{"id":10,"date":"2008-05-16T01:32:41","date_gmt":"2008-05-15T23:32:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.knetfeder.de\/dsd\/2008\/berliner-flughafensterben\/"},"modified":"2008-06-20T23:47:57","modified_gmt":"2008-06-20T21:47:57","slug":"berliner-flughafensterben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.knetfeder.de\/dsd\/2008\/berliner-flughafensterben\/","title":{"rendered":"Berliner Flughafensterben"},"content":{"rendered":"<p>Tempelhof darf sterben. Die &#8220;Mutter aller Flugh\u00e4fen&#8221; wird sich demn\u00e4chst einreihen d\u00fcrfen in die Reihe der altehrw\u00fcrdigen Geb\u00e4ude, die nicht mehr ihrer urspr\u00fcnglichen Bestimmung dienen; ein Schicksal, das bereits viele St\u00e4tten einst betriebsamen Verkehrsgewusels ereilte. Ob Hamburger oder Lehrter Bahnhof, ganze Stra\u00dfenz\u00fcge oder Bahnlinien, die seit Jahrzehnten im Dornr\u00f6schenschlaf liegen &#8211; nun ist zum ersten Mal ein ganzer Flughafen an der Reihe, der damit ein weiterer Teil all dieser historisch-morbiden Infrastrukturpuzzleteilchen wird, f\u00fcr die Berlin ber\u00fchmt ist und die seinen Charme ausmachen. <\/p>\n<p>Endlich, m\u00f6chte man sagen. Am Zentralflughafen Berlin-Tempelhof h\u00e4ngen viele Erinnerungen und Symboltr\u00e4chtigkeiten: zun\u00e4chst unbefestigter Landeplatz f\u00fcr Zeppeline, dann steingewordenes Monument des Weltherrschaftsanspruches des Nationalsozialismus als ein erster Baustein Germanias, sp\u00e4ter alliierter Milit\u00e4rflughafen und Drehscheibe der Rosinenbomber w\u00e4hrend der sowjetischen Berlinblockade. Doch zuletzt kam dem ehrfurchtsgebietenden Lufthafen ein Aufgabe zu, die seiner W\u00fcrde nicht mehr entsprach: Startbahn f\u00fcr Leichtflugzeuge, Sport- und Businessflieger. Ein monumentaler Flugplatz &#8211; degradiert zum Provinzlandeplatz, wie man ihn vor jedem gr\u00f6\u00dferen Dorf finden k\u00f6nnte. Moderner Flugbetrieb mit Hochglanz-Check-in-Schaltern, gesch\u00e4ftigen Anzugtr\u00e4gern in der Halle und Erfrischungsgetr\u00e4nkereklame &#8211; all das zerst\u00f6rte das einmalige Flair dieses Ortes, an dem man im Stillen hoffte, auf einen Charles Lindbergh oder Reinhard Mey in ledernem Fliegeroutfit zu treffen. <\/p>\n<p>Ein Volksbegehren zum Erhalt des Flugbetriebes ging in die Windhose &#8211; kein Wunder, stellten die Flughafenunterst\u00fctzer doch die riesigen Plakatw\u00e4nde , die den provinziellen Flugbetrieb retten sollten, mit der plakatierten rhetorischen Frage &#8220;Provinz oder Weltstadt&#8221; ausgerechnet in den provinziellst wirkenden Teilen der Stadt auf. Tempelhof und sein unmittelbares Umfeld wirkten ohnehin schon seit Jahren nicht mehr weltst\u00e4dtisch, eher wie ein notgedrungenes Provisorium, ganz so, als h\u00e4tte man im \u00c4gyptischen Museum weiterhin Nilrundfahrten angeboten. Die Mehrheit der Berliner hat sich durch Fernbleiben von der Abstimmung richtig entschieden: f\u00fcr einen weltst\u00e4dtischen, modernen Flughafen vor den Toren der Stadt &#8211; etwas, was vor knapp 70 Jahren auch Tempelhof einmal war &#8211; und daf\u00fcr, den alten Reichsflughafen endlich die Ruhe zu g\u00f6nnen, damit er nach seiner Pensionierung endlich wieder zu neuer, glanzvoller Bl\u00fcte wie zu alten Zeiten gelangen kann. Dass er k\u00fcnftig statt Kurzstreckenreisenden und Freizeitfliegern Event-Gastronomie oder ein Museum im Bauch haben wird, d\u00fcrfte ihn selbst recht wenig st\u00f6ren, genauso wie die Anwohner, die sich schon jetzt auf die Reduzierung des Flugl\u00e4rms gen Null freuen. Nur der Privatjetbesitzer und der fl\u00fcchtige Besucher werden das majest\u00e4tische, in die Nacht strahlende Leuchtfeuer vom Kontrollturm vermissen. Daf\u00fcr werden es in Zukunft vermehrt die Wissensreisenden sein, die dem Zentralflughafen einen Besuch abstatten &#8211; eine Entwicklung, die Berlin letztendlich wirkliche Weltstadtqualit\u00e4ten verleiht. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tempelhof darf sterben. Die &#8220;Mutter aller Flugh\u00e4fen&#8221; wird sich demn\u00e4chst einreihen d\u00fcrfen in die Reihe der altehrw\u00fcrdigen Geb\u00e4ude, die nicht mehr ihrer urspr\u00fcnglichen Bestimmung dienen; ein Schicksal, das bereits viele St\u00e4tten einst betriebsamen Verkehrsgewusels ereilte. Ob Hamburger oder Lehrter Bahnhof, ganze Stra\u00dfenz\u00fcge oder Bahnlinien, die seit Jahrzehnten im Dornr\u00f6schenschlaf liegen &#8211; nun ist zum ersten [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-10","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.knetfeder.de\/dsd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.knetfeder.de\/dsd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.knetfeder.de\/dsd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.knetfeder.de\/dsd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.knetfeder.de\/dsd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.knetfeder.de\/dsd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.knetfeder.de\/dsd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.knetfeder.de\/dsd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.knetfeder.de\/dsd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}