Monday, July 1, 2013

Das Ende der Dynamopflicht?

Was als Gesetzesinitiative aus Niedersachsen begann, fand mittlerweile auch den Segen von Verkehrsminister Ramsauer und könnte nun tatsächlich kommen, wenn der Bundesrat zustimmen sollte: die Dynamopflicht bei Fahrrädern könnte demnächst fallen. Statt mit kaputten Lichtanlagen unterwegs zu sein, die, wenn es drauf ankommt, dann doch nicht funktionieren, würde künftig Akkubeleuchtung zulässig sein – die von vielen ambitionierten Radfahrern ohnehin schon längst (gesetzeswidrig oder ergänzend zur Dynamobeleuchtung) verwendet wird, da sie zuverlässiger und heller ist als das klassische Fahrradlicht.

Hier würde die Gesetzesänderung den weitverbreiteten Gebrauch endlich legalisieren – und z.B. Mountainbike- oder Crossrad-Fahrer davor bewahren, ihre Räder mit allerlei wackeligen Anbauteilen nachrüsten zu müssen, um legal am Straßenverkehr teilnehmen zu können. Was für Rennräder möglich ist, sollte auch für andere Räder möglich sein. Es gibt keinen vernünftigen Grund, Rennräder anders zu behandeln als andere sportliche Räder. Insofern erscheint die Angleichung bzw. generelle Freigabe sinnvoll und überfällig.

Irgendwelche Batterieleuchten würden dann allerdings nicht erlaubt sein – nur Scheinwerfer bzw. Schlussleuchten, die mit Akkus betrieben werden und über eine Ladestandsanzeige verfügen, wären dann legalisiert. Leuchten mit Einwegbatterien will man aus Umweltschutzgründen nicht zulassen, außerdem soll der Radler vor Fahrtantritt erkennen können, ob der noch genug Saft in den Akkus hat. Das offenbart eine gewisse Lebensfremdheit des Gesetzesänderungsentwurfs, denn welcher Radler kontrolliert bei Tageslicht seine Akkurestlaufzeiten? Eher hat er einen Satz Ersatzbatterien dabei, doch deren Verwendung wäre dann legal gar nicht möglich.

Überdies wird man in Zukunft bei Akkuleuchten weiterhin darauf achten müssen, ob sie eine StVZO-Zulassung haben oder nicht – die Abschaffung der Dynamopflicht würde nicht bedeuten, dass man nun einfach irgendwelche Lampen benutzen darf. Sie müssen die Voraussetzungen erfüllen und die Prüfnummer tragen, wenn sie im Straßenverkehr eingesetzt werden sollen. Neu wird nur sein, dass man die Lampen nicht permanent am Fahrrad angebracht haben muss und auf den Dynamo verzichten kann.

Erlaubte Akkubeleuchtung könnte letztlich jedoch dazu führen, dass noch weniger Radfahrer mit Licht unterwegs sind - Stecklampen werden auch schon mal vergessen, gerade Gegenheitsradler werden sich kaum um eine griffbereite, funktionsbereite Beleuchtung kümmern. Andererseits könnte es auch dazu führen, dass mehr mit Licht gefahren wird im Dunkeln, wenn Seitenläuferdynamos nicht mehr bremsen und die kaputte Lichtanlage ohnehin seit Jahren nicht repariert wurde. Das Anbringen und Aufladen von Akkubeleuchtung ist technisch simpler und auch von Nicht-Bastlern leichter zu handhaben als das Reparieren und Warten einer festinstallierten Fahrradbeleuchtungsanlage. Im Zweifel könnte sich Lieschen Müller künftig ein Akkulicht im Supermarkt nachkaufen, statt das Rad zum Reparieren der festen Fahrradbeleuchtung in die Werkstatt zu bringen.

In der Praxis könnte es auch Auswirkungen auf den Fahrradhandel haben. Wo heute als straßenverkehrstauglich angebotene Räder auf jeden Fall eine komplette Beleuchtungsanlage vorweisen müssen, könnten die Hersteller künftig auf diese verzichten und Kosten sparen. Wie im Ausland wird man vielleicht dann auf Dynamo-Rücklicht auch bei Stadträdern verzichten, stattdessen für das Rücklicht die Akkuversion nehmen - und nur noch das Vorderlicht, das mehr Energie benötigt, in einer Dynamofassung anbieten.

Im Endeffekt wird es jedoch beim jetzigen Zustand bleiben: Radfahrer werden sich nicht um Beleuchtungsvorschriften kümmern, und sich einfach irgendwelche Blinklichter ans Fahrrad pappen, ganz gleich, ob es sinnvoll ist oder nicht.