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Archive forNovember, 2005

Firefox 1.5 – was haben sie nun wieder ausgebaut?

Da ist er also – die Endversion von Firefox 1.5 ist freigegeben. Ein knappes Jahr nach Firefox 1.0 ist nun also der Browser veröffentlicht worden, der eigentlich Firefox 1.1 hätte werden sollen. Nur klang das halt nicht so toll – und so hat man Firefox 1.1, 1.2, 1.3 und 1.4 einfach ausgelassen. Eigentlich verwunderlich, dass die Mozillaentwickler ihr Produkt nicht gleich 2.0 genannt haben.

Firefox 1.5 Linux im AuslieferungszustandVielleicht liegt es an den fehlenden Neuerungen. Firefox 1.0 war laut damaliger Kampagne schon ziemlich perfekt – warum sollte man also ständig Neues einbauen und erwarten wollen? In der Tat sieht Firefox 1.5 fast genauso aus wie sein Vorgänger mit der Null hinterm Punkt: auf den ersten Blick haben sich nur zwei Kleinigkeiten verändert – das RSS-Symbol erscheint nun nicht mehr in der Statusleiste, sondern in der Adresszeile, und das Einstellungsfenster hat ein paar Designkorrekturen erhalten – die Änderungen stecken tatsächlich unsichtbar hinter den Kulissen und werden für den gewöhnlichen Anwender gar nicht sichtbar.

Doch berichtet werden muss in den Medien, also greifen die nun allerorts aus dem Boden schießenden Rezensionen eben jene Kleinigkeiten auf, um etwas berichten zu können: Die vielgelobte, nun standardmäßig eingebaute Sortiermöglichkeit der Tabs ließ sich aber schon lange per Erweiterung installieren (eine Erweiterung, mit der man sogar mit dem Mausrad zwischen den Tabs wechseln konnte – ausgerechnet dieses nette Feature wurde nun bei der Integration aber nicht mit übernommen) und einige der paar neuen Einstellungsmöglichkeiten gab’s sogar schon 2002 in der Mozilla-Suite – und wurden für Firefox 1.0 nur versteckt.

Interessanterweise nicht berichtet wird von den Nachteilen und Bugs, die Firefox auch in der neuen Version wieder mitbringt: Auch Firefox 1.5 verrät dem Anwender nicht, dass er standardmäßig Webseiten im Hintergrund lädt, wenn entsprechende Links mit einem bestimmten Befehl markiert sind: Sucht man z.B. bei unser aller Suchmaschine mit Firefox, dann werden Ergebnisse bereits in den Zwischenspeicher geladen, noch bevor man sie selbst angeklickt hat. Bandbreiten- und Trafficverschwendung sind die Folge.

Ein weiteres, nicht behobenes Ärgernis: öffnet man zu viele Webseiten auf einmal, schieben sich neue Tabs irgendwann hinter den roten Schließen-Knopf – man kommt nicht mehr an die geladenen Seiten heran, außer über eine umständliche Tastenkombination. Aber selbst für solche Banalitäten gibt’s ja gottseidank Erweiterungen.

Auch am Speicherhunger des Fuchses hat sich nicht viel geändert. Auf älteren Computern und vielen gleichzeitig geöffneten Seiten bemerkt man recht schnell, dass Firefox relativ viel Rechnerkapazität verbrät – flüssiges Arbeiten ist oftmals nicht mehr möglich.

Eine tatsächliche Neuerung wird mangels echter Neuerungen ebenfalls hochgelobt: Die Möglichkeit des inkrementellen Updates. Patches und Programmerneuerungen können nun einzeln nachinstalliert werden, das komplette Austauschen der Software entfällt. Sicherlich komfortabel, aber andere Programme beherrschen das wie selbstverständlich seit Jahren, kaum zu verstehen ist daher, warum diese Eigenschaft hier wieder als bahnbrechend verkauft wird. Wirklich gebraucht hätte man diese Funktion damals zu Zeiten der schwergewichtigen Mozilla-Suite und quasi reiner Modem-/ISDN-Verbreitung – nicht erst jetzt beim verhältnismäßig kleinen Firefox, der mit DSL regelrecht auf die Festplatte fliegt.

Windowsnutzern stößt noch eine weitere Sache sauer auf: der Umstand, dass Firefox zur Darstellung seiner Oberfläche nicht auf vorhandene Betriebssystembibliotheken aufbaut, sondern diese nur imitiert. Bislang wurden die Menüs der klassischen Windows-Stile imitiert, mit Version 1.5 ahmt Firefox die Menüdesigns von Windows XPs Luna nach. Dort sieht das toll aus, die Benutzer älterer Windowsversionen (Windows95 wird sogar offiziell gar nicht mehr unterstützt) oder des klassischen Stils jedoch sehen nun ziemlich hässliche Menüs. Wenigstens hier kann geholfen werden: mit ein paar Handgriffen in der Datei userChrome.css verleiht man Firefox schnell wieder das alte Aussehen.

Das persönliches Urteil über diesen neuen Firefox: der Browser wurde behutsam verbessert und auch in der Benutzerergonomie weiter optimiert (dass man wie etwa bei Opera innerhalb von zwei Versionssprüngen zweimal seine komplette Oberfläche austauscht, ist glücklicherweise ohnehin nicht zu erwarten), bahnbrechende Neuerungen oder Innovationen sind aber nicht zu entdecken und so browst man konservativ und ohne böse Überraschungen mit Firefox 1.5 durchs Web.

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101 Möglichkeiten, das Ei zu erschrecken (3)


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Web 2.0 analog

Ich bin Flickr so unendlich dankbar. Ein einziger Eintrag im Werbeblocker, und schon sind die redundanten Bilder im halben Internet verschwunden.

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Weblogger-Watchblogging

Weblogs sind Mainstream geworden. Woran man das merkt? Wenn die Frankfurter Allgemeine eine Halbseite im “Geld-&-Mehr”-Buch opfert und ihren Lesern erklärt, wie man sich selbst so ein Blog im Internet besorgt:

Zeitungsseitenausschnitt
(Lyssa schreibt erneut in der Frankfurter Allgemeinen (Sonntagszeitung)).

Oder hätte der Artikel in der Bildzeitung stehen müssen, um von Mainstream sprechen zu dürfen?

PS. Ich dachte, die FAZ schreibt nach alter Rechtschreibung. Da hat der Schlussredakteur wohl gepennt, wurde wegrationalisiert oder Technikartikeln gesteht man allgemein eine neumodischere Schreibweise zu.

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Die aus Sicht eines Experten 10 häufigsten Designfehler in Weblogs, betrachtet aus voreingenommener Sicht des Netzrezipienten.*

Der in Sachen Webergonomie nicht unumstrittene, aber sich im Netz unter dem Schlagwort Usability einen Namen gemacht habende Jakob Nielsen hat vor einer Weile seine Top Ten der Weblog-Designfehler veröffentlicht.

Mauszeiger auf XML-ButtonDie Reaktionen reichen von “unbedingt lesenswert” über “nützlich” und “Müll” bis zum verständnislosen Kopfschütteln. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt seiner Aussagen tut man Herrn Nielsen oft Unrecht, denn die Versuchung liegt einfach zu nahe, ausgehend vom Anblick Nielsens eigener Webpräsenz ein verallgemeinerndes Urteil über seine Thesen zu fällen. Vereinfachung und Schlichtheit sind die netteren Schlagworte, die dabei fallen – aber es kann durchaus nicht abgestritten werden: Einfachheit und Schlichtheit sind nicht die schlechtesten Bedingungen für ergonomische Benutzung, das hat im Bereich Software zuletzt der Erfolg des Firefox gezeigt. Dass dabei, und vor allem wenn man damit übertreibt, dies zulasten von Design und Graphik gehen kann, steht außerfrage. Aber Nielsen ist, wie er selbst schreibt, kein Graphiker – deswegen sind Interpretationen und versuchte Verknüpfungen zwischen Form und Inhalt hier auch irrelevant.

Eine Frage bleibt aber berechtigt: So kann man sich einfach nicht vorstellen, dass es bei der Vielfältigkeit und dem Facettenreichtum der Weblogs möglich wäre, diese in ein derart starres Schema zu pressen, so dass sich daraus allgemeingültige Schlüsse zur Usability ziehen ließen.

So verfolgen etwa Privatleute und Firmen naturgemäß völlig unterschiedliche Interessen, erstere oft nichteinmal das, sondern sie schreiben aus Spaß an der Freude in ein Weblog. Nielsen äußert sich nicht dazu, ob er seine Erkenntnisse für Privatleute oder Unternehmen angewandt wissen will, unterstellt man aber, dass Usabilty einen allgemeingültigen Anspruch erhebt, wäre auch das in diesem Falle egal. Nehmen wir also an, dass Nielsens Tipps für alle Blogger gelten sollen. Gehen wir davon aus, dass Weblogger ein Interesse daran haben, gelesen (und zwar unkompliziert gelesen) zu werden – und sich deshalb Gedanken machen, wie ihr Weblog auf den Leser wirkt. Schauen wir uns unter diesem Aspekt einige von Herrn Nielsens aufgeführten Punkte doch einfach mal im einzelnen an:

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