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Rubrik: Rampenlicht

Informationen am Abend

Wie war das nochmal, welches ist das schnellste aller Medien in Sachen Nachrichtenaktualität? Internet? Das hat sich disqualifiziert, seitdem die „Süddeutsche“ einfach die Rollläden runterlässt, sobald der Pförtner in München in den Feierabend gegangen ist. Fernsehen und Videotext? Keine ernstzunehmende Alternative mehr, wenn der Schwerpunkt auf BB (Baufahrzeugberichterstattung) liegt. Bleibt noch das Radio. Ähm, bliebe:

WDR2.de-Startseite am 28.1.2008

Noch bis spät in die Nacht verkündete WDR2.de, die SPD in Hessen läge vorne.

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Vision ohne Euro: Der Eurovision Song Contest 2007 oder Peter Urban, äh, sagt Tschüss

[ ⇒ Text verschoben ins Knetfeder Magazin ]

Nicht kommentierbar

XXX

Weg ist es. Das Programm, das einen während schlafloser Nächte begleitete, das mit hoher Wahrscheinlichkeit noch wenigstens irgendetwas Interessantes brachte, wenn auf anderen Kanälen nur noch „Erotik-Clips“, Gerichtsshowwiederholungen – oder Teleshoppingfenster liefen: XXP.

N24 appellierte in seiner Startphase an die Zuschauer, dass man es auf die Programmtaste Nr. 8 programmieren solle, auch arte wollte letztes Jahr in ganzseitigen Anzeigen ebenfalls gerne auf die Acht gelegt werden. Pustekuchen. Arte liegt bei meiner Fernbedienung auf der Vier und XXP hat es immerhin auf die Fünf geschafft. Arte auf der Vier deswegen, damit man wenigstens beim Zappen mal den ein oder anderen interessanten Beitrag erwischt, denn gezieltes Einschalten bei all den Themenabenden und überlangen TV-Experimenten war halt doch nie realistisch – und XXP auf der Fünf, weil, ja, warum eigentlich? Natürlich wie schon erwähnt, weil eigentlich immer etwas Interessantes im Programm war, wenn sonst woanders nichts Gescheites lief (also fast immer). Dauerwiederholte Reportagen zwar, aber die machten gerade den Reiz des kleinen Senders aus: Die Doku vom Flughafen, die Reportage über die Berliner U-Bahn, knoppfreie Aufnahmen des Dritten Reiches oder die x-te Wiederausstrahlung der x-ten Supermarktlebensmittelabteilungeinkäuferaufdemgroßmarkt-Serie, das war gleichzeitig interessant und doch trivial genug, um nebenbei unterhalten zu werden und abschalten zu können. Die Dauerwiederholungen waren quasi die Grundzutat, die das Programm überhaupt erst so attraktiv machte.

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Gallier sind auch nur Menschen…

…und die treffen halt auch schon mal auf Außerirdische, die auch gerne Zaubertrank hätten.

Man soll sich ja immer eine eigene Meinung bilden, dieser ansonsten gute Rat war jedoch diesmal fatal. Ich habe im Vorbeigehen nicht widerstehen können und mir entgegen aller Warnungen den neuen Asterix-Band, „Gallien in Gefahr“, doch noch gekauft. Leider. Gedacht als Hommage an Walt Disney (der in einem Schlusswort explizit von Uderzo gewürdigt wird), ist der Band eine Beleidigung für die Leser geworden. Ein „Kampf der Galaxien“, mit kalifornischen Supermännern, blechernen Heuschrecken, die wohl den vergeblichen Versuch darstellen, Mangas zu karikieren, Mickeymäusen und riesigen metallischen Raumschiffen, die alle in einem aremorikanischen Dorf 50 Jahre v. Chr. landen. Die Bilder haben stellenweise ihren alten Charme und Witz, aber eine Story ist praktisch nicht existent, die Handlung speist sich aus anscheinlich willkürlich zusammengesetzten Elementen der Comickultur. Eine Comickultur, die nicht die von Asterix‘ Welt ist.

Warum da auch ein paar Gallier in der Szenerie herumlaufen, wird bis zum Schluss eigentlich nicht richtig klar. Asterix und Obelix haben mit der Handlung etwa soviel zu tun wie Raumschiff Enterprise mit Julius Cäsar. Lachhaft, wenn man sich nun vorstellt, dass man sich zuvor wenigstens ein bisschen Flair der alten Bände gewünscht hätte, ein Flair, das seit dem Tode von René Coscinny nie mehr erreicht, in einigen Bänden, die Uderzo seitdem in Eigenregie verwirklichte, aber wenigstens manchmal durchblitzte. Der große Graben, die Odyssee, Asterix im Morgenland und mit Maestria – das waren Geschichten, die den Titel Asterix zumindest verdienten. Danach wurde es endgültig katastrophal, was im nun aktuellen Band seinen Höhepunkt findet.

Wortwitz, versteckte Anspielungen, eine in sich stimmige und doch detailverliebte Rahmenhandlungen, Gesellschaftskritik, augenzwinkernde Geschichtsstunde, Klischeevölkerkunde oder einfach nur ein Abenteuer auf historisch – nichts von alledem findet man in „Gallien in Gefahr“. Fast schon nicht mehr interessant ist, dass auch der Text nicht mal versucht, an alte Zeiten anzuknüpfen und sich keinerlei Mühe gibt, sich wenigsten stilistisch an die historische Gegebenheit anzupassen. Römische Legionäre berichten ihrem Vorgesetzten, sie hätten einen „Filmriss“, reden ihren Zentrurio mit „Chef“ an, dieser höchstselbst spricht eine Umgangssprache der Mitteleuropäer des 21. Jahrhunderts. In früheren Zeiten wurde das gallische Dorf regelmäßig niedergebrannt, jetzt wird es abgefackelt. Verknappte Schröderzitate (Hol mir mal ’ne Flasche Bier!) fehlen diesmal, aber der Reigen platter Witzchen wird ebenso fortgesetzt. Diese Details wären es gewesen, die einem dem Spaß an Asterix unter normalen Umständen verleidet hätten, aber diesmal ist das wirklich egal: diese Geschichte ist so wenig Asterix-Comic, dass ihn keine noch so geniale Übersetzung hätte retten können.

Ich wünsche Monsieur Uderzo, dass er noch für lange Zeit viele Asterixe zeichnet. Nur veröffentlichen soll er sie bitte nicht mehr.

Nachtrag: Aufgrund eines Kommentars zu dieser Rezension („sprechende“ URLs sind halt doch was Schönes…) bin ich erst auf die Idee gekommen, mal bei den Amazon-Kundenrezensionen querzulesen. Verheerend.

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Bundestagswahlkampf 2005

Vorbei. Der Wahlkampf 2005 ist mit der heutigen Wahl zum 16. Deutschen Bundestag beendet. Glücklicherweise, sollte man meinen. Dem politisch Interessierten präsentiert sich eine wohl nie derart wahrgenommene Lethargie. Die FDP machte ihr Schicksal von Anfang an vom Erfolg der CDU/CSU abhängig, die Grünen ließen keinen Zweifel daran, dass sie außer der SPD keinen Koalitionspartner finden würden, der Kanzler schloss eine Zusammenarbeit mit der umgelabelten PDS kategorisch aus und die CDU konnte schlecht damit werben, auch für eine große Koaliton offen zu sein. Also alles wie immer. Wäre da nicht der Coup von Lafontaine gewesen – der heutige Wahlabend würde deutlich langweiliger werden. Nötiger denn je wäre es daher für die Etablierten gewesen, gerade mit den verdächtig langweilig klingenden Sachthemen zu überzeugen. Von Überzeugung war hingegen meist nicht viel zu spüren.

Stattdessen erlebte man stärker als je zuvor die Amerikanisierung des Wahlkampfes. Großveranstaltungen mit Einpeitscherstimmung wie bei einem Motivationstrainerseminar, TV-Duelle, abgedroschene Parolen, auf Slogans reduzierte Programmatik und Bildern von Parteiveranstaltungen, bei denen man den Eindruck bekommen konnte, dass hier nicht Politiker um das Vertrauen des Volkes warben, sondern heilsversprechende Lichtgestalten angebetet werden sollten. Fast tragisch könnte man z.B. manch öffentlichen Auftritt der Kanzlerkandidatin nennen, bei denen die mit Bussen extra angekarrten Claqueure regelmäßig zu Rolling-Stones-Musik Angie-Schilder schwenkten – das wirkte im Kontrast zu der etwa bei Gesprächsrunden seriös, kompetent und überzeugend erscheinenden Kandidatin, der man anzusehen glaubte, dass sie sich auf Marktplatzbühnen eher unwohl fühlt, überwiegend peinlich.

Die begleitenden Kampagnen kann man ruhigen Gewissens als langweilig und phantasielos bezeichnen. Die Grüne Aktion sah verdächtig unauthentisch nach purer Agenturwerbung aus, die SPD präsentierte sich selbstbewusst in orthopädischen Farben und der Union hat niemand verraten, dass orange zwar verjüngt, aber auch als unseriös wahrgenommen werden kann.

Gerade auch im Internet, in dem man dieses Mal immerhin schon überhaupt einen Anflug von Wahlkampfaktivitäten spüren konnte, wurde sich nicht mit Ruhm bekleckert. Die Bedeutung dieses Mediums wird offensichtlich noch immer unterschätzt. Das hat die CSU sehr schön gezeigt, als sie ausgerechnet zwei Tage vor der Wahl in ihrem nach Werbung für Molkereiprodukte aussehenden Wahlkampfweblog nicht mehr mit den Lesern umzugehen wusste. Die vereinzelt eingerichteten Blogs der Politiker selbst blieben entweder leer oder erzielten keine oder die falsche Aufmerksamkeit. Nicht zuletzt, weil viele Blogs nicht informierten, sondern nur als klassisch-stupider Wahlkampf auf anderem Weg verstanden wurden. Kreativität und Witz bewiesen im Netz andere, etwa durch Parteitagsbloggen, das eine interessante alternative Sichtweise auf den Politikbetrieb bot, wenngleich die politische Meinungsbildung dabei weniger profitierte.

Zuende geht auch eine bereits oben in Teilen verlinkte Pioniertat: die ZDF-Blogtour. Vier Wochen lang berichtete sie aus dem gesamtdeutschen Wahlkampfgebiet. Interessant und unterhaltsam wurden die Wahlwerbebemühungen der Parteien nicht nur in der Provinz schonungslos mit bissigen Worten sowie detailverliebter Beobachtungsgabe begleitet. Ein Lichtblick im Wahlkampfgetümmel. Leider hat sich gezeigt, dass das übliche Format eines Weblogs – die umgekehrt chronologische Anordnung der Artikel – nicht unbedingt erste Wahl ist, um chronologisch zu berichten: wenn man nicht täglich bei den ZDF-Bloggern eingeschaltet hat – und bei den oft inhaltlich aneinander anschließenden Beiträgen trotzdem noch mitkommen wollte – dann kam man aus dem Hoch- und Runterscrollen nicht mehr heraus.

Wie dem auch sei, Fortsetzung hoffentlich 2009.

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