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Jetzt neu: Einkaufen mit Sturmhaube. – Ebay zeigt die Namen der Bieter nicht mehr an

„Dreht Ebay jetzt völlig durch?“ mag mancher in den letzten Tagen sicherlich gedacht haben. Veränderungen gab es in den vergangenen Wochen reichlich beim beliebten Internetauktionshaus: Fastverdoppelung der Verkaufsprovisionen, Verkäufer können ihre Kunden nicht mehr negativ bewerten, Wegfall des Käuferschutzes, wenn man kein Paypal benutzt – und vor ein paar Tagen nun der neueste Clou: jetzt sieht man nicht einmal mehr, wer gerade bei einem Angebot mitbietet.

Richtig gelesen, wo früher der Mitgliedsname angezeigt wurde, wenn man irgendwo mitbot, sind nun während der „Versteigerung“ nur noch 3 Sternchen zwischen zwei zufälligen Zeichen zu sehen:

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Anklickbar sind diese neuen Platzhalter noch, aber sie führen weder ins Profil des Käufers noch auf mich-Seiten etc – der Kaufinteressent bleibt im Dunkeln. Immerhin: auf der dahinterliegenden Übersichtsseite sieht man, wo und wie oft der entsprechende Käufer überall mitgeboten hat:

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Wirklich aussagekräftig ist diese Statistik allerings nicht, da sie auch die Verkäufer verschweigt. Rückschlüsse auf den Mitgliedsnamen sind nicht mehr möglich, die Kaufinteressenten sind somit vollständig anonymisiert. Auch nach Ablauf der Auktion bleiben alle Mietbieter hinter Sternchen versteckt – nur der Höchstbietende wird sichtbar.

Anonymisierte Bieterliste
Zufällige Buchstaben und Sternchen: Keine Chance, einen Benutzernamen zu erkennen. Nur der Gewinner der Auktion wird sichtbar (hier unkenntlich gemacht)

Für alle Käufer ergeben sich dadurch gravierende Nachteile: Man sieht z.B. auf den ersten Blick nicht mehr, ob man selbst noch Höchstbietender bei einer Auktion ist – erst wenn man sich eingeloggt hat, wird einem zumindest der eigene Benutzername auf Angebotsseiten wieder unverschlüsselt angezeigt. Das bedeutet, man wird genötigt, sich ständig bei Ebay einzuloggen, um noch eingermaßen den Überblick zu behalten – unnötiger Aufwand und manchmal vielleicht sogar ein Sicherheitsrisiko.

Verkauft wird uns das trotzdem mal wieder als Maßnahme zur Steigerung der Sicherheit, als Betrugsschutz, konkret als Schutz vor der Belästigung durch Dritte [Erg. 12.7.2014: Inhalt nun erreichbar unter http://news.ebay.de/showitem&id=1108]. Also ein Sicherheitsgewinn durch erhöhte Privatsphäre für Käufer?

Das Gegenteil ist der Fall: Potentiellem „Betrug“ ist man nun hilflos ausgeliefert: es lässt sich nicht mehr erkennen, ob ein Verkäufer auffälligerweise auf seine eigenen Angebote bietet, um den Preis künstlich nach oben zu treiben. Für sogenannte „Pusher“ scheint die Anonymisierung geradezu eine Einladung, etwas „nachzuhelfen“ beim Verkaufspreis. Einen echten Anreiz, selbst hiergegen vorzugehen, besteht für Ebay kaum – verdient Ebay doch selbst mit an höheren Verkaufspreisen.

Screenshot Sicherheitstipp

Mit Sicherheit hat es dann trotzdem noch zu tun, allerdings nicht für die Käufer: nur Ebay kann sicher sein, dass Verkäufer nicht an der Auktionsplattform vorbei handeln oder Kontakte knüpfen – etwas, das Ebay verständlicherweise ausgesprochen wichtig ist.

Ebay ist mit diesem Gebaren für Käufer intransparent geworden wie noch nie. Was im echten Leben etwas komisch aussähe (alle Kunden im Supermarkt haben die Einkaufstüte über den Kopf gezogen) – bei Ebay ist es nun Realität. Die meisten Änderungen gingen in letzter Zeit zulasten der Verkäufer. Diesmal werden die Käufer die Zeche zahlen. Ausgleichende Gerechtigkeit… Neben rein praktischen Aspekten wird Ebay damit auch wieder ein Stückchen unpersönlicher: erst fing es an mit Überweisung Plus, die dazu führte, dass Käufer und Verkäufer nicht mehr miteinander kommunizierten, ja, viele Verkäufer nichtmal mehr den Service bieten, dem Höchstbieter die Kontodaten zuzuschicken (mittlerweile ist auch den Käufern „Überweisung Plus“ so in Fleisch und Blut übergegangen, dass sie die ebayeigene Kaufabwicklung trotzdem durchlaufen, obwohl die Kontodaten gar nicht hinterlegt sind) und nun sieht man nicht einmal mehr die Namen „der anderen“.

Ebay glaubt nicht mehr, dass die Menschen gut sind? Wir glauben langsam auch nicht mehr, dass Ebay gut ist. Ein Artikel mit Einschätzungen zu Ebay-Alternativen erscheint in den kommenden Wochen nebenan im Magazin.

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