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Die Nr. 4 unter den Linux-Desktops: LXDE im Test

18. Dezember 2008

Wieviele Desktops gibt es für Linux? Bis vor einiger Zeit konnte man guten Gewissens sagen: zwei. Nämlich Gnome und KDE. Dann wurden in XFCE Arbeitsflächensymbole eingebaut – und voilà: aus dem Fenstermanager mit Startleiste wurde Linux-Desktop Nr. 3. Seit neuestem nun gibt es eine Nummer 4: LXDE.

LXDE hat auf den ersten Blick eine große Ähnlichkeit mit XFCE, bringt aber das Wunder fertig, noch schneller und leichtgewichtiger zu sein als XFCE. Was eigentlich kein Kunststück ist, denn auch XFCE, seit langem vor allem als leichtere Alternative zu Gnome empfohlen, ist mittlerweile ganz schön groß geworden. Die Unterschiede zwischen Gnome und XFCE fallen nicht mehr so gravierend aus, vor allem, seitdem der Gnome-Dateimanager Nautilus immer schneller wird.


Der LXDE-Desktop

Doch wie schafft LXDE es, einen derart schnellen Desktop zu bauen, der ein aktuelles Linux endlich mal so schnell werden lässt wie ein WindowsXP? Die Lösung ist einfach. Während die etablierten Desktopumgebungen das Rad immer neu erfinden, sämtliche Programme für die eigene Oberfläche neuprogrammieren, damit am Ende alles aus einem Guss wirkt, geht LXDE den umgekehrten Weg: es nimmt die besten, schnellsten und schon längst vorhandenen freien Programme, modifiziert sie womöglich noch leicht – und strickt daraus dann einfach einen vollwertigen Desktop. Damit verwirklicht LXDE ein typisches “Linuxprinzip”: LXDE könnte man daher auch als “Distribution in der Distribution” bezeichnen.

LXDE besteht in Wirklichkeit also aus vielen Einzelkomponenten, die auch einzeln in “freier Wildbahn” erhältlich sind, die für den LXDE-Desktop aber optimal kombiniert wurden:

Als zentralen Baustein nutzt LXDE den Dateimanager PCManFM, der schon lange vor Nautilus oder Dolphin Tabs beherrschte, und Thunar, Nautilus oder Dolphin in Sachen Geschwindigkeit trotzdem alt aussehen lässt. Die Symbole können sich sehen lassen: statt selbst an Icons herumzudoktern, bis etwas Gräuliches wie bei Gnome oder etwas Grelles wie bei KDE herauskommt, hat man sich einfach das geschnappt, was den derzeitigen Massengeschmack am ehesten treffen dürfte und zugleich sowohl frisch als auch elegant-dezent wirkt: die nuoveXT-Icons. Der Fenstermanger ist “Openbox”, ein Verwandter von Fluxbox und Blackbox, den Viele wegen seiner Vielfältigkeit sogar ganz ohne restlichen Desktop einsetzen. Als Start- und Fensterleiste kommt das flinke fbpanel zum Einsatz. Zum Standard-Texteditor wurde Leafpad gemacht. Zum Zippen nimmt man Xarchiver, ein Komprimier- und Entpack-Programm. Dazu packt LXDE z.B. noch einen eigenen Taskmanager, eine Programm-Ausführen-Dialog, ein Terminalprogramm und einen Theme-Konfigurator – und fertig ist der Desktop.


PCManFM mit nuoveXT-Icons und Openbox-Fensterrahmen

Im Übrigen verfolgt LXDE einen sympathisch-pragmatischen Ansatz. Es folgt z.B. dem Prinzip “Sei nicht anders als Gnome oder Windows, nur um anders zu sein als Gnome oder Windows.” Und dies funktioniert wunderbar: man erhält mit LXDE eine intuitiv zu bedienende Linuxoberfläche, mit der man ohne Weiteres gut zurechtkommt und die dazu auch noch wirklich gut aussieht. Für ein recht junges Desktop-Projekt wie LXDE sehr überzeugend.


übersichtliche LXDE-Systemüberwachung und Texteditor Leafpad

Vom Optimum ist LXDE trotzdem noch weit entfernt, es gibt derzeit noch einige Nachteile, die dem frühen Entwicklungsstand des Projekts zugeschrieben werden müssen. Vor allem beim Desktop-Komfort muss man Einschränkungen hinnehmen. Die Desktopsymbole können nicht frei bewegt werden, sondern positionieren sich stets statisch in einer Reihe. Das Panel – oder sein Startmenü – kann nicht leicht angepasst oder modifiziert werden (z.B. mit einem Kontextmenüklick), hierzu ist umständliche Handarbeit mit Systemdateien erforderlich. Um eigene Panel-Symbole zu generieren ist das Ablegen einer DESKTOP-Datei (.desktop) im Ordner

/home/BENUTZER/.local/share/applications

erforderlich. Auch für globale Tastenkürzel gibt es keinen Dialog; um diese anzulegen muss man die Datei

/home/BENUTZER/.config/openbox/lxde-rc.xml

editieren. Nicht weiter erwähnenswert, aber durchaus erwähnenswert: das Projekt-Logo, das sich auch auf den mitgelieferten Standard-Hintergründen wiederfindet, ist gruselig und erinnert an irgendein Spinnentier.


Ist das gefährlich? Oder nur gesponsert vom Kammerjägerbundesverband? – Ausschnitt des LXDE-Standardhintergrundbilds

Doch trotz der noch bestehenden kleinen Unannehmlichkeiten: LXDE ist ein guter Kompromiss zwischen den völlig spartanischen Fenstermanagern ganz ohne Desktop (IceWM, Fluxbox, …) und den Schwergewichten KDE oder GNOME, die allesamt Schnickschnack mitladen, den man kaum je komplett brauchen wird – und der in der Summe dafür sorgt, dass jeder mögliche Geschwindigkeitsgewinn schnell verpufft.

Fedora installiert LXDE seit Fedora 10 neben KDE und GNOME standardmäßig mit, bei Suse, Ubuntu (nein, ein “Lubuntu” existiert noch nicht) oder Mandriva lässt es sich über die regulären Paketquellen einfachst nachinstallieren.


aus der Kategorie: / Tests / XFCE & LXDE

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Kommentare

“(nein, ein “Lubuntu” existiert noch nicht)”
Das ist nicht ganz richtig.
Ein Lubuntu existiert wirklich noch nicht allerdings existiert eine Ubuntu Distri die LXDE implementiert: Ubuntulite.
Nachzulesen unter anderm auf http://lxde.org/ ;-)

samuba · 18. Dezember 2008, 10:24

Ups. Danke für die Ergänzung! =)

Daniel · 18. Dezember 2008, 11:39

Ubuntulite darf sich das Projekt nicht mehr nennen.
Es heißt jetzt U-lite.

— criz · 21. Dezember 2008, 16:57

liest sich interessant. Für mich steht und fällt ob ich in einer Distribution meinen Lieblingsbrowser starten kann. Das Experimentieren war ja recht vorteilhaft, weil ich darüber auch schon weit mehr selbständig installiere, statt auf die teils lahme synaptic zu vertrauen, aber so richtig glücklich bin ich mit gnome nicht, weil zu aufgebläht zu unübersichtlich, und kde schon gar nicht brrr….
Ansonsten, meld ich mich mal schon als neue Stammleserin an. Danke für die Tips :)
(es gibt kerine Pflichtfelder? wieso kann ich dann jetzt nicht absenden? grübel

— diotima · 27. Dezember 2008, 01:03

Willkommen und dankeschön! :) Dabei ist Synaptic sogar noch eines der schnelleren graphischen Installationswerkzeuge. Mit einem älteren Rechner ist man zumindest in der Vergangenheit bei Suse (mit ihrem Yast2) oder Mandriva (mit ihrem Rpmdrake) schier wahnsinnig geworden.

(es gibt kerine Pflichtfelder? wieso kann ich dann jetzt nicht absenden?
Das liegt an dieser “komischen” Blogsoftware, die hier läuft, da muss man mindestens einmal auf “Vorschau” geklickt haben, damit man endgültig absenden kann. ;) Das dient laut der Entwickler dem Spamschutz.

Daniel · 27. Dezember 2008, 11:19

Hallo, mich stört nur, dass die äußßeren Symbole, z. Menüe oder Lautsprecher nach aussen verschwinden, wenn zuviel Anwendungen im Panel angezeigt werden. Ich muss dann immer erst ein paar Anwendungen schliessen, bis die Schaltflächen wieder kommen.

mfg

Graubart

— Graubart · 29. Dezember 2008, 01:55

Hallo Graubart, hier kann ich den beschriebenen Fehler leider nicht nachvollziehen – die Anwendungs-Knöpfe werden bei mir immer kleiner, nicht die Leiste breiter. Da wird wohl irgendwas kaputt sein. Wenn gar nichts hilft, kann man einfach ein anderes Panel benutzen:

http://www.knetfeder.de/linux/index.php?id=23

“Fbpanel” oder das XFCE-Panel wären sicherlich eine gute Alternative.

Daniel · 29. Dezember 2008, 16:14

LXDE klingt interessant. Aber lohnt sich deiner Meinung nach ein Umstieg? Oder war es für dich nur ein kurzer Test einer weitern GUI?

Linuxhobby · 5. Januar 2009, 01:30

Ein Umstieg lohnt sich sicherlich, wenn man eine möglichst schnelle Oberfläche bevorzugt, aber trotzdem etwas mehr “Desktop” haben möchte, als die reinen Fenstermanager (IceWM, Openbox, Fluxbox etc.) bieten, also z.B. einen Desktop mit Symbolen oder einen integrierten Dateimanager. Wenn es aber auf Geschwindigkeit nicht ganz so sehr ankommt, ist man derzeit mit XFCE oder Gnome wohl besser beraten.

LXDE ist ausreichend stabil (es greift schließlich auf bereits lange in Entwicklung befindliche Programme zurück), auf gravierende Probleme bin ich nicht gestoßen. Es fehlt halt wie beschrieben an einigen Stellen noch ein wenig Komfort. Wen das nicht stört und wer gewisse Funktionen nicht vermisst, dem kann man LXDE meiner Einschätzung nach guten Gewissens empfehlen. PCManFM ist großartig (einziger Nachteil: keine Embleme möglich wie bei Thunar oder Nautilus), Openbox ist sowieso kaum zu schlagen und auch das Panel ist schick.

Persönlich verwende ich LXDE momentan nicht mehr, weil mir z.B. ein Merkmal fehlt, das ich bei Desktops gerne hätte: die Möglichkeit, häufig genutzte Dokumente direkt über ein selbstdefiniertes Menü erreichen zu können – das geht mit LXDE leider (noch) nicht. Aber ich werde LXDE in Zukunft mit Sicherheit nochmal ‘ne Chance geben.

Daniel · 5. Januar 2009, 13:54

Hi Leute,
also ich bin gestern auf LXDE gestoßen und habe es anfangs testweise installiert.
Ich war nach einer Stunde intensiver Test bzgl. der Bedienung, Einstellungmöglichkeiten und manueler Anpassbarkeit mein XFCE auf unbefristete Zeit zurückgestellt (es ist und bleibt noch installiert, denn es ist gut).
Während dieser Stunde ist meine Begeisterung immer weiter angestiegen.
Leider gibt es aber noch eins-zwei Sachen, die mir noch fehlen bzw. bei denen ich mich an XFCE gewöhnt habe. Z.B. der Desktoppager, bei XFCE bildet er auch die laufenden Programme ab, bei LXDE leider noch nicht, aber ich bin sehr zuversichtlich.
Als ich dann herausgefunden habe, dass das Projekt in Berlin initiiert wurde, also von Deutschen Programmierern, bin ich langfristig umgestiegen und erwarte nun mit Spannung jedes Update.

— Andrwe · 9. Januar 2009, 09:16

Hinweis: Tippfehler
Die oben genannte Konfigurationsdatei /home/BENUTZER/.config/openbox/lcde-rc.xml heißt l_x_de-rc.xml
Vielen Dank für den informativen Artikel!

— teelittle · 12. Juni 2009, 00:59

Meinerseits vielen Dank für den Korrekturhinweis! Habe es soeben berichtigt.

Daniel · 12. Juni 2009, 03:13

Wo finde ich unter Suse 11.1 die Dateien zur Instalation von lxde?
Über Yast/softwareinstalieren/suchen erscheint keine Ergebnisse

— Rudolf · 30. August 2009, 07:49

Wo finde ich unter Suse 11.1 die Dateien zur Instalation von lxde?

Hallo Rudolf, LXDE scheint dann wohl bei Suse nicht direkt dabei zu sein, es lässt sich aber mit einem Klick nachinstallieren: Einfach auf http://software.opensuse.org/search gehen und nach LXDE suchen, dort ist es vorhanden.

Daniel · 30. August 2009, 20:41

“…der ein aktuelles Linux endlich mal so schnell werden lässt wie ein WindowsXP?”

Danke, da bleib ich lieber bei KDE.

— Dexter Filmroe · 17. Juli 2010, 14:23

Das Tier im Schriftzug erinnert mich eher an eine Schwalbe, die gerade davonfliegt – und weniger an eine Spinne oder Ähnliches ;-)

— Valerian · 23. Mai 2013, 18:09

Lubuntu ist soweit ganz schick.
Was mich stört, ist die fehlende LTS Version
(Long-Time-Support), 3 Jahre (Xubuntu) bis 5 Jahre (Ubuntu 12..) oder gar 10 Jahre bei Redhat!?

— Andreas · 9. November 2013, 15:40

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