Start

10 Gründe gegen Flattr

Kaum ein bekannteres Weblog, das derzeit keinen Flattr-Button ausprobiert oder sich zumindest darüber Gedanken macht. Sogar Tageszeitungen versuchen sich schon mit diesem alternativen, “sozialen” Bezahlmodell. Die Hoffnungen sind groß, auch mit Belanglosem Kasse machen zu können, solange es den Geschmack der Massen trifft. Die Idee hinter Flattr ist theoretisch gut, praktisch wird es jedoch nicht funktionieren. Es erscheint wie eine Art Paypal für Nerds.

Flattr-Button, überdimensioniert, flatterhaft wirkend verzerrt

Gründe, die gegen die Verwendung von Flattr sprechen können:

1. Im Endeffekt ist es ein Bettel-Button. Und das hat, gerade wenn er nach dem Lesen, am Ende eines Textes auftaucht, einen leichten Beigeschmack.

2. Das Entstehen der Schere im Kopf wird begünstigt – man wird dazu verleitet, das zu veröffentlichen, was der Masse gefallen könnte.

3. Mancher schwärmt schon davon, wie es sein wird, wenn erstmal Otto Normalsurfer “flattrt”. Doch für Otto gibt es überhaupt keinen Anreiz, sich einen Flattr-Account anzulegen.

4. Man kassiert für anderer Leute Arbeit: Blog X gräbt irgendein tolles Video/Text/etc. aus und die unbedarften Leser belohnen den Finder für’s Finden, nicht den Erschaffer für’s Erschaffen des Videos/Textes/etc.

5. Ein Beitrag kann noch so genial sein – er sieht einfach trotzdem schlecht und armselig aus, wenn daneben ein großer “Flattr: 0″-Button pappt.

6. Am Anfang ist “Flattrn” lustig, doch wer denkt schon regelmäßig daran, sein Flattr-Konto wieder aufzuladen oder Internetseiten zu “belohnen”?

7. Ungeklärte Fragen zum Datenschutz.

8. An Flattr verdient hauptsächlich einer: Flattr selbst. (zum Vergleich: Provision Flattr = 10%; Provision Paypal = EU-weit 1,9% plus 35 Cent)

9. Bald gibt es Dutzende solcher Dienste, die dann ebenfalls genau wie schon bereits jetzt Fluten von Buttons sozialer Netzwerke integriert werden wollen.

10. Es gibt preiswertere Möglichkeiten, zu zeigen, dass einem etwas im Netz gefallen hat.

Nachtrag; 6.6.2010:
11. Wenn Flattr ausfällt, laden auch die angeschlossenen Seiten nicht mehr richtig.

Wer für diesen Beitrag unbedingt etwas bezahlen möchte, kann gerne unsere Kontonummer erfragen.




7 Kommentare »

  1. Jenny schrieb am

    Freitag, 4. Juni 2010 um 20:30
    (mit Mozilla Firefox 3.6.3 unter Windows XP):

    Ja, dann rück mal raus die Kontonummer! :D Ich gebe dir in allem Recht und obendrein nochwas: die Dinger fangen an zu nerven! :( Wer denkt sich eigentlich solche Begriffe aus… Flattr klingt für mich nach flattern.. also wegfliegen? Halten diejenigen, die das benutzen, ihre Beiträge für so schlecht, dass sie flüchten wollen? :D

  2. Daniel schrieb am

    Samstag, 5. Juni 2010 um 7:24
    (mit Mozilla Firefox 3.6.3 unter Linux):

    Stimmt, das ist sowas von 2006… flickr, twittr… und wie sie alle heißen. :)

  3. Max schrieb am

    Mittwoch, 23. Juni 2010 um 21:27
    (mit Mozilla Firefox 3.6.3 unter Windows Vista):

    Punkt 8 ist einfach populistisch .. wenn ich einen Euro via Paypal Spende sind 37 % Gebühren .. in dieser Hinsicht ist Flattr besser.

  4. Daniel schrieb am

    Donnerstag, 24. Juni 2010 um 9:07
    (mit Mozilla Firefox 3.6.3 unter Windows XP):

    Das ist natürlich richtig, für Kleinstbeträge rechnet sich Paypal überhaupt nicht. Aber nur, weil es jemand noch schlimmer macht, heißt das doch nicht, dass es andere es ebenfalls schlimm machen sollten. Zudem dürfte es in der Praxis oftmals so sein, dass “Flatterer” ihr Konto über Paypal aufladen – der Gebührenverlust summiert sich.

  5. Thilo schrieb am

    Freitag, 25. Juni 2010 um 11:08
    (mit Mozilla Firefox 3.5.3 unter Mac OS X):

    Punkt 4 ist ein Problem. Aber nur weil sowas geflattert wird. Wir sollten eine Kampagne starten, damit Aggregatoren nicht den eigenen Button drankleben, sondern den des Urhebers. Siehe auch http://kulturflattrate.squarespace.com/journal/2010/6/23/mit-fremden-federn-flattern.html.

    Ich vermute aber, das Leute die Aggregatoren flattern, sowieso nur wertlose Flattrs verteilen, weil sie ja auf alles Klicken. Das einzige Problem ist also die Zahl auf dem Button.

    “Ein Beitrag kann noch so genial sein – er sieht einfach trotzdem schlecht und armselig aus, wenn daneben ein großer “Flattr: 0”-Button pappt.”

    Man kann ja auch den Button ohne Zahl nehmen.

  6. Daniel schrieb am

    Freitag, 25. Juni 2010 um 12:29
    (mit Mozilla Firefox 3.6.4 unter Windows XP):

    Ich vermute aber, das Leute die Aggregatoren flattern, sowieso nur wertlose Flattrs verteilen, weil sie ja auf alles Klicken. Das einzige Problem ist also die Zahl auf dem Button.

    Ja, momentan jedenfalls dürfte das noch kein größeres Probklem darstellen, vor allem, weil es derzeit tatsächlich noch so zu sein scheint, dass sich die Flattr-Teilnehmer ohnehin nur das Geld selbst hin- und herschieben; sehr schön daran zu sehen, dass es auf den unbekannteren Seiten, die Flattr verwenden, praktisch nicht in Anpruch genommen wird. Ungerecht erscheint es trotzdem schon, auch bei Centbeträgen, da geht’s ums Prinzip.

    Mit einer Kampagne würde ich noch etwas warten, bis feststeht, ob sich Flattr als Mikro-Betzahldienst außerhalb der Gemeinschaft der Selbstpublizierenden etablieren kann (dann wär’s wohl Zeit für eine Kampagne), das muss sich erst noch herausstellen; ich tippe allerdings nach wie vor eher darauf, dass die Flattr-Buttons allmählich wieder verschwinden werden. Zuerst auf den kleineren Seiten, wenn die Autoren merken, dass sie dadurch nur Ausgaben haben – und später dann auch bei den “Großen”, wenn durch den Wegfall der Kleinen dann die Masse der Einzahler auch wegfällt.

    Man kann ja auch den Button ohne Zahl nehmen.

    Korrekt, aber das verbessert den Eindruck nicht unbedingt, wenn man von anderen Seiten dejenigen Button mit Zahlenangabe gewohnt ist.

  7. Andreas_P schrieb am

    Samstag, 4. September 2010 um 10:37
    (mit Safari 534.6 unter Mac OS X):

    Hallo allerseits,

    Das mit den Originalautoren ist ZWINGEND! Zum Beispiel für das FlattrFOSS Projekt: Ich kontrolliere ALLE (so lange ich es kann) Einsteller von Open Source und freier Software auf die richtigen Identitäten. Ohne Web-Perso … Aber falls es schlimmer wird, muss FLATTR Web of Trust unterstützen.

    Andreas_P

Kommentare als RSS · TrackBack

Kommentieren