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Trackback? Spam oder kein Spam?

Mauszeiger auf XML-ButtonWenn Sie mit dem Begriff Trackback nichts anfangen können – kein Problem, das muss man nicht wissen. Für diejenigen, die ein mit diesem Wort beschriftetes Feld in der Eingabemaske ihrer Weblog-Software gesehen haben, ist es jedoch von Interesse:

Trackback, das ist erstens eine Radiosendung im Programm des RBB, moderiert von Altmoderator und Neublogger J. Haeusler und zweitens eine Möglichkeit, den Verfasser eines Textes im Internet automatisiert auf themenspezifische, ähnliche Quellen oder die Fortführung eines Themas aufmerksam zu machen.

Praktisch funktioniert es so: Blogger A schreibt einen tollen Beitrag über Internetkultur. Unter seinem Beitrag befindet sich eine Trackback-Adresse. Nun schreibt Blogger B zum selben Thema. Beim Abschicken seines Textes fügt er außerdem die Trackback-Adresse von Blogger A in ein dafür vorgesehens Feld ein – und beim Drücken des “Veröffentlichen”-Knopfes taucht sein Text nun nicht nur im eigenen Weblog auf, sondern automatisch auch als Zusammenfassung unter dem ursprünglichen Text von Blogger A. Im übertragenen Sinne sagt Blogger B damit Blogger A: hier, schau Dir das mal an, was ich zu dem Thema gesagt habe, das könnte Dich und Deine Leser ebenfalls interessieren. Ohne, dass Blogger B dazu einen Haufen E-Mails verschicken oder in diversen Blogs kommentieren müsste.

Auf diese Weise entsteht sehr komfortabel ein Netz von Verweisen zu artverwandten Themen, eine Verflechtung von Links zu ähnlichen Texten, die auf diese Art alle aufeinander Bezug nehmen können.

Bezug nehmen könnten. Denn manche Betreiber von Weblogs empfinden Trackbacks als unhöflich, wenn der Trackbackverschicker seinerseits keinen Link auf den “getrackbackten” Text gesetzt haben. Andere sehen darin sogar einen Missbrauch der Trackbackfunktion, wenn Beiträge keinen direkten Bezug nehmen, sondern vielleicht nur inhaltliche Ähnlichkeiten aufweisen. Das geht so weit, dass Weblogs, die Trackbackadressen anbieten, gleichzeitig im Hintergrund Filter laufen haben, die Trackbacks ohne “Gegenlink” automatisch löschen oder sogar den Versender auf Spam-Listen setzen.

Die Wikipedia spricht von Konsens,


Es hat sich eingebürgert, dass Trackbacks nur versendet werden, wenn im bezugnehmenden Artikel auch ein Link auf den Ursprungsartikel enthalten ist

der aber nicht belegt wird.

Ein vermeintlicher (?) Konsens, dem ich mich gedanklich nicht anschließen kann. Versetehen hingegen kann man diese Haltung. Denn Trackbacks stellen ein noch begehrteres Ziel für Spam dar als E-Mail-Postfächer. Weblogs werden über die Trackbackfunktion in der Regel zugespammt, wenn man keine Gegenmaßnahmen ergreift. Denn genauso, wie sich Zusammenfassungen von themenverwandten Artikeln anzeigen lassen, kann für Online-Kasinos oder potenzförderndes Pharmazeutika geworben werden. Solche Werbung enthält keine Links auf die Seiten, die bespammt werden und lässt sich deswegen leicht erkennen und ausfiltern.

Manche vertreten daher die Ansicht, dass Trackbacks ohne Gegenlink generell “böse” seien. Und versuchen das neben dem Spam-Argument mit teils abenteuerlichen Argumenten zu begründen: Zum Beispiel würde das “Linkgleichgewicht” im Netz gestört werden, wenn Trackbacks ohne Gegenlinks erlaubt würden. Dies jedoch erscheint als Sandkastenrhetorik: “Du hast mir mein Förmchen weggenommen, also muss ich Dir jetzt Dein Förmchen auch wegnehmen.” Interessanterweise erlauben die Weblogs derer, die Linkgleichgewicht fordern, trotzdem Kommentare; Kommentare, denen man ebenso einen Link anheften kann, ohne dass gleichzeitig ein Gegenlink gesetzt werden muss. Wieso also sollte man Trackbacks und Kommentare verschieden bewerten, wo sie doch den gleichen Zweck erfüllen können?

Wieder andere sprechen sogar von einer Pflicht zum Rückverlinken. Ohne dafür einen Beweis zu liefern. Sieht man sich einem die ursprüngliche Trackback-Spezifikation an, dann wird diese Behauptung schnell entlarvt. Denn die ursprüngliche Trackback-Spezifikation spricht keineswegs davon, dass Gegenlinks zum Trackbacken erforderlich sind: die Kernidee hinter Trackback sei, darauf hinzuweisen, dass…

“resource A is related/linked to resouce B”.

Für die, die es nicht wissen: Ein Schrägstrich steht entweder für “und” oder für “oder”. Der Satz allein bringt also keine Klarheit. Anhand des Kontextes kann man jedoch davon ausgehen, dass hier ein “oder” gemeint ist, denn der Rest der Spezifikation betont allein die Themenverwandtschaft. Wäre eine Themenbezogenheit und ein Verlinkung zwingend nötig, wäre dies sicherlich stärker betont worden.

Deutlicher wird es noch, wenn man sich einmal überlegt, wozu ein Trackback eigentlich dient: Den Ursprungsautor und seine Leser auf einen weiterführenden Text aufmerksam machen. Das geht problemlos auch ohne Link im eigenen Weblog, denn der Benachtigte wird ja wohl wissen, wie seine eigene Adresse lautet. Ein Problem ergibt sich allerdings vor allem beim Benachrichtigen, wenn der eigene Beitrag älter ist als der Text des Trackback-Zieles. Reicht es aus, wenn man über das selbe Thema schreibt? Oder muss man konkret Bezug nehmen auf den “anzutrackenden” Inhalt? Darf man keine Trackbacks schicken an Weblogs, die ihren Text zeitlich nach der eigenen Veröffentlichung publiziert haben? Oder muss man dann nachträglich noch einen Link einbauen? Sieht man es einmal andersherum, wird es noch deutlicher: Nicht jeden, den man verlinkt, schickt man gleichzeitig auch einen Trackback. Man schickt in sinnvollerweise nur dann, wenn man noch etwas mehr zu sagen hat als im “getrackbackten” Artikel steht.

Wer keine Trackbacks ohne Gegenlink wünscht, sollte es fairerweise zu seinen angegebenen Trackbackadresse dazuschreiben, statt einfach eigene Regeln aufzusellen und diese dann als allgemeinverbindlich vorauszusetzen. So geschehen z.B. beim “Software Guide”:

Trackbacks dürfen nur versendet werden, wenn im Artikel auch ein Link auf den Ursprungsartikel enthalten ist, sonst ist man ein unerwünschter Spammer.

Denn was als “unerwünscht” gilt, kann der Empfänger eines Trackbacks nur selbst entscheiden, dafür gibt es keine allgemeingültige Definition.

Setzt sich dies allerdings irgendwann wirklich durch, wird es für den Leser kaum noch sinnvolle Trackbacks geben, der Trackback wird zum Langweiler-Trackback verkommen, der nur noch den Trackback-Empfängern selbst etwas nützen wird – nämlich als Serverlog-Alternative (“wer verlinkt mich”). Der Weblogbesucher hat davon kaum etwas: typische “Ich habe Dein Blog gelesen und finde das auch gut, was du sagst”-Trackbacks sind grausam: Man liest irgendwo einen interessanten Beitrag, sieht sich auch die Kommentare dazu an und klickt womöglich auch auf den ein oder anderen Trackback, dessen Überschrift interessant erscheint – nur um dann auf einer Seite zu laden, wo steht, dass der Artikel, den man eben schon gelesen hat, gut sein soll. Leider scheinen es genau diese Art von Trackbacks zu sein, die viele Weblogschreiber gerne haben wollen. Aber eigentlich kein Wunder, dass die reinen Leser hierbei nur eine untergeordnete Bedeutung genießen – denn sie sorgen ja auch nicht für einen besseren Pagerank.

Das Bestehen auf Gegenlinks verkompliziert das Trackbacken, es “macht keinen Spaß mehr”, sondern sorgt für Frust auf allen Seiten. Die einen fühlen sich belästigt, die anderen vermissen den wirklichen Nutzen. Einen thematisch passenden Trackback gar als Spam zu bezeichnen, nur weil er keinen Gegenlink enthält (und dies Spammer eben auch so tun) macht den Grundgedanken der Trackbacks zunichte und wälzt die administrativen Probleme, die man man mit Trackback-Spam hat, lediglich auf andere ab.

Ich mache per Trackback auf einen thematisch zusammenhängenden Beitrag aufmerksam, muss mir danach sinngemäß anhören, ich sei ein Spammer und würde Trackbackfunktionen missbrauchen – und hätte doch lieber kommentieren sollen, anstatt automatisiert zu benachrichtigen. Wozu dann noch Trackbacks? So kann man ein System zur Referenzierung (von Inhalten, auf die es letztlich ankommt) auch ad absurdum führen. Muss man künftig immer damit rechnen, sein Gegenüber zu verärgern, weil man linklos auf sich aufmerksam macht? Das fördert das Trackbacken nun nicht gerade. Und die Spammer haben wieder einmal gewonnen.



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