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Die
Links bei den genannten Sprachstörungen
weisen auf meine Seite
zum Prüfungswissen Sprachstörungen.
Möglicherweise sind die dort zu findenden
Erläuterungen auch für Leser dieser Seite
interessant.
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Seite
1: vorsprachliche Entwicklung
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Seite
2: sprachliche Entwicklung
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1
bis 1,5 Jahre
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Ähnlich,
wie das Kind "Mama"
und "Papa" gelernt
hat, indem seine Eltern seinen
Lallmonologen eine Bedeutung
verliehen, lernt das Kind bis
zum 18. Monat ca. 2-10
weitere Wörter.
Diese beziehen sich ausschließlich
auf sichtbare und konkrete Dinge
aus seiner Umgebung und
sind oft in einer speziellen
"Kindersprache"
gesprochen (wie "Mimi"
für Milch oder "wauwau"
für Hund). Außerdem macht das
Kind häufig Benennungsfehler,
indem es Bedeutungen von Begriffen
entweder zu weit ausdehnt ("wauwau"
ist dann z.B. nicht nur der
Hund, sondern auch das Pferd
und die Kuh) oder zu sehr einengt
("Auto" ist nur das
Spielzeugauto, das man in die
Hand nehmen kann, nicht aber
das große, in dem man mit Mama
fährt). Das ist ganz normal
und liegt daran, dass das Kind
eben bisher nur wenige Wörter
kennt. Es versteht jetzt
aber schon ganz gut, indem es
die Schlüsselwortstrategie
anwendet und auch die Mimik
und Gestik der Sprecher deutet.
Auf diese Weise versteht es
Verbote ("Fass die Blume
nicht an!", obwohl es vielleicht
das Wort "Blume" nicht
kennt, weiß es, was gemeint
ist, wenn Papa auf die Pflanze
deutet), einfache Fragen ("Wo
ist...?") und kann kleine
Aufträge erfüllen ("Hol
mir..."). Für
all die neuen Wörter, die es
lernt, muss es die einzelnen
Laute
neu erwerben,
die es zuvor ja willkürlich
aneinandergereiht hat, während
es sie jetzt gezielt an bestimmten
Positionen im Wort artikulieren
muss. Zuerst erwirbt es neben
den Vokalen die Lippenlaute,
nämlich m, n, p, b. Wenn
das Kind sich sprachlich äußert,
benutzt es so genannte Ein-Wort-Äußerungen.
Ein einziges Wort kann für einen
ganzen Satz stehen, den es natürlich
noch nicht bilden kann. So kann
"Tür" je nach Kontext,
Stimmklang und Satzmelodie bedeuten:
"Das ist eine Tür.",
"Mama, mach bitte die Tür
auf!" oder "Ist Papa
durch die Tür weggegangen?"
usw.
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Das Kind nutzt hierbei
fast nur Substantive, wenige
Verben als ganzes Wort ("Haben!")
und ungeformt, ansonsten "das"
als Zeigepronomen und evtl.
"meins". Es kommen
in der Regel keine Adjektive,
Artikel, Konjunktionen und Präpositionen
unter diesen ersten 10 Wörtern
des Kindes vor.
- Wenn
man verstanden hat, was
das Kind mit seiner Ein-Wort-Äußerung
sagen will, kann man es
in einen korrekten kleinen
Satz verpackt wiederholen.
Das Kind lernt so, immer
mehr Wörter zu kombinieren
("Ball!"
- "Du willst den Ball?
Warte, ich hole
ihn dir.... Hier hast
du den Ball.");
außerdem merkt es, dass
ihm zugehört wird und seine
Kommunikationsversuche Erfolg
haben. Das ist sehr wichtig
für die weitere Sprechfreude.
- Wenn
das Kind bis zum 18.Lebensmonat
seine Lautäußerungen nicht
weiterentwickelt und nicht
mindestens 2 sinntragende
Wörter verwendet (dazu zählt
auch, wenn das Kind z.B.
seine Schlafdecke immer
als "bubu" bezeichnet)
oder es einfache Aufforderungen
wie "Hol den Teddy
vom Tisch!" nicht versteht
bzw. Gegenstände auf Anfrage
nicht zeigen kann ("Wo
ist das Auto?"), verzögert
sich möglicherweise die Sprachentwicklung
des
Kindes. Um sicher zu sein
und Hinweise zur Förderung
zu erhalten, sollte man
sich in einem solchen Fall
an einen Kinderarzt oder
Logopäden wenden.
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1,5
bis 2 Jahre
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Sobald
das Kind etwa 50 Wörter spricht,
erfolgt die "Wortschatzexplosion":
das Kind lernt von jetzt an
sehr viel schneller neue Wörter,
so dass es innerhalb von wenigen
Monaten einen Wortschatz von
ca. 200 Wörtern hat. Weil
ihm nun mehr Ausdrucksmöglichkeiten
zur Verfügung stehen, kann es
zwei
Wörter
zu einer Art Satz aneinanderreihen,
um sich mitzuteilen. Die Verben
und Adjektive, die es jetzt neben
vielen Substantiven benutzt,
sind weiterhin ungeformt. Zusätzlich
lernt es einige Possessivpronomen
("mein", "dein")
und kann die Mehrzahl mit Hilfe
des Plural-s ausdrücken. Sein
Sprachverständnis ist seiner
aktiven Sprache nun bereits
weit voraus. Die gezielte
Artikulation
der Laute w, f, t, d, l, h kommt
hinzu. Insgesamt spricht das
Kind aber noch recht undeutlich
und wird u.U. nur von seinen
Bezugspersonen verstanden, da
es viele Wörter auch stark vereinfacht
ausspricht (z.B. "Nane"
statt Banane, "Lade"
statt Schokolade, "Piepa"
statt Spielplatz). Ansonsten
befindet sich das Kind jetzt
im ersten
Fragealter.
Es will alles in seiner Umgebung
kennenlernen und vor allem alle
Bezeichnungen der Dinge wissen.
Es fragt noch nicht mit den
Fragepronomen, sondern nutzt
die Satzmelodie ("Das da?").
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- Jetzt
kann man verstärkt Adjektive
benutzen, um die Eigenschaften
von Gegenständen zu beschreiben.
Das Kind wird sie schnell
in seinen Wortschatz aufnehmen,
wenn sie direkt aus seinem
unmittelbaren Lebensumkreis
stammen (heiße Milch, liebes
Mädchen, schöne Puppe...).
- Gebraucht
das Kind am Ende des 2.Lebensjahres
nur wenige, unverständliche
Lautgebilde, statt mindestens
10 Wörter zu sprechen, liegt
der Verdacht nahe, dass
das Kind an einer Sprachentwicklungsverzögerung oder -Störung
leidet. Evtl. ist aber auch
lediglich der Wortschatz
eingeschränkt,
und die anderen Bereiche
der Sprachentwicklung (Grammatik,
Artikulation, Sprachverständnis)
werden sich annähernd normal
entwickeln. Zur Abklärung
auf jeden Fall Rat suchen!
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2
bis 2,5 Jahre
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In
diesem Alter weitet das Kind
seine Satzkonstruktionen auf
ungeformte
Mehrwortsätze
aus, d.h., es wendet zwar noch
kaum Regeln des Satzbaus an,
reiht aber mehr als 2 Wörter
aneinander. Es hat nun aber
bemerkt, dass bestimmte Wörter
im Satz angepasst verwendet
werden. Es sagt z.B. nicht "groß
Hund", sondern "großes
Hund", was natürlich noch
immer nicht richtig ist, aber
verdeutlicht, dass das Kind
beginnt, sprachliche Regeln
wahrzunehmen. Ebenso versucht
es, das Partizip zu bilden ("ich
geslaft"). Manche Kinder
können von sich schon als "Ich"
sprechen, andere verwenden immerhin
ihren Vornamen, wenn sie über
sich selbst sprechen. Der
Wortschatz des Kindes wächst
weiterhin schnell und es kommt
zu Wortneuschöpfungen,
wenn das Kind ein Wort nicht
kennt und sich ein eigenes,
meist durchaus sinnvolles, dafür
ausdenkt ("Eierbrate"
für Pfanne, "Blumengieße"
für Gießkanne).
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Das
Sprachverständnis
des Kindes ist soweit entwickelt,
dass es das meiste auf seinem
Niveau Gesprochene verstehen
kann, u.a. auch Präpositionen. Die
Rachenlaute k, g, ch, r sind
die letzten einzelnen Laute,
die das Kind erwerben muss.
Es spricht nun relativ deutlich.
Schwierigkeiten hat es besonders
noch mit Anlautverbindungen
wie kr oder tr. Der
Erwerb der Fragepronomen
wie "was" oder "wo"
leitet über in die nächste Entwicklungsphase.
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2,5
bis 3 Jahre
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Mit
dem Erwerb der Fragewörter kommt
das Kind in das zweite
Fragealter.
Durch ständiges Fragen über
seine Umgebung, seine Erlebnisse
und die Gründe für Handlungen
erweitert das Kind sein Wissen
enorm, womit natürlich auch
ein Anwachsen
des Wortschatzes
verbunden ist. Sein Sprachverständnis
ist jetzt nicht mehr wesentlich
eingeschränkt, es hat höchstens
noch Schwierigkeiten mit feineren
Abstufungen wie "klein",
"kleiner" und mit
komplexen Sätzen. Seine Aussprache
auch von Anlautverbindungen
wird zunehmend besser und das
Kind ist nun auch für Fremde
gut verständlich. Schwierig
bleiben Verbindungen
aus 3 Konsonanten
wie "Pfl" in Pflaume.
Auch die Zischlaute
(s, sch, ch) werden oft noch
falsch gebildet, was aber als
normal zu bezeichnen ist. Das
Kind kann jetzt erste komplette
Sätze nach
dem Muster Subjekt-Prädikat-Objekt
bilden und konjugiert auch die
meisten Verben und dekliniert
Adjektive korrekt. Natürlich
sind aber Fehler in diesem Alter
noch ganz normal. Möglicherweise
fällt Eltern auf, dass das Kind
früher schon einmal korrekt
z.B. "gegangen" gesagt
hat, während es jetzt plötzlich
wieder "gegeht" sagt.
Dies ist kein Rückschritt, sondern
im Gegenteil ein Fortschritt,
denn es zeigt, dass das Kind
die Regeln der Sprache abgeleitet
hat und beginnt, sie konsequent
zu verwenden. Die Ausnahmen
der Regeln muss es hingegen
erst noch lernen. Zuvor hatte
es also das Wort "gegangen"
als Ganzes erworben, während
es jetzt das Partizip aus dem
Wort "gehen" eigenständig
bilden will. Es weiß noch nicht,
dass es sich um ein unregelmäßiges
Verb handelt.
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Des weiteren
kombiniert das Kind erste Nebensätze
mit Hauptsätzen mit Hilfe der
Konjugationen "und", "aber",
"oder", benutzt einige Präpositionen
("auf", "unter")
richtig und baut Fragen
richtig auf.
- Wenn
das Kind mit 3 Jahren noch
immer keine Wörter bildet
und stattdessen immer wieder
dieselben, unverständlichen
Lautgebilde benutzt, ist
die Sprachentwicklung
ausgeblieben
(Alalie).
In diesem Fall muss spätestens
jetzt logopädische Abklärung
erfolgen!
- Wenn
die Lautbildung des Kindes
mit 3 Jahren noch bei vielen
Lauten gestört ist, die
es eigentlich schon erworben
haben sollte (z.B. m, p,
n, b) könnte eine Lautbildungsstörung
entweder isoliert oder im
Rahmen einer Sprachentwicklungsverzögerung
vorliegen. Als normal hingegen
ist es zu bewerten, wenn
das Kind lediglich Konsonantenverbindungen
am Wortanfang wie kr, tr
oder pfl nicht korrekt bilden
kann oder es noch lispelt.
- Wenn
das Kind noch keine Ansätze
über Zwei-Wort-Äußerungen
hinaus zeigt, ist möglicherweise
die Ausbildung des grammatischen
Regelsystem
bei ihm verzögert.
- Ansonsten
sollte bei andauernd näselndem
Stimmklang
oder überwiegend heiser
klingender Stimme ein Facharzt
aufgesucht werden.
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3
bis 3,5 Jahre
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Das
Fragealter und der schnelle
Wissenserwerb setzen sich fort
und der Wortschatz des Kindes
wächst stark. Es kann zum altersgemäßen
Stottern
kommen, weil das Kind noch mehr
Zeit zur Planung des Satzbaus
benötigt, als es sich selbst
zum Sprechen geben will. Solange
diese Sprechunflüssigkeiten
nicht länger als ein halbes
Jahr andauern und bestimmte
Merkmale nicht vorkommen (vgl.
hier),
sind sie als normale Vorkommnisse
der Sprachentwicklung anzusehen
und sollten nicht überbewertet
werden.
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Das
Lautsystem
des Kindes ist jetzt komplett.
Falls es nur noch Probleme bei
Anlautverbindungen oder den
Zischlauten hat, besteht meistens
noch kein Grund für eine logopädische
Behandlung. Der Satzbau
des Kindes wird auch bei komplexeren
nebengeordneten Sätzen korrekter.
Des weiteren hat das Kind inzwischen
eine gewisse Vorstellung von
Zeit
(gestern, heute, gleich, morgen)
und will diese auch grammatikalisch
mit Hilfe der Zeitformen ausdrücken,
was ihm aber noch nicht zuverlässig
gelingt.
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4
bis 6 Jahre
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Am
Ende dieses Zeitraums ist
die Sprachentwicklung des Kindes
im wesentlichen abgeschlossen.
Es spricht also fließend, erzählt
gerne und viel, kann telefonieren,
von seinen Erlebnissen zusammenhängend
und variierend berichten und
Gehörtes nacherzählen. Es versteht
alles Gesprochene aus seinem
Lebensbereich, insgesamt etwa
23000
Wörter.
Selbst benutzen kann es mit
4 Jahren ca. 1500, mit 6 Jahren
bereits 5000
Wörter.
Der Wortschatz entwickelt sich
auch weiterhin. Das Kind
kann nun in komplexen Sätzen
sprechen, die Zeitformen verwenden
und auch über abstrakte Zusammenhänge
reden. Mit
ca. 6 Jahren spricht das Kind
grammatikalisch
fehlerfrei.
Einige grammatische Formen,
wie etwa das Passiv ("Das
Auto wurde gestohlen."), werden
erst zwischen dem 7. und 9.
Lebensjahr erworben. Mit
der Einschulung soll das Kind
alle
Laute und
Lautverbindungen einschließlich der Zischlaute
richtig verwenden können. Falls
das Kind jetzt noch Schwierigkeiten
mit dem s, sch oder ch hat (Zischlautstörung,
sog. Lispeln), sollte es logopädisch
behandelt werden.
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Literatur:
Gopnik,
A., Kuhl, P. & Meltzoff, A.:
Forschergeist in Windeln. Wie Ihr Kind
die Welt begreift. – München 2003. Wendlandt,
W.: Sprachstörungen im Kindesalter. – Stuttgart 2000.

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