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Archive forMärz, 2009

DSDS 2009 – was soll das denn noch?

Für Mark Medlock und Thomas Godoj war es das Sprungbrett schlechthin, vom Rest der Gewinner oder gar der Ausgeschiedenen hört man weniger bis gar nichts mehr – schon gar nicht im Radio -, kann sich nicht mehr erinnern oder will sich nicht mehr erinnern. Wer hätte vor Jahren gedacht, dass es tatsächlich einmal gelingen würde, einen “Superstar” direkt durch ein Vorsingen im Fernsehen zu generieren? Heute dröhnt Medlock-Gedudel aus den Lautsprechern bei Woolworth und Thomas Godoj hat ebenfalls jüngst den Echo-Nachwuchspreis gewonnen.

Könnte man nicht sagen, das reicht jetzt? Dass nach Godoj noch etwas Besseres kommt, kann man sich nicht wirklich vorstellen. Doch auch für die Neuauflage des Fernsehgesangswettbewerbs “Deutschland sucht den Superstar” haben sich wieder unzählige Jugendliche überschätzt, denen doch allmählich einmal klarwerden müsste, dass man auch bei einer Fernsehshow, die vorgibt, den Superstar zu “machen” nur eine Chance hat, wenn man bereits vor dem Casting singen konnte – und dazu noch ein Quentchen Charisma mitbringt.

Entsprechend langweilig ist die neue Staffel. Marco Schreyl gibt noch immer mit aufgesetzter Betroffenheit unsympathische Kommentare ab (“der Traum vom Superstar ist ausgeträumt”) und Chefjuror Dieter Bohlen hielt sich während der arrangierten Zweit-Castings auffällig zurück (vielleicht musste RTL doch zuviele Strafzahlungen an die Landesmedienaufsicht leisten und durfte sich den gefilmten psychischen Zusammenbruch eines Kandidaten nicht ein zweites Mal leisten), wirkte fast großväterlich-besorgt um seine “Schützlinge” und wurde von Neujurybesetzung Volker Neumüller bei der Rolle des Unbarmherzigen scheinbar in den Schatten gestellt.

Das hat man gefunden: zwei, drei interessante Gesichter und herausscheinende Originale (Deutscher Schlager, Harfe, Entertainer), die in den Mottoshows viel zu früh ausscheiden werden, ein James-Blunt-Imitator, eine außergewöhnliche Stimme mit Dauerhütchen (die bereits in der letzten Staffel auftrat, aber wohl übersehen wurde) und ein paar weitere Teens und Twens, die ganz passabel singen.

Dabei wurde die jetzige Staffel so ausstaffiert, dass der Eindruck entstand, als käme es auf das Singen gar nicht mehr an. Hätte sich Thomas Godoj kopfüber an einen Kran hängen lassen, um singen zu dürfen? Entweder ja, weil er mit stoischer Gelassenheit und über den Dingen stehend sowieso jeden Unsinn über sich ergehen ließe – oder nein, weil man ihm zutraut, dass er für sein Ziel, einfach nur singen zu wollen, seine Würde nicht völlig abgegeben hätte. Schwer zu sagen. DSDS 2009 liefert jedenfalls den letzten Beweis, dass das Format beginnt, sich totzulaufen und sich die Schadenfreudenshow sogar neben aufgebauschten Schicksalsschlägen, künstlich inszeniert wirkenden Intrigen und Skandalen noch absurdere Unterhaltungselemente einfallen lassen muss. Kaum noch eine Spur von ernstzunehmendem Gesangswettbewerb. Aber war es das überhaupt je? Vielleicht wird es Godoj und Co. in ein paar Jahren sehr unangenehm sein, an DSDS erinnert zu werden (wahrscheinlich ist es Godoj jetzt schon unangenehm – er darf es nur noch nicht sagen).

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