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Gallier sind auch nur Menschen…

…und die treffen halt auch schon mal auf Außerirdische, die auch gerne Zaubertrank hätten.

Man soll sich ja immer eine eigene Meinung bilden, dieser ansonsten gute Rat war jedoch diesmal fatal. Ich habe im Vorbeigehen nicht widerstehen können und mir entgegen aller Warnungen den neuen Asterix-Band, „Gallien in Gefahr“, doch noch gekauft. Leider. Gedacht als Hommage an Walt Disney (der in einem Schlusswort explizit von Uderzo gewürdigt wird), ist der Band eine Beleidigung für die Leser geworden. Ein „Kampf der Galaxien“, mit kalifornischen Supermännern, blechernen Heuschrecken, die wohl den vergeblichen Versuch darstellen, Mangas zu karikieren, Mickeymäusen und riesigen metallischen Raumschiffen, die alle in einem aremorikanischen Dorf 50 Jahre v. Chr. landen. Die Bilder haben stellenweise ihren alten Charme und Witz, aber eine Story ist praktisch nicht existent, die Handlung speist sich aus anscheinlich willkürlich zusammengesetzten Elementen der Comickultur. Eine Comickultur, die nicht die von Asterix‘ Welt ist.

Warum da auch ein paar Gallier in der Szenerie herumlaufen, wird bis zum Schluss eigentlich nicht richtig klar. Asterix und Obelix haben mit der Handlung etwa soviel zu tun wie Raumschiff Enterprise mit Julius Cäsar. Lachhaft, wenn man sich nun vorstellt, dass man sich zuvor wenigstens ein bisschen Flair der alten Bände gewünscht hätte, ein Flair, das seit dem Tode von René Coscinny nie mehr erreicht, in einigen Bänden, die Uderzo seitdem in Eigenregie verwirklichte, aber wenigstens manchmal durchblitzte. Der große Graben, die Odyssee, Asterix im Morgenland und mit Maestria – das waren Geschichten, die den Titel Asterix zumindest verdienten. Danach wurde es endgültig katastrophal, was im nun aktuellen Band seinen Höhepunkt findet.

Wortwitz, versteckte Anspielungen, eine in sich stimmige und doch detailverliebte Rahmenhandlungen, Gesellschaftskritik, augenzwinkernde Geschichtsstunde, Klischeevölkerkunde oder einfach nur ein Abenteuer auf historisch – nichts von alledem findet man in „Gallien in Gefahr“. Fast schon nicht mehr interessant ist, dass auch der Text nicht mal versucht, an alte Zeiten anzuknüpfen und sich keinerlei Mühe gibt, sich wenigsten stilistisch an die historische Gegebenheit anzupassen. Römische Legionäre berichten ihrem Vorgesetzten, sie hätten einen „Filmriss“, reden ihren Zentrurio mit „Chef“ an, dieser höchstselbst spricht eine Umgangssprache der Mitteleuropäer des 21. Jahrhunderts. In früheren Zeiten wurde das gallische Dorf regelmäßig niedergebrannt, jetzt wird es abgefackelt. Verknappte Schröderzitate (Hol mir mal ’ne Flasche Bier!) fehlen diesmal, aber der Reigen platter Witzchen wird ebenso fortgesetzt. Diese Details wären es gewesen, die einem dem Spaß an Asterix unter normalen Umständen verleidet hätten, aber diesmal ist das wirklich egal: diese Geschichte ist so wenig Asterix-Comic, dass ihn keine noch so geniale Übersetzung hätte retten können.

Ich wünsche Monsieur Uderzo, dass er noch für lange Zeit viele Asterixe zeichnet. Nur veröffentlichen soll er sie bitte nicht mehr.

Nachtrag: Aufgrund eines Kommentars zu dieser Rezension („sprechende“ URLs sind halt doch was Schönes…) bin ich erst auf die Idee gekommen, mal bei den Amazon-Kundenrezensionen querzulesen. Verheerend.

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