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Archive forJanuar, 2013

Die Rundfunkgebühr und die Schleichwerbung

Es kommt immer alles zusammen: Dümmer könnte es für das öffentlich-rechtliche Fernsehen derzeit nicht laufen. Erst verebbt der vor allem von der Bildzeitung herbeigeschriebene Volkszorn über die neuen Rundfunkgebühren einfach nicht, und dann kommt auch noch der Verdacht auf, dass beim ZDF bzw. bei „Wetten, dass …?“ in den letzten Jahren massiv Schleichwerbung stattgefunden hat (womit nicht die Gummibärchen gemeint sind). In der Öffentlichkeit verstärkt das den Eindruck: „Die bekommen den Hals einfach nicht voll genug“.

Unabhängig davon bleibt es spannend: da politisch legitimiert, wird es letztlich nur die Verfassungsgerichtsbarkeit in der Hand haben, ob der neue Rundfunkbeitrag wieder fällt oder nicht.

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Internetbriefmarkenchaos

Die Zustellung wird seit Jahren gefühlt schlechter, aber die Preise steigen natürlich: Statt 55 Cent will die Deutsche Post für Standardbriefe nun 58 Cent. Hört sich nicht weiter dramatisch an, immerhin gibt’s nun 3-Cent-Briefmarken zum Dazukaufen. Allerdings nur als Postwertzeichen, wie es im Postpostbeamtendeutsch so schön heißt.

Wer so blöd war, sich auf das Angebot der Internetbriefmarke einzulassen, hat nun den Salat: da man Internetmarken nicht kombinieren kann, kann man mit den bereits vorhandenen 55-Cent-Marken seit Januar 2013 nichts mehr anfangen. Man kann zwar die gesamten PDF-Bögen einschicken und um Erstattung bitten, aber das funktioniert auch nicht, wenn man die Bögen bereits zerschnippelt und einzelne Marken daraus verwendet hat. Was also tun? Die 20-stelligen Codes jeder Marke einzeln abtippen und an die Post mailen. So also sieht die schöne neue Welt der Briefmarken im Jahre 2013 aus.

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Mit ARD und ZDF zurück in die 50er

Kaum beschwert man sich, dass ARD und ZDF zwar Fernsehgebühren fürs Internet kassieren, bislang dort aber nur Radio zu empfangen ist, beginnt die ARD, ihr erstes Programm als Live-Stream übers Internet zu senden. Das erste Mal in der Rundfunkgeschichte braucht es nun also kein Fernsehgerät oder keine TV-Karte mehr, um regulär übers Netz Fernsehen empfangen zu können, PC und Internetanschluss reichen.

Doch die Sache hat einen Haken. Weiterhin nicht das komplette Programm wird gestreamt, sondern nur ein Großteil (weil im Einzelnen Ausstrahlungsrechte fehlen). Und es ist bislang auch nur „das Erste“, das auf diesem Wege sendet. Ein Programm. Von über 20.

Ironie am Rande: Ausgerechnet im modernen Internet hat man damit wieder einen Zustand wie in den 50er Jahren erreicht, als „Fernsehen“ in Deutschland aus nur einem einzigen Programm bestand. Aber es ist ein Anfang.

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Die ARD und die unabhängige Berichterstattung zur neuen Rundfunkgebühr – mal genauer betrachtet

Die ARD selbst heizt den Unmut weiter an, z.B. mit einem Filmbeitrag der SWR-Landesschau zur Einführung des neuen Rundfunkbeitrages. Da wird die Gebührenreform in schönstem Lichte dargestellt und mögliche Schwachstellen geschickt zu nahezu 100% ausgeblendet.

„Keine Mehrfachbelastungen mehr“

Stimmt; erwachsene, bei den Eltern lebende Kinder zahlen nun nicht mehr extra, dafür nun Behinderte und alle, die gar keinen öffentlich-rechtlichen Funk nutzen.

„Die Höhe des Rundfunkbeitrags ändert sich nicht“

Doch – nämlich für alle Nur-Radio-Hörer oder Internetnutzer, die bislang nur knapp 6 Euro zahlten.

„Es gibt keine Ausnahmen mehr, alle zahlen solidarisch dasselbe“

Doch o Wunder, für Pflegedienste, Schulen, Polizei und Feuerwehr gelten Sonderregelungen.

„Vom Tablet-Computer bis zum Handy, alle können heute Fernsehen, Radio und Internet empfangen.“

Eben nicht. Alle können Internet empfangen, aber nur wenige Handys Radio und praktisch kein Gerät Fernsehen. Oder versuchen Sie doch einfach mal, mit dem Smartphone den Sonntagabendfilm bei ARD und ZDF zu schauen. Über das Internet kann man sich Videos herunterladen, aber kein Fernsehen empfangen. TV-Karten in Smartphones und Tablets existieren praktisch nicht.

„Der Beitrag bleibt stabil“

Nur für Fernsehempfang.

„Bemerkenswert, wie viel Beitragsstabilität hier erreicht wurde.“

Das könnte natürlich auch daran liegen, dass ARD und ZDF chronisch überfinanziert sind.

„Wir gehen mit dem Geld der Beitragszahler sehr sorgsam um.“

Genau. Mit über 20 Fernsehsendern und über 70 Radioprogrammen.

„So günstig wie vor 40 Jahren wird’s aber wohl nicht mehr werden.“

Genau das sollte es aber, wenn man den Bedeutungsverlust des Fernsehens für die Gesellschaft berücksichtigt.

Kein Wort über den Irrsinn der Sportübertragungsrechte, kein Wort über horrende Gehälter für einzelne Moderatoren, kein Wort über die ausufernde Verwaltung, die das Bestehen von fast einem Dutzend Anstalten, die gemeinsam über zwei Dutzend Fernsehsender betreiben und dreimal so viele Radiosender mit sich bringt. Natürlich nicht. So sieht keine ausgewogene Berichterstattung aus, die unabhängig von Politik und Wirtschaft durch die Nutzer finanziert wird. So sieht einseitige Berichterstattung, Lobbyismus in eigener Sache aus, so macht man Image-Filmchen.

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Debatte um die neuen Rundfunkgebühren

Die Umstellung der Rundfunkgebühr auf den neuen Rundfunkbeitrag bringt vor allem nun erstmal eines: eine neue Debatte über die Existenzberechtigung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Die Wut wird größer im Lande, über die Fernsehgebühren, die ab Januar pro Haushalt eingetrieben werden, auch wenn man gar keinen Fernseher hat. Und die Öffentlich-Rechtlichen heizen die Wut selbst weiter an, indem sie Kritik als unsachlich abstempeln oder Rundfunkgebühren als konstitutiv für Demokratie darstellen.

Dabei dürfte es eigentlich niemanden geben, der die Wichtigkeit des nicht-staatlichen staatlichen Rundfunks für das Gemeinwohl anzweifelt, eines zumindest auf dem Papier von Wirtschaft und Politik unabhängigen Medienbetriebs. Nein, es ist die Höhe der Gebühren und die Gigantomanie des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, die die Gemüter erregt. Dass ARD und ZDF trotz Gebühren nicht frei von Werbung sind. Dass in den ach so staatsfernen Anstalten nach Parteienproporz gemauschelt wird. Dass Moderatoren nach Schleichwerbungsverdacht gekündigt wird, um sie nach Abflauen der Proteste und Sinken der Quoten kurz darauf wieder einzustellen. Dass sie sich überhaupt für Quoten interessieren. Dass die Privaten kopiert werden. Dass Sendungen nach 7 Tagen aus den Mediatheken verschwinden. Dass Filme gar nicht zum Abruf bereitstehen. Dass innovative Sendungen auf spärlich empfangbare Spartensender abgeschoben werden. Dass in den Hauptprogrammen nur der kleinste gemeinsame Nenner zulässig ist. Dass kritische Stimmen einfach gelöscht werden. Der Unmut wird dieses Mal nicht so schnell verebben wie nach den letzten Umstellungen. Jetzt geht es erst so richtig los.

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