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Archive forMai, 2006

Die Fernsehzeitung von heute

Das Fernsehen verliert immer mehr Aufmerksamkeit des Konsumenten, der sich heute immer öfter und vor allem immer länger lieber dem Internet widmet, anstatt nur vor der Glotze zu hängen. Doch auch die Passivberieselung hat noch ihren Stellenwert im Digitalzeitalter, und so ist man durchaus ab und zu noch gezwungen, einen Blick ins Programm zu werfen, wenn man seine Lieblingssendung sucht. Die neuerdings in Fernsehern eingebauten elektronischen Programmzeitschriften erledigen das zwar auch, sind in der Bedienung und Übersicht aber ähnlich komfortabel wie der TV-Videotext – nämlich gar nicht.

Also bleibt letztlich doch nur der Griff ins Zeitschrifenregal oder der Blick in die Tageszeitung? Mitnichten: die nutzerfreundlichste Fernsehzeitung kommt heute aus dem Internet und heißt TV-Browser.

TV-Browser-Fenster

Einmal installiert und regelmäßig mit neuen TV-Daten gefüttert, ersetzt es die herkömmlichen Programmzeitschriften oder deren Online-Varianten. TV-Browser bündelt die Programminformationen der Fernsehsender (so wie sie auch die Redaktionen der TV-Magazine serviert bekommen), stellt sie für den eigenen Rechner bereit – und zwar für den Nutzer kostenlos und werbefrei, ermöglicht durch das Engagement der Entwickler und Sponsoren.

Redaktionelle Bewertungen von Sendungen und Filmen gibt es deswegen nicht, dafür aber ein Plugin, mit dem die Nutzer selbst untereinander ihre Lieblingssendungen bewerten können. Da man letztlich aber auch nur selbst entscheiden kann, was man gut oder schlecht findet, ist dies eigentlich kein wirklicher Mangel. Dafür punktet der TV-Browser an anderer Stelle umso mehr: durch individuelle Konfigurierbarkeit: sieht man nur nur Arte, Phoenix und 3sat gerne, dann lädt man eben nur diese Sender – und hat sie übersichtlich nebeneinander anstelle der üblichen Hauptsender. Statt sich sein eigenes, persönliches Spartenprogramm aus winzigen Senderspalten zusammensuchen zu müssen, legt man Spaltengrößen und Reihenfolge der Sender (übrigens auch von vielen Radiosendern) einfach selbst fest, markiert sich seine Lieblingssendungen dauerhaft farblich mit einem Klick, lässt sich daran erinnnern oder exportiert sein Lieblingsprogramm samt Sendezeiten in einen Kalender.

Das Programm benötigt Java ab Version 1.4, das Installationspaket selbst ist knapp 2 MB klein und steht für Windows-, Linux- oder Mac-Rechner zur Verfügung. In der aktuellen Version 2.2 ist der TV-Browser sogar ein ganzes Stück schneller beim Starten als die Vorgängerversionen, enthält eine neue intuitive Suchfunktion und ist optisch mit der Symbolik ausgestattet, die man z.B. auch bereits vom Firefox-Browser kennt.

Knetfeder-Wertung: Uneingeschränkt zu empfehlen!

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Das Urheberrecht im Internet – reine Schikane?

Vermutlich sind viele Hobby-Webmaster und Forennutzer dieser Ansicht und, ich gebe es zu, ich war es auch, damals, als Internet-Neuling, der fasziniert war ob des riesigen “Selbstbedienungsladens” für Bilder, Texte und Ideen des Netzes. Seitdem ich aber selbst inhaltsreiche und informative Artikel für unsere Homepage schreibe und gerne mit eigenen Fotos im Bildbearbeitungsprogramm experimentiere (…und zudem einen stud. iur. zum Partner habe…), reagiere ich zunehmend gereizt auf Verstöße gegen das Urheberrecht und achte auch meinerseits peinlich genau auf dessen Einhaltung. Ganz abgesehen von unbezahlbaren Abmahnungen, auf die ich gerne verzichten möchte, bin ich auch wirklich innerlich zu der festen Überzeugung gelangt, dass das unerlaubte Veröffentlichen fremden geistigen Eigentums auf der eigenen Homepage – also z.B von Grafiken, Texten, Layouts etc. – einfach unverschämt, frech und rücksichtslos ist. Für mich ist das nicht nur eine Frage des geltenden Rechts, sondern auch der Moral. Dieser Einstellung ist wohl geschuldet, dass ich bzw. wir die sogenannten Contentklauer nicht direkt kostenpflichtig abmahnen, sondern uns zunächst privat mit dem jeweiligen Webmaster in Verbindung setzen, um ihn zu bitten, unsere Inhalte von seiner Seite umgehend zu entfernen. Ich appelliere bei solchen Gelgenheiten auch gerne mal an das Gewissen des “Urheberrechtsverletzers”. So geschehen auch im jüngsten Fall. Eine Homepage von zwei Autorinnen von sozialpädagogischen Sachbüchern bediente sich ausgiebigst aus dem Artikelfundus meiner Kleinkindpädagogik-Seiten, indem sie den kompletten Artikel über die motorische Entwicklung im Kleinkindalter mopste. Unter dem geklauten (und übrigens inklusive Design übernommenen) Text fand sich ein Link zu meiner Originalseite. Auzug aus meiner Mail an die beiden Verantwortlichen:

[...] Sie werden sicher verstehen, dass man es als Autor nicht gerne sieht, wenn die eigenen mühsam erstellten Texte von anderen einfach ohne Nachfrage übernommen werden, ganz abgesehen davon, dass es rechtlich eindeutig untersagbar ist. Sicher würden Sie es auch nicht gutheißen, wenn ich ganze Kapitel aus Ihrem Buch abtippen und unter meinem Namen auf meiner Seite veröffentlichen würde. Selbst wenn ich die Quelle angeben würde – wer würde das Buch noch kaufen, wenn früher oder später alle Inhalte im Netz zu finden wären, wenn jeder so vorginge? [...]

Tatsächlich wurde die “Seite des Anstoßes” am folgenden Tag entfernt. Sogar eine Antwortmail an mich war drin. Ich zitiere und kommentiere:

[...] Wir wollten in keinster Weise Inhalte unrechtens unser Eigen nennen, sondern vielmehr sinnvolle Inhalte, die wir gefunden haben auch für Andere zur Verfügung stellen.[...]

Innerhalb eines Mediums, wo weitergehende Informationen nur einen Klick entfernt sind, wirkt dieses Argument unglaubwürdig und lässt eher vermuten, dass die eigene Seite auf einfache, mühelose Weise aufgewertet werden sollte. Ein Auszug meines Artikels oder eine selbstgeschriebene Zusammenfassung mit dem entsprechenden Link wäre für den Leser ebenso von Nutzen wie der geklaute Inhalt. Lediglich für die Webmaster der Seite ergeben sich Vorteile durch die direkte Einbindung des Artikels in ihre Seiten.

Durch die Tatsache, dass wir die Seite verlinkt haben, war es für uns eindeutig, das wir deutlich zeigen, dass diese Seite einen anderen Autoren hat und wir nicht strafrechtlich handeln.[...]

Rechtlich gesehen definitiv falsch, denn das Urheberrecht ist eindeutig. Vom moralischen Blickpunkt her wäre zumindest eine Anfrage an mich als Autor geboten gewesen, ebenso dann bei Erlaubnis die Nennung meines vollen Namens, und zwar zu Beginn des Artikels, und nicht am Ende.

[...] obwohl ich es sehr schade finde, dass man so etwas nicht als eigene Werbung für sich sieht, da ich denke, dass man durch unseren Link darauf aufmerksam gemacht wird. [...]

Danke, sehr freundlich, aber der Link hätte denselben Wert gehabt, hätten die beiden Webmaster den Artikel auf meinen Seiten einfach kurz angekündigt, meinetwegen aus ihrer Sicht bewertet oder auf ihre Inhalte bezogen und dann verlinkt. (Im übrigens können wir Werbung gerade gar nicht so gut gebrauchen, da unser monatlicher Traffic sich schneller verflüchtigt als wir k-n-e-t-f-e-d-e-r tippen können – die meisten Leute finden den Weg zu unseren Artikeln offenbar auch ohne dass wir unsere Inhalte gratis im ganzen Netz verteilen lassen müssen **duck**)
So, das musste mal abgehandelt werden! PUNKT

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Hellseher bei Ebay

ratloser ParagraphDen kreativen, selbstgebastelten Haftungsausschlüssen der deutschen Ebayer sind nach wie vor keine Grenzen gesetzt. Doch unter den vielen EU-Rechtlern ist endlich mal jemand, der nicht bloß das ominöse EU-Recht ausschließt, sondern tatsächlich konkret das seiner Meinung nach einschlägige Gesetz nennt. Heute entdeckt:

Achtung – keine Garantie/gesetzliche Gewährleistung oder Rückgaberecht nach EU-Fernabsatzgesetz, (…)

Aha, das EU-Fernabsatzgesetz also. Auch das entpuppt sich nach kurzer Recherche leider als unauffindbar. Reine Erfindung des Verkäufers – das EU-Recht kennt kein Fernabsatzgesetz. Deutschland übrigens auch nicht. Bei uns gab’s das zwar mal kurzzeitig, aber selbst das Fernabsatzgesetz ist mittlerweile im stinknormalen BGB integriert.

Doch den Verdruss all derjenigen, die sich nach diesen scheinbar ehrhellenden Informationen bereits erfolglos auf die Suche nach dem EU-Fernsabsatzgesetz gemacht hatten, besänftigt der Verkäufer mit verblüffenden hellseherischen Fähigkeiten im nächsten Halbsatz:

(…) da Verkauf unter Privatpersonen.

Stimmt tatsächlich, ich bin Privatperson. Wie haben Sie das bloß gemacht?

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Tschüss, Bahnhof Zoo!

Anti-BerlinDer neue Berliner Hauptbahnhof wird heute abend eingeweiht. Endlich. Ab nächster Woche beginnt der Berliner seine Fernreisen am ehemaligen Lehrter Bahnhof, der zu einem zentralen Eisenbahnknotenpunkt in der Hauptstadt ausgebaut wurde, den ICEs wie S-Bahnen überirdisch, unterirdisch sowie von Norden bis Süden anfahren.

“Bahnhof der Superlative”, “spektakulär” schrieb die Berliner Morgenpost, “Kristallpalast im Märkischen Sand”, “grandiose Architektur” der Tagesspiegel und auch Berlin Online bedient sich nicht nur fremder Bilder, sondern schreibt in der Berliner Zeitung vom “Solitär an der Spree”. Nun ja, die Lage im Regierungsviertel, und umschlossen von wild wucherdem grünem Dickicht, macht ihn zu etwas Besonderem, aber ansonsten – wer Flughafenterminals spektakulär findet, dem wird auch der neue Hauptbahnhof gefallen. Genauso wirkt er nämlich, der neue Prachtbau. Wie ein Zentralflughafen (den gibt es in Berlin zwar auch, dieser soll wegen hoher Verluste demnächst aber dicht gemacht werden – hoffentlich kein schlechtes Omen für das neue Aushängeschild der Deutschen Bahn) – nur die Landebahnen fehlen.

Doch viel wichtiger als das Ereignis der Bahnhofseinweihung ist das Ereignis, das mit ihm einhergeht: die Herabstufung des bis dahin tatsächlichen zentralen Bahnhofs Berlins, den Bahnhof Zoo, zum Regionalbahnhof. Fernzüge halten künftig nicht mehr am ehemaligen Einfallstor West-Berlins, sondern fahren durch bis zum Hauptbahnhof. Wie mit allen Veränderungen tut sich der Mensch auch mit dieser naturgemäß schwer: der Protest und der Unmut gegen die von oben künstlich verordnete Verlagerung des Stadtfernverkehrs waren groß, aber auch sie konnten eines nicht überdecken: der Bahnhof Zoo hatte seine beste Zeit hinter sich. Die einstige Notlösung für West-Berlin war in der wiedervereinten Hauptstadt eine Katastrophe.

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Mutig sein! Ein Plädoyer für das Selberdenken.

Neben Podcasts mag ich auch keine Weblogeinträge in der Art von “heute ist das und das passiert und wir haben das und das gemacht”, Aber eine Ausnahme von meinen Prinzipien muss ich heute leider machen, denn das eben Erlebte ist einfach zu faszinierend und bestätigt mal wieder alle meine laienhaften soziologischen Theorien. Es geht um den Herdentrieb des Menschen, auch bekannt als “Lemminge-Effekt” (übrigens selbst eine urban legend, die nicht mehr totzukriegen ist), den wir bislang sowohl hier anhand des EU-Rechts bei Ebay als auch hier beim Märchen vom Linkurteil nachweisen konnten – eine Person macht irgendetwas vor, und alle machen es nach – egal, ob das nun sinnvoll ist oder ob der “Vorturner” den größten Blödsinn veranstaltet. Heutiges Erlebnis bewies das mal wieder eindrucksvoll: der Mensch ist in seinen Verhaltensweisen eben doch irgendwo zwischen der Evolutionsstufe des Affen und des Homo sapiens steckengeblieben. Ort des Geschehens: ein überfüllter Schaltervorraum einer Bank, in dem sich zwei Geldautomaten Rücken an Rücken gegenüberstehen. Eine Schlange von ca. zehn Personen steht ungeduldig an nur einem Automaten an… und kann es nicht fassen, dass man selbst zielstrebig – an der Schlange vorbei – an den freien Automaten geht, die EC-Karte einschiebt und in aller Seelenruhe sein Geld zieht. Man kann sich sicher sein, dass man dabei erstaunte “Ach, der geht doch…?”-Rufe erntet, aber das kann es doch nun wirklich nicht sein, was den normalen Menschen davon abhält, im Großstadtdschungel Eigeninitative zu entwickeln. Oder? Versuchen Sie’s doch einfach das nächste Mal, wenn sie vor der Wahl stehen, mit dem Strom zu schwimmen, oder aber selbst etwas “vorzuturnen”. Es macht unheimlich Spaß – und spart auch noch Zeit!

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neu: Inkompetenz zum Hören

Smiley mit KopfhörernInternet und Radio – eigentlich passt das nicht zusammen. Internet ist ein interaktives Medium, das viel Potential aus seiner Mehrwegekommunikation schöpft: Kommentare, direkte Partizipation und Interaktivität sind einige Schlagworte. Radio hingegen ist eines der klassischsten aller Medien: im Bedarfsfall zwar ebenfalls topaktuell, aber immer nur einseitig vom Sender zum Empfänger und mit festem Programm. Und Zuhören bringt wenig Vorteile: eine Webseite kann man spezifisch verlinken, man kann Text aus ihr kopieren und zitieren, man kann sein Lesetempo selbst bestimmen und sich seine Inhalte gezielt selbst in gewünschtem Umfang zusammensuchen. Auch aus diesen Gründen mag ich keine Podcasts. Ich höre gern Radio – aber das ausschließlich in diesen blechnernen, plärrenden Kisten – in Radios eben. Im Internet lese ich lieber und bestimme meinen Konsum selbst.

Aber man soll ja nicht den Fehler machen und von sich auf andere schließen. Wer keine Lust auf ellenlange Textwüsten und endloses Scrollen im angeblich nur für kurze Texte geeigneten Web hat, wer nicht die Muße hat, sich Zeit für einen langen Text zu nehmen, ihn sich aber durchaus nebenbei anhören oder ihn für unterwegs auf den MP3-Stick schieben würde, der ist vielleicht froh, wenn er irgendwo einen Link zur Audioversion eines Textes entdeckt.

Aus diesem Grund gibt es ab heute ausgewählte Artikel der Kleinkarierten Kritik auch zum Zuhören. Den Anfang macht der Essay “Viel Spaß beim Bieten” aus der Rubrik “Eigene Inkompetenz”. Weitere audiophile Artikel werden demnächst folgen, immer erkennbar am Smiley mit Kopfhörern. Vertonte Berichte wird es auf knetfeder.de allerdings auch zukünftig nur als Ergänzung geben. Text bleibt das bevorzugte Stilmittel, Audiodateien gibt es als kleinen Bonus (man wird ja wohl auch mal mit dem Strom schwimmen dürfen…).

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