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»Die
Bindungstheorie ist vor allem ein besonderer
Weg, über menschliche Entwicklung nachzudenken.« (
Grossmann; Grossmann; Winter
& Zimmermann: Bindung und seelische
Entwicklungswege
)
Der folgende
Text ist im Rahmen meiner Diplomarbeit
entstanden. Die Arbeit beschäftigt sich
mit der elterngerechten Vermittlung von bindungstheoretischen
Konzepten und Ergebnissen der Eltern-Säuglings-Interaktionsforschung in Elternliteratur. Im Anschluss
an eine Diskussion der Notwendigkeit einer
solchen Vermittlung und eine Analyse von
zwei Elternratgebern bezüglich der genannten
entwicklungspsychologischen Themen habe
ich einen eigenen Entwurf eines entsprechenden
Ratgeberkapitels erstellt. Diesen stelle
ich nun hier zur Verfügung.
Obwohl ich
meine Diplomarbeit bereits abgeschlossen habe,
würde mich in Hinblick auf mein Promotionsvorhaben
interessieren, wie Eltern
den Text hinsichtlich seiner Verständlichkeit,
Nützlichkeit oder einfach "Interessantheit"
einschätzen. Daher bitte ich alle Leser
des folgenden Textes, mir ein kleines Feedback
in Form einer Mail
zukommen zu lassen. Fragen, die mich interessieren
würden, sind z.B., ob der Text für Eltern
gut verständlich ist, ob er als zu lang
empfunden wird und ob er als interessant/nützlich
beurteilt wird. Danke!
Eine Zusammenfassung
der wesentlichen Aussagen des recht
langen Textes befindet sich an seinem Ende.
Liebe
Eltern,
Sie haben
(oder wollen vielleicht demnächst) ein Baby
bekommen. Wahrscheinlich haben sie an einem
Säuglingspflege- oder Geburtsvorbereitungskurs
teilgenommen, wo Sie gelernt haben, wie
man ein Baby füttert, wickelt, wäscht und
trägt. Aber zur gesunden Entwicklung Ihres
Babys gehört viel mehr als nur sein körperliches
Wohl. Um gesund und glücklich heranwachsen
zu können, muss Ihr Baby sich geliebt und
in all seinen Bedürfnissen verstanden fühlen.
Hierzu gehört auch sein großes, lebenswichtiges
Bedürfnis nach zuverlässiger, einfühlsamer
Zuwendung und Sicherheit durch die Menschen,
die ihm am nächsten stehen - durch Sie als
seine Eltern.
Diese
Informationsschrift führt Sie in aktuelle
Erkenntnisse der Forschung über die Eltern-Kind-Beziehung
und die Säuglingsforschung ein, die im ersten
Lebensjahr Ihres Kindes für Sie bedeutsam
sind. Es geht dabei nicht darum, Ihnen bis
ins Detail vorzuschreiben, wie Sie den Umgang
mit Ihrem Baby gestalten sollen. Vielmehr
sollen die hier bereitgestellten Informationen
Ihnen eine Wissensbasis bieten, auf deren
Grundlage Sie Ihr Baby und seine Sichtweise
besser verstehen können. Dieses Verständnis
wird Ihnen vielleicht helfen, in Situationen
der Unsicherheit das Richtige für Ihr Baby
zu tun. Ihr Baby macht dadurch immer wieder
die schöne und wichtige Erfahrung, dass
es sich erfolgreich mitteilen kann. Es erlebt,
dass Sie verstehen, was es braucht, und
dass Sie ihm dies auch geben möchten und
können. Mit dieser Sicherheit und dem früh
verankerten Gefühl des Vertrauens kann Ihr
Baby sich körperlich und seelisch gesund
entwickeln.
Trotzdem
ist es wichtig für Sie zu wissen, dass Ihr
Baby keine Perfektion von Ihnen erwartet.
Kleine Unstimmigkeiten gehören zum Leben,
und auch ein Baby kann schon lernen, damit
umzugehen, so lange es sich im Großen und
Ganzen sicher sein kann, dass Sie da sind
und immer versuchen, seine Bedürfnisse zu
verstehen.
Die
Bindung zwischen dem Baby und seinen Eltern
Während sich die Bindung
der Eltern zu ihrem Baby recht schnell festigt,
entsteht eine stabile Bindung des Babys
an seine Eltern langsam im Laufe der ersten
sechs bis acht Monate. Doch was ist mit
dem Begriff "Bindung" überhaupt
gemeint? Gedanklich fallen einem spontan
Verknüpfungen ein wie Beziehung, Liebe,
die Nähe eines anderen Menschen brauchen,
sich sicher fühlen, Gefühle miteinander
teilen, fürsorglich miteinander umgehen
und sich auch füreinander verantwortlich
fühlen. Angesichts
solcher Bedeutungen und Inhalte des Begriffes
wird schnell klar, dass man nur zu wenigen
Menschen eine Beziehung hat, die tatsächlich
als "Bindung" bezeichnet werden
kann. Die einzigartige Beziehung zwischen
dem Baby und seinen Eltern gehört zu diesen
wenigen und nimmt gleichzeitig eine Sonderstellung
unter ihnen ein. Denn für ein Baby hängt,
anders als bei Bindungen zwischen Erwachsenen,
viel mehr als Wohlbefinden und Glück von
der Bindung zu seinen Eltern ab: sein Überleben.
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Bindung
im
Sinne der Bindungstheorie:
Enges,
gefühlsgetragenes Band zwischen
Elternteil und Kind, das nach
einem halben Jahr des alltäglichen
Umgangs und der Erfahrungen
miteinander gefestigt ist und
langandauernd besteht. Lebenslanges
Grundbedürfnis jedes Menschen.
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Die Bindungstheorie,
eine einflussreiche psychologische Theorie
von John Bowlby, besagt, dass das Bedürfnis
des Menschen nach Bindung genauso bedeutsam
für sein Überleben ist wie etwa sein Bedürfnis
nach Nahrung oder nach Kennenlernen seiner
Umwelt. Dennoch stehen in vielen Informationen
für Eltern die geistige und körperliche
Entwicklung oder die Pflege des Babys viel
mehr im Vordergrund als die Entwicklung
seiner Gefühlswelt, die eng mit dem Aufbau
von Bindungen zwischen dem Baby und den
Eltern zusammenhängt. Ergebnisse aus der
Bindungsforschung weisen aber darauf hin,
dass das erste Lebensjahr des Babys, in
dem auch die grundlegenden Bindungen entstehen,
entscheidend ist für die Entwicklung von
Beziehungsfähigkeit, Vertrauen und eines
grundlegenden Gefühls von Sicherheit. Es
ist die Zeitspanne, in der für die gesamte
Lebenszeit die Grundmuster für Beziehungen
und das Verhalten innerhalb dieser gelegt
werden. Trotzdem ist diese bedeutende Phase
keine Prägungsphase - auch in späteren Entwicklungsphasen
können neue Beziehungserfahrungen die Bindungsfähigkeit
beeinflussen. Aber positive Grundsteine
als Basis sind nötig, damit die Entwicklung
des Kindes in allen Bereichen gelingen kann.
Diese Informationsschrift
soll vor allem Eltern mit der Denkweise
der Bindungstheorie bekannt und mit dem
Gedanken vertraut machen, dass die Art,
wie sie mit ihrem Baby in seinem wichtigen
ersten Jahr umgehen, die Art seiner Bindung
zu ihnen bestimmen wird, die wiederum sein
ganzes Leben lang wichtige Teile seiner
Persönlichkeit beeinflussen wird.
Die
Grundannahmen der Bindungstheorie - Babys
brauchen Bindung!
Das Baby
kommt mit Verhaltensweisen auf die Welt,
die es ihm vom Moment der Geburt an ermöglichen,
Beziehungen zu anderen Menschen einzugehen
und aufrecht zu erhalten. Zu diesen Verhaltensweisen
gehören direkt nach der Geburt vor allem
das Weinen und das Anblicken, aber bald
ist das Baby auch in der Lage zu lächeln,
zu brabbeln, sich anzuklammern, und später
kann es auch durch Robben, Krabbeln und
Laufen Kontakt herstellen. Die Entwicklung
dieser Verhaltensweisen ist unfehlbar im
Baby angelegt, und Erwachsene reagieren
nahezu automatisch auf solche Kontaktwünsche
eines Babys. Das Baby ist also genetisch
bereits bestens dafür ausgerüstet, eine
Beziehung zu Menschen herzustellen und ihnen
ganz ohne Worte seine Bedürfnisse mitzuteilen,
um im Laufe des ersten Lebensjahres die
lebenswichtige Bindung zu ihnen aufzubauen.
Die Bindung
entsteht in der regelmäßigen Begegnung von
Eltern und Kind im Alltag. Während das Baby
versorgt, gepflegt und beschützt wird, findet
auch ein gefühlsmäßiger und spielerischer
Austausch zwischen ihm und seinen Eltern
statt, der ähnlich wie intensive Gespräche
zwischen Erwachsenen dazu führt, dass Baby
und Eltern sich immer besser kennenlernen.
Die so entstehende persönliche Bindung des
Babys an seine Eltern ist nicht einfach
übertragbar auf andere Personen, d.h., das
Baby bindet sich genau an jene Menschen,
die seinen körperlichen, aber vor allem
seinen gefühlsmäßigen Bedürfnissen zuverlässig
und regelmäßig nachkommen. An dieser Stelle
muss betont werden, dass das Baby durchaus
bereits in der Lage ist, zu mehr als einem
Menschen eine Bindung aufzubauen, und dass
diese Menschen nicht seine leiblichen Eltern
sein müssen. In den meisten Fällen sind
es aber natürlich zunächst einmal seine
beiden Elternteile, an die es Bindungen
entwickelt, und darüber hinaus vielleicht
noch an ein oder zwei weitere Menschen,
die sich ihm regelmäßig zuwenden. Diese
Bindungen stehen in einer Hierarchie, d.h.,
das Baby bevorzugt möglicherweise eine bestimmte
Person, wenn es Trost braucht, und eine
andere, wenn es spielen möchte. Die aus
dem intensiven Zusammensein und auch aus
der Abhängigkeit des Babys entstehende Bindung
bleibt normalerweise lange erhalten, manchmal
gar ein Leben lang, und ist mit so intensiven
Gefühlen wie Liebe verbunden.
Bindung
ist nicht gleich Bindung
Bindung zwischen
dem Baby und den Menschen, die es versorgen,
verbunden mit den ersten Gefühlen, entwickelt
sich also auf jeden Fall, und zwar unabhängig
davon, ob diese Menschen "gut"
oder "schlecht" zu ihrem Baby
sind, es lieben oder es vernachlässigen.
Das Baby kommt einfach mit der Anlage und
entsprechenden Verhaltensweisen zum Bindungsaufbau
zur Welt und kann sich nicht aussuchen,
ob und an wen es sich binden möchte.
Obwohl jedes
Baby daher zwangsläufig eine Bindung an
seine Eltern entwickelt, unterscheiden sich
die "Qualitäten" dieser Bindungen.
Ein Baby, das von seinen Eltern eher vernachlässigt
wird, wird demnach eine andere Art von Bindung
zu ihnen entwickeln, als eines, das zuverlässig
und liebevoll versorgt wird. Es sind also
die ersten Erfahrungen, die das Baby im
Laufe seines ersten Jahres mit seinen Eltern
gemacht hat, die die Qualität seiner Bindung
an sie beeinflussen. Eine solche Bindungsqualität
lässt sich gegen Ende des ersten Lebensjahres
des Babys feststellen. Zu diesem Zeitpunkt
unterscheiden sich Kinder mit verschiedenen
Bindungsqualitäten untereinander bereits
in Verhalten und Gefühlsäußerung.
Sichere
und unsichere Bindungen
Wenn das
Baby etwa ein Jahr alt ist und sich immer
freier alleine bewegen kann, zeigt sich
deutlich seine persönliche Art der Bindung
an seine Eltern. Von diesem Zeitpunkt an
kann nicht mehr nur der Erwachsene, sondern
auch das Baby selbst über Trennung und Rückkehr
entscheiden: es kann z.B. seiner sich entfernenden
Mutter nachlaufen oder sich selbst von ihr
fort bewegen, um ein interessantes Spielzeug
zu begutachten. In der Art, wie Baby und
Eltern dieses Wechselspiel von Trennung
und Wiederfinden gestalten und welche Gefühle
sie dabei äußern, zeigt sich, inwieweit
das Baby seinen Eltern vertraut. Ein
Baby, das bisher überwiegend zuverlässige
Zuwendung, einfühlsame Betreuung und liebevolle
Versorgung erfahren hat, zeigt mit einem
Jahr eine sichere
Bindung
an seine Eltern. Dieses Baby kann sich innerlich
ganz fest darauf verlassen, dass seine Eltern
zur rechten Zeit das Richtige für es tun
- es kann vertrauen. Hat ein Baby im
ersten Jahr jedoch eher einen Mangel an
Zärtlichkeit und Fürsorge erlebt, wurde
es wenig oder nur unbeständig einfühlsam
behandelt oder musste es oft zu lange warten,
bis seine Bedürfnisse nach Zuwendung erfüllt
wurden, wird seine Bindung an seine Eltern
eher von Unsicherheit
geprägt sein. Forschungsergebnisse
zeigen deutliche Verhaltensunterschiede
zwischen sicher gebundenen und unsicher
gebundenen Babys. Sicher
gebundene Kinder
sind meist aktiver bei der Erforschung ihrer
Umgebung und im Spiel. Auf Trennungen von
ihren Eltern reagieren sie mit klar ausgedrückter
Verunsicherung, Angst und Unterbrechung
ihrer Spielaktivitäten. Diese Kinder zeigen
sich eindeutig froh und erleichtert, wenn
ihre Eltern wiederkommen und suchen sofort
deren tröstende Nähe. Sie brauchen dann
nur eine kurze Zeit der Zuwendung ihrer
Eltern zum "Auftanken", bis sie
sich wieder lösen und weiterspielen können. Unsicher
gebundene Kinder reagieren
entweder besonders stark auf Trennungen
von ihren Eltern oder aber äußerlich gar
nicht. Im ersten Fall ist das Baby aufgrund
seiner früheren Erfahrungen so unsicher,
ob seine Eltern ihm nach einer Trennung
auch wirklich wieder zuverlässig zur Verfügung
stehen werden, dass es alles daran setzt,
sie gar nicht erst gehen zu lassen. Überhaupt
neigen diese Kinder dazu, sich in vielen
Situationen eher auf ihre Eltern zu konzentrieren,
statt sich voll und ganz ihrem Spiel zu
widmen. Außerdem übertreiben sie häufig
ihre Hilfsbedürftigkeit, da sie gelernt
haben, dass ihre Eltern auf weniger intensive
Unmutsäußerungen nicht zuverlässig eingehen.
So können sie sich auch beim Wiedersehen
nach einer kurzen Trennung nur schwer wieder
von den Eltern lösen, denn sie finden keinen
wirklichen Trost in ihrer Rückkehr. Im zweiten
Fall der unsicheren Bindung reagieren die
Kinder äußerlich weder auf Trennungen von
ihren Eltern noch auf das Wiedersehen: Nichts
deutet darauf hin, dass überhaupt eine Trennung
stattgefunden hat. Dieses Verhalten zeigt,
dass das Baby schon früh mit Zurückweisung
durch seine Eltern zurechtkommen musste,
wenn es ihre Zuwendung dringend benötigte.
Seine Strategie, mit der Gefahr der Zurückweisung
umzugehen, besteht in der Vermeidung des
engen Kontakts. Das Kind ahnt, dass ein
demonstratives Ausleben seiner gefühlsmäßigen
Bedürfnisse zu noch mehr Ablehnung führen
würde. Durch körperliche Untersuchungen
ist bekannt, dass auch diese Babys - ebenso
wie die der beiden anderen Gruppen - Angst
verspüren, wenn ihre Eltern sie alleine
lassen. Sie haben lediglich gelernt, ihren
Trennungsschmerz nicht zu zeigen, aber "der
Körper spricht die Sprache der Seele."
(Pfluger-Jakob, M. [2001]: So entwickelt
sich mein Kind. - Freiburg i. Br., S. 68.)
Auswirkungen
der Bindungsqualitäten
Die Qualität
der Bindung beeinflusst aber nicht nur das
Verhalten des Babys in Trennungssituationen,
sondern hat noch weitaus bedeutendere Auswirkungen
auf seine Gesamtentwicklung und seine Persönlichkeit.
Kinder mit unterschiedlichen Bindungsqualitäten
nehmen ein je anderes Bild von der Verlässlichkeit
der Welt aus ihren ersten Bindungen in ihre
Entwicklung mit. Aus den frühen Bindungsqualitäten
des Babys an seine Eltern lässt sich ziemlich
genau ableiten, wie das Baby sich später
als Kleinkind, Kind und sogar als Erwachsener
im Umgang mit anderen Menschen und mit Belastungen
verhalten wird.
Erkundung
in Sicherheit
Zunächst
hat die Art der Bindungen des Babys Auswirkungen
auf sein Erkundungsverhalten. Normalerweise
ist ein Baby von Natur aus neugierig, will
zu anderen Menschen Kontakt aufnehmen, die
Dinge in seiner Umgebung kennenlernen, sie
erforschen und spielen. Durch diese angeborenen
Verhaltensweisen lernt das Kind alles Nötige
über seine Welt und ihre Gesetzmäßigkeiten.
Somit bildet die Erkundung
eine wichtige Voraussetzung für die geistige
Entwicklung. Eine sichere Bindung geht mit
der Bereitschaft zur Erkundung der Umwelt
einher, denn nur ein sicher gebundenes Kind
traut sich, den Rockzipfel seiner Eltern
loszulassen und sich konzentriert der Umwelt
zuzuwenden. Es muss nämlich keine Angst
haben, dass seine Eltern es verlassen, sobald
es sich von ihnen löst, und kann sicher
sein, dass seine Eltern ihm bei Verunsicherung
oder Angst sofort wieder zur Verfügung stehen
werden. Unsicher gebundene Kinder hingegen
sind oft zu abgelenkt, um sich intensiver
mit ihrer dinglichen Umwelt auseinanderzusetzen.
Die einen sind sich so unsicher, ob ihre
Eltern für sie da sein werden, falls sie
sie benötigen, dass sie sich nicht auf die
Erkundung konzentrieren können, weil sie
ihre Eltern am liebsten nicht aus den Augen
ließen. Die anderen wissen, dass sie im
Notfall nur wenig Trost und Zuwendung ihrer
Eltern erwarten können, falls sie während
ihrer Erkundungsgänge verunsichert oder
verängstigt würden. Sichere Bindungen führen
also dazu, dass das Baby mehr sieht, mehr
erlebt und auf diese Weise viele Entwicklungsanreize
erhält.
Entwicklung
Außerdem
haben Studien ergeben, dass sicher gebundene
Kinder besser mit Gleichaltrigen umgehen
können, weniger Probleme mit ihnen haben
und weniger aggressiv sind als unsicher
gebundene Kinder. Auch entwickeln sie ein
besseres Selbstwertgefühl, sind aufmerksamer
und kreativer und können im späteren Leben
besser mit Krisen und Belastungssituationen
umgehen. Man kann davon ausgehen, dass eine
sichere Eltern-Kind-Bindung eine schützende
Funktion vor Verhaltensproblemen und seelischen
Erkrankungen einnimmt.
Spätere
Beziehungsfähigkeit
Zusätzlich
werden die frühen Bindungserfahrungen eines
Menschen und das Erlebnis der Verlässlichkeit
anderer Personen mit seiner späteren Beziehungsfähigkeit
in Zusammenhang gebracht. Ein Kind mit positiven
Bindungserfahrungen wird durch sein früh
erworbenes Vertrauen in die Zuverlässigkeit
anderer Menschen leichter Beziehungen zu
ihnen eingehen können. Es überträgt seine
Vorstellung von "guten Menschen"
und verlässlichen Beziehungen als Quelle
des Trostes, der Bestätigung und der Liebe
auf neue Situationen. Dazu gehört auch die
eigene Elternschaft: Menschen, die als Kinder
negative Bindungserfahrungen machen mussten,
können häufig auch zu ihren eigenen Kindern
keine sicheren Bindungen aufbauen.
Trotz dieser
weitreichenden Auswirkungen der ersten Eltern-Kind-Bindung
auf die weitere geistige, seelische und
soziale Entwicklung des Babys ist sie nicht
der einzig wirksame Faktor. Auch in späteren
Lebensphasen spielen Umwelteinflüsse und
Ereignisse eine wichtige Rolle für die Persönlichkeitsentwicklung,
aber die grundlegende Bedeutung der frühesten
Lebensphase lässt sich nicht leugnen, denn
sie bestimmt, ob der Mensch ein Gefühl der
Sicherheit oder eines der Ängstlichkeit
als ersten Eindruck von seiner Welt in seine
Entwicklung mitnimmt.
Wie
können Eltern eine sichere Bindung ermöglichen?
Wenn eine
sichere Bindung zwischen dem Baby und seinen
Eltern eine so wichtige Grundlage für die
Entwicklung des Kindes bietet und sogar
auf sein ganzes Leben Auswirkungen haben
kann - wie können Eltern dann am besten
dazu beitragen, dass ihr Baby sich sicher
an sie bindet?
Zunächst
ist zu sagen, dass die allermeisten Eltern
intuitiv das Richtige für ihr Baby tun,
so dass es eine sichere Bindung an sie aufbauen
kann; schließlich ist der überwiegende Teil
aller Kinder sicher gebunden. Trotzdem kann
es Eltern helfen, zu wissen, welches Verhalten
bei ihrem Baby ein Gefühl der Sicherheit
und Geborgenheit auslöst und ihm so eine
positive Entwicklung ermöglicht. Bindung
entsteht in einem Prozess, der eigentlich
nie abgeschlossen ist. Mit etwa 8 Monaten
haben aber die meisten Babys eine Beziehung
zu ihren Eltern entwickelt, die als Bindung
bezeichnet werden kann. Die Grundlage dieser
Bindung bildet die alltägliche Interaktion
zwischen Eltern und Baby, d.h. der intensive
Austausch von Blicken, Lächeln, Zärtlichkeiten
und Worten während täglicher Verrichtungen
wie dem Füttern, Baden, Spielen, Wickeln,
Trösten und allem anderen, was Baby und
Eltern zusammen erleben. Die Bindung entsteht
aber bei diesem Austausch nicht nur, weil
die Eltern die offensichtlichen Bedürfnisse
des Babys erfüllen, indem sie es z.B. füttern
und wickeln. Bindung entsteht, weil die
Eltern mit dem Baby dabei in einen Kontakt
eintreten, der dem Dialog zwischen Erwachsenen
gleicht - sie unterhalten sich mit dem Baby
und das Baby unterhält sich mit ihnen, obwohl
es noch gar nicht sprechen kann! Diese gefühlsbetonte
Unterhaltung basiert nämlich nicht auf Worten,
obwohl der Erwachsene natürlich auch diese
im Dialog mit dem Baby benutzt und benutzen
soll, sondern auf viel indirekteren Signalen.
Wenn die Eltern in der Lage sind, diese
Form der Unterhaltung mit dem Baby zu führen
und verstehen, was es ihnen mit Hilfe seines
Gesichtsausdrucks, seiner Kopf- und Körperbewegungen,
seines Glucksens, Brabbelns und Schreiens
mitteilen möchte, dann baut sich eine Bindung
auf.
Wie
bekommt das Baby das Gefühl, dass seine
Eltern es verstehen?
Wenn seine
Eltern feinfühlig auf die vom Baby geäußerten
Signale und Bedürfnisse eingehen, bekommt
das Baby das schöne Gefühl, dass sie liebevoll
und zuverlässig für es sorgen und ihm genau
das geben können, was auch immer es gerade
braucht. Je feinfühliger die Eltern sich
im Umgang mit ihrem Baby zeigen, desto wahrscheinlicher
ist der Aufbau einer sicheren Bindung.
Was
also zeichnet feinfühliges Elternverhalten
aus?
Mary Ainsworth, eine Kollegin von
John Bowlby, hat das Konzept der Feinfühligkeit
aufgestellt. Durch weltweite Forschungen
wurde bestätigt, dass feinfühliges Verhalten
der Eltern eine sichere Bindung zwischen
Baby und Eltern herstellt, während unsichere
Bindungen mit weniger feinfühligem Elternverhalten
einhergehen. Feinfühliges Elternverhalten
bedeutet, das Baby gut zu beobachten, seine
Bedürfnisse herauszufinden und ihnen zu
entsprechen.
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Im
einzelnen müssen die Eltern:
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- dem
Baby immer mit all ihrer
Aufmerksamkeit
zur Verfügung stehen, damit
sie seine Bedürfnisäußerungen
überhaupt mitbekommen können.
Dies kann z.B. bedeuten,
die Tür zum Kinderzimmer
immer einen Spalt offen
zu lassen, bzw. sich nur
so weit vom Baby zu entfernen,
dass man sich noch in Hörweite
befindet. Außerdem darf
man aber auch gedanklich
nicht zu weit vom Baby abschweifen,
weil einen u.U. seine schwächeren
Signale nicht mehr erreichen
können, wenn man in Gedanken
mit ganz anderen Dingen
beschäftigt ist.
- die
Äußerungen des Babys richtig
deuten.
Das ist gerade beim ersten
Kind nicht immer leicht:
hat es Hunger, Schmerzen,
Langeweile? Es ist ganz
normal, dass Eltern hier
zunächst auf eine Phase
des Ausprobierens angewiesen
sind. Mit der Zeit lernen
sie aber ihr Baby immer
besser kennen, und wissen
dann, wie es klingt, wenn
es z.B. vor Hunger schreit.
Außerdem hilft es, bei der
Deutung der Äußerungen des
Babys zu versuchen, sich
in seine Situation einzufühlen:
„ich habe jetzt schon ziemlich
lange mit ihm gespielt -
quengelt es nun, weil es
noch mehr ‚Action’ will
oder könnte es sein, dass
es nun müde geworden ist
und Ruhe braucht?“ Auch
für diese Einfühlung muss
man sein Baby und seine
Fähigkeiten und ihre Grenzen
sehr genau kennen. Dieser
Text geht darauf zu einem
späteren Zeitpunkt ein.
- eine
Antwort auf die Äußerungen
des Babys geben, die seinen
Bedürfnissen
tatsächlich entspricht
- das Baby also z.B. herumtragen,
wickeln, füttern oder mit
ihm spielen. Wenn das Baby
Hunger hat, ist es weder
feinfühlig noch nützt es
etwas, mit ihm zu spielen
statt es zu füttern (also: Füttern
nach Bedarf ist wesentlich
kindgerechter und feinfühliger
als Füttern nach Zeitplan).
Wie man sieht, ist die richtige
Deutung von Babys Äußerungen
die unabdingbare Voraussetzung
für angemessene Antworten.
Außerdem spielt auch der
Entwicklungsstand des Babys
eine Rolle für die richtige
Antwort: sie sollte das
Baby weder über- noch unterfordern.
- dem
Baby eine sofortige,
unmittelbare Antwort auf
seine Bedürfnisäußerung
geben. Das Baby kann noch
nicht warten; alle seine
Bedürfnisse fühlen sich
überlebenswichtig an, und
es verzweifelt noch schnell,
wenn ihm niemand hilft.
Außerdem muss das Baby lernen,
dass ein Bezug zwischen
seinem Verhalten und der
Antwort seiner Eltern besteht.
Nur durch schnelles Reagieren
kann ihm die Erfahrung vermittelt
werden, dass es durch sein
Verhalten in seiner Umgebung
etwas bewirken kann. Dies
ist auch wichtig für sein
späteres Selbstwertgefühl.
Je jünger das Baby ist,
desto kürzer ist die Zeitspanne,
innerhalb derer es noch
Zusammenhänge bemerken kann.
Im gesamten ersten Jahr
gilt: immer so schnell wie
möglich reagieren. Hinzu
kommt, dass das Baby, je
länger es warten muss, umso
verzweifelter wird und daher
auch schwerer wieder zu
beruhigen sein wird. Eine
schnelle Beantwortung seiner
Bedürfnisse liegt also im
Interesse von Baby und Eltern.
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Wenn das
Baby die Erfahrung macht, dass auf sein
Lächeln, sein Weinen, seine Bedürfnisse
zuverlässig, regelmäßig und vorhersagbar
eingegangen wird, kann es Vertrauen in seine
Welt entwickeln. Es lernt, dass immer jemand
für es da ist, wenn es Hilfe oder Gesellschaft
benötigt. Daraus folgt, dass es ganz und
gar nicht sinnvoll ist, ein Baby schreien
zu lassen, statt schnell und angemessen
darauf zu antworten.
Ein Baby kann nicht
verwöhnt werden!
Leider lassen
noch immer manche Eltern ihr Baby absichtlich
länger schreien, um ihm die Erfahrung zu
vermitteln, dass es durch sein Schreien
nichts bewirken kann. Dabei ist gerade die
gegenteilige Erfahrung so wichtig für das
Baby! Die Eltern wollen verhindern, dass
sich das Baby zu einem verwöhnten Schreikind
entwickelt, das denkt, dass es durch Schreien
seine Eltern manipulieren kann. Richtig
ist aber ganz im Gegenteil, dass Babys im
ersten Jahr nicht verwöhnt werden und auch
nicht öfter schreien, wenn man ihre Grundbedürfnisse
- zu denen ja auch jenes nach Bindung und
liebevoller Zuwendung gehört - sofort befriedigt.
Langfristig schreien Babys dann weniger,
weil sie durch prompte Beantwortung ihrer
Signale lernen konnten, dass bald Hilfe
naht und es nicht nötig ist, lange und ausgiebig
zu schreien. Forschungsergebnisse bestätigen,
dass ein Ignorieren des kindlichen Schreiens
seine Verstärkung und Beibehaltung zur Folge
hat. Babys hingegen, deren Eltern ihre grundlegenden
Bedürfnisse immer schnell und zuverlässig
erfüllen, nutzen früher weniger "durchdringende"
Mitteilungsfähigkeiten anstelle des Schreiens. Ein Baby weiß
nur das, was es erlebt: Nur auf der Grundlage
der Erfahrung, dass seine Eltern Tag und
Nacht für es da sind, kann das Baby die
Welt als freundlichen Ort wahrnehmen und
eine sichere Bindung zu jenen Menschen entwickeln,
die genau zuhören, was es ihnen zu sagen
hat. Lassen Eltern ihr Baby hingegen schreien
und zeigen ihm so, dass sie seine Gefühle
nicht verstehen, wird es nicht lernen, dass
eine erfolgreiche, erfreuliche Unterhaltung
mit den Eltern möglich ist. Es wird Angst
und Hilflosigkeit verspüren, wenn seine
Bedürfnisse nicht feinfühlig erfüllt werden
- und dann schreit es nicht mehr nur aus
Hunger, sondern zusätzlich aus Frustration,
Wut und Angst. Es nimmt die Welt dann eher
als Ort wahr, wo es niemanden interessiert,
was es möchte, und wo sowieso niemand auf
seine Bemühungen reagiert - es kann kein
grundlegendes Ur-Vertrauen erwerben.
Babys Rolle beim Austausch
Nun zurück
zum Austausch, der alltäglichen Unterhaltung
zwischen Baby und Eltern! Die Eltern
bringen also in dieses intensive Gespräch,
das die Bindung festigt, ihre Feinfühligkeit
ein. Was aber trägt das Baby zum Gelingen
des Austauschs bei? Ganz grundlegend
ist, dass das Baby mit der Fähigkeit auf
die Welt kommt, Beziehungen herzustellen
und Gefühle in anderen Menschen zu wecken.
Es veranlasst seine Eltern durch viele verschiedene
Fähigkeiten und Verhaltensweisen, sich ihm
zuzuwenden. Das Baby ist also im Austausch
mit seinen Eltern ebenfalls ein aktiver
Teil der Beziehung, der auf seine Art zum
Bindungsaufbau im fein abgestimmten Wechselspiel
mit den Eltern Wesentliches beizutragen
hat.
Ein Baby kann doch
noch gar nichts - oder?
Früher meinte
man in der Tat, dass Babys mindestens bis
zum dritten Monat reine "Reflexbündel"
sind, die außer Wärme, Nahrung und Sauberkeit
nichts benötigen und auch noch nicht fähig
zum Erleben ihrer Welt sind. Zum Beispiel
dachte man, dass ein junges Baby andere
Menschen noch gar nicht wahrnehmen könne,
gar zu Beginn blind und taub sei. Dementsprechend
wurde es auch nicht für nötig gehalten,
sich mit dem Baby über die Befriedigung
seiner körperlichen Bedürfnisse hinaus zu
beschäftigen. Diese Meinung über das
Baby hat sich vor einigen Jahrzehnten gründlich
verändert. Man fand heraus, dass Babys vom
ersten Tag an erstaunliche Fähigkeiten zeigen,
am Geschehen um sie herum teilzunehmen und
darauf auch selbst Einfluss auszuüben. Neben
der enormen körperlichen Anpassungsleistung
an das Leben außerhalb des Mutterleibes
zeigt ein Baby auch schon beachtliche Wahrnehmungsfähigkeiten
und verfügt über eine sehr sichere Begabung,
Beziehungen zu anderen Menschen herzustellen
und aufrecht zu erhalten. Auffällig ist,
dass alle Fähigkeiten des Babys ganz offenbar
darauf ausgerichtet sind, mit den Menschen
um es herum in den intensiven, vorsprachlichen
Austausch, die Unterhaltung, die oben als
Grundlage des lebenswichtigen Bindungsaufbaus
beschrieben wurde, einzutreten. Das Baby
sichert sich damit selbst und aktiv die
Zuwendung seiner Bezugspersonen, die für
seine Entwicklung so unverzichtbar ist!
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Im einzelnen kann
das Baby:
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- seine
Welt wahrnehmen: Spätestens bei der Geburt
stehen dem Baby alle seine Sinne zur Aufnahme
und Verarbeitung von Informationen zur Verfügung.
Es kann sehen, hören, riechen, schmecken
und fühlen. Erstaunlich ist die Ausrichtung
dieser Fähigkeiten auf ein menschliches
Gegenüber: das Baby sieht am besten im Abstand
von etwa 20 cm - genau die Entfernung, die
das Gesicht seiner Mutter z.B. beim Füttern
von ihm hat! Es kann Dinge, die sich bewegen,
viel besser sehen als starre Objekte - im
Gesicht seiner Eltern interessiert es sich
deshalb sofort für Augen und Mund! Überhaupt
ist das Gesicht seiner Eltern das Interessanteste
für das Baby, und manchmal kann es gar nicht
mehr aufhören, hinzuschauen. Das Baby hört
bei seiner Geburt bereits ganz gut - und
zwar am besten solche Töne, die in etwa
der Tonhöhe der menschlichen Sprache entsprechen!
Außerdem hört das Baby von allen Geräuschen
am liebsten Sprache - und die von seiner
Mutter kennt es sogar schon von seiner Zeit
in ihrem Bauch! Durch diese funktionierenden
Wahrnehmungsfähigkeiten sind Babys schon
kurz nach der Geburt in der Lage, dem Gesicht
ihrer Mutter zu folgen, auf verschiedene
Laute, Materialbeschaffenheiten, Lichter
und Farben zu reagieren - und können dadurch
auch erfolgreich auf ihre Eltern reagieren,
sich mit ihnen austauschen und sich von
ihnen beruhigen und trösten lassen. Der
Bindungsaufbau kann sofort beginnen!
- seine
Gefühle über seinen Gesichtsausdruck mitteilen:
Dem Baby ist die Mimik als Mittel zum Ausdruck
seines Befindens angeboren; es muss nicht
lernen, wie man anderen zeigt, dass man
zufrieden oder verzweifelt ist. Das Baby macht ein
„Weingesicht“, wenn es unzufrieden ist oder
Kummer hat und gleich anfangen wird
zu weinen: es runzelt die Stirn, kneift
die Augen zusammen, zieht seine Lippen zurück
oder nach unten und öffnet schon mal den
Mund für den Schrei.
Wenn das Baby sich
freut, lächelt es. Ab ca. der sechsten Lebenswoche
nennt man sein Lächeln „soziales Lächeln“,
denn es lächelt dann vor allem in Reaktion
auf ein menschliches Gesicht. Es signalisiert
damit, dass es sich in Anwesenheit anderer
wohl fühlt. Auf die Menschen in seiner Umgebung
hat das Lächeln des Babys eine unwiderstehliche
Wirkung - sie wollen sich ihm sofort zuwenden
und es erneut zum Lächeln bringen. Das Baby,
so klein es noch ist, schafft es also schon,
andere dazu zu bringen, ihm die lebenswichtige
Zuwendung zu schenken, bzw. ihnen zu zeigen,
wenn es ihre Hilfe braucht!
- Blickkontakt
herstellen oder abbrechen: Der Blickkontakt
zwischen Baby und Eltern ist sehr wichtig
für ihre nicht-sprachliche Unterhaltung.
Er drückt das Interesse der beiden Gesprächspartner
aneinander aus. Ein Abbrechen des Blickkontaktes
signalisiert in der Regel, dass man den
Austausch beenden oder unterbrechen möchte.
Auch ein Baby ist dazu schon in der Lage.
Bis zum dritten Monat sucht das Baby immer
häufiger den Blickkontakt zu seinen Eltern
und zeigt ihnen damit, dass es sie registriert
und sich mit ihnen austauschen möchte. Die
Eltern können also anhand des Blickes ihres
Babys erkennen, ob es noch interessiert
ist und ob ihm umgekehrt etwas unangenehm
ist - dann nämlich wendet das Baby den Blick
oder den ganzen Kopf ab. Auf diese Zeichen
der Ablehnung sollte man achten und eingehen,
um das Baby nicht zu überfordern.
- sich
stimmlich ausdrücken: Auch die verschiedenen
Lautbildungen des Babys haben große Bedeutung
für den Bindungsaufbau zwischen ihm und
seinen Eltern. Je zutreffender die Eltern
deuten können, was das Baby ihnen stimmlich
mitteilen will, desto passender können sie
ihm antworten. Das Baby gewinnt auf diese
Weise Vertrauen zu ihnen. Zu den Lautäußerungen
im Babyalter gehören neben dem Schreien,
Weinen und Quengeln auch das Brabbeln, Lallen
oder Quietschen.
Das Schreien des Babys
ist ein sehr intensives Signal. Es bewirkt
Zuwendung sogar bei Menschen, die gar keine
persönliche Beziehung zu dem Baby haben.
Es löst beim Erwachsenen Verhaltensweisen
aus, die auf die Beruhigung des Babys ausgerichtet
sind. Da aber das Schreien ein recht unpräzises
Signal ist, müssen die Eltern immer erst
herausfinden, worin das Problem des Babys
besteht. Neben Hunger oder anderen körperlichen
Ursachen kommen auch Gründe wie Langeweile,
ein Bedürfnis nach zärtlicher Zuwendung
und Austausch oder Müdigkeit in Frage. Auch
diese Möglichkeiten sollten immer bei der
Ursachenfindung in Betracht gezogen werden,
denn je nach Grund der Unzufriedenheit müssen
sich ja die Maßnahmen zur Beruhigung unterscheiden.
Letztlich gibt es keine allgemeingültigen
Hinweise, wie das Schreien am besten beendet
werden kann - allein die Erfahrung mit dem
Baby macht Eltern zu Experten! Jedenfalls
schreit kein Baby ohne Grund, oder gar,
um seine Eltern zu provozieren, zu nerven
oder zu manipulieren. Wenn ein Baby schreit,
ist immer irgendetwas nicht in Ordnung,
und das Baby braucht die feinfühlige Hilfe
seiner Eltern unbedingt. Ist das Baby zufrieden
und fühlt sich wohl, brabbelt oder lallt
es vor sich hin. Diese Art des Ausdrucks
nimmt vom sechsten Lebensmonat an stark
zu. Vorher äußert es eher nur einzelne Laute,
gurrt oder quietscht. Das Baby ist also
auch stimmlich schon ganz gut darauf eingerichtet,
seinen Eltern seine Zustand und seine Wünsche
mitzuteilen.
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Wie man sehen
kann, ist selbst das ganz kleine Baby alles
andere als ein "Reflexbündel".
Ganz im Gegenteil verfügt es über viele
Verhaltensweisen, die ihm die Zuwendung
seiner Eltern sichern und hat erstaunliche
Fähigkeiten, auf diese so zu reagieren,
dass der notwendige Austausch entsteht.
Natürlich haben aber auch diese frühen Fähigkeiten
ihre Grenzen, und zwar umso engere, je jünger
das Baby noch ist. So brauchen ganz kleine
Babys noch viel Zeit, bis sie auf eine Anregung
reagieren. Diese muss außerdem deutlich
sein, lange anhalten und sich am besten
mehrmals wiederholen, damit sie vom Baby
verarbeitet werden kann. Aufmerksam zu sein
und auf etwas zu reagieren ist in diesem
jungen Alter noch richtige Arbeit für das
Baby, und daher ermüdet es rasch und braucht
dann unbedingt eine Pause. Wenn das Baby
sich also abwendet, gähnt oder anfängt zu
weinen, wird es Zeit, ihm diese Pause zu
gönnen. Aus diesem Grund sind die Phasen
des gemeinsamen Austauschs zwischen Baby
und Eltern zunächst noch kurz. Aber das
Baby entwickelt sich schnell, und spätestens
am Ende des zweiten Monats reagiert es schon
viel wacher auf seine Umgebung.
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