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Ebay wird teurer …

… für alle Kleinverkäufer, die nicht nur Kleinkram verkaufen. Ebay-Nutzer haben in diesen Tagen eine Nachricht im Ebay-Posteingang, die die Vorteile der Gebührenänderung ab dem 20.2.2008 anpreist: Z.B. kostenloses Einstellen plus gratis Galeriebild für Privatverkäufer. Genannt wird auch die „Preisanpassung bei den Verkaufsprovisionen“, diese wird nämlich „noch mehr an die Höhe des Verkaufspreises angepasst“.

Ebay-Mitteilung

Was erstmal toll klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als saftige Preiserhöhung. Die entscheidende Information wird in der Nachricht verschwiegen, sie wird erst nach einem Klick auf den „Mehr Infos“-Button sichtbar: Die Verkaufsprovision steigt ab kommendem Mittwoch kräftig an: statt z.B. wie bisher 5% sind es ab kommendem Mittwoch nun 8% für Verkäufe bis 50 Euro. Hier ein direkter Vergleich:

Provision bis 50 EUR alt: 5%
Provision bis 50 EUR neu: 8%

Provision bis 500 EUR alt: 4% + 2,50 EUR
Provision bis 500 EUR neu: 5% + 4,00 EUR

Der Unterschied sieht auf den ersten Blick nicht gravierend aus, doch läge die derzeitige Verkaufsprovision für geringpreisige Artikel nur einen Prozentpunkt niedriger, wäre dies eine Verdopplung der Provisonsgebühren. Eine simple Beispielrechnung verdeutlicht die Dimensionen:

Verkauft jemand bei einer normalen, privaten Ab-1-Euro-Auktion etwas für 25 Euro, dann kassiert Ebay bislang EUR 1,50 (1,25 Euro Provision + 0,25 Angebotsgebühr). Ab Mittwoch kassiert Ebay für die gleiche Auktion EUR 2,00 (2,00 Euro Provision, 0,00 Angebotsgebühr) – obwohl die Angebotsgebühr komplett wegfällt.

Vorteile hat der Ebayverkäufer durch die neue Gebührenstruktur nur, wenn er für maximal 8 Euro verkauft – oder gar nicht. Bekommt er mehr Geld, muss er sich ab Mittwoch über die neuen Ebaypreise ärgern. Im Endeffekt stellt sich die Streichung der Angebotsgebühren als Mogelpackung heraus: durch die gleichzeitige Provisionserhöhung zahlt man künftig im Schnitt deutlich mehr Gebühren an Ebay, wenn man nicht im einstelligen Bereich bleibt. Wobei nichteinmal sicher ist, dass die (bis zum Verkauf) kostenlosen Auktionen dauerhaft sind, denn Ebay.de selbst bezeichnet sie im Kleingedruckten als „bis auf weiteres befristete Aktion“:

Kleingedrucktes

Gut möglich, dass bloßes Einstellen irgendwann wieder Geld kostet. Fragt sich, ob die Provisionsgebühren in diesem Falle dann auch wieder sinken werden – vermutlich nicht.

Es fragt sich außerdem, ob die Abschaffung der negativen Bewertungen von Verkäufern für Käufer nicht ein genialer Schachzug war, um von der Preiserhöhung abzulenken. Bei den üblichen Meldungen steht nun nämlich vor allem das geänderte Bewerungsprocedere im Mittelpunkt, die Gebührenerhöhung wird nur am Rande erwähnt. Ebay auf den Leim gegangen wäre dann auch das ZDF:

Für private Verkäufer sinken die Gebühren. (…) Unterm Strich ergibt sich für private Verkäufer jedoch in vielen Fällen eine Kostensenkung.

Zwei Konsequenzen sind durch die Änderungen absehbar: Verkäufer werden mehr Geld an Ebay los, wenn sie nennenswert verkaufen. Und für Käufer? Wo bislang die 25 Cent Einstellgebühr die Anbieter wenigstens ein wenig davor abschreckten, auch noch den wertlosesten Plunder bei Ebay anzubieten, dürfte es nun keine Hemmungen geben. Noch stärker als bisher sollte man ab Mittwoch daher darauf achten, ob sich nicht irgendwo in den Angeboten der versteckte Hinweis „für Bastler“ befindet. Und auch den „EU-Rechts-Hinweis“ sollte man dringend ernst nehmen.

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