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DSDS 2009 – was soll das denn noch?

Für Mark Medlock und Thomas Godoj war es das Sprungbrett schlechthin, vom Rest der Gewinner oder gar der Ausgeschiedenen hört man weniger bis gar nichts mehr – schon gar nicht im Radio -, kann sich nicht mehr erinnern oder will sich nicht mehr erinnern. Wer hätte vor Jahren gedacht, dass es tatsächlich einmal gelingen würde, einen „Superstar“ direkt durch ein Vorsingen im Fernsehen zu generieren? Heute dröhnt Medlock-Gedudel aus den Lautsprechern bei Woolworth und Thomas Godoj hat ebenfalls jüngst den Echo-Nachwuchspreis gewonnen.

Könnte man nicht sagen, das reicht jetzt? Dass nach Godoj noch etwas Besseres kommt, kann man sich nicht wirklich vorstellen. Doch auch für die Neuauflage des Fernsehgesangswettbewerbs „Deutschland sucht den Superstar“ haben sich wieder unzählige Jugendliche überschätzt, denen doch allmählich einmal klarwerden müsste, dass man auch bei einer Fernsehshow, die vorgibt, den Superstar zu „machen“ nur eine Chance hat, wenn man bereits vor dem Casting singen konnte – und dazu noch ein Quentchen Charisma mitbringt.

Entsprechend langweilig ist die neue Staffel. Marco Schreyl gibt noch immer mit aufgesetzter Betroffenheit unsympathische Kommentare ab („der Traum vom Superstar ist ausgeträumt“) und Chefjuror Dieter Bohlen hielt sich während der arrangierten Zweit-Castings auffällig zurück (vielleicht musste RTL doch zuviele Strafzahlungen an die Landesmedienaufsicht leisten und durfte sich den gefilmten psychischen Zusammenbruch eines Kandidaten nicht ein zweites Mal leisten), wirkte fast großväterlich-besorgt um seine „Schützlinge“ und wurde von Neujurybesetzung Volker Neumüller bei der Rolle des Unbarmherzigen scheinbar in den Schatten gestellt.

Das hat man gefunden: zwei, drei interessante Gesichter und herausscheinende Originale (Deutscher Schlager, Harfe, Entertainer), die in den Mottoshows viel zu früh ausscheiden werden, ein James-Blunt-Imitator, eine außergewöhnliche Stimme mit Dauerhütchen (die bereits in der letzten Staffel auftrat, aber wohl übersehen wurde) und ein paar weitere Teens und Twens, die ganz passabel singen.

Dabei wurde die jetzige Staffel so ausstaffiert, dass der Eindruck entstand, als käme es auf das Singen gar nicht mehr an. Hätte sich Thomas Godoj kopfüber an einen Kran hängen lassen, um singen zu dürfen? Entweder ja, weil er mit stoischer Gelassenheit und über den Dingen stehend sowieso jeden Unsinn über sich ergehen ließe – oder nein, weil man ihm zutraut, dass er für sein Ziel, einfach nur singen zu wollen, seine Würde nicht völlig abgegeben hätte. Schwer zu sagen. DSDS 2009 liefert jedenfalls den letzten Beweis, dass das Format beginnt, sich totzulaufen und sich die Schadenfreudenshow sogar neben aufgebauschten Schicksalsschlägen, künstlich inszeniert wirkenden Intrigen und Skandalen noch absurdere Unterhaltungselemente einfallen lassen muss. Kaum noch eine Spur von ernstzunehmendem Gesangswettbewerb. Aber war es das überhaupt je? Vielleicht wird es Godoj und Co. in ein paar Jahren sehr unangenehm sein, an DSDS erinnert zu werden (wahrscheinlich ist es Godoj jetzt schon unangenehm – er darf es nur noch nicht sagen).

12 Kommentare »

  1. Anonymous schrieb am

    Sonntag, 1. März 2009 um 12:03

    treffender hätte man es nicht formulieren können.
    BRAVO!!

  2. Elisabeth schrieb am

    Sonntag, 1. März 2009 um 17:57

    Auf den Punkt gebracht. Exakt. Stimme zu 100 % mit dem Autor überein. Nur eine Anmerkung: Ich denke, kopfüber am Kran hängend zu singen, hätte Thomas Godoj so richtig Spaß gemacht – ist ja ein sportlicher Typ! 😉

  3. Anonymous schrieb am

    Montag, 2. März 2009 um 2:07

    Ich verstehe die ganze Aufregung nicht!

    Er hat einfach nur Glück gehabt, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

    Es gibt in Deutschland und natürlich auch in anderen Ländern viele mindestens genauso gute Sänger oder sogar noch bessere, die nicht so viel Glück haben. Manche möchten auch nicht gecastet werden, sondern auf eigenen Beinen stehen.

  4. Anonymous schrieb am

    Montag, 2. März 2009 um 2:14

    Dem letzten Kommentar kann ich mich nur anschliessen!!

    Je höher der Aufstieg, desto tiefer der Fall.

    Ich höre und lese immer von ausverkauften Hallen.

    Dazu muss ich aber auch sagen, dass es sich überwiegend um kleine Hallen handelt. In die grossen Hallen geht er nicht, wahrscheinlich weil das Echo zu gross wäre, weil sie nun mal nicht so voll wären.

    Ausserdem reist ein harter Kern zu vielen Auftritten mit und füllt mit ihrer Anwesenheit die kleinen Hallen ja auch schon ganz schön. Sonst wären auch diese Wahrscheinlich nicht ausverkauft.

    Schade, aber der Erfolg ist auch ein wenig getürkt!!!

  5. hexchen1313 schrieb am

    Mittwoch, 4. März 2009 um 23:46

    [auf Wunsch des Verfassers gelöscht]

  6. Salma69 schrieb am

    Donnerstag, 5. März 2009 um 0:14

    Es ist nicht notwendig so aggressiv auf einen auf Unwissenheit basierenden Kommentar zu reagieren.

    Es reicht die Aussage, dass Thomas Godoj mit seiner erstklassigen Band am Sa. das bis auf den letzten Platz ausverkaufte Palladium in Köln mit ca. 4000 Zuschauern so zum kochen brachte, dass bis in die letzten Reihen mitgeklatscht, gehüpft, gesungen und gejubelt wurde. Die Band Minuten lang nicht weiter spielen konnte, weil der Applaus z.B. nach dem unplugged gespielten Song Autopilot nicht enden wollte usw.
    Dass manche Journale nicht bereit sind dieser Tatsache ausreichend in anständig recherchierten undmöglichts vorurteilsfreien Konzertberichten Rechnung zu tragen, unterstreicht nur die Aussage des sehr guten Artikels oben. DSDS ist zwar für einen echten Musiker wie TG zum Sprungbrett geworden, weil es die nötige mediale Aufmerksamkeit besitzt, aber es ist ein Fluch dabei aus dieser Aufmerksamkeit echtes Interesse oder gar Respekt zu machen.
    Sich diesen Respekt hart zu erarbeiten und zu verdienen, daran arbeitet TG zusammen mit seiner Band aus befreundeten und exzellenten Musikern u.a. aus seiner Vor-DSDS-Zeit mit seiner Band WINK mit unermüdlichem Einsatz und Leidenschaft auf seiner Tour.
    Mal sind es 4000, mal 2000 oder 1000 Leute fassende Hallen oder sogar mal ein Club in einem Kellergewölbe in das nicht mehr als 300-400 Leute passt wo er performt wie gestern der Freiburger Jazzkeller, aber immer ist spätestens im letzen Teil, meist aber schon von Beginn des Konzerts an eine riesige Stimmung. Das kann ein kleines Grüppchen Hardcorefans nicht schaffen, das ist doch klar.
    Ob die Leute, die ihn nun von DSDS her kennen und sich für ihn dadurch interessieren, weiterhin dabei bleiben werden, wird sich natürlich erst nachdem 2. Album zeigen, an dem schon im Tourbus hart gearbeitet wird. Erstes Ergebniss der vor positiver Energie strotzende und richtig rockende Song: Alles was nicht existiert!
    Also nicht schimpfen, einfach nur mit der Wahrheit argumentieren!;-)

  7. Daniel schrieb am

    Donnerstag, 5. März 2009 um 1:54

    Hexchen1313, ich kann den emotionalen Kommentar verstehen, aber trotzdem bitte hier nicht andere Kommentatoren beschimpfen – jeder darf hier seine Meinung abgeben, selbst wenn man Dinge sagt, die nicht stimmen.

    Dass „Anonymous“ nicht selbst auf einem Konzert gewesen war, das merkt man glaube ich auch so. 😉 Und jeder hat das Recht, nicht jeden und alles gutfinden zu müssen.

    Mit einem hat „Anonymous“ allerdings recht: Godoj hatte großes Glück, dass er über DSDS Bekanntheit erlangt hat, denn sonst hätte es auch ein Talent wie er weiterhin wahrscheinlich sehr schwer gehabt (siehe die WINK-Geschichte – auch WINK war bereits klasse, manche Liedtexte waren vielleicht sogar besser als die jetzigen Titel, aber den Durchbruch haben sie trotzdem nicht geschafft) – es gibt wirklich viele gute Musiker in Deutschland, aber die wenigsten schaffen es am Ende wirklich, weil sie erst gar nicht die Chance bekommen, sich einem größeren Publikum zu präsentieren – z.B. auch, weil sie Dinge wie DSDS oder Castings allgemein bewusst ablehnen.

    Und nach diesem peinlich-schlüpfrigen Trauerspiel, das das aktuelle DSDS derzeit abgibt, wird wohl auch kein ernsthafter Künsler nochmal so mutig sein, diese Sendung als „Bühne“ zu missbrauchen. 😉 Thomas Godoj hat wirklich Glück gehabt, dass er letztes Jahr noch bei DSDS dabei war – andererseits: vielleicht müsste DSDS sich jetzt auch nicht mit aller Gewalt in den Mottoshows um eine gute Einschaltquote bemühen, wenn Thomas Godoj die Messlatte nicht so hoch gelegt hätte… 🙂

    PS. Beim letzten Berlin-Konzert musste der Veranstaltungsort kurzfristig in die Columbia-Halle verlegt werden, weil der ursprüngliche Ort wohl zu klein war für den Ansturm. Aber wahrscheinlich muss Thomas Godoj erst ein Stadion gefüllt haben, bevor die kritischen Stimmen in dieser Hinsicht verstummen.

  8. hexchen1313 schrieb am

    Donnerstag, 5. März 2009 um 3:19

    Wenn ihr meinen Kommentar schon „verstümmelt“, dann nehmt ihn doch bitte ganz raus! Er war weder aggressiv, noch habe ich Jemanden „angegriffen“. Wenn aber geschrieben wird „Zitat“: Schade, aber der Erfolg ist auch ein wenig getürkt… .der mutmaßt, daß die Hallen nicht ausverkauft wären, wenn der „Harte Kern“ nicht mitreist, das wird nicht gelöscht! Hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Schade!

  9. Daniel schrieb am

    Donnerstag, 5. März 2009 um 3:55

    Hallo Hexchen1313! Schade, dass Du es so siehst, aber kein Problem, Kommentar ist gelöscht. Übrigens: wir spielen hier keine Zensoren, deshalb entscheiden wir auch nicht, was richtig oder falsch ist: es geht wirklich nicht um Wahrheit oder Unwahrheit, wenn „Anonymous“ halt meint, die Hallen wären nicht ausverkauft, dann kann er das gerne sagen (und jeder kann sich informieren, dass das nicht stimmt).

    Man kann zwar keine anonymen Personen beleidigen, aber wir möchten trotzdem nicht, dass die Kommentare für gegenseitige, persönliche (!) Kritik genutzt werden. Wir bitten deshalb um Verständnis, wenn entspechende Passagen ausgeklammert werden.

    Ein Beispiel: würde Anonymous hier schreiben, dass er Dich für eine Langweilerin hält, die lieber was Vernünftigeres machen sollte, statt um diese Uhrzeit auf Internetseiten zu kommentieren, dann würde das ebenfalls von uns unkenntlich gemacht werden.

  10. wobo schrieb am

    Donnerstag, 5. März 2009 um 14:28

    Einige Punkte des Artikels sind mir aus dem Herzen gesprochen – DSDS ist eine Sendung, die ich mir nach ein paar Stichproben nie wieder ansehen werde. Das ist Kommerz um des Kommerz Willen in bester Ausführung. Alle Komponenten, die an die niederen Instinkte rühren, sind drin, da kommt kein Dschungelcamp oder Container mit.

    Andererseits – gäbe es dieses Konzept nicht, so wäre diese großartige Stimme eines Handyverkäufers nie bis zu meinen Ohren gekommen. Ein Diamant unter Tonnen von Geröll weltweit, die Relation stimmt. Aber ob es sich lohnt, weitere Tonnen zu bewegen, mit der minimalen Chance, einen zweiten Diamanten zu finden? Ich denke ja, solange ich mir die Ohren nicht schmutzig machen muss.

    Wie sagte Küblböck, dieser Fleisch gewordene Groschenroman aus den Anfängen von DSDS, letztens so erwachsen: „Das ist ein Zirkus. Als ich merkte, wie die Leute auf meine verrückte Art damals abfuhren, habe ich das ausgebaut. Solange dir Leute Geld dafür geben, musst du das ausnutzen.“ Richtig erkannt.

    „Solange Leute Geld dafür geben…“ – das ist das ganze Prinzip der kommerziellen Unterhaltung in wenigen Worten. Auch für DSDS.

  11. petra schrieb am

    Freitag, 13. März 2009 um 22:54

    Stimme ebenfalls, mit dem Artikel überein – gehe sogar noch weiter. DSDS ist das reinste Kaspertheater und D.B. mit seinen Verkleidungen nur noch peinlich. Eigentlich schade, denn ich finde schon, dass man in den letzten Jahren auch einige gute Talente dabei gesehen hat. Auch glaube ich, dass das Format mit/durch Thomas Godoj gesprengt wurde. Sicher unwissentlich wurde ihm hier eine Plattform geboten, die nur eines zulassen konnte – nämlich „der“ Superstar zu werden, auf den bisher alle gehofft hatten. Und erst danach haben sie wohl gemerkt, dass gar nicht sinnvoll ist – wie kann man jetzt die Show weitermachen? Also alles runterziehen – auf absolut lächerliches Niveau – das ist ihnen auch gelungen. Nur Schade, dass dem Sieger dabei die Anerkennung entzogen wurde/wird. Selbst der Vorband wird mehr Beachtung geschenkt. Aber ich bin auch überzeugt, dass ein Thomas Godoj und Band die Chance nützt, um seine Fans auch weiter an sich zu binden – mit Ausstrahlung, Freude an der Musik und eigenen Texten.

  12. Peter schrieb am

    Samstag, 21. März 2009 um 11:51

    Ich muss dem Artikel leider zu 100% zustimmen.

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