Start

Archive forJuni, 2008

Firefox 3.0 pfeift auf die Privatsphäre

Das hätte es vor einiger Zeit noch nicht gegeben: Eine Software schafft es auf die Titelseiten der Tageszeitungen, hier im Bild die Seite 1 der Berliner Zeitung, einfach bloß, weil das Programm in einer neuen Version vorliegt, einen sympathischen Ruf hat und das clevere Marketing die Neuauflage mit einem Weltrekordversuch verknüpfte.

Ausschnitt Berliner Zeitung

Die Rede ist natürlich von Firefox 3.0, dem Browser aus dem Hause Mozilla. Firefox hat das Image eines Robin Hoods: uneigennütziger Kampf gegen die bösen Mächte des Internets, die, von kommerziellen Interessen getrieben, mit proprietären Mätzchen das Netz in eine einzige große Shoppingmeile verwandeln wollen. Unzählige Freiwillige stricken an einem freien, kostenlosen Internetbrowser, um das Leben der Menschen zu verbessern. Soweit das in den Köpfen vorherrschende Bild. Entsprechend unkritisch liest sich das, was derzeit durch die Medienlandschaft wabert: Firefox toll, Firefox super, Firefox noch besser. Die FAZ fordert gar:

Bildunterschrift: Sollte auf jedem PC zum Standardbrowser werden

Dabei wird schnell vergessen: Auch bei Mozilla handelt es sich um ein millionenschweres Unternehmen (kritisch: die FR) und auch wenn die Firefox-Macher nur Gutes im Sinn haben sollten: Kontrolle ist besser. Schaut man sich den erhältlichen Firefox nach einer frischen Installation auf dem System nämlich genauer an, erlebt man sein blaues Wunder, wenn man auch nur einen Funken Sensibilität für Datenschutz beweist.

Firefox kümmert sich im Auslieferungszustand kaum um die Privatsphäre der Nutzer. Pop-up-Fenster werden standardmäßig blockiert – aber das war’s auch schon. Jede mit Firefox angesurfte Seite kann beliebig Cookies auf den eigenen Rechner setzen, mit dem ebenfalls regulär eingeschalteten Javascript kann es im Ernstfall richtig gefährlich werden und vom in Firefox eingebauten Prefetching ahnt der Nutzer nichteinmal etwas. Daher der Rat: Nehmen Sie sich einen Moment Zeit für eine restriktivere Konfiguration des Browsers, bevor Sie mit Firefox ins Internet stürmen:

1. Prefetching abschalten
Rufen Sie in Firefox die Seite about:config auf und bestätigen Sie die Gewährleistungswarnung. Suchen Sie dann die Zeile network.prefetch-next und klicken Sie doppelt darauf. Dadurch wird die Zeile fett hervorgehoben, der dahinterstehende Wert ändert sich von true zu false – und Prefetching ist abgeschaltet.

2. Cookies regelmäßig löschen lassen oder mit Ausnahmen verweigern
Einstellungen, Datenschutz: Einstellung “bis: sie abgelaufen sind” ändern auf “bis: Firefox geschlossen wird”. Noch restriktivere Variante: Häkchen entfernen bei “Cookies zulassen” und hinter “Ausnahmen” nur diejenigen Seiten eintragen, auf denen man Cookies unbedingt braucht.

3. Javascript kontrollieren
Ohne Javascript geht im Netz fast nichts mehr, sicherer ist dennoch ohne: wer es sich leisten kann, entfernt Einstellungsbereich “Inhalt” das Häkchen vor “JavaScript aktivieren. Intelligenter funktioniert es mit der Erweiterung “NoScript”: man deaktiviert Javascript völlig und erlaubt es wie bei den Cookies nur auf Seiten, wo es unabdingbar ist.

4. Referrer unterbinden
Und für absolut paranoide Naturen: via about:config den Wert der Zeile network.http.sendRefererHeader auf 0 setzen – und schon sehen Webseitenbetreiber nicht mehr, über welchen Link Sie eine Seite erreicht haben oder über welche Suchbegriffe Sie auf die Seite gekommen sind. Dadurch nehmen Sie uns dann allerdings auch die Möglichkeit, Ihre Fragen zu beantworten. ;-)

5. Flash kontrollieren
Falls Sie den Flashplayer installiert haben (wenn Sie YouTube-Videos sehen können, ist das der Fall), installieren Sie die Erweiterung “Flashblock” und lassen Sie die Anzeige von Flashvideos nur bei Bedarf zu. Alternative: Im Flash-Plugin selbst das Speichern von Informationen verbieten.

Kommentare

Jetzt ganz frisch: Firefox 3.0

Firefox-LogoDas Internet hat lange genug gewartet – jetzt ist er da: eine knappe Woche nach Opera 9.5 steht Firefox 3.0 zum Herunterladen bereit. Wie zu erwarten war, sind die Download-Seiten heillos überlastet und stellenweise nicht erreichbar. Dies geschah bereits in den vergangenen Jahren regelmäßig bei der Veröffentlichung neuer Hauptversionen des Browsers, doch diesmal verstärkt Mozilla sogar selbst das Chaos, indem parallel ein Guiness-Buch-Rekordversuch läuft, Firefox 3.0 so oft wie nur möglich herunterzuladen. Ein gewolltes Eigentor.

Unter folgenden Adressen bekommt man u.a. die offizielle deutsche Version des Firefoxes:
Mozilla.com
Mozilla-Europe.de
Mozilla.org (FTP)

Firefox-Downloadseite

Wer es geschafft, hat sich den neuen Internetfuchs zu besorgen, kann viele neue Funktionen, ein neues Erscheinungsbild, aber auch weiterhin einige Merkwürdigkeiten entdecken. Ein ausführlicher Test des neuen Firefox 3.0 ist soeben als Rezension im Magazin erschienen:

Browserrevue 2008: Firefox 3.0 und Opera 9.5 – jetzt noch cooler

Kommentare

Opera 9.5 ab sofort erhältlich

Opera-LogoHeute, am 12.6., hat Opera Software taktisch geschickt knapp eine Woche vor dem mutmaßlichen Veröffentlichungstermin von Firefox 3 den eigenen Browser Opera in Version 9.5 fertiggestellt und zum Herunterladen freigegeben:

http://www.opera.com/download/

Opera.com-Vorschaltseite

Der Konkurrent von Firefox, Safari oder Internet Explorer ist kostenlos für Windows, Linux, Solaris, FreeBSD und Mac OS X erhältlich. Ein ausführlicher Bericht erscheint nächste Woche, gemeinsam mit einer Firefox-3-Rezension, nebenan im Knetfeder Magazin.

Nachtrag 16.6.: Die Rezension ist verfügbar.

Kommentare

Das Internet ist kaputt

Ach Du meine Güte – Google hat ein neues Favicon:

altes Favicon neues Favicon

Wie soll man nun bloß in der Browserleiste seine ganzen offenen Suchergebnisse wiederfinden?

Kommentare

Zitat des Tages: Diskrepanzen

diskrepant

Kommentare