18. Oct 2019   EUR 0,00
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Stilisierte FederKnetfeder Magazin

Wo ist Ulla Kock am Brink, wenn man sie braucht? Vorbei ist eben doch vorbei. Die Rückkehr der großen Samstagabend-Actionshows ist weiterhin nicht in Sicht. Das Privatfernsehen versuchte diesmal mit einer Neuauflage eines Quotenrenners der 90er Jahre, unter dem neuen Namen „Die 100.000-Euro-Show“, die großen Spielshows wieder auferstehen zu lassen – wohl vergeblich.

Die unterhaltsamen und aktionsreichen großen Shows am Samstagabend haben ihre Blütezeit gehabt: in den 90er Jahren, vor allem im Privatfernsehen. Ganz normale Leute spielten in mehr oder weniger sportlich ausstaffierten Spielen meist um Geld und Ruhm, Autos oder sogar Hochzeitsreisen. Die Sendungen hießen „Das Goldene Ei“ (Sat.1) „Geld oder Liebe“ (ARD), „Traumhochzeit“ oder eben die „100.000-Mark-Show (beide RTL). Allerlei verrückte Spielchen wechselten sich ab mit kniffligen Schätzfragen bis hin zu hartem körperlichen Einsatz. Pure Unterhaltung, viel Spaß, kein Bildungsbürgerfernsehen.

Heute sind solche aufwändig produzierten Shows aus den Programmen verschwunden. Nur Multitalent Stefan Raab bedient mit „Schlag den Raab“ derzeit noch ansatzweise dieses Segment, am nächsten dran dürfte danach „Wetten, dass?“ sein. Die 100.000-Euro-Show war unter den damaligen Spielen mit die aufwändigst umgesetzte Show, in der die Teilnehmer gleichzeitig am meisten ins Schwitzen kamen: Vier Pärchen traten gegeneinander an, um in einer Mischung aus Parcourbewältigung, Schnelligkeit, Glück und guter Kondition.

Nichts Neues im Fernsehen – alte Konzepte neu aufgewärmt

Retro-TV zählt derzeit zu den angesagtesten Formaten im Fernsehen. Neben den billig produzierten „70er-, 80er- und 90er-Shows tummelt sich auch immer wieder Altbewährtes in neuem Gewand auf den Sendeplätzen.

Die Show-Ideen sind begrenzt: Quiz, Action, Musik, Abenteuer, Stars – es sind nicht viele Zutaten, die zur Verfügung stehen, um immer wieder neue Unterhaltungssendungen daraus zu stricken.

Also wärmt am nach einer Weile fast zwangsläufig alte Erfolge wieder auf – in der Hoffnung, dass sich die Übersättigung bei ehemaligen Zuschauern gelegt hat (und sich der Retro-Effekt einstellt) – und gleichzeitig neue, junge Zuschauer angesprochen werden, die die alten Schinken selbst nicht mehr kennen.

Dies ist kein neues Phänomen. Allein Robert Lembkes Spielshowklassiker „Was bin ich?“ (Blütezeit: 60er/70er) zog bereits 5 Neuauflagen nach sich: In den 90ern brachte die ARD den direkten Nachfolger „Ja oder Nein“ ins Programm, Sat.1 sendete eine Nachfolgesendung unter dem Titel „Heiter weiter“ und der WDR ließ das wiederaufgenommene Spielkonzept unter dem Motto „Psst!“ mit Moderator Harald Schmidt auf die Zuschauer los. Kabel 1 versuchte es unter dem alten Namen „Was bin ich?“ noch einmal 2000 – und 2007 schließlich kam ein aufgewärmtes „Psst!“ abermals in die ARD. Eine abgewandelte und um weitere Elemente ergäntze Form dieser Spielidee läuft derzeit noch als „Genial daneben“ bei Sat.1.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es wieder irgendein Sender mit dem Original-Konzept (4 Prominente versuchen unter den wachsamen Augen des Moderators einen Beruf/eine Eigenschaft von einem unbekannten Kandidaten zu erraten) auf Sendung gehen wird.

Warum aber ausgerechnet diese eine Sendung?

Wieso aber hat das aus heutiger Sicht eher dröge Format „Was bin ich?“ solche Chancen auf die stetige Wiedergeburt? Weil es zu seiner Zeit absolute Traum-Einschaltquoten erreichte. Statistikblinde Produzenten erliegen daher dem Reiz, mit identischen Konzepten den Erfolg wiederholen zu wollen. Dass das bisher fast immer schief ging, scheint niemanden groß zu interessieren. Im Falle von „Was bin ich?“ erreichte keiner der Nachfolger auch nur annähernd die Populariät des Originals, ganz zu schweigen von der Bekanntheit und Beliebtheit des heute unangefochteten Primus der Rateshows – „Wer wird Millionär“. Auch der Versuch des ZDF, die „Traumhochzeit“ mit Linda de Mol zu reaktivieren, brachte ein ernüchterndes Ergebnis. Mit dem Stichwort Traumhochzeit bringen jüngere Zuschauer heute sogar eher das für sich stehende TV-Ereignis des Jahrzehnts, „Gülçans Traumhochzeit“, in Verbindung. Trotzdem – die einstigen Quotenerfolge strahlen auch in die Zukunft, und somit wird es uns noch mit vielen Sendungen ergehen, die irgenwann einmal Straßenfeger (Privatfernsehjargon: Blockbuster) waren: wir werden sie früher oder später wiedersehen.

Die 100.000-Euro-Show

RTL nun schickte am 20. September eine Neuauflage dieser Show ins Rennen um die Zuschauergunst. Die zu gewinnende Summe hatte sich infolge der Währungsumstellung zwar verdoppelt, ansonsten hatte sich auf den ersten Blick nicht viel geändert. Die Zuschauer durften hoffen: endlich wieder eine gute alte Show ganz ohne Promis (es gibt nichts Langweiligeres, als Prominente um Geldgewinne kämpfen zu sehen – auch wenn sie diese zugunsten von Stiftungen und Hilfsprojekten am Ende wieder abgeben müssen).

Fotoausschnitt Fernsehprogramm

Die Musik war noch dieselbe vertraute Fanfare und Inka Bause, einstiger DDR-Musikstar, gab ihr Debüt als Samstagabendmoderatorin, womit sie im strengen Kostüm zumindest optisch nahe an die damalige Präsentatorin Ulla Kock am Brink herankam. Ihre Moderation erinnerte in ihrer wenig distanzierten, kumpelhaften Moderation aber eher an Biggi Lechtermann, die in den 80er Jahren bei „1, 2 oder 3“ moderierte. Obwohl man Frau Lechtermann damit unrecht täte, denn so viele grammatikalisch verquere Sätze, wie Bause sie vom Stapel ließ, möchte man ihr nicht unterstellen. Dabei könnte man die neue 100.000-Euro-Show in der Tat fast ein bisschen als „1, 2 oder 3 für Erwachsene“ bezeichen – mit dem Unterschied, dass man beim Kinderfernsehen nebenbei noch etwas lernen konnte.

Die auffälligste Änderung brachten die Kandidatenauswahl mit sich: Wir befinden uns im Jahr 2008, das Antidiskriminierungsgesetz ist längst in Kraft, also durften diesmal auch gleichgeschlechtliche Teams antreten. Gleich zwei Männerteams standen zwei klassisch besetzten Pärchen gegenüber.

Auf den zweiten Blick kam der Wettstreit dann nicht an den Glanz der alten Show aus den Neunzigern heran. Studio, Kulissen und Atmosphäre wirkten insgesamt kleiner und unscheinbarer als beim Original. Kindische Spiele gab es immer noch zur Genüge, auch der „Wassertank“ und der „Heiße Draht“ ließen sich wiederentdecken. Dafür fehlte die Qualifikationsrunde im Hindernisparcour, so dass zu Beginn gleich ein Pärchen mehr antrat als früher. Andere Spielchen schienen hingegen wie vom Rummelplatz ausgeliehen, so etwa das Finalspiel „schieße mit Bällen auf die richtigen Gegenstände“, eine Kombination aus „Pfeilewerfen“ und „Pyramidenbälle“. Gespart wurde auch an der Spannung. Ohne hämisch-kühle Moderation wurde das einerseits nichts, anderseits fehlte im Finale das spannungstragendste Element der alten Sendung überhaupt: die berühmten Zylinder, die den richtigen Code für den Tresor enthielten („der Zeitcode ist aktiviert…“). Sie wurden durch langweilige Laserpointer ersetzt, die es zu durchhüpfen galt, um den begehrten Tresor zu erreichen. Die Zweitplazierten gingen im Gegensatz zu früher, wo es als Trostpreise einen Autoschlüssel gab, der zu einem von drei abgestellten Autos passte (wobei die Kandidaten nur einen Versuch hatten), komplett leer aus.

Schon damals war die 100.000-Mark-Show eine ins Infantile schillernde Veranstaltung. Albern, witzig, herrlich trashig. Aber sie passte in die Zeit und war unterhaltsam. Der Neuauflage gelang dies nur mit Mühe. Und wie oftmals bei Neuauflagen: in weiser Voraussicht (sie ahnen es also doch…!) wurde zunächst nur eine Einzelfolge produziert, quasi ein Testballon, wie und ob die Show beim TV-Volk überhaupt (noch) ankommt. Warum die Show trotzdem bald wieder aller Wahrscheinlichkeit nach in der Versenkung verschwinden wird und keine weiteren Folgen entstehen werden, verrät Inka Bause am Ende der Sendung selbst: die nächste Folge im Dezember ist ein „Prominenten“-Special.
Artikelende

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4 Kommentare:

  1. Kay-Uwe 20

    Die Show war zwar gut aber nicht gut genug das Studio war nicht das selbe wie damals das Alte Studio war besser und da war mehr Action zu sehen Z.B. der Actionpacour,Wasserturm,Zylinder,Heiße Draht und was nartürlich nicht fehlen darf ist der Tresor denn des war immer das Finale gewesen denn die zwei Paare Knacken müssen um die 100.000 Mark (Euro) zu gewinnen.
    Das Studio sollte wieder das selbe sein wie vorher nur statt dem alten DM – Münzen prinzip Jetzt die Euro – Münzen und das alte Intro passt genau zu dieser Show wie früher und das im Tresor dan immer 100.000 Euro drin sind jeden Samstag um 20.15 bei RTL.
    Und das die vier Kadidaten darum auch weiterhin Kämpfen den Tresor zu Knacken und das letzte Kadidatenpaar die 100.000 Euro Gewinnt.
    Als Moderatorin hätte ich gerne wieder Ulla Kock am Brink den sie hat es ja ermöglicht diese Show zu Moderieren und das schon seit früheren Zeiten Bitte Ulla komm zurück und Moderiere wieder Die Samstagarbend – Show bei RTL wir freuen uns immer wenn du vom Tresor rein kommst ohne dich ist alles Doof.
    Niemand kann so toll Moderieren wie du.
    Du bist die Beste Ulla mach uns wieder Mut und mach uns wieder glücklich mit deiner Show die passt wirklich wie die Faust aufs Auge.
    Die Show muss einfach weiter gehen mit dir die Fans glauben an dich.

  2. Kay-Uwe (20)

    Bitte Ulla lass ein Wunder geschehen das du wieder zurück kommst es war einfach so Spitze mit dir Die 100.000 Mark (Euro) Show ist mir wirklich ans Herz gewachsen schon als kleines Kind habe ich das schon verfolgt Im Fernsehen jeden Sonntagabend um 20.15 bei RTL habe ich immer den Fernseher angeschaltet & habe es von anfang bis Ende gesehen Das war einfach der Knaller.
    Bitte Ulla komm zurück du fehlst uns.

  3. Jessi

    @Kay-Uwe: Ulla Kock am Brink kommt tatasächlich zurück: http://www.fem.com/private/ulla-kock-am-brink-business-talk-nie-aufhoeren-zu-lernen-6291.html

  4. Schlag den Raab für Arme: Ulla Kock am Brinks Comeback - Knetfeder Magazin

    […] man sich das Wiederauferstehen von Ulla Kock am Brink in der Moderatorenrolle vor Kurzem sogar noch gewünscht, muss man nun erkennen, dass man vergeblich gewartet hat. Nicht der Moderatorin wegen, Ulla Kock am […]

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