Obergeschoss zusteuern und sich im Durchqueren über die höchst ungewohnte Leere wundern. Den normalen Weg des Busses genau kennen und doch ungläubig registrieren müssen, dass nach einer Station ABGEBOGEN wird, wo es laut Fahrplan und eigener Erinnerung bis zum Ziel ausschließlich geradeaus gehen sollte [Gedanken: Oh nein, ich hab nicht auf die Liniennummer des Busses geschaut und so den Falschen erwischt...Moment mal, an unserer Haltestelle hält doch nur EINE Linie...was ist hier los???]. Panisch das Obergeschoss verlassen um schnellstmöglich auszusteigen. Einem Gespräch zwischen Busfahrer und Fahrgast entnehmen, dass der nächste Halt viele Fahrminuten entfernt liegt und ganz und gar in ungünstiger Lage für die Fortsetzung des eigenen Weges zum wichtigen Termin. Fieberhaft planen, wie man vom Ziel des Busses aus doch noch das eigene Ziel erreichen kann. Aufatmend eine Lösung erdenkend sich im hinteren Busbereich erneut niederlassen. Hinter sich eine relativ leise, aber im ruhigen, fast leeren Bus doch gut hörbare Unterhaltung hören und schlussfolgern, dass es sich um ein Mobiltelefonat handeln muss. Sich ob der Themenwahl des Sprechenden (Verfolgung, Mord, Vergewaltigung) sowie der dramatisch ansteigenden Lautstärke und des Sprechtempos doch mal umdrehen und schockiert feststellen, dass kein Handy in Sicht ist. Die folgenden Fahrminuten in Anspannung wie in einem Horrorhörspiel verbringen und das Ende nicht wissen wollen. Auf die Uhr schauen: die Zeit wird äußerst knapp. Es fängt an zu nieseln. Der Bus steht in einer Riesenschlange an einer Ampel an einem Hauptverkehrsknotenpunkt mit Baustelle. Die Ampel wird grün. Rot. Grün. Vorrücken, die Haltestelle kommt in Sicht. Der Bus…fährt vorbei! Natürlich, dieser Bus hält erst um die Ecke. Also noch ein paar Ampelphasen abwarten. Endlich aussteigen können und den soeben über die Ampeln erkämpften Weg zurück durch den inzwischen prasselnden Regen im Pullover laufen. An einer Horde von ca. 1500 lärmenden Schülern und anderen Gestalten vorbei und hindurch zum Fahrplan des gewünschten Busses schieben. Die Wahl haben zwischen Nassregnenlassen oder Unterstellen zwischen Unmengen gedrängt stehenden dampfenden Berlinern. Sich für letzteres entscheiden und für das Wunder des prompt erscheinenden Busses dankbar sein. Mit Blick auf die Uhr doch noch Hoffnung auf pünktliches Erscheinen beim Termin haben…desillusioniert werden durch just in diesem Moment stattfinden Fahrerwechsel (Kasse, Jacke, Schlüssel, Kollegengespräch). Einige Stationen weiter resigniert dem zusteigenden Rollstuhlfahrer zusehen (Rampe ausklappen, Busfahrer aussteigen, Busfahrer schiebt, Busfahrer einsteigen, Rampe einklappen). Endlich das Zwischenziel erreichen und den Anschlussbus von hinten sehen. Es gießt, zu Fuß gehen in Pullover unmöglich. 10 Minuten warten. Erst drei Minuten nach Termin! Schaff ich noch fast! … FAHRERWECHSEL der Zweite. Den Tag abschreiben. Tell me why I don’t like Mondays…

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Richtigstellung

Aus gegebenen Anlässen möchten wir abermals darauf hinweisen: dieses Blog nennt sich Knetfeders Revue. Abgeleitet von Knetfeder. Knet-f-e-d-e-r. Ohne L. Wirklich.

Siehe auch unser modifiziertes Motto:

Knetfeder - nur echt ohne L

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Kunst & Wissenschaft

Ein Klick auf das nachstehende Bildchen verschafft Einblick in zwei gleichermaßen faszinierende kulturelle Errungenschaften des Menschen: Wissenschaft und Kunst.

Widmen wir uns zunächst der Wissenschaft.
Was sehen Sie auf der seltsam flackernden Fotografie (bitte JETZT obiges Bild zum Öffnen – am besten in neuem Fenster – anklicken)? Richtig, ein Bushhäuschen irgendwo in Berlin (in diesem Stadium unserer Erläuterungen spielt es allerdings noch keine Rolle, in welcher Stadt das Bild entstanden ist; diese Frage wird erst für den Abschnitt “Kunst” bedeutsam). Wem an dieser Stelle außer des nervigen Flackerns des Bildes nichts Besonderes auffällt, der bestätigt aktuellste Erkenntnisse bezüglich eines Phänomens aus der Wahrnehmungspsychologie: der “Change Blindness”. Die Wahrheit ist, dass sich das Bild mit jedem Flackern verändert. Haben Sie diese Veränderung des Bildes wider Erwarten sofort registriert, dann nur aufgrund unserer stümperhaft verarbeiteten Animation. Im Normalfall ist die Veränderung zunächst nicht wahrnehmbar. Grund: dem Bild werden nicht plötzlich gewisse Details (über die später noch zu reden sein wird) hinzugefügt, was selbstverständlich sofort bemerkt werden würde. Stattdessen erscheint und verschwindet das Bild immer wieder von neuem, so dass die visuelle Aufmerksamkeit nicht fokussiert werden kann. Geschlussfolgert wird aus der Unfähigkeit, den Wechsel im Bild zu bemerken, dass unsere Gehirne keine Abbilder unserer Umwelt speichern:

Wenn uns eine große Veränderung mitten in einem Bild entgeht [...], kann es in unserem Kopf kein gespeichertes Bild von der Szene geben – andernfalls müsste der Wechsel bemerkt werden. Unser stabiles visuelles Bewusstsein [...] gibt es in Wirklichkeit gar nicht.
(in: Spiegel Online, 1.9.2005)

Ich möchte hier insofern widersprechen, als dass das Phänomen der “Change Blindness” möglicherweise für das Betrachten von Bildern am Computern zutreffend sein mag, aber nach eigenen Erfahrungen nicht die Wahrnehmungsvorgänge in der dreidimensionalen Realität beschreibt. Denn – zur Kunst kommend – die enorme Veränderung zwischen den Zuständen 1, 2 und 3 des Bushäuschens ist dem Knetfeder-Team alles andere als entgangen – und das, obwohl der Zeitraum zwischen der Wahrnehmung der einzelnen Zustände jeweils einen Tag betrug. Ganz offenbar hatten unsere Gehirne also doch bereits ein ziemlich genaues Abbild des Blickes aus unseren Fenstern gespeichert, als sie mit den verstörenden Veränderungen des Bushäuschens konfrontiert wurden. (Für alle, die die Veränderung noch immer nicht entdecken konnten: man beachte den rechten Dachbereich des Häuschens!) Nachdem nach internen Nachforschungen im Knetfeder-Team eine Involvierung der Beteiligten ausgeschlossen werden konnte, bleibt nur eine Schlussfolgerung: es handelt sich um echte Berliner KUNST (oder wo sonst haben Sie in einem gutbürgerlichen Großstadtrandbezirk schonmal eine so gekonnt auffällig unauffällige Inszenierung des stuhlgewordenen Sitzstreiks gesehen?)!

Für kunsthistorische und sonstige Deutungen der Ausstellung sind wir jedenfalls jederzeit offen und schlagen des weiteren aus völlig uneigennützigen Gründen eine Fortsetzung der Vernissage unter Verwendung eines Liegestuhles vor.

Alle drei Bushäuschen-Zustände in Farbe und sonstiger voller Pracht:

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Das Märchen vom Disclaimer

§?Auch SpiegelOnline nimmt sich in einem Artikel dem Märchen vom Link-Urteil an und erklärt kompakt und übersichtlich die Hintergründe der überflüssigen “Präventiv-Freisprüche”.

Allerdings belässt man es nicht dabei, sondern macht einen Disclaimer-Rundumschlag und ergänzt die Thematik mit anderen Bereichen wie E-Mail-Angstklauseln und bringt sogar die kürzlich erfolgte Verfassungsbeschwerde des Heise-Verlags mit ein, hinter der sich eine ganz andere Geschichte verbirgt.

Für eine Spiegel-Online-Banane reicht’s nicht ganz, aber es zeigt, dass das Vermischen unterschiedlichster Rechtsfragen unter ein einziges Schlagwort “Disclaimer” es gerade begünstigt, dass

Genug Raum, für neue Missverständnisse und Märchen … und Disclaimer

bleibt.

Zudem ist ein Disclaimer keineswegs nur eine Marotte privater Homepages – auch Behörden, Firmen und Verlage fallen auf die Legende herein.

Nachtrag: Für einen Eintrag beim Netzwelt-Spiegel hat’s gereicht.

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Fuchsjagd

Opera- auf FirefoxlogoDie neueste Operaversion enthält keine Werbebanner mehr und wird auch nicht mehr lizenziert – Opera 8.5 ist komplett als Freeware veröffentlicht worden. Damit steht vor allem neben Firefox nun noch ein weiterer kostenfreier Browser für diverse Betriebssysteme zur Verfügung. Der Zeitpunkt für die Freigabe ist gut gewählt: Firefox 1.5 ist noch nicht erschienen und Firefox 1.0.x kämpft schon wieder mit Sicherheitslücken.

Interessant dürfte es werden, ob es Opera nun gelingen wird, dem Internet Explorer und Firefox signifikant Nutzer abzujagen und das eigene Stückchen am Browserkuchen zu vergrößern. Wer nicht aus politischen Gründen eine Wahl für einen Browser trifft, kann sich nun frei entscheiden, welcher Variante an Surfergonomie er den Vorzug gibt: einer integrativen Suite mit einer Vielzahl von Optionen und Nützlichkeiten oder einem reinen Browser, ggf. mit Fokus auf individuelle Erweiterbarkeit.

Dass Opera imstande sein wird, Firefox in großem Maße Nutzer abzujagen, dürfte dennoch eher bezweifelt werden. Wer bisher kein eingebautes Mailprogramm und andere Gimmicks gebraucht hat, wird nicht auf einmal Verlangen danach haben; wer sich zudem an Firefox gewöhnt hat, wird die Andersartigkeit von Opera auch nicht unbedingt zu schätzen wissen. Die Zielgruppe von Firefox, die bisherigen Internet-Explorer-Nutzer, werden – wenn sie wechseln – es doch eher zu Firefox tun, der dem Internet Explorer letztendlich doch ähnlicher ist. Für all diejenigen, die davon genervt sind, bei Firefox für jede Kleinigkeit, die über die Grundfunktionalität hinausgeht, eine Erweiterung installieren zu müssen oder mit der Geschwindigkeit des Browsers nicht zufrieden sind, könnte Opera jedoch zu der Alternative werden.

Die Lücke, in die Opera stoßen könnte, ist eine andere: die der alten Netscape/Mozilla-Suite. Die Netscape-6/7-Linie ist eingestellt worden und veraltet (der aktuelle Netscape 8 ist im Grunde ein Firefox-Aufsatz und hat mit der alten Suite bis auf das Logo so gut wie nichts mehr gemeinsam, so dass er Netscape-Fans eher abschreckt als begeistert), deren Basis, Mozilla 1.x, wird von den Firefox-Machern ebenfalls nicht mehr weiterentwickelt und erfährt nur noch Sicherheitsupdates. Der technische Nachfolger, die Seamonkey-Suite, lässt weiterhin auf sich warten, und so ist es momentan nur Opera, der aktuell E-Mail, News, Chat, RSS und Web unter einem Dach bietet – alte Netscape-Fans könnten Gefallen an Opera finden. Bereits rein optisch ist eine gewisse Ähnlichkeit nicht zu leugnen:

Mozilla 1.7 im Modern-Stil

Opera 8 im Standard-Stil

Die Webstatistiken der nächsten Monate werden es zeigen, ob es tatsächlich nur das Preisargument war, das viele potentielle Anwender angeblich bisher vom Einsatz Operas abgehalten hat – oder ob der Browser letztendlich doch für die Masse zu “anders” bzw. “zu kompliziert” ist.

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