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Firefox 1.5 – was haben sie nun wieder ausgebaut?

Da ist er also – die Endversion von Firefox 1.5 ist freigegeben. Ein knappes Jahr nach Firefox 1.0 ist nun also der Browser veröffentlicht worden, der eigentlich Firefox 1.1 hätte werden sollen. Nur klang das halt nicht so toll – und so hat man Firefox 1.1, 1.2, 1.3 und 1.4 einfach ausgelassen. Eigentlich verwunderlich, dass die Mozillaentwickler ihr Produkt nicht gleich 2.0 genannt haben.

Firefox 1.5 Linux im AuslieferungszustandVielleicht liegt es an den fehlenden Neuerungen. Firefox 1.0 war laut damaliger Kampagne schon ziemlich perfekt – warum sollte man also ständig Neues einbauen und erwarten wollen? In der Tat sieht Firefox 1.5 fast genauso aus wie sein Vorgänger mit der Null hinterm Punkt: auf den ersten Blick haben sich nur zwei Kleinigkeiten verändert – das RSS-Symbol erscheint nun nicht mehr in der Statusleiste, sondern in der Adresszeile, und das Einstellungsfenster hat ein paar Designkorrekturen erhalten – die Änderungen stecken tatsächlich unsichtbar hinter den Kulissen und werden für den gewöhnlichen Anwender gar nicht sichtbar.

Doch berichtet werden muss in den Medien, also greifen die nun allerorts aus dem Boden schießenden Rezensionen eben jene Kleinigkeiten auf, um etwas berichten zu können: Die vielgelobte, nun standardmäßig eingebaute Sortiermöglichkeit der Tabs ließ sich aber schon lange per Erweiterung installieren (eine Erweiterung, mit der man sogar mit dem Mausrad zwischen den Tabs wechseln konnte – ausgerechnet dieses nette Feature wurde nun bei der Integration aber nicht mit übernommen) und einige der paar neuen Einstellungsmöglichkeiten gab’s sogar schon 2002 in der Mozilla-Suite – und wurden für Firefox 1.0 nur versteckt.

Interessanterweise nicht berichtet wird von den Nachteilen und Bugs, die Firefox auch in der neuen Version wieder mitbringt: Auch Firefox 1.5 verrät dem Anwender nicht, dass er standardmäßig Webseiten im Hintergrund lädt, wenn entsprechende Links mit einem bestimmten Befehl markiert sind: Sucht man z.B. bei unser aller Suchmaschine mit Firefox, dann werden Ergebnisse bereits in den Zwischenspeicher geladen, noch bevor man sie selbst angeklickt hat. Bandbreiten- und Trafficverschwendung sind die Folge.

Ein weiteres, nicht behobenes Ärgernis: öffnet man zu viele Webseiten auf einmal, schieben sich neue Tabs irgendwann hinter den roten Schließen-Knopf – man kommt nicht mehr an die geladenen Seiten heran, außer über eine umständliche Tastenkombination. Aber selbst für solche Banalitäten gibt’s ja gottseidank Erweiterungen.

Auch am Speicherhunger des Fuchses hat sich nicht viel geändert. Auf älteren Computern und vielen gleichzeitig geöffneten Seiten bemerkt man recht schnell, dass Firefox relativ viel Rechnerkapazität verbrät – flüssiges Arbeiten ist oftmals nicht mehr möglich.

Eine tatsächliche Neuerung wird mangels echter Neuerungen ebenfalls hochgelobt: Die Möglichkeit des inkrementellen Updates. Patches und Programmerneuerungen können nun einzeln nachinstalliert werden, das komplette Austauschen der Software entfällt. Sicherlich komfortabel, aber andere Programme beherrschen das wie selbstverständlich seit Jahren, kaum zu verstehen ist daher, warum diese Eigenschaft hier wieder als bahnbrechend verkauft wird. Wirklich gebraucht hätte man diese Funktion damals zu Zeiten der schwergewichtigen Mozilla-Suite und quasi reiner Modem-/ISDN-Verbreitung – nicht erst jetzt beim verhältnismäßig kleinen Firefox, der mit DSL regelrecht auf die Festplatte fliegt.

Windowsnutzern stößt noch eine weitere Sache sauer auf: der Umstand, dass Firefox zur Darstellung seiner Oberfläche nicht auf vorhandene Betriebssystembibliotheken aufbaut, sondern diese nur imitiert. Bislang wurden die Menüs der klassischen Windows-Stile imitiert, mit Version 1.5 ahmt Firefox die Menüdesigns von Windows XPs Luna nach. Dort sieht das toll aus, die Benutzer älterer Windowsversionen (Windows95 wird sogar offiziell gar nicht mehr unterstützt) oder des klassischen Stils jedoch sehen nun ziemlich hässliche Menüs. Wenigstens hier kann geholfen werden: mit ein paar Handgriffen in der Datei userChrome.css verleiht man Firefox schnell wieder das alte Aussehen.

Das persönliches Urteil über diesen neuen Firefox: der Browser wurde behutsam verbessert und auch in der Benutzerergonomie weiter optimiert (dass man wie etwa bei Opera innerhalb von zwei Versionssprüngen zweimal seine komplette Oberfläche austauscht, ist glücklicherweise ohnehin nicht zu erwarten), bahnbrechende Neuerungen oder Innovationen sind aber nicht zu entdecken und so browst man konservativ und ohne böse Überraschungen mit Firefox 1.5 durchs Web.

4 Kommentare »

  1. Genscher schrieb am

    Sonntag, 1. Januar 2006 um 16:54

    Also unter MSW funktioniert ja nichteinmal mehr die Copy-Paste Funktion vernünftig, so dass ich nach 10 Tagen wieder bei FireFox 1.0.7 bin.
    Weiterhin sind die zusätzlichen „Sicherheitsfeatures“ extrem Benutzerunfreundlich geworden, da ein Standardnutzer mit den ganzen Möglichkeiten hoffnungslos überfordert sein wird.

    Fazit: Nein Danke!

    Wirklich enttäuschend.

  2. Daniel schrieb am

    Mittwoch, 4. Januar 2006 um 1:02

    Probleme mit Copy/Paste sind mir nicht aufgefallen, aber man hört an vielen Orten, dass 1.5 recht ‚verbuggt‘ sein soll. Ganz aus der Luft gegriffen scheint das tatsächlich nicht zu sein, unvermittelte Abstürze hatte ich z.B. in den letzten Tagen mit Firefox 1.5 öfter als mit 1.0 in einem ganzen Jahr – und jedesmal wird dann der gesamte Cache mitgelöscht – für Schmalbandnutzer eine Katastrophe. 🙁

    Die mangelnde Abwärtskompatibilität ausgerechnet im Erweiterungs-Bereich hätte ich auch durchaus noch erwähnen sollen – das hat offenbar ebenfalls viele Anwender wieder zurück zu den Vorgängerversionen getrieben. Für Firefox 1.5 gibt es einige nette neue Extensions, die es für die älteren Füchse noch nicht gab und wer bei 1.5 einsteigt und nichts vermisst, wird wahrscheinlich mit dieser Version glücklich werden; wer aber bereits 1.0.x verwendet hat und nun aktualisiert, erlebt mitunter böse Überraschungen. Persönlich vermisse ich schmerzlich das Scrollen durch die Tab-Leiste und auch der Sessionsaver macht nun einige Zicken. Da zeigt sich letztendlich doch, dass Firefox ohne seine Erweiterungen ein recht nacktes Programm ist, mit dem man schnell an Grenzen stößt.

    Dass programmseitig nach einem Update auf eine neuere Version ersteinmal alle veralteten Erweiterungen „künstlich“ deaktiviert werden (obwohl viele der alten Extensions durchaus auch mit 1.5 lauffähig sind), ist einerseits verständlich, andererseits ist nicht nachzuvollziehen, warum es dann nicht möglich ist, eine Art Kompatibilitätsmodus zu schaffen, wenn man nicht willens oder in der Lage ist, auf bestehende Schnittstellen Rücksicht zu nehmen. Eine Art Häkchen „Ich will diese Erweiterung auf jeden Fall behalten“ wäre das mindeste, auch auf die Gefahr hin, dass es letzlich nicht funktioniert. Aber diese Entscheidung will man den Nutzern offensichtlich nicht zumuten und lässt sie dann lieber komplett im Regen stehen. Unter Anwenderfreundlichkeit verstehe ich jedenfalls etwas anderes.

    Zurück zum 1.0.7er gehe ich dennoch nicht, dafür überwiegen die Vorteile der neuen Version dann doch die Nachteile (speziell der Geschwindigkeitszuwachs der Oberfläche unter Linux). Im Gegenzug bin ich nun aber wieder öfter mit Opera unterwegs. 😉

  3. Carsten schrieb am

    Montag, 22. Mai 2006 um 15:38

    Die Copy-Paste Funktion geht nach dem update auf 1.5.0.3 bei mir auch nur noch wenn se Lust hat.
    Ich hab schon gesucht und gesucht aber nichts darüber gefunden.
    Wenn ich nicht bald ne Lösung finde hau ich die Version wieder runter.

  4. dws schrieb am

    Montag, 22. Mai 2006 um 20:41

    Mit Erscheinen von Firefox 1.0.8 kann man ja inzwischen auch wieder gefahrlos „downgraden“ und ist nicht gezwungen, die 1.5er-Serie zu benutzen. Dann fehlen zwar ein paar Features (die man aber auch über Erweiterungen wiederbekommen kann), ist sicherheitstechnisch aber wieder auf aktuellem Stand.

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