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Die Piratenkogge bleibt im Hafen

Wahlergebnisbalken mit PiratenparteiAls hätte jemand vergessen, das Ankertau zu kappen: Die Piratenpartei hat es nicht geschafft, mit dem erstmaligen Antreten zu einer Bundestagswahl auch gleich im Reichstag einzulaufen. Während sich manche Parteimitglieder und sogar ein Bundesvorstandsmitglied bereits Gedanken über mögliche Koalitionen gemacht haben, sind die Piraten zwar nicht gekentert, aber doch deutlich vom 5-Prozent-Eisberg gerammt worden. Das Piratenschiff bleibt somit für dringend notwendige Reparaturen vorerst im Hafen.

Bei der Pressemitteilung zum Wahlergebnis bedient sich die Piratenpartei dagegen schon der gleichen vernebelnden Floskeln wie die etablierten Parteien nach einem grandiosen Scheitern:

… mehr als ein Achtungserfolg …
… Schallmauer von 10.000 Mitgliedern durchbrochen …
… Bundestagswahl (…) nur ein Auftakt …
… einen tollen Wahlkampf hingelegt …
… die Piraten sind erfolgreich in See gestochen …

Mehr als ein Achtungserfolg ist das Ergebnis allerdings tatsächlich: 2 Prozent. Fast bundesweit kamen die Piraten auf zwischen 2 und 2,5 Prozent, in Berlin wählten sogar 3,5 % der Wähler Piratenpartei. Nur in Nordrhein-Westfalen (1,7 %) und im Saarland (1,5) blieben die Piraten deutlich darunter. Die übrigen und älteren Kleinparteien weisen zumeist eine Null vor dem Komma aus, die Piratenpartei hingegen kommt von null auf 2 Prozent. Und das, obwohl sich manche Protagonisten der Partei selbst kurz vor der Wahl eher dilettantisch gaben, was noch zu den höflicheren Formulierungen zählt.

Schlecht vergleichbar, aber in diesem Zusammenhang erwähnenswert: die Grünen kamen bei ihrem ersten Antreten zur Bundestagswahl 1980 auf nur 1,5 Prozent, und das, obwohl sie bereits in einigen Landtagen vertreten waren. Erst vier Jahre später gelang dann der Einzug ins nationale Parlament.

Festzuhalten bleibt: Deutschland ist nicht Schweden. Und es geht ein Riss durch die Gesellschaft; tatsächlich wohl nicht zwischen rechts und links, sondern zwischen alt und jung. Wären nur die Unterfünfundzwanzigjährigen zur Wahl gegangen – die Piratenpartei säße jetzt im Bundestag. Die Piraten sind ihrer Zeit (noch) voraus. Mindestens 4 Jahre, nach denen sie, vielleicht bereinigt von merkwürdigen Leichtmatrosen, die nur aus Protest, Machtinstinkt oder des Hypes wegen Zuflucht bei den Piraten gesucht haben, mit einem klar entwickelten Profil und vorhandenen Problemlösungsvorschlägen eine neue Chance bekommen. Vielleicht werden die Piraten 2013 dann sogar den Länderfinanzausgleich oder die Gesundheitsreform erklären können.



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