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Weg ist es. Das Programm, das einen während schlafloser Nächte begleitete, das mit hoher Wahrscheinlichkeit noch wenigstens irgendetwas Interessantes brachte, wenn auf anderen Kanälen nur noch „Erotik-Clips“, Gerichtsshowwiederholungen – oder Teleshoppingfenster liefen: XXP.

N24 appellierte in seiner Startphase an die Zuschauer, dass man es auf die Programmtaste Nr. 8 programmieren solle, auch arte wollte letztes Jahr in ganzseitigen Anzeigen ebenfalls gerne auf die Acht gelegt werden. Pustekuchen. Arte liegt bei meiner Fernbedienung auf der Vier und XXP hat es immerhin auf die Fünf geschafft. Arte auf der Vier deswegen, damit man wenigstens beim Zappen mal den ein oder anderen interessanten Beitrag erwischt, denn gezieltes Einschalten bei all den Themenabenden und überlangen TV-Experimenten war halt doch nie realistisch – und XXP auf der Fünf, weil, ja, warum eigentlich? Natürlich wie schon erwähnt, weil eigentlich immer etwas Interessantes im Programm war, wenn sonst woanders nichts Gescheites lief (also fast immer). Dauerwiederholte Reportagen zwar, aber die machten gerade den Reiz des kleinen Senders aus: Die Doku vom Flughafen, die Reportage über die Berliner U-Bahn, knoppfreie Aufnahmen des Dritten Reiches oder die x-te Wiederausstrahlung der x-ten Supermarktlebensmittelabteilungeinkäuferaufdemgroßmarkt-Serie, das war gleichzeitig interessant und doch trivial genug, um nebenbei unterhalten zu werden und abschalten zu können. Die Dauerwiederholungen waren quasi die Grundzutat, die das Programm überhaupt erst so attraktiv machte.

Dass es sich bei XXP überwiegend um eine Konservenabspielstation handelte, merkte man immer dann, wenn in den Reportagen plötzlich wieder mit D-Mark bezahlt wurde. Oder wenn die Nachwende-Reportagen schon so verwaschen wirkten, dass man sich sogleich ins Jahr 1990 zurückversetzt fühlte. Egal, das Programm hatte nicht nur auch einen geschichtlichen Schwerpunkt, sondern sendete eben auch mit historischem Material.

Eigentlich ein Wunder, dass sich XXP so lange halten konnte, war es doch nicht vom Gebührenzahler finanziert und bot trotzdem recht anspruchsvolles Programm, was per Definition ja eigentlich gar nicht funktionieren kann. Wie mit dem Aus des Senders zum 1. September wohl mal wieder bewiesen worden wäre.

Das „alte“ XXP gab es ohnehin schon seit längerem nicht mehr. Genauer gesagt seit Anfang dieses Jahres, als es von einer US-Fernsehgesellschaft übernommen wurde. Wäre das Senderlogo nicht gewesen, hätte man oft auf den ersten Blick nicht sagen können, ob man bei XXP oder RTL2 gelandet wäre. Das Programm wurde zunehmend durchsetzt von boulevardesken Formaten, die so gar nicht ins bisherige Sendeschema passen wollten. Der Abschied kam somit schleichend. Die Einstellung von XXP ist ein Verlust, jedoch somit kein allzu schmerzlicher mehr.

Alternativen? Nicht nötig. Dann bleibt die Fünf eben in Zukunft frei.

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