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Archive forApril, 2014

DAB+ in Theorie und Praxis

Eigentlich wären sich alle einig: wenn Digitalradio über DAB+ endlich mal so senden würde, wie es optimalerweise funktionieren könnte, dann wäre es das perfekte Radio über Antenne. Wenn es also nicht nur gleich viel oder weniger Sender als über UKW gäbe, sondern signifikant mehr, wenn die Sendeleistung der von UKW-Sendern entsprechen würde, wenn es endlich bundesweit verfügbar wäre und wenn tatsächlich in CD-Qualität gesendet würde statt mit lächerlich geringen Datenraten.

Die Berichterstattung über DAB+ scheint, wenn nicht ohnehin Marketing, oft von Wunschdenken bestimmt und theorielastig zu sein. Zum Beispiel trifft Teltarif.de in einem aktuellen Artikel zu Radioempfangswegen folgende Aussage:

Dabei ist mancherorts das Programmangebot schon heute attraktiver als auf UKW: So sind in Berlin (…) jeweils mehr als 40 Radiosender über DAB+ zu hören.

Stimmt nur leider nicht. Über DAB+ sind in Berlin aktuell 37 Sender zu empfangen. Inwieweit das attraktiver sein soll als die 36 Sender über UKW (in teils besserer Qualität und Sendestärke), erschließt sich nicht wirklich.

Hier gibt es auch (…) Musikrichtungen, die der Nutzer über UKW nicht findet.

Das ist möglich, der ein oder andere Sender, der auf UKW funkt, fehlt auf DAB+ – und umgekehrt. Allerdings unterscheidet sich das Angebot von UKW und DAB+ inhaltlich kaum voneinander. Das, was man mit DAB+ zusätzlich zu UKW erhält, ist im Endeffekt die Verdoppelung des UKW-Angebotes – aber eben nicht mit zusätzlichen Inhalten, sondern mit fast identischem Inhalt.

Doch für Redundanz wird verständlicherweise kaum ein UKW-Hörer bereit sein, sich freiwlillig nach Neugeräten umzusehen.

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Bla!

Wenn man schon was verkaufen will, dann sollte man darauf achten, der Produktbeschreibung etwas mehr Enthusiasmus zu widmen …

Oder zumindest darauf achten, dass die Produkteigenschaft “black” nicht im ungünstigsten Augenblick abgeschnitten wird.

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Die verschiedenen Anschlagscharakteristika bei Cherry-Tastatur-Schaltern (MX-Schalter-Übersicht)

Black
Lineare Schalter, das heißt, man spürt nicht, wann die Taste auf halbem Weg nach unten auslöst. Haptische Resonanz gibt es erst, wenn die Taste auf dem Gehäuseboden aufschlägt. Der Widerstand ist recht hoch, man benötigt mehr Kraft als bei einer handelsüblichen Gummimembrantastatur, um die Taste ganz herunterzudrücken.

Red
Die Light-Variante der Black-Schalter: ebenfalls linear, aber sehr leicht zu drücken, leichter als bei Membrantasten. Die Tasten lassen sich dadurch sehr schnell bedienen, die Finger sollte man jedoch besser nicht auf der Tastatur zum Ausruhen abstützen.

Brown
Vom Kraftaufwand ähnlich wie die Red-Schalter einzuordnen, sehr viel leichter als die Black-Schalter, dafür haben die braunen Schalter einen künstlich eingebauten Widerstand (Druckpunkt) beim Auslösepunkt. Sicheres Schreiben wird daher möglich, ohne die Tasten voll herunterdrücken zu müssen, die Lautstärke beim Tippen reduziert sich bei dieser Art von Tippverhalten etwas.

Clear
Die weißen Schalter sind eine Art verstärkte Form der Brown-Schalter (oder andersherum die Brown-Schalter eine leichtere Version der Clear-Schalter): Mit fühlbarem Druckpunkt, aber einen Tick schwerer zu drücken als die braunen Schalter. Das Tippgefühl ähnelt den herkömmlichen Tastaturen am ehesten.

Blue
Kraftaufwand und Charakteristik wie die Brown-Schalter, jedoch zusätzlich zum fühlbaren Druckpunkt auch noch mit einem deutlichem, hellen Klicken beim Auslösen auf halbem Wege. Schnelles und präzises Schreiben wird auf diese Art sowohl haptisch als auch auditiv unterstützt.

leichter Anschlag: rot, braun, blau
härterer Anschlag: schwarz, weiß
linear: schwarz, rot
fühlbarer Druckpunkt: braun, weiß
klickend: blau

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Die Nicht-Attraktivität von DAB+ am Beispiel von Berlin

Um Radiohörer vom Digitalradio zu überzeugen, braucht es einen echten Mehrwert. Absolute Rauschfreiheit oder Zusatzdienst-Spielereien sind beim Radioempfang sekundär. Was zählt, ist, wie viele Sender man empfängt, und vor allem welche Sender man damit empfängt. Auf die Inhalte kommt es an. Schauen wir uns die Situation in Berlin, Anfang 2014, an:

Über UKW empfangbar (36 Sender, je nach Standort leicht abweichend): StarFM, MDR Sachsen Anhalt, 88Vier, 88,8, DLR Kultur, Radio Potsdam, Radio Teddy, Berliner Rundfunk, Power Radio, Kulturradio, Inforadio, Jam FM, Hitradio SKW, RS2, BBC World, Radio Eins, Funkhaus Europa, RFI, Radio Rossiji, NPR, Deutschlandfunk, Radio Paradiso, Kiss FM, Antenne Brandenburg, FluxFM, Klassik Radio, Metropol FM, Fritz, Energy Berlin, 104,6 RTL, Spreeradio, Radio B2, Jazzradio, BB Radio, MDR Figaro, MDR Jump

Über DAB empfangbar (37 Sender): Radio Schlagerparadies, Absolut relax, sunshine live, Deutschlandfunk, DLR Kultur, DRadio Wissen, Dokumente und Debatten, Energy Berlin, ERF Plus, Klassik Radio, Lounge FM, Radio Bob, Radio Horeb, Bayern plus, Star*Sat Radio, Radio Paloma, Radio Paradiso, SWRinfo, Radio impala, Radio Gold, FG Radio, Jack FM, Megaradio, Deluxe Radio, ERF Pop, Antenne Brandenburg, Bayern 2, BR-Klassik, Fritz, Funkhaus Europa, Inforadio, Kulturradio, MDR Jump, 88,8, Radio Eins, SWR3, WDR2

Wenn man die Sender nach Inhalten aufschlüsselt, kommt dabei Folgendes heraus:

UKW
Information: #####
Klassik: ###
Pop/Rock/etc: #################
Schlager: ####
Jazz/Chillout: #
Spartensender: ######

DAB
Information: ######
Klassik: ###
Pop/Rock/etc: #################
Schlager: ####
Jazz/Chillout: ###
Spartensender: ####

Die Überraschung: Das Angebot von UKW und DAB+ in Berlin ist nahezu identisch. Zu einer Flut an Pop/Rock-Musik kommen 3 Klassikwellen, ein halbes Dutzend Infokanäle, 3-4 Schlagerradios und eine Handvoll Spartenprogramme – jeweils über beide Übertragungswege.

DAB+ in Berlin bietet enormen Mehrwert allein für Freunde von Kirchenfunk (ERF, Horeb), ein wenig Mehrwert für Newsjunkies (Dokumente und Debatten, DRadio Wissen und Bayern 2 bekommt man hier über Antenne nur via DAB) und ein bisschen mehr Auswahl für Jazz/Chillout-Liebhaber. Ansonsten sind DAB+ und UKW inhaltlich fast gleich.

Wenn man nicht ausgerechnet einen ganz bestimmten Sender hören möchte, der über UKW nicht verfügbar ist, dann ist das DAB-Angebot im Vergleich zu UKW weiterhin nicht attraktiv.

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