Saturday, June 15, 2013

Vorfahrt an Einbahnstraßen

Immer mehr Einbahnstraßen darf man als Fahrradfahrer entgegen der eigentlichen Richtung befahren (wenn die Einbahnstraßen ausdrücklich dafür freigegeben sind).

Doch was passiert am Ende der Einbahnstraße, also aus Autofahrersicht am Beginn der Einbahnstraße? Müssen Autos, von links kommend, anhalten, wenn ein Radfahrer aus der Einbahnstraße in Gegenrichtung herausfährt?

Er muss. Auch an beginnenden Einbahnstraßen, aus der niemals PKWs herauskommen, gilt für Autofahrer rechts vor links, wenn ein Radfahrer auftaucht. Rechts vor links gilt grundsätzlich dann, wenn keine andere Regel greift. Selbstverständlich auch für Radfahrer, die aus einer freigegeben Einbahnstraße entgegen der sonst üblichen Fahrtrichtung kommen.

vorfahrt-einbahnstrasse.png

Die StVO stellt dies zusätzlich noch einmal deutlich klar:

„Beim Vorbeifahren an einer für den gegenläufigen Radverkehr freigegebenen Einbahnstraße bleibt gegenüber dem ausfahrenden Radfahrer der Grundsatz, dass Vorfahrt hat, wer von rechts kommt (…) unberührt.“

In der Praxis ist das nicht allen Autofahrern bewusst, sie sehen nur die Einbahnstraße und rauschen an ihr vorbei, ohne auf vorfahrtsberechtigte Radler zu achten. Das wird sich in Zukunft auch kaum ändern, denn zusätzliche Schilder, die vor Radfahrern warnen, dürfen, selbst wenn die Verkehrsbehörde es wollte, eigentlich nicht angebracht werden. Das Zeichen „Achtung, Kreuzung mit Vorfahrt von rechts“ 102klein.png soll innerhalb geschlossener Ortschaften nicht aufgestellt werden (weil rechts vor links eben die Normalität sein soll, auf die man nicht extra hinweisen muss), und das Zeichen „Achtung Radfahrer“ 138klein.png darf nur abseits von Kreuzungen und Einmündungen verwendet werden, aus demselben Grund – an Kreuzungen und Einmündungen gilt ja schon besondere Vorsicht wegen der Rechts-vor-links-Regelung.

Kurioserweise kann die STVO so ausgelegt werden, dass selbst dann, wenn ein Radfahrer aus einer nicht freigegebenen Einbahnstraße in falscher Richtung herausfährt, rechts vor links gilt - also für Geisterfahrer. Dieser Sachverhalt ist strittig, Gerichte haben in solchen Fällen bislang widersprüchlich geurteilt. Das Dümmste, was man als Radfahrer bei einer nicht explizit freigegeben Einbahnstraße machen kann (nicht nur aus rechtlicher Sicht), ist jedoch, sein eventuell bestehendes Vorfahrtsrecht wahrzunehmen.

Wenn die Einbahnstraße für Radfahrer in Gegenrichtung freigegeben ist, dann gilt rechts vor links aber nur dann, wenn keine sonstigen Verkehrsregelungen herrschen (also keine Vorfahrtsschilder aufgestellt sind). Ist eine Kreuzung generell beschildert, dann werden auch extra für die Radfahrer in Gegenrichtung der Einbahnstraße “Vorfahrt gewähren”-Schilder 205klein.png am Ende der Einbahnstraße angebracht (meist in der kleineren Ausführung, oft auf der Rückseite von anderen Schildern), die Rechts-vor-Links-Regel entfällt somit.

Tuesday, June 4, 2013

Einbahnstraßen für Radfahrer frei?

„Vor ein paar Jahren wurde die Regel gekippt, dass Einbahnstraßenschilder grundsätzlich auch von Radlern beachtet werden müssen“ schreibt Gereon Asmuth in der „taz“ in einem Artikel, der den Ursachen für das Rotlichtignorieren der Kampfradler auf den Grund zu gehen versucht. Quintessenz der Überlegungen: Da der Radfahrer sich vom Verkehrssystem an sich permanent schikaniert und ausgebremst fühlt, statt ernstgenommen zu werden, sieht er es als sein legitimes Recht an, das eigentliche Verkehrsrecht für seine Person als nicht gültig zu erachten.

Da steckt einiges an Wahrheit drin, sieht man sich an, wie die meisten Radler gerade an Kreuzungen unterwegs sind. Doch das macht das eingangs erwähnte Zitat deswegen noch nicht richtig. Es erweckt den Eindruck, als würden Einbahnstraßen nun generell nicht mehr für Radfahrer gelten. Das ist natürlich Quatsch. Einbahnstraßen gelten weiterhin auch für Radfahrer und Einbahnstraßenschilder müssen grundsätzlich auch von Radlern beachtet werden. Allerdings, und das war wohl wirklich gemeint, werden Einbahnstraßen nun immer öfter für Radfahrer aus der anderen Richtung freigegeben. Das entsprechende Schild muss aber vorhanden sein, um sie legal entgegen der Einbahnrichtung befahren zu können:

radfahrerfrei.png

Die Autofahrer am Beginn der Einbahnstraße auf der anderen Seite sehen dieses Schild, das sie darauf aufmerksam macht, dass Fahrradfahrer hier keine Geisterfahrer sind, wenn sie ihnen entgegen kommen:

einbahnstrassengegenverkehr.png

Fehlen diese Schilder, dürfen auch Radfahrer nicht entgegen der Einbahnstraße fahren, selbst wenn Platz genug wäre.

Sunday, June 2, 2013

Fahrradunfälle im Mai

unfaelle.png

Ein 41-jähriger Radfahrer wird in Spandau von einem Motorradfahrer auf der Straße über den Haufen gefahren.
#straße

Ein 72-jähriger Radler wird in Reinickendorf auf dem Radweg von einem in eine Einfahrt steuernden Auto überfahren.
#radweg

Durch ein rechtsabbiegendes Auto wird eine auf dem Fußgängerbereich die Straße überquerende 47-Jährige in Lichtenberg erfasst und schwer verletzt.
#rechtsabbieger #fußweg

In Treptow-Köpenick fährt ebenfalls eine 50-jährige Radfahrerin vom Gehweg auf die Straße und wird von einem rechtsabbiegenden PKW erfasst.
#rechtsabbieger #fußweg

Ebenfalls in Treptow-Köpenick überfährt eine in die Winckelmannstraße linksabbiegende Autofahrerin eine auf dem Radweg der Stubenrauchstraße entgegenkommende 33-jährige Radlerin. Der Radweg verläuft hier hinter parkenden Autos neben dem Gehweg.
#radweg #linksabbieger

In Spandau stirbt ein 51-jähriger Radfahrer, als ein LKW aus der Klosterstraße rechts in die Ruhlebener Straße abbiegt.
#rechtsabbieger #tod

Quelle: Polizeibericht Berlin

Saturday, June 1, 2013

Rücksichtsvoll

Bei Starkregen Fahrrad zu fahren ist überhaupt kein Problem - mit der richtigen Ausstattung. Regenjacke, Regenhose, und für die ganz Harten auch noch Gamaschen bzw. Schuhüberzüge. Als Accessoire nützlich ist auch eine Radfahrbrille als Miniaturwindschutzscheibe. Selbst größte Regenmassen aus übelsten Wolkenbrüchen steckt man damit locker weg - es macht sogar richtig Spaß, dem Regen auf diese Art so unmittelbar zu trotzen. Das Problem ist wirklich nicht das Wasser. Das Problem ist der Dreck. Der Dreck, den man hinterher auf der Regenkleidung hat, weil Autofahrer ihrerseits Spaß dran haben, direkt durch die Pfützen am Straßenrand zu pflügen. Vielen Dank auch.

Saturday, May 25, 2013

Ahnungslose Taxifahrer

Die Idee des ADFC, Aufkleber zu verteilen, die an die Seitenscheiben geklebt werden sollen, um unachtsame Mitfahrer auf das umsichtige Öffnen der Türen hinzuweisen, ist eine gute Idee - die durchaus ihre Berechtigung hat.

Noch besser wäre ein Aufkleber für die Taxi-Windschutzscheibe, doch bitte die Fahrradschutzstreifen nicht zuzuparken, da scheint es erheblichen Informationsbedarf zu geben.

Ist es naiv, anzunehmen, dass sich Taxifahrer, die sich quasi ausschließlich beruflich auf den Straßen bewegen, auch die Verkehrsregeln kennen sollten? Oder wie soll man es einordnen, dass öffentlich zugegeben wird, dass man keine Ahnung hat, was Radspuren bedeuten?

Monday, May 13, 2013

Kampfradler

Ich stehe brav ganz vorne an der roten Ampel. Der Radlerkollege mit dem Crossrad ohne Beleuchtung (20 Euro) und Klingel (15 Euro) hinter mir überholt mich, überfährt das Rotlicht (100 Euro), macht einen Schwenk auf den Fußweg (15 Euro), fährt eine Schleife und radelt quer in der nun bereits ebenfalls Rot zeigenden Richtung (45 Euro) auf der Fußgängerfurt (15 Euro) über die Straße, um auf der anderen Straßenseite auf dem Radweg in falscher Richtung weiterzufahren (20 Euro).

Das wären mindestens 230 Euro an Bußgeld gewesen. Respekt, das muss man erstmal schaffen. Berlin wäre schuldenfrei, würde man einen Tag lang jeden Radfahrer kontrollieren.

Thursday, May 9, 2013

Fahrraddiskriminierung

Gleichberechtigung ist gut, auch im Straßenverkehr für die unterschiedlichen Fahrzeugtypen. Meist fühlen sich jedoch die Radfahrer benachteiligt, manchmal werden sie aber eindeutig bevorzugt: zum Beispiel bei Einbahnstraßen. In den meisten Einbahnstraßen, die aus Platzgründen für den Autoverkehr nur in einer Richtung freigegeben sind, dürfen Radler sie in beiden Richtungen benutzen - selbst dann, wenn der Platz nicht reicht, dass Auto und Rad nebeneinander fahren könnten.

Hier im Bild ist die Straße sogar freigegeben, obwohl parallel dazu ein für Radfahrer ebenfalls freigegebener Uferweg verläuft.

radfahrerfrei.jpg
Fahrräder frei

Doch erreichen kann man diese Straße nur, wenn man sich ihr von rechts nähert. Während man aus dieser Seitenstraße kommend in beide Richtungen der Hauptstraße abbiegen kann, ist das legale Einfahren für Radfahrer nur möglich, wenn man sich bereits auf der entsprechenden Seite der Hauptstraße befindet, an die die Nebenstraße grenzt. Denn in der Mitte der Hauptstaße ist eine einseitig geltende, durchgezogene Mittellinie aufgemalt, die nicht überfahren werden darf.

mittellinie.jpg
Durchgezogene Linie in der Straßenmitte

Aus gegenüberliegender Sicht besteht daher keine Möglichkeit für den Radfahrer, die Nebenstraße fahrend zu erreichen. Was für den Autoverkehr noch logisch nachvollziehbar ist (KFZ dürften ohnehin nicht in die Straße abbiegen), wird für Radfahrer zum Ärgernis.

Somit schafft es die Verkehrsführung, selbst während der Bevorzugung von Radfahrerin doch noch eine Hürde für diese einzubauen. Letztlich haben wir es hier also wieder Weiß auf Asphaltgrau: Radfahrer werden nicht als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer angesehen.

Sunday, May 5, 2013

Fahrradrecht

„Beide Fahrzeuge waren vorschriftsmäßig mit Spiegeln ausgestattet (…)“ schreibt der Tagesspiegel über den Unfall des tödlich verunglückten Liegeradfahrers, der letzten Monat von einem abbiegenden LKW überrollt wurde. Das klingt, als würde sowohl für LKWs als auch für Liegeräder eine Rückspiegelpflicht gelten. Sind für Liegeräder tatsächlich Rüclspiegel vorgeschrieben? Das ist natürlich Nonsens. Während Lastwagen eine Fülle von Spiegeln am Fahrzeug angebracht haben müssen, gibt es auf der anderen Seite keine Vorschrift, dass Fahrräder Rückspiegel haben müssen. Liegeräder zählen zu den Fahrrädern – und unterliegen daher auch keiner Spiegelpflicht. Trotzdem wird kaum ein Liegeradfahrer auf sie verzichten wollen.