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Archive forSeptember, 2010

Das Dilemma mit dem Kommentar-E-Mail-Feld

Kommentierende schreiben, sie lesen nicht. So etwa könnte man das Dilemma zusammenfassen. Mit dem Aufkommen von Weblogs vor einigen Jahren änderte sich das Gesicht des Internets völlig. Auf einmal konnte man alles und jedes ohne großen Aufwand kommentieren. Ein Trend, der sich inzwischen bis auf die Artikelseiten konservativster Tageszeitungen auswirkt. Musste man sich zuvor in den typischen Foren wie auch heute noch anmelden, bevor man wie auch immer gearteten Senf dazugeben konnte, reichte fortan die Angabe von Mailadresse und Namen direkt über dem Kommentarfeld. Aber warum eigentlich? Weil die meisten Weblogs mit Wordpress laufen und die Standardeinstellung so aussieht:

Standard-Wordpress-Kommentarfeld

Name und Mailadresse sind Pflichtfelder. Das hat die Internetnutzer im Laufe der Zeit zu gewissenhaften Name-und-E-Mail-Feld-Ausfüllern erzogen. Dabei ist die zwingende Abfrage von Name und E-Mail nicht nur datenschutzrechtlich problematisch, sondern auch lästig. Viele Nutzer haben sich zwar für diesen Zweck eine spezielle Mailadresse, die nur für solche Kommentarfelder verwendet wird, zugelegt oder sie füllen die Felder stattdessen mit Phantasiedaten aus – doch die Frage bleibt, wozu Webseitenbetreiber eigentlich eine Mailadresse zu jedem Kommentar brauchen.

E-Mail- und Namensangabe als Pflichtfelder haben wir bei neuen Knetfeder-Seiten daher schon lange abgeschafft:

vor Kommentarfeld steht: ... es gibt keine Pflichtfelder!

Und nun zeigt sich hier das eigentlich interessante Phänomen: Statt die Felder einfach freizulassen, werden weiterhin typische für Spam-Empfang gedachte Adressen oder Phantasieadressen eingetragen:

nurfuerspam@domain.invalid
nicht@fuer.dich
keine@mail.invalid
no@not.invalid

Die Internetnutzer sind so auf die Eingabe der Pflicht-Mailadresse gedrillt, dass sie gar nicht mehr auf die Idee kommen, dass es auch anders ginge. Man müsste wohl das E-Mail- und Namensfeld komplett entfernen, um die Leute zu ihrem Glück zu zwingen … doch dann würden die Besucher wahrscheinlich den Kommentarbereich nicht mehr für einen Kommentarbereich, sondern für eine Maske zum Bestellen eines Newsletters halten.

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