18. Oct 2019   EUR 0,00
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Stilisierte FederKnetfeder Magazin

Dem Buchmarkt steht die digitale Revolution erst noch bevor. Konnte sich vor 20 Jahren noch kein Musik-Fan vorstellen, dass es einmal eine Welt ohne Tonträger geben würde, so muss sich auch der Buchliebhaber allmählich mit dem Gedanken vertraut machen, dass der Standardverbreitungsweg für Bücher bald nicht mehr der des gedruckten Papiers sein könnte.

Die Menschen lesen immer weniger, Bücher werden bald aussterben, so hieß es immer häufiger. Das Gegenteil ist der Fall, Bücher sind populärer denn je, auch bei der jungen Generation hat das Buch neben elektronischen Medien weiterhin einen hohen Stellenwert, auch Abseits von Harry Potter. Nun, wer Hunderte von Büchern hat, weiß, wie viel Platz sie wegnehmen, und wer im Urlaub Bücher lesen will, weiß, dass ein Stapel Bücher ein ganz schönes Gewicht haben kann. Dem kann abgeholfen werden. Seit ein paar Jahren erobern E-Books immer mehr den Büchermarkt, Bücher ohne Papier, die nur aus einer kleinen Datei bestehen, die nichts wiegt und wenig Platz einnimmt.

E-Book neben herkömmlichem Buch
Epochaler Wandel: Auch das Buch wird digital

Natürlich wurden auch hier Stimmen laut, dass sich das E-Book niemals dem herkömmlichen Buch gegenüber durchsetzen würde, denn schließlich geht nichts über einen wunderschön gestalteten Umschlag, über Seiten, die man berühren und selbst umblättern kann. Auch haben elektronisch dargestellte Seiten in der Regel keinen gesetzten, umbrochenen Blocksatz – noch nicht jedenfalls. Und vor allem: ein Buch kann man überallhin mitnehmen, ohne gleich einen ganzen Computer mitschleppen zu müssen. Denn, um E-Books lesen zu können, braucht man Software und die Software läuft eben nur auf einem Computer – oder auf einem E-Book Reader.

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Gab es vor etwa 2 Jahren mal gerade die Auswahl zwischen einem Sony-Reader und Amazons Kindle und vielleicht noch weniger bekannten Geräten, die nur aus dem Ausland zu bekommen waren, gibt es heute eine Fülle an Readern. Für jeden Geschmack ist etwas dabei, mit und ohne Touchscreen, mit und ohne W-LAN, mit und ohne LCD-Display, wie man es gerade möchte. Doch was taugt ein E-Book Reader wirklich? Wir haben 2 Jahre lang einen E-Book Reader einem Langzeittest unterzogen. Beim Testobjekt handelt es sich um den PRS-505 von Sony, der in der Handhabung in etwa auch dem klassischen Amazon Kindle entspricht.

Die Technik

Die E-Book Reader der ersten Generation basierten (und das ist auch aktuell meistens der Fall) auf der E-Ink-Technologie. Die Displays bestehen aus sogenanntem elektronischen Papier, welches normale Druckerschwärze („Tinte“) imitiert. Das Licht wird wie bei normalem Papier reflektiert. Diese Displays sind sehr energiesparend, da sie nur während des Umblättervorgangs Strom verbrauchen. Inzwischen gibt es auch viele Reader mit LCD- oder OLED-Displays, diese sind aber aufgrund des erhöhten Stromverbrauchs nicht mit den Readern mit E-Ink-Display zu vergleichen. Dies resultiert vor allem aus der notwendigen Beleuchtung: Während „elektronisches Papier“ ohne eingebaute Lichtquelle wie normales Papier lesbar ist, benötigen LCD- und OLED-Bildschirme normalerweise eine Hintergrundbeleuchtung.

Die Lesefreundlichkeit

Das hat auch Auswirkungen auf den Lesekomfort: während sich E-Ink-Displays in der Wahrnehmung praktisch nicht von einer klassischen Buchseite unterscheiden, liest es sich auf hintergrundbeleuchteten Flächen eher wie an einem normalen Computerbildschirm. Das kann für das nächtliche Lesen praktisch sein, wenn keine zusätzliche Leselampe benötigt wird, ist für die Augen jedoch auch anstrengender, da man permanent direkt in eine Lichtquelle sieht. „Bücherfeeling“ und die damit verbundene entspannte Leseatmosphäre erreicht man nur mit elektronischem Papier.

E-Book-Seite und Papierseite direkt nebeneinander
Kaum voneinander zu unterscheiden, wenn E-Ink-Technologie zum Einsatz kommt: analoges und digitales Schriftbild

Der Stromverbrauch

Reader mit E-Ink-Display arbeiten enorm stromsparend, keine Frage, allerdings nicht so sehr, wie es auf den ersten Blick erscheint. Der Akku ist im Reader integriert und kann nicht getrennt vom Gerät aufgeladen werden. Ein Akkuwechsel, um mal eben mit einem Ersatzakku weiterlesen zu können, ist nicht möglich. Das Gerät kann im Lieferzustand nur über einen Computer aufgeladen werden. Ein Netzadapter, um das Gerät direkt an der normalen Steckdose aufzuladen, kann aber nachgekauft werden.

Die Bedienung

Der Sony-Reader ist mit seinen 260 Gramm wirklich leicht und mit seinen 6 Zoll recht handlich. Man kann ihn überall mit hinnehmen, laut Hersteller immerhin ca. 160 Bücher (192 MB interner Speicher) darauf ablegen. Der Speicherplatz ist mit SD-Speicherkarte erweiterbar. Die Bücher lassen sich bequem nach Autor, Titel, Datum oder Sammlung sortieren. Unter Sammlung finden sich die Kategorien, in die die auf dem Reader gespeicherten Bücher eingeteilt wurden, diese Daten werden aus den Metadaten der jeweiligen Datei gelesen. Der Reader bietet die Möglichkeit, Lesezeichen zu erstellen oder ein Buch ab der Stelle weiterzulesen, an der man zuletzt aufgehört hatte. Diese Funktionen finden sich leicht erreichbar im Hauptmenü. Es gibt drei Schriftgrößen, die sich über eine Taste einstellen lassen. Je größer die Schrift sein muss, desto häufiger muss natürlich umgeblättert werden, was den Akku schneller leert. Auch Fotos lassen sich, wenn auch nur in Graustufen, problemlos darstellen. Selbst das Abspielen von MP3s ist möglich, allerdings ist die Tonlautstärke begrenzt und das Stoppen einer laufenden MP3-Datei nur möglich, indem man zum Hauptmenü zurückkehrt, wenn man nicht zur nächsten MP3 wechseln möchte. Laut Displayanzeige läuft die MP3 aber weiter. Welche MP3 gerade läuft, wird im Hauptmenü angezeigt.

Datentransfer zum Reader

Das Übertragen der Bücher an den Reader ist nicht so einfach, wie man vielleicht denken könnte. Einfach den Reader an den Computer anschließen, Dateien herüberkopieren und fertig – so leicht geht’s leider nur bei MP3s. Bücher müssen mithilfe einer Verwaltungssoftware auf den Reader kopiert werden, sonst werden diese von der Reader-Software nicht erkannt. Die Software ermöglicht es auch, Dateien aus anderen Formaten wie z. B. .odt in ein kompatibles Format umzuwandeln, sodass auch diese Dateien auf dem Reader lesbar sind. Sind Bücher aber mit DRM-Schutz versehen, ist es erforderlich, den E-Book Reader vorher beispielsweise bei Adobe zu registrieren, sonst ist es nicht möglich, geschützte Dateien auf dem Reader zu lesen.

Die Stromverbrauchsfalle

Das mit dem geringen Stromverbrauch ist so eine Sache. Der Sony-Reader hat nur einen Power-Schalter – drückt man ihn, wird der Reader damit lediglich in den Standby-Modus versetzt, obwohl er scheinbar aus ist. Wer das Gerät wirklich ganz ausschalten möchte, muss es wie einen ganz normalen Computer herunterfahren. Die Einstellung zum Herunterfahren des Gerätes ist jedoch sehr versteckt, denn um das Gerät herunterzufahren wählt man das Menü „Einstellungen“, dort dann „Erweiterte Einstellungen“ und hier schließlich „Gerät abschalten“. Dies ist sehr umständlich und manchmal hat man auch gerade nicht die Zeit dafür, weshalb man oft reflexartig einfach nur auf den Power-Schalter drückt. Hat man den Reader dann mehrere Tage, Wochen oder vielleicht sogar Monate nicht gebraucht, kann man eine böse Überraschung erleben, weil der Akku nämlich gerade dann leer ist, wenn man das Gerät verwenden möchte.

Der Kopierschutz

Während ein klassisches Buch nach dem Kauf auch wieder verkauft, verschenkt oder verliehen werden kann, ist dies bei E-Books meist nicht der Fall. Ein elektronisches Buch, das der Besitzer irgendwann nicht mehr haben möchte, ist dann nur noch Datenmüll. Das elektronische Rechtemanagement verhindert, dass E-Books wie gewöhnliche Bücher weitergegeben werden können. Man kann DRM-geschützte E-Books nicht kopieren; wenn sie an ein spezifisches Gerät gebunden sind, lassen sich die Buchdateien auch nicht verleihen oder auf andere Geräte mitnehmen. Solche Aktionen sind allenfalls über die Kaufportale wie dem von Amazon möglich, wobei jedoch die Einschränkung besteht, dass z.B. beim Verleihen sowohl der Versender als auch der Empfänger über dasselbe Gerät verfügen und somit natürlich auch beide Amazon-Kunden mit einem eigenen Account sein müssen.

E-Book-Seite und Papierseite direkt nebeneinander
Platzersparnis: Hunderte Wälzer in nur einem flachen Gerät

Die meisten E-Book-Anbieter wiederholen damit gerade die Fehler der Musikindustrie – das künstliche Unzugänglichmachen von Inhalten und die Gängelung von Kunden – was letztlich ohnehin nur wieder die ehrlichen Kunden trifft. Einige Verlage haben sich jedoch bereits schon vom Kopierschutz verabschiedet und es ist anzunehmen, dass sich ähnlich wie beim MP3-Verkauf auch beim elektronischen Buch ein Kopierschutz langfristig nicht wird durchsetzen können.

Fazit

Bücher aus echtem Papier werden mit Sicherheit so schnell nicht aussterben. Denn so platzsparend und komfortabel das Lesen mit einem E-Book Reader auch ist, man kann elektronische Bücher weder ins Regal stellen, noch als solche weitergeben. Sie bestehen wie alles andere im digitalen Zeitalter eben aus Nullen und Einsen, sie sind keine physisch greifbaren Objekte mehr. Man kann davon ausgehen, dass es auch in 50-100 Jahren kein Problem sein wird, ein Buch aus Papier zu lesen, aber es könnte durchaus passieren, dass Formate wie .pdf, .epub oder .mobi irgendwann nicht mehr geöffnet werden können, weil sie veraltet sind und neuere Geräte nicht mehr mit ihnen umzugehen wissen.

Die Handhabbarkeit von elektronischen Büchern krankt aktuell auch noch daran, dass es kein einheitliches Format für E-Books gibt. Hersteller und Anbieter setzen auf unterschiedliche Techniken. Amazon nutzt für seine Kindles und auf der Verkaufsplattform das Mobi-Format, andere setzen meist auf Epub. Kindle-Geräte erkennen jedoch keine Epub-Bücher, Geräte wie der Sony-Reader lesen keine Mobi-Dateien. Dies macht das Nutzen unterschiedlicher Geräte für dieselben Bücher aufwändig, da die Buchdateien zuvor erst umgewandelt werden müssen. Wenn die Dateien kopiergeschützt sind, ist nicht einmal das möglich.

Somit ist ein E-Book Reader derzeit sicher eine gute Ergänzung zum Buch und für all diejenigen zu empfehlen, die unter Platzmangel leiden oder ihre Papierbücher im Urlaub nicht mitnehmen möchten, aber ein vollwertiger Ersatz für das Buch ist er nicht. Zumal, wenn der Strom ausfällt und der Reader gerade leer ist, bleibt nur noch der Griff zum altbewährten Buch.

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4 Kommentare:

  1. Das Radio im Wandel – der langsame Abschied von UKW und Co. - Knetfeder Magazin

    […] und Musikkassetten, DVD statt Video, digitales statt analoges Fernsehbild. Sogar das Buch schickt sich nun an, endlich digital zu werden. Nur Radio wird noch genauso gehört wie vor 50 Jahren. Da kommt der Gedanke auf, ob denn wirklich […]

  2. madlin

    Danke für den wirklich interessanten Artikel, auch wenn auch glaube, dass das eBook möglicherweise das klassische Holzbuch schneller verdrängen wird, als man glaubt. Wenn ich mir heute schon die Verkaufszahlen von eBooks anschaue, dann geht dies eindeutig zu Lasten des normalen Buches.

  3. Mit Amazon auf dem Weg zum Bucholigopol - Knetfeder Magazin

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  4. Der Kindle – Amazons E-Book-Reader im Praxistest - Knetfeder Magazin

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