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Firefox 3.0 pfeift auf die Privatsphäre

Das hätte es vor einiger Zeit noch nicht gegeben: Eine Software schafft es auf die Titelseiten der Tageszeitungen, hier im Bild die Seite 1 der Berliner Zeitung, einfach bloß, weil das Programm in einer neuen Version vorliegt, einen sympathischen Ruf hat und das clevere Marketing die Neuauflage mit einem Weltrekordversuch verknüpfte.

Ausschnitt Berliner Zeitung

Die Rede ist natürlich von Firefox 3.0, dem Browser aus dem Hause Mozilla. Firefox hat das Image eines Robin Hoods: uneigennütziger Kampf gegen die bösen Mächte des Internets, die, von kommerziellen Interessen getrieben, mit proprietären Mätzchen das Netz in eine einzige große Shoppingmeile verwandeln wollen. Unzählige Freiwillige stricken an einem freien, kostenlosen Internetbrowser, um das Leben der Menschen zu verbessern. Soweit das in den Köpfen vorherrschende Bild. Entsprechend unkritisch liest sich das, was derzeit durch die Medienlandschaft wabert: Firefox toll, Firefox super, Firefox noch besser. Die FAZ fordert gar:

Bildunterschrift: Sollte auf jedem PC zum Standardbrowser werden

Dabei wird schnell vergessen: Auch bei Mozilla handelt es sich um ein millionenschweres Unternehmen (kritisch: die FR) und auch wenn die Firefox-Macher nur Gutes im Sinn haben sollten: Kontrolle ist besser. Schaut man sich den erhältlichen Firefox nach einer frischen Installation auf dem System nämlich genauer an, erlebt man sein blaues Wunder, wenn man auch nur einen Funken Sensibilität für Datenschutz beweist.

Firefox kümmert sich im Auslieferungszustand kaum um die Privatsphäre der Nutzer. Pop-up-Fenster werden standardmäßig blockiert – aber das war’s auch schon. Jede mit Firefox angesurfte Seite kann beliebig Cookies auf den eigenen Rechner setzen, mit dem ebenfalls regulär eingeschalteten Javascript kann es im Ernstfall richtig gefährlich werden und vom in Firefox eingebauten Prefetching ahnt der Nutzer nichteinmal etwas. Daher der Rat: Nehmen Sie sich einen Moment Zeit für eine restriktivere Konfiguration des Browsers, bevor Sie mit Firefox ins Internet stürmen:

1. Prefetching abschalten
Rufen Sie in Firefox die Seite about:config auf und bestätigen Sie die Gewährleistungswarnung. Suchen Sie dann die Zeile network.prefetch-next und klicken Sie doppelt darauf. Dadurch wird die Zeile fett hervorgehoben, der dahinterstehende Wert ändert sich von true zu false – und Prefetching ist abgeschaltet.

2. Cookies regelmäßig löschen lassen oder mit Ausnahmen verweigern
Einstellungen, Datenschutz: Einstellung “bis: sie abgelaufen sind” ändern auf “bis: Firefox geschlossen wird”. Noch restriktivere Variante: Häkchen entfernen bei “Cookies zulassen” und hinter “Ausnahmen” nur diejenigen Seiten eintragen, auf denen man Cookies unbedingt braucht.

3. Javascript kontrollieren
Ohne Javascript geht im Netz fast nichts mehr, sicherer ist dennoch ohne: wer es sich leisten kann, entfernt Einstellungsbereich “Inhalt” das Häkchen vor “JavaScript aktivieren. Intelligenter funktioniert es mit der Erweiterung “NoScript”: man deaktiviert Javascript völlig und erlaubt es wie bei den Cookies nur auf Seiten, wo es unabdingbar ist.

4. Referrer unterbinden
Und für absolut paranoide Naturen: via about:config den Wert der Zeile network.http.sendRefererHeader auf 0 setzen – und schon sehen Webseitenbetreiber nicht mehr, über welchen Link Sie eine Seite erreicht haben oder über welche Suchbegriffe Sie auf die Seite gekommen sind. Dadurch nehmen Sie uns dann allerdings auch die Möglichkeit, Ihre Fragen zu beantworten. ;-)

5. Flash kontrollieren
Falls Sie den Flashplayer installiert haben (wenn Sie YouTube-Videos sehen können, ist das der Fall), installieren Sie die Erweiterung “Flashblock” und lassen Sie die Anzeige von Flashvideos nur bei Bedarf zu. Alternative: Im Flash-Plugin selbst das Speichern von Informationen verbieten.



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