Friday, July 12, 2013

Styroporpflicht

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg bringt in Folge der Rechtsprechung des OLG Schleswig-Holstein einen Beitrag zur Helmpflicht für Radfahrer. Tenor: die Politik will keine Helmpflicht, der ADFC geht davon aus, dass dann wieder mehr Auto gefahren würde, und die meisten Radfahrer selbst sagen, dass sie dann eben einen Helm tragen würden, wenn es vorgeschrieben wäre. Garniert wird das Ganze mit Bildern von Fahrradunfall-Crashtests.

Genau diese jedoch offenbaren den Knackpunkt der Frage, ob Helme sinnvoll sind oder nicht: In allen gezeigten Crashtests hätte ein Helm praktisch überhaupt nicht geholfen: Ein Helm verhindert nicht, dass Radfahrer mit der Wirbelsäule auf die Motorhaube prallen, er schützt nicht davor, auf das Gesicht zu fallen und auch beim gezeigten seitlichen Aufprall auf den Asphalt hätte er so gut wie keine Schutzwirkung.

Wenn man sich als Radfahrer wirksam vor Kopf- und sonstigen Verletzungen besser schützen wollte, müsste man Integralschutzhelme tragen – also Motorradhelme. Normale Fahrradhelme bieten im Vergleich zu geschlossenen Helmen oder selbst halboffenen Motorradhelmen eher begrenzten Schutz. Man trägt sie auf dem Kopf, statt um den Kopf. Gegen die in Berlin häufigste Todesursache für Radfahrer hilft ein Helm übrigens nicht, nämlich von einem Lastwagen überrollt zu werden.

Auf diese essentielle Frage, wie sehr typische Fahrradhelme eigentlich wirklich schützen können, geht der RBB-Beitrag praktisch nicht ein. Ein Mediziner darf vor der Kamera sagen, dass Fahrradhelme definitiv den Kopf schützen, das sei die alltägliche klinische Erfahrung der Unfallchirurgen. Wie stark dieser Schutz ist und in exakt welchem Winkel man aufprallen muss, um diesen Schutz überhaupt zu erzielen, das wird auf eine ganz besondere Weise angesprochen: nämlich gar nicht.