{"id":16,"date":"2012-12-16T00:37:55","date_gmt":"2012-12-15T22:37:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.knetfeder.de\/dsd\/2012\/weihnachtsmarkt-at-hell-%e2%80%93-oder-warum-der-weihnachtsmann-ruckwarts-einparkt\/"},"modified":"2012-12-16T19:22:56","modified_gmt":"2012-12-16T17:22:56","slug":"weihnachtsmarkt-at-hell-%e2%80%93-oder-warum-der-weihnachtsmann-ruckwarts-einparkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.knetfeder.de\/dsd\/2012\/weihnachtsmarkt-at-hell-%e2%80%93-oder-warum-der-weihnachtsmann-ruckwarts-einparkt\/","title":{"rendered":"Weihnachtsmarkt at hell \u2013 oder warum der Weihnachtsmann r\u00fcckw\u00e4rts einparkt."},"content":{"rendered":"<p>Weihnachtszeit, dazu geh\u00f6ren traditionell Adventskranz, Geb\u00e4ck, Lichterglanz \u2013 und nat\u00fcrlich der Weihnachtsmarktbesuch. Romantische B\u00fcdchen, die sich wie ein kleines mittelalterliches Dorf gruppiert im Schneeglitzern versammelt haben, um die Frierenden mit Gl\u00fchwein, weihnachtlichen Spezialit\u00e4ten und kunsthandwerklichen Waren zu verf\u00fchren. <\/p>\n<p>Der Begriff Weihnachtsmarkt l\u00e4sst sich jedoch durchaus weit auslegen. Am Alexanderplatz etwa versteht man darunter schlicht einen Rummelplatz, bei dem der Bezug zu Weihnachten dadurch hergestellt wird, dass mit roten LEDs blinkende Filzweihnachtsmannm\u00fctzen verkauft werden und aus Lautsprechern Weihnachtsmusik vom Band dudelt, die jedoch locker von den Fahrgesch\u00e4ften \u00fcberdr\u00f6hnt wird. Der Weihnachtsmarkt in der H\u00f6lle d\u00fcrfte \u00e4hnlich aussehen, der Gegensatz zur Besinnlichkeit k\u00f6nnte gr\u00f6\u00dfer kaum sein. <\/p>\n<p>Aber es gibt auch noch die klassischen M\u00e4rkte, die heimlige Atmosph\u00e4re erwarten lassen. Diejenigen, die im Untertitel sogar das Schlagwort \u201etraditionell\u201c f\u00fchren. Also nichts wie hin zum Weihnachsmarkt am Opernpalais. Dass unter den Linden gerade eine U-Bahn in den Sand gesetzt wird und das eigentlich zum Besuch des Weihnachsmarkts dazugeh\u00f6rende Schlendern zwischen den illuminierten kahlen B\u00e4umen auf der Mittelpromenade ausf\u00e4llt und die ganze Gegend mit ihren Baustellenabsperrungen und provisorischen B\u00fcrgersteigen im schneematschigen Halbdunkel wie ein apokalyptisches Industriegebiet wirkt, daf\u00fcr kann der Markt ja nichts. <\/p>\n<p>Doch auch der Markt selbst gastiert diesmal nicht am angestammten Areal, im malerischen G\u00e4sschen samt Torbogen direkt am  Kronprinzenpalais, sondern ist eine Stra\u00dfe weiter n\u00e4her an die Spree umgezogen. Extra abgestellte Lotsen weisen den Weg. In der Folge liegt der Markt nicht mehr im Schatten der historischen Bauten, sondern quetscht sich auf die Stra\u00dfen rund um den Schinkelplatz. Nichts f\u00fcr Leute mit Klaustrophobie. In Sichtweite der nicht mehr vorhandene Palast der Republik, der sicherlich noch mehr zum traditionellen Ambiente h\u00e4tte beitragen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig von den ver\u00e4nderten topographischen Umst\u00e4nden zeigt sich jedoch hier, dass sich auch der Begriff traditionell weit auslegen l\u00e4sst. Den Auftakt macht der Peruanische Panfl\u00f6tenspieler, der im indianischen Kitschkost\u00fcm die Besucher begr\u00fc\u00dft. Dann folgen Miniatur-Riesenrad, XXL-Pommesbude und Wahrsagerzelt. Die Lachsr\u00e4ucherei kann sich unterdessen nicht entscheiden, ob sie Flamlachs, Flammlachs oder Flammenlachs verkauft. Auff\u00e4llig traditionell auch die afrikanischen Holzschnitzereien mit beliebten Savannenmotiven, die Buddhafiguren und Cr\u00eapes-St\u00e4nde. Die Saxophonsolistin mit Weihnachtsliedern k\u00e4mpft tapfer dagegen an, vermag die Stimmung jedoch auch nicht mehr zu retten. <\/p>\n<p>Im hart umk\u00e4mpften Berliner \u201eWeihnachtsmarkt\u201c-Gesch\u00e4ft geht es \u00fcberdies nicht mehr ohne Attraktionen. W\u00e4hrend es am Alex die Fahrgesch\u00e4fte sind, in denen bei Pannen die Besucher schon mal in 50 Metern H\u00f6he in der schneidenden K\u00e4lte festh\u00e4ngen, der Markt zwischen Franz\u00f6sischem und Deutschem Dom Feuerschlucker auftreten l\u00e4sst und am Potsdamer Platz auf Gummireifen den k\u00fcnstlichen Hang hinuntergerutscht wird, ist man am Prinzenpalaismarkt, der sich bislang durch das Fehlen von solchem Kokolores auszeichnete, nun auch auf den Zug aufgesprungen. Hier ist es ein Stahlseil, das quer \u00fcber den ganzen Markt gespannt ist \u2013 und auf dem der Weihnachtsmann im studentischen Nebenjob zur vollen Stunde den Verbrennungsmotor anwirft, um einmal in der Schlittenattrappe winkend durch die L\u00fcfte zu knattern, angestrahlt von Flak-Scheinwerfern und mit unterlegter Werbedurchsage. Die eigentliche Attraktion ist dabei, dass das Gespann auch irgendwie wieder zur Ausgangsposition zur\u00fcckfahren muss, was bei einem linear gespannten Seil nur eine M\u00f6glichkeit offenl\u00e4sst: nach getanem Marketing f\u00e4hrt der Weihnachtsmann samt Rentieren wieder r\u00fcckw\u00e4rts in die Parkposition. Eine lustigere Szene hat man auf deutschen Weihnachtsm\u00e4rkten noch nie gesehen. <\/p>\n<p>Einen echten Weihnachtsmoment erlebt man dann doch noch, aber nicht auf dem Weihnachtsmarkt. Pl\u00f6tzlich taucht noch der echte Weihnachtsmann auf, im S-Bahnhof unter den Linden, der nun nach dem Brandenburger Tor benannt ist. Er ruft den Wartenden zu \u201emeine Rentiere sind abgehauen!\u201c \u2013 und steigt zwinkernd in die n\u00e4chste S-Bahn. <\/p>\n<p>Hoffentlich kommen die Geschenke dieses Jahr nicht mit Verz\u00f6gerungen im Betriebsablauf.<br \/>\nFr\u00f6hliche traditionelle Weihnachten, Berlin!<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/6747268fdeef4896a67d43db01628841\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weihnachtszeit, dazu geh\u00f6ren traditionell Adventskranz, Geb\u00e4ck, Lichterglanz \u2013 und nat\u00fcrlich der Weihnachtsmarktbesuch. Romantische B\u00fcdchen, die sich wie ein kleines mittelalterliches Dorf gruppiert im Schneeglitzern versammelt haben, um die Frierenden mit Gl\u00fchwein, weihnachtlichen Spezialit\u00e4ten und kunsthandwerklichen Waren zu verf\u00fchren. Der Begriff Weihnachtsmarkt l\u00e4sst sich jedoch durchaus weit auslegen. 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