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Rechtschreibreform zurücknehmen?

dagegen!Man kommt manchmal wirklich ins Grübeln, wenn man so die Entwicklung des Schriftbildes seiner Umwelt betrachtet, ob denn die Nebenwirkungen der jüngsten Rechtschreibreform nicht doch zu stark gewesen sind. Stellenweise scheint es, als ob einige Zeitgenossen sich komplett von der Zusammenschreibung verabschiedet haben und dabei bedauerlicherweise auch die Existenz eines Bindestriches leugnen. Diese penetrante Getrenntschreibung tut dem Stilempfinden mehr weh als alle vermeindlich funzenden Standart-Apostroph’s dieser Welt zusammen. Ob das aber plötzlich schlagartig besser würde, wenn die „alten“ Regeln von vor 1998 wieder zum Standard würden, kann man sich irgendwie nicht so richtig vorstellen. Falsch geschrieben hat man früher auch schon, ohne dass jemand forderte, man solle die Rechtschreibung aus Kaisers Zeiten reaktivieren. Schreibt jemand heute falsch, dann ist aber plötzlich nicht mehr die entsprechende Person daran schuld, sondern die „neue Rechtschreibung“. Merkwürdig.

Dass die derzeitige Forderung einiger Politiker, die Reform rückgängig zu machen, gerade in die Zeit des sprichwörtlichen Sommerloches fällt, mag da nur ein weiterer Zufall sein. Auf jeden Fall muten auch die Gründe etwas merkwürdig an, die begründen sollen, weshalb man die Reform tilgen sollte: Holzhammerargument ist wieder einmal das „Obrigkeitsdiktat“: „Man könne die Sprache nicht einfach von oben verbiegen„. Wieso verbiegen? Wird der Sinn entstellt, wenn man statt eines Eszetts ein Doppel-S benutzt? Ändert jemand seine Aussprache, wenn eine reformierte Schreibweise gilt? Wieder einmal wird die Schriftsprache mit der Sprache selbst verwechselt, so als wäre die Schriftsprache die primär treibende Kraft des gesprochenen Wortes. Folgte man diesem Argument, könnte man also immer noch in der Schreibweise Martin Luthers seine Worte zu Papier bringen, ohne dass es jemanden stören dürfte. Martin Luther übrigens war der erste, der durch seine Bibelübersetzung im 16. Jahrhundert die Schriftsprache „von oben verbog“. Im 20. Jahrhundert war es der Dudenverlag, nach dem man sich zu richten hatte. Das Volk also soll jetzt über die Rückkehr zu einer Schreibweise abstimmen, die nicht aus dem Volk kam, sondern von „oben diktiert war“. Merkwürdig.

Vielleicht ist es ganz gut, dass manche Regelungsbereiche wirklich den Experten vorbehalten bleiben. Würde man uns, das Volk, tatsächlich über die Schiftsprache selbst abstimmen lassen, dann wäre nächstes Jahr als weltweit einmaliges Kuriosum in Deutschland das apostrophierte Plural-S verbindlich. Bitte nicht.

2 Kommentare »

  1. fox-papa schrieb am

    Montag, 28. April 2008 um 20:35

    …da schreibt jemand einen Artikel über Rechtschreibung, weiß aber nicht, wie man „vermeintlich“ schreibt… traurig.

  2. fox-papa schrieb am

    Montag, 28. April 2008 um 20:37

    … nicht, daß jemand denkt, es sei Daniel gemeint!

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