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Archive forJuli, 2010

Unsoziales Flattr?

Flattr selbst bezeichnet sich als “sozialen Bezahldienst”. Sieht man genauer hin, müsste es eigentlich “unsozialer Bezahldienst” heißen. Denn es profitieren nur “die Großen”: Niggemeier, Lawblog, Chaosradio, Spreeblick, taz. Ein Text oder Beitrag eines unbekannteren Publizierenden kann noch so genial sein, bei Flattr hat er damit so gut wie keine Chance.

Flattr-Fehler-Button

Für den kleinen Blogger rechnet sich Flattr kaum. Um Zahlungen entgegennehmen zu können, muss man jeden Monat mindestens 2 Euro ins System eingezahlt haben. Mit Micropayment hat dieser Dienst also im Grunde nichts zu tun, es ist für die Mehrheit (die selbst Flattr-Buttons verwendet) eine Art Lotterie, wie etwa Robert Basic zutreffend schreibt.

Der “Einsatz” ist die Aufladung des Flattr-Kontos, der Gewinn ist eher vom Zufall abhängig – davon, ob irgendwann durch sekundäre Kanäle wie Twitter, Facebook, klassische Medien (oder eben die großen Blogs) eines Tages schlagartig eine Menge Internetnutzer gleichzeitig auf einen bestimmten Inhalt aufmerksam werden. Der dann hoffentlich einen freigeschalteten, d.h. durch gedecktes Konto verfügbaren, Flattr-Button hat.

Nicht bei den deutschen Blogcharts gelistete Seiten machen bis dahin eher ein Verlustgeschäft, nehmen vielleicht ein paar Cent ein, zahlen pro Jahr aber mindestens 24 Euro ein, wenn sie ihr Konto aktiv halten wollen. Das Perfide daran ist, dass die “Kleinen” durch die Hoffnung, irgendwann auch einmal mehr Geld einnehmen zu können, dazu animiert werden, genau dies zu tun – immer weiter einzahlen. Immerhin, das ist günstiger, als echtes Lotto zu spielen.

Die ersten Flattr-Nutzer springen – aus unterschiedlichen Gründen – bereits wieder ab, z.B. Rainer Bartel und Anke Gröner.

Notiz am Rande: Da hat jemand unsere Denkanstöße zu Flattr aufgegriffen, die komplette Auflistung kopiert, kommentiert – und damit im vergangenen Monat 9,60 Euro verdient. Unsere Kontonummer wollte noch niemand haben. Flattr – Knetfeder: 1:0. :-)

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