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»Im
Verlauf von etwa anderthalb Jahren wird
aus dem hilflosen, keiner willentlichen
Bewegung fähigen Säugling ein aufrechtes
Wesen mit einer zielgerichteten motorischen
Aktivität.« (
Largo: Babyjahre )
Der
motorischen Entwicklung von Kleinkindern
- also der Veränderungen ihrer Bewegungsmöglichkeiten
mit fortschreitendem Alter - widmen Eltern
oft vergleichsweise große Aufmerksamkeit.
Obwohl die Fortschritte des Kindes in anderen
Bereichen wie dem Denken oder der emotionalen
Entwicklung genauso groß sind, ist besonders
das erste Lebensjahr des Kindes doch geprägt
von den leicht erkennbaren und vielfältigen Veränderungen
in Bewegung, Koordination und Gleichgewicht. Wenn
hier von der motorischen
Entwicklung
die Rede ist, dann sind sowohl der
grobmotorische
als auch der feinmotorische
Entwicklungsbereich gemeint. Während grobmotorische
Fähigkeiten dem Menschen ermöglichen, sich
gegen die Schwerkraft aufrecht zu halten
und sich fortzubewegen, sind Bewegungen
der Mimik, Gestik, der sprachlichen Artikulation
genauso wie das Malen und Schreiben der
Feinmotorik zuzuordnen.
Die
Entwicklung der motorischen Fähigkeiten
des Babys verläuft vom Kopf zu den Füßen;
das Kind lernt seine Muskeln von oben nach
unten zu beherrschen. So ist es als erstes
zur muskulären Kopfkontrolle fähig, bevor
es Schultern, Arme und Hände willentlich
benutzen kann. Sodann schreitet die Entwicklung
weiter über Rumpf, Rücken und Hüften zu
den Beinen, bis das Kind schließlich frei
gehen kann. Diese Reihenfolge der muskulären
Kontrolle ist bei jedem Kind gleich; alle
Babys entwickeln sich körperlich nach dem
gleichen Muster - allerdings in unterschiedlicher
Geschwindigkeit. Auflistungen der Meilensteine
der Motorikentwicklung wie diese hier bieten
also bestenfalls nützliche Anhaltspunkte
dafür, WAS man als nächstes von seinem Baby
erwarten darf, aber viel weniger dafür,
WANN man es von ihm erwarten kann. Hier
gilt: jedes Kind ist einmalig und hat sein
eigenes Tempo! Wichtig für Eltern ist
es auch, zu wissen, dass die motorische
Entwicklung nach inneren Gesetzmäßigkeiten
des Individuums abläuft und daher nicht
von außen beeinflusst werden kann - fleissiges
Üben vermag motorische Entwicklungsprozesse
darum nicht zu beschleunigen. Jedes Kind
eignet sich diese Fähigkeiten selbst an
und braucht in diesem Bereich nichts beigebracht
zu bekommen. Voraussetzung für diese Selbststeuerung ist
allerdings, dass das Kind Möglichkeiten
bekommt, sich seinem augenblicklichen Entwicklungsstand
entsprechend motorich zu betätigen. Die
Aufgabe der Eltern beim Verlauf der Bewegungsentwicklung
beschränkt sich also auf das Bereitstellen
von vielfältigen Bewegungsräumen (nicht
nur innerhalb der Wohnung!) und attraktiven
Anregungen - und das Verteilen von viel
Lob, wenn das Baby nach und nach die einzelnen
"Schritte bis zum ersten Schritt"
meistert! Zudem können Eltern für Sicherheit
sorgen, indem sie eine an die fortschreitenden
Fähigkeiten des Babys angepasste Wohnumgebung
schaffen. Zu denken ist hierbei besonders
an Treppen, Pflanzen, Küchengeräte, Türschwellen,
Giftstoffe in Küche und Bad und vieles mehr.
Zahlreiche sinnvolle Tipps hierzu erhält
man in der kostenlosen "Sicherheitsfibel"
der BZgA, die hier
zu bestellen ist.

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0
bis
3 Monate
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Kopfkontrolle Weil
das Neugeborene
keinerlei Kontrolle über seine
Nackenmuskulatur hat, liegt
sein Kopf immer auf einer Seite
während das Kind auf dem Rücken
liegt. Liegt es auf dem Bauch,
ist das Baby in der Lage, den
Kopf immer so zu drehen, dass
es nicht erstickt, also ebenfalls
zu einer Seite. Mit einem
Monat kann es in Bauchlage sein
Kinn für einige Sekunden von
der Unterlage abheben, z.B.
weil es durch ein interessantes
Objekt im Blickfeld dazu angeregt
wird. Bald danach kann es in
Bauchlage sein Köpfchen im 45-Grad-Winkel
anheben. Mit ca. 2
Monaten
kann es seinen Kopf kurz selber
stabilisieren, wenn es in aufrechter
Haltung z.B. auf dem Arm gehalten
wird. Beim Aufnehmen oder Herumtragen
muss sein Kopf aber noch immer
gestützt werden.
Mit etwa
3
Monaten
schließlich kann das Baby in
Bauchlage seinen Kopf dauerhafter
aufrecht halten und sich
dabei auch auf seine Ellenbogen
oder Hände aufstützen, da nun
auch die Muskeln der Schultern
und Arme seiner Kontrolle zu
unterliegen beginnen. Aus der
Rückenlage kann man das Baby
jetzt spielerisch an den Armen
langsam in eine Sitzposition
ziehen, ohne dass sein
Kopf nach hinten oder vorne
kippt. Erste "Kuckuck!-Spiele"
finden auf diese Weise die Begeisterung
des Babys. Es kann den Kopf
am Ende
dieser Phase
dank der Kontrolle über die
Nacken- und Schultermuskulatur
alleine ganz gerade und fest
halten und braucht nur noch
bei plötzlichen Bewegungen Unterstützung.
Körperhaltung Das
Neugeborene
zieht in allen Positionen die
Glieder zum Körper hin an. Diese
Beugehaltung des Körpers wird
Fötusposition genannt. Weil der Kopf
des Babys relativ zum Körper
recht groß und schwer ist, sind
seine willkürlichen Bewegungen
in den ersten Wochen noch
stark eingeschränkt. Je mehr
die Kopfhaltung vom Baby kontrolliert
werden kann, desto weniger rollt
es sich zur Fötusposition ein.
Schließlich kann es mit dem
Hinterkopf auf der Unterlage
aufliegen und mit freien Armen
und Beinen flach auf dem Rücken
liegen. Der Blickwinkel des
Babys erweitert sich so, und
außerdem stehen ihm nun seine
Gliedmaßen für körperliche Aktivität
zur Verfügung. Wenn es wach
ist, bewegt es sich daher gerne
und sein Strampeln und Armfuchteln
am Ende
dieser Phase
unterscheidet sich deutlich
von seinen früheren ungerichteten
Bewegungen.
Manuelle
Fähigkeiten Im
ersten
Monat
sind viele typische Bewegungsmuster
geprägt von Reflexen. Reflexe
sind nicht-willkürliche oder
unkontrollierbare, durch bestimmte
Reize ausgelöste Bewegungen,
die sich nach einiger Zeit verlieren
und später im Rahmen
der Entwicklung des Greifens,
Krabbelns und Laufens als willkürliche
Bewegungen erneut
erworben werden müssen. Ein
bekannter Reflex bei Babys ist
der Greifreflex, der dazu führt,
dass sich die Hände des Babys
sofort schließen, wenn seine
Handinnenflächen von etwas berührt
werden. Die meiste Zeit in
den ersten Wochen hält das Baby
die Hände zu Fäusten geschlossen.
Bei Erschrecken öffnet es sie
und spreizt die Finger sternförmig. Mit
etwa 1
bis 2 Monaten
ist der Greifreflex fast verschwunden
und das Baby hält die Händchen
nun die meiste Zeit über geöffnet.
Ab ca. 2
Monaten
wird es sich seiner eigenen
Hände auch erstmals bewusst.
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Exkurs:
Auge-Hand-Koordination
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Das
Baby kann seine Hände erst entdecken,
wenn sie nicht mehr die meiste
Zeit geschlossen gehalten werden.
Mit ca. 6 Wochen findet es daher
seine Händchen durch Berührung;
sie fassen sich gegenseitig
an und sie werden abwechselnd
geöffnet und geschlossen. Aber
auch noch mit 8 Wochen spielt
das Baby mit seinen Händen,
als seien sie bloße Gegenstände.
Es nimmt sie auch nicht hoch,
um sie zu betrachten. In dieser
Phase ist es gut, dem Baby Rasseln
anzubieten, denn durch das Geräusch,
das zunächst zufällig entsteht,
wenn es seine Hand bewegt, werden
seine Blicke auf die Rassel
und somit auch auf seine Hände
gelenkt. In den folgenden Wochen
stellt das Baby so eine Beziehung
her zwischen sich selbst und
seinen Händen. Mit etwa drei
Monaten ist es sehr fixiert
auf seine Händchen, bewegt sie
oft in sein Blickfeld, berührt
sie viel, steckt sie in den
Mund und wirkt dabei sehr konzentriert.
Zunächst
gebrauchen Babys also Augen
und Hände offenbar getrennt:
sie betasten Spielzeug ohne
es anzusehen und sehen es an,
ohne es anzufassen. Um aktiv
auf seine Umwelt einwirken zu
können, muss das Baby aber beide
Fähigkeiten in einen Zusammenhang
brigen, es muss die Auge-Hand-Koordination
im ersten halben Jahr erlernen.
Die Bewegungen der Hände müssen
mit den Wahrnehmungen der Augen
in Einklang gebracht werden.
Die Entwicklung dieser Fähigkeit
durchläuft einige charakteristische
Stadien, die hier nicht im Einzelnen
nachgezeichnet werden sollen.
Am Ende der Entwicklung jedenfalls
kann das Kind mit ca. 4 bis
6 Monaten Gegenstände in fast
jeder Entfernung fixieren und
ihnen mit den Augen in alle
Richtungen folgen. Es weiß nun,
wo seine Hand gerade ist und
braucht daher zum zielgerichteten
Greifen nicht mehr zwischen
Hand und Gegenstand hin und
her zu schauen. Außerdem hat
es gelernt, genau dann zuzufassen,
wenn der Gegenstand seine Hand
berührt.
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4
bis
9 Monate
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Kopfkontrolle Im
Alter von etwa 5
Monaten
hat das Baby die volle Kontrolle
über seine Kopfhaltung erworben.
Auch bei plötzlicheren Bewegungen
und beim Hochziehen ohne Stütze
kippt sein Köpfchen nicht mehr
weg.
Körperhaltung Inzwischen
kann das Baby seine Beine willentlich
so weit beugen, dass es mit
den Händen seine Füßchen betasten
kann - was es, wie das In-den-Mund-stecken
der Zehen, auch sehr gerne
tut! Es entdeckt jetzt, dass
seine Hände und Füße ein immer
verfügbares Spielzeug sind.

Drehungen Mit
3 Monaten
können sich viele Babys
aus der Rückenlage auf die Seite
drehen, aber erst mit etwa 6
Monaten
gelingt die komplette Drehung
vom Bauch auf den Rücken. Kurze
Zeit danach ist auch das Drehen
vom Rücken auf den Bauch möglich,
was aber auch manchen Babys
zuerst glückt.
Kriechen
und Krabbeln Die
meisten Babys beginnen zwischen
dem 7.
und 10. Monat
mit irgendeiner Art der Fortbewegung.
Oft wird zunächst auf dem Bauch
mit Hilfe der Arme ein wenig
vorangekrochen, später werden
auch die Beinchen als Antrieb
in dieser Lage benutzt. Schließlich
kommt das Baby dann auf Händen
und Knien in eine Wipphaltung,
von der aus ihm aber für
einige Tage noch kein "Durchstarten" gelingt.
Und wenn es dann doch soweit
ist, klappt das Krabbeln zum
großen Ärger der Kleinen häufig
zunächst nur - rückwärts! Aber
auch diese Phase geht vorbei
und Baby kann endlich vorwärts
krabbeln. Manche
Babys allerdings überspringen
diese Phase völlig, indem sie
gar nicht krabbeln, sondern
sich aus dem Sitzen irgendwann
direkt zum Stehen hochziehen.
Auch das ist normal - genau
wie viele andere Methoden der
Fortbewegung, die Babys in diesem
Alter ausprobieren können: Rutschen
auf dem Po, Robben im Liegen,
sich liegend überrollen um ans
Ziel zu gelangen, Kreisrutschen....
Sitzen Wenn
man ein 7-monatiges
Baby hinsetzt, kann es meist
einige Zeit sitzen bleiben ohne
zusammenzusacken. Trotzdem sollte ein Baby nicht zu oft in eine
sitzende Position gebracht werden,
die es von selbst noch nicht
einnehmen und halten kann. Diese
Positionen entsprechen noch
nicht seiner momentanen Muskelentwicklung,
weshalb das Kind zusammensackt,
was nicht gut für den kleinen
Rücken ist. Sobald das Kind
aber jeweils durch sein Verhalten
und seine Bewegungen deutlich
macht, dass es über eine bestimmte
Körperpartie Kontrolle gewonnen
hat, kann diese neue Fähigkeit
auch für verändertes Sitzen
genutzt werden. Also: je jünger
das Baby, desto liegender wird
seine Position die meiste Zeit
des Tages sein; man sieht ihm
ja auch recht schnell an, wenn
es unbequem sitzt, weil es die
für die jeweilige Sitzhaltung
nötigen Rücken- und Hüftmuskeln
nicht anspannen kann. Man stelle
sich nur einen 3-monatigen Säugling
an einer fast senkrechten Lehne
sitzend vor – er wird nicht
glücklich aussehen, sondern
aufgrund seiner fehlenden Kraft
in den nötigen Muskeln mit dem
Kopf nach vorne sinken. Man
sollte also die Sitzposition
den muskulären Fähigkeiten des
Kindes anpassen vom Liegen über
halb-liegende Positionen, die
durch zunehmende Neigung der
Lehne nach oben ins Sitzen übergehen. Die meisten Babys
bringen auch deutlich zum Ausdruck,
dass sie gerne sitzen möchten,
indem sie einem im Liegen die
Arme entgegenstrecken oder Kopf
und Schultern angestrengt anheben. Aber
auch das selbstständige Aufsetzen
gelingt dem Baby bald - mit
etwa
9 bis 10 Monaten
-, wenn es ersteinmal in der
Lage ist, sich zu drehen und
von der Bauchlage in den Krabbelstand
zu gehen. Nach einiger weiterer
Zeit mit "Sitzerfahrung"
kann es sich aus dem Sitzen
auch vor- und seitwärts beugen,
ohne umzukippen.
Stehen In
dieser Phase macht das Baby
seine ersten Erfahrungen mit
dem aufrechten Zweibeinerstand.
Mit etwa einem halben
Jahr
haben viele Babys Spaß daran,
in den Armen auf dem Schoß
ihrer Eltern zu stehen und dabei
durch Beugen und Durchstrecken
der Beine wie auf einem Trampolin
zu "hüpfen". Mit
ca. 9
Monaten
kann das Baby dann erstmals
sein ganzes Gewicht auf seinen
Beinen tragen und das Gleichgewicht
halten, wenn es sich festhalten
kann. Dies ist der Beginn der
Laufentwicklung, die im nächsten
Altersabschnitt beschrieben
wird.
Manuelle
Fähigkeiten: Greifen Vom
4.
Monat
an entwickelt sich die Fähigkeit
des Greifens mit den Händen
in verschiedenen Stufen. Zuerst
kann das Baby Gegenstände nur
mit der Handinnenfläche greifen,
während die einzelnen Finger
noch keine spezialisierte Funktion
haben. Auch wird der Greifvorgang
zunächst noch mit beiden Händen
gleichzeitig ausgeführt, bis
das Baby mit etwa einem halben
Jahr
zum einhändigen Greifen - allerdings
noch immer mit der Handinnenfläche
- übergeht. Bald danach ist
es ihm auch möglich, Dinge von
einer Hand in die andere zu
geben. Da die beiden Hände
aber funktional noch nicht vollständig
voneinander getrennt sind, passiert
es oft, dass das Baby einen
Gegenstand aus einer Hand verliert,
während es die andere öffnet,
um einen weiteren Gegenstand
aufzunehmen - beide Hände öffnen
sich noch gleichzeitig. Mit
7
bis 8 Monaten
wird das Greifen mit der Handinnenfläche
zugunsten des Scherengriffs
aufgegeben: nun werden nur noch
Daumen und Zeigefinger benutzt,
wobei Dinge zunächst von der
Basis der beiden genannten Finger
umschlossen werden. Bald findet
eine Verlagerung zu den Fingerkuppen
statt. Mit etwa 9
Monaten können
Babys dann endgültig den Pinzettengriff
verwenden, indem sie kleine
Gegenstände zwischen den Fingerkuppen
von Daumen und Zeigefinger greifen.
Diese neue Fähigkeit wird dann
von den Kleinen auch gerne an
winzigsten Dingen wie Teppichflusen
und
Krümelchen geübt. Wenn
auch das Greifen nach einem
dreiviertel Jahr schon ganz
gut klappt, so haben die Kleinen
noch mindestens das ganze
erste Lebensjahr
über Probleme mit dem Loslassen.
Oft sind heftige Arm- und Hand(schleuder)bewegungen
nötig, um Gegenstände wieder
loszuwerden, weil das willentliche
Lockern der Muskeln noch nicht
funktioniert. Aber auch diese
Schwierigkeiten sind bald überwunden.
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ab
10 Monate
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Stehen
& Gehen Mit
etwa 10
Monaten
ist die Muskelkontrolle des
Kindes bis zu den Knien und
Füßen fortgeschritten. Deshalb
kann es sich jetzt zwar zum
Stehen hochziehen, sich aber
noch nicht alleine wieder hinsetzen.
Nach einiger Zeit wagt das Kind
beim Stehen mit Festhalten den
ersten geschobenen Schritt zur
Seite! Jetzt ist es für Eltern
und Betreuer sehr verlockend,
das Kind an den Händen zu führen,
damit es Laufen
im freien Raum üben kann. Dies
ist aber in dieser Phase nicht
empfehlenswert, weil das Kind
leicht verunsichert wird, wenn
es keinen festen Halt mehr hat,
sondern nur an wackligen Händen
im leeren Raum läuft. So könnte
das Kind Ängste entwickeln,
die ihm erspart bleiben, wenn
es in seinem eigenen Tempo alle
Schritte der Laufentwicklung
durcharbeiten kann. Andernfalls
stürzt es öfter als notwendig
und wird dadurch zögerlicher.
Motivation und Lob sind zuträglich,
Antrieb zur Eile und Ehrgeiz
eher abträglich.
Das
Kind behält die Methode des
seitlichen Gehens an Möbeln
u.ä. einige Zeit bei und arbeitet
sie immer feiner aus. Schließlich
lernt es, schmale Lücken zwischen
den Halteobjekten zu überwinden,
sofern die Lücke seine Armspannweite
nicht übersteigt - es lässt
nämlich mit einer Hand den Halt
nicht los, bis die andere Hand
den nächsten Stützpunkt erreicht
hat. Mit ca. 14
bis 16 Monaten
folgen dann die ersten Schritte
ohne Stütze, indem das Kind
Zwischenräume auch ohne Halt
überquert; dabei entdeckt es
oft erstmals, dass es auch frei
stehen kann. Mit der Zeit werden
immer mehr Schritte zwischen
den Haltepunkten möglich. Für
das Kind ist es in dieser Phase
eine echte und nützliche Hilfe,
wenn man Möbel im Zimmer so
anordnet, dass das Kind mit
Festhalten den ganzen Raum umrunden
kann. Auch das "Komm-zu-Mama-Spiel",
bei dem das Kind 2 bis 3 Schritte
in Mamas geöffnete Arme läuft,
kann ungemein motivieren.
Mit
16
bis 18 Monaten
läuft das Kleinkind noch recht
unkontrolliert, denn es hat
weder Bremse noch Steuerung.
Es kann also vor Hindernissen
oder Gefahren nicht schnell
genug anhalten oder ausweichen,
was besonders im Freien gefährlich
werden kann. Spätestens mit
dem 2. Geburtstag werden diese
Schwierigkeiten aber weniger. Bis
ca. 17
Monate
muss das Kind sich noch sehr
stark auf die neu erlernte Fähigkeit
des Laufens konzentrieren, so
dass es gleichzeitig nichts
anderes tun kann. Es muss ich
z.B. erst setzen, wenn es ein
Spielzeug ergreifen und inspizieren
will und kann sich auch erst
wieder hochziehen, wenn es das
Spielzeug weggelegt hat. Oder
es bleibt stehen oder setzt
sich hin, wenn es jemandem zuhört.
Bald wird es aber immer sicherer
und kann seine Aufmerksamkeit
beim Laufen auch anderem zuwenden.
Auch lernt es das Aufstehen
ohne Hochziehgelegenheit. Ist
das Kind etwa 18
Monate
alt, kann es mit recht gleichmäßigen
Schritten gehen und laufen,
rückwärts gehen und fällt nur
noch selten hin. Mit Festhalten
kann es auch Treppen erklimmen.
Mit
2,5
Jahren
kann das Kind mit beiden Beinen
vom Boden hochspringen, mit
3
Jahren
Treppen mit je einem Fuß pro
Stufe bewältigen. In den kommenden
Monaten und Jahren kommen weitere
Bewegungsmuster wie Klettern,
Dreirad und Roller fahren oder
Seilspringen hinzu.
Kommt
es den Eltern so vor, als ob
das Kleinkind nur wenig Fortschritte
beim Laufenlernen macht, so
sollte
bedacht werden, dass es zur
gleichen Zeit auch viele andere
Entwicklungsschritte zu bewältigen
hat, die z.B. das Denken und
die Sprache betreffen. Diese
beanspruchen evtl. im Augenblick
seine ganze Aufmerksamkeit.
Das Kind braucht also Zeit,
um alle Fähigkeiten zu entwickeln.
Feinmotorik Feinmotorische
Fähigkeiten hängen eng mit der
grobmotorischen Entwicklung
zusammen. Einige markante Punkte
werden im folgenden genannt:
Ab etwa 11
Monaten
ist es eine der Lieblingsbeschäftigungen
des Kindes, Dinge zu greifen,
in
Behälter zu stecken und wieder
heraus zu holen. Außerdem kann
es jetzt klatschen. Die meisten
Kinder können mit 15
Monaten
ihre Tasse gut halten und daraus
trinken, ohne viel zu verschütten.
Sie können zudem gut mit dem
Löffel umgehen. Außerdem
gelingt ihnen nun der Bau eines
Turmes aus drei Bauklötzen.
Das Kind versucht auch, sich
selbst an- und auszuziehen. Mit
18
Monaten
blättert es in einem Bilderbuch
noch mehrere Seiten auf einmal
um. Es hat zunehmende Freude
am Kritzeln.
Mit 2
Jahren schließlich
kann das Kind jede Buchseite
einzeln umblättern, sich einige
Kleidungsstücke selbst an- oder
ausziehen, und es wird im Umgang
mit Stiften geschickter. Mit
2,5
Jahren
können seine Türme aus 8 Bauklötzen
bestehen. Außerdem kann es nun
mit Knöpfen umgehen, die nicht
zu klein sind.
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Literatur:
BZgA: Sicherheitsfibel - Ratgeber
für Eltern zur Verhütung von Kinderunfällen.
- Köln 2002. Largo, R.: Babyjahre. -
München 1999. Leach, P.: Die ersten Jahre
deines Kindes. - München 1997. Pikler, E.: Laßt mir Zeit. Die selbständige
Bewegungsentwicklung des Kindes bis zum
freien Gehen. - 2001. Stoppard,
M.: So fördere ich mein Kind. - Leipzig
1998.

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