19. May 2019   EUR 0,00
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Stilisierte FederKnetfeder Magazin

Die Aufgabe war ganz einfach: Finden Sie einen MP3-Player, der Musik und Hörbücher wiedergibt, ein UKW-Radio eingebaut hat – und mit Batterien funktioniert, die sich auch unterwegs schnell wechseln lassen. Das Ganze bitte für nicht mehr als 40 Euro. Unmöglich, mussten wir feststellen.

Vor ein paar Jahren gab es sie noch. Bevor Apple den Markt für MP3-Player flächendeckend aufrollte und den I-Pod zum Synonym für mobile Musikplayer werden ließ – ganz so, wie Walkman im vorigen Jahrhundert einmal für mobile Kassettengeräte stand – da gab es noch MP3-Player, die auch noch so aussahen wie MP3-Player: kleine, schwarze Stäbchen mit einem meist nur einfarbig leuchtenden Mini-Display in der Mitte, einem USB-Stecker mit Verschlusskappe auf der linken Seite und einem Steuerkreuz, eine Art Mini-Joystick, auf der rechten Seite. Strom erhielten die kleinen Stäbchen durch eine simple Standardbatterie. Diese Zeiten scheinen unwiederbringlich vorbei.

Der Erfolg Apples mit dem I-Pod hat inzwischen nahezu alle übrigen und vor allem klassischen Konzepte aus der Bahn geworfen. Heutige Player ähneln im Erscheinungsbild meist einer der I-Pod-Varianten und kopieren auch deren Funktionsprinzip. Einen eingebauten USB-Stecker gibt es nicht, der Strom kommt von einem eingebauten Lithium-Ionen-Akku, den man nicht ohne weiteres wechseln kann. LCD- und OLED-Displays sind beinahe ausgestorben, Einzug gehalten haben TFT-Bildschirme, so dass man die heutigen Player äußerlich kaum noch von Handys unterscheiden kann. Hätten sie noch ein Zahlenfeld, die Imitation wäre perfekt.

MP3-Player mit abgenommener USB-Kappe
MP3-Player mit zweifarbigem OLED-Display (Vorderseite)

MP3-Player mit geöffnetem Batteriefach, AAA-Batterie ragt heraus
… und Fach für Normalbatterien (Rückseite)

Doch niemand ist auf Apple-Player angewiesen, die sich nur mit MP3s befüllen lassen, wenn dazu eine ganz bestimmte Software genutzt wird, die man womöglich nur mit ganz bestimmten Kopfhörern überhaupt bedienen kann und die womöglich auch nur an einem einzigen Rechner funktionieren. Trotz der Marktdominanz von Apple ist das Angebot an alternativen Geräten reichhaltig. Es gibt Geräte, die nicht nur sämtliche gängigen Audioformate abspielen, sondern auch Videos, ja selbst „E-Book-Reader“ findet man in vielen dieser Geräte – eine beschönigende Beschreibung für die Möglichkeit, auch Liedtexte auf dem winzigen Bildschirm ablesen zu können. Es fehlt nicht mehr viel, und man könnte tatsächlich auch Kaffee-Pads einlegen. Dabei sind die Alternativprodukte meist deutlich günstiger als ein I-Pod.

Früher war alles besser
Kommentar von Daniel Schneider (dws)

Das Handy ist keine Option. Wenn es klingelt, will ich nicht erst die verhedderten Kopfhörer entflechten müssen, um an die Anruf-Annehmen-Taste zu gelangen oder das Handy gar erst aus dem Rucksack zu bekommen. Ich will einen ganz normalen Player, um damit MP3-Dateien abspielen und Radio hören zu können. Nicht, um damit anzugeben.

Ich will einen Player ohne riesiges Display, das sowieso nur Strom verbraucht und mit dem man sowieso nichts anfangen kann, wenn es in der Jackentasche vor sich hin leuchtet. Ich brauche keine Fotoapparatimitation, keinen Videoplayer, keinen Organizer, sondern ein handliches Kästchen, das sich auf das Abspielen von Tönen konzentriert. Mit einem USB-Stecker direkt am Gerät (nicht noch mehr Kabelgewirr!) und der Möglichkeit, den Akku wechseln zu können. Denn auf Reisen möchte ich neben dem Ladegerät für’s Handy nicht auch noch eines für den Player mitführen müssen.

Das Ganze soll dabei nicht so viel kosten, dass es wehtut, wenn das winzige Gerät doch mal wieder in der Waschmaschine verloren geht.

Ich habe die Suche aufgegeben.

Miniaturspielzeug und Handyklone

Zwei Haupttrends zeichnen sich bei den modernen Geräten ab: auf der einen Seite schließen die MP3-Spieler in Form und Größe immer weiter zu den Handys auf, demgegenüber stehen die Miniatur-Player, die immer kleiner und leichter werden und die man daher kaum noch mit der bloßen Hand bedienen kann – Daumen und Finger sind fast genauso groß wie das gesamte Gerät. Die Gemeinsamkeit bei beiden Wegen ist, dass auf wechselbare Akkus grundsätzlich verzichtet wird und eine direkte Ansteckmöglichkeit an eine USB-Buchse, z.B. die des PCs, nicht mehr vorhanden ist.

MP3-Player mit Touchscreen-Steuerung scheinen jedoch eher ein Irrweg zu sein. Die Geräte werden dadurch zwar noch intuitiver bedienbar, statt an winzigen Knöpfchen, oft nicht viel größer als die Stifte einer digitalen Armbanduhr, herumfummeln zu müssen, drückt man gemütlich direkt auf den ohnehin immer größer werdenden Anzeigeflächen herum. Der Nachteil an MP3-Playern mit Touchscreen-Technik ist jedoch, dass sich diese Geräte nicht mehr blind bedienen lassen, wenn z.B. der Player beim Joggen oder Radfahren in der Jacken- oder Hosentasche im Einsatz ist.

Gesucht: Ein klassischer MP3-Player

Bei der Suche nach einem Gerät, das die eingangs erwähnten Anforderungen erfüllt, stellt sich nun heraus, dass man nur eine Wahl hat. Entweder man verzichtet auf das Radio oder man darf, wenn man mobil unterwegs ist, feststellen, dass immer dann, wenn der Akku plötzlich leer, weit und breit keine Steckdose vorhanden ist. Denn genau da liegt das Problem aller in Frage kommender Geräte. Man sollte meinen, Mobilität habe in der heutigen Zeit absoluten Vorrang. Aber wenn es darum geht, Akkus zu verbauen, die sich leicht und schnell unterwegs einmal austauschen lassen, scheint das nicht mehr der Fall zu sein. Das genaue Gegenteil findet man vor: die Akkus sind so fest integriert, dass man ohne filigranes Werkzeug und ohne die ständige Gefahr, das Gehäuse zu beschädigen, nicht an sie herankommt. Ein Wechseln selbst beschädigter Stromspeicher ist überhaupt nicht vorgesehen. Akkus und Player bilden eine Einheit. Selbst dann, wenn die theoretische Möglichkeit besteht, Ersatzakkus mitzuführen und zu verwenden, ist ein schneller Wechsel unterwegs völlig illusorisch.

zwei simple MP3-Player
Klassische Player mit unbeleuchteter LCD-Anzeige

Natürlich könnten MP3-Player bei Verwendung von AA- oder AAA-Batterien nicht so schön schmal und flach sein. Doch selbst ein Gerät in der Größenordnung für Normalbatterien passt bequem in die Jacken- oder Hosentasche, wozu also auf Unabhängigkeit von der Steckdose verzichten? Sind es diese Abstriche wirklich wert, hingenommen zu werden? Die nun verbreiteten Lithium-Akkus haben natürlich auch Vorteile gegenüber wechselbaren NiMH-Batterien. Sie entladen sich auch bei längerem Einsatz oder Lagerung praktisch nicht von selbst und auch der gefürchtete Memoryeffekt schlägt bei ihnen nicht durch. Doch das hilft nichts, wenn nach der Hälfte des Hörbuchs unterwegs auf einmal der Strom ausgeht.

Man bekommt sie zwar durchaus noch, die Geräte, die mit Standardbatterien oder -akkus funktionieren und sogar noch einen USB-Stecker besitzen, aber nicht in höherer Qualität und auch auf das integrierte Radio muss man dann verzichten. Bei Geräten, die noch mit einer AAA-Batterie betrieben werden können, handelt es sich zudem meist um Auslaufmodelle. Es gibt sogar MP3-Player in Automobil-Form – doch wer nun denkt, diese ließen sich wenigstens mit normalen Autobatterien betreiben, irrt natürlich ebenfalls. Die neueren Player sind nicht nur ultraflach, sie haben auch großzügig dimensionierten Flash-Speicher und die Akkulaufzeit beträgt bei einigen Geräten sogar bis zu 15 Stunden im Betrieb. Aber die Preise dieser Geräte können sich dann auch sehen lassen, unter 70 € ist da nichts zu machen.

So bleibt einem nur, bei einem festgesetzten Budget von maximal 40 €, auf leicht wechselbare Akkus zu verzichten und Abstriche beim Flashspeicher zu machen, damit wenigstens die Akkulaufzeit halbwegs akzeptabel ist. Schließlich wollen wir ja nur ein wenig Radio empfangen und ein Hörspiel durchhören können, ohne mittendrin unterbrochen zu werden, weil der Akku leer ist.

Das Handy – der bessere Player?

Es stellt sich fast zwangsläufig die Frage, ob man überhaupt noch einen separaten MP3-Abspieler benötigt, wenn dieser im Vergleich zu z.B. einem Handy keine Vorteile mehr bietet. Moderne Handys kommen heute nicht nur mit Telefon-, SMS-, Organizer- und Kamerafunktionen, sondern haben oft auch wie selbstverständlich ein UKW-Radio mit eingebaut. MP3-Klingeltöne beherrschen sowieso die meisten Fabrikate, der Schritt zum ebenfalls eingebauten Musikplayer ist daher nicht mehr weit. Geräte mit standardmäßig integriertem MP3-Player werden immer zahlreicher.

MP3-fähige Geräte Das Problem ist im Moment lediglich die Speicherkapazität, die an die der klassischen MP3-Geräte noch nicht heranreicht. Doch die Handys lassen sich dafür mit zusätzlichen Mini-Speicherkarten bestücken, so dass man problemlos auf ähnliche Speicherkapazitäten wie bei einem MP3-Player kommen kann. Speziell als „Musikhandys“ vertriebene Geräte gehen noch weiter: hier lässt sich Radio nicht nur über das Headset, sondern über die Lautsprecher hören, und auch ein normaler Kopfhörer mit 3,5-mm-Klinkenanschluss kann eingestöpselt werden.

Die Kombination von MP3-Player und Handy ist also naheliegend, hat aber einen entscheidenden Nachteil: die Strahlenbelastung. Ein eingeschaltetes Handy auf Empfang gibt, auch wenn gerade nicht telefoniert wird, hochfrequente Strahlung an die Umgebung ab (um etwa den Kontakt zum nächstgelegenen Handymast zu halten). Gesundheitsschädigung für den Menschen ist bislang zwar nicht bewiesen worden, absolute Ungefährlichkeit jedoch ebenfalls nicht. Denn dass etwa der menschliche Kopf beim Telefonieren einen nicht kleinen Teil der Handyenergie absorbiert, ist kein Geheimnis. Die Debatte wird weiterhin kontrovers geführt. Wer also möchte sich ohne Not während des bloßen Musikhörens ständig von seinem Handy bestrahlen lassen? Doch auch hier bieten viele Handys bereits eine Lösung: sie lassen sich in den „Flugzeugmodus“ schalten, deaktivieren also die für das Telefonieren zuständige Komponente und geben dadurch keine Emissionen mehr ab. Über diesen eingebauten Strahlen-Ruhemodus verfügen jedoch längst nicht alle Modelle.

Zitat: MP3-Player mit Radio und wechselbarem Akku? Heute heißt so was Handy! (Mandy S., Radiojunkie)
Es bleibt somit nur noch das Problem mit der Akkulaufzeit. Ein Handy belässt man normalerweise im Stand-by-Betrieb, einen MP3-Player schaltet man ab, wenn man ihn nicht aktiv nutzt. Benutzt man das Handy hingegen regelmäßig als Musicbox, steigt der Strombedarf erheblich. Immer dann, wenn man telefonieren will, hat man das Handy garantiert „leergehört“, immer dann, wenn man Musik hören will, den Akku leertelefoniert. Denn ein permanent laufender Audioplayer belastet den Akku stark, ein sehr viel kürzer dauerndes Telefongespräch – durch die dafür nötige Sendeleistung des Handys – jedoch ebenfalls. Bei alten Handys konnte man noch die Hintergrundbeleuchtung der LCD-Anzeige abschalten; die ebenfalls viel Strom schluckenden hochauflösenden TFT-Displays heutiger Handys lassen sich hingegen nicht auf dunkel stellen – es ließe sich nichts mehr erkennen – und komplettes Abschalten ist natürlich auch nicht möglich. Die Akkulaufzeit reduziert sich dadurch noch weiter.

Für Vieltelefonierer bzw. Vielmusikhörer ist das Handy als Audioplayer also keine ideale Kombination. Immer leistungsfähiger werdende Stromspeicher lassen auch diesen Makel jedoch stetig unbedeutender werden. Und vor allem: Handyakkus lassen sich im Gegensatz zu MP3-Player-Akkus auch auf Reisen problemlos austauschen.

Erkenntnisse

MP3-Player können heute nichts, was Handys nicht auch können. Im Gegenteil, die Vorteile, die MP3-Player gegenüber dem Handy noch hatten (stromsparende OLED- oder LCD-Anzeigen statt farbechte TFT-Displays, eingebaute USB-Stecker, Normalbatterien), sind aus dem heutigen Produktdesign fast vollkommen verschwunden. Ein Einzel-MP3-Player scheint bald nur noch etwas für Jogger zu sein, die sich ein winziges Gerät direkt an den T-Shirt-Kragen klemmen möchten. Für alle anderen, die zum Bedienen des Players keine Lupe verwenden möchten, wird das Handy zu einer komfortableren Alternative. Das haben inzwischen auch die Käufer gemerkt. Das abnehmende Interesse an Einzel-MP3-Playern macht sich inzwischen auch bei der Preisentwicklung bemerkbar. Selbst einfache Player kosten heute nicht sehr viel weniger als ein Handy mit vergleichbaren Audiofunktionen. Wer nach einem neuen MP3-Player sucht, ist daher im Grunde schlecht beraten, wenn er sich für ein Einzelmodell entscheidet – außer, er hat handfeste Gründe wie Joggen ohne Ballast –, bekommt er bei einem Handy doch quasi noch ein Telefon samt komfortablerer Bedienmöglichkeit gratis dazu. Kompakte MP3-Player werden hingegen zu einem Nischenprodukt für Sportler und Audiophile.

Das moderne Handy, das seinerseits heutzutage meist UKW-Radio und MP3-Player schon mit eingebaut hat, scheint vielen vollauf zu genügen. Ein Extra-MP3-Player muss es daher vielfach gar nicht mehr sein. Doch wer unterwegs Hörspiele und Musik in exzellenter Qualität genießen, Gewicht einsparen, Strahlung reduzieren sowie die Akkulaufzeit des Handys nicht unnötig verringern möchte, für den kann ein reiner MP3-Player die bessere Wahl sein.

Artikelende

Weiterführendes

Alles über Handy-Strahlung

Die richtige Wahl – Ausstattungsmerkmale bei MP3-Playern

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4 Kommentare:

  1. Steffen

    Eierlegende Wollmilchsäue kommen halt immer mehr in Mode. Sei es nun Hardware oder Software. Der Gedanke dahinter ist durchaus gut, nur endet das dann oft mit einem sehr ungenügenden Kompromiss. Deshalb mag ich auch eher die Geräte, die sich auf eine bestimmte Funktion festlegen und nicht von allem ein bisschen in einen großen Topf werfen. Und für Eintopf bin ich ohnehin nicht zu haben. :)

  2. engage

    Gebt einfach die Akku-Austauschbarkeit auf (das skaliert einfach nicht gut auf so winzige Geräte, und handelsübliche Batterien haben sicher eine niedrigere Kapazität als die festeingebauten Akkus) und kauft euch einen Sandisk Sansa Clip+. Musik, Hörbücher, UKW, Podcasts, OLED, mechanische Tasten – alles vorhanden! Dazu dann noch einen USB-zu-Steckdose-Adapter oder einen dieser externen Akkus und ihr könnt das Teil aufladen während weiter Musik läuft. Anstatt in romanlänge zu lamentieren, dass es euer theoretisches Idealgerät halt nicht gibt :P.

  3. Daniel Schneider (dws)

    Der perfekte Zeitpunkt für ein kleines Resümee. :) Persönlich habe ich das Kriterium der Akku-Austauschbarkeit aufgegeben, einen USB-zu-Steckdose-Adapter erworben und bin halbwegs glücklich mit Musik, Hörbüchern, UḰW, OLED und mechanischen Tasten.

    Jetzt muss sich nur noch zeigen, was länger hält: der Akku oder das Gerät selbst. Wir berichten weiter… ;)

  4. Das neue Radio ist – analog. Zu Angebot und Nachfrage von DAB-Radiogeräten. - Knetfeder Magazin

    […] mehrheitlich klobigen Kästen, die nichts anderes können, als Radiosender zu empfangen. Auch MP3-Player sind nicht mit Digitalradiokomponente erhältlich, sondern nur mit analogem UKW-Empfänger. Handys […]

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