Chrome, Firefox, Seamonkey und Opera im Datenschutzvergleich

3. Juni 2012

Vor 10 Jahren war die große Frage, ob ein Browser einen Pop-up-Blocker hat. Den haben inzwischen alle, Lynx hat seine Vorreiterrolle eingebüßt. Heute stellt sich eher die Frage, wie viele Benutzerdaten die Browser selbst ins Netz oder an sich selbst schicken.

Die gute Nachricht: Persönliche Daten in Form von Statistiken oder Absturzberichten werden von allen Browsern nur übertragen, wenn der Anwender dem ausdrücklich zustimmt, auch Googles Chrome sendet nicht mehr im Hintergrund heimlich nach Kalifornien. Die Browser akzeptieren in den „Werkseinstellungen“ jedoch unbegrenzt Cookies, senden Referrer, haben Javascript aktiviert und manches mehr. In den Wegen, diese Features wieder einzuschränken, um eine höhere Datensparsamkeit zu erreichen, unterscheiden sich die Programme teils erheblich voneinander.

Die derzeit angesagtesten Browser im Linuxumfeld, Chrome/Chromium und Firefox, haben beide recht unübersichtliche Einstellungsdialoge. Während Firefox z.B. die Cookieeinstellungen zunächst hinter einem Drop-down-Menü verbirgt, hat Chrome sie sogar doppelt ausgeblendet: erst hinter dem Link „Erweiterte Einstellungen“, und dann noch hinter der Schaltfläche „Inhaltseinstellungen“. Auch findet man bei Chrome die relativ neue „Do not track“-Funktion nicht, die letztendlich jedoch nur eine unverbindliche Bitte an Seitenbetreiber ist, keine Trackingmaßnahmen einzusetzen.


Schön unauffällig: Cookie-Einstellungen

An anderer Stelle wiederum gibt sich Chrome vorbildlicher: Während Firefox die Prefetching-Funktion nicht mal erwähnt, hat Chrome eine Einstellung hierfür, die sogar für Nichttechniker verständlich beschrieben ist – auch in der Hilfe wird es erwähnt. Auch Flash kann man hier im Gegensatz zu Firefox von Haus aus konfigurieren, sodass es nur auf ausdrücklichen Wunsch des Nutzers aktiv wird.

Obwohl gerade Chrome in der Vergangenheit nicht gerade einen guten Ruf hatte, was den Datenschutz anbelangt, muss man inzwischen anerkennen, dass ordentlich nachgebessert wurde. Zwar wirkt Chrome weiterhin wie eine reine Werbeveranstaltung für Google-Dienste und verleitet den Nutzer an vielen Stellen dazu, den Browser mit seinem Google-Konto zu verknüpfen und damit zu personalisieren, doch alle diese Funktionen sind optional und wenn Chrome Features verwendet, die persönliche Daten erfordern, dann wird explizit darauf hingewiesen.


Schön verschachtelt, aber aussagekräftig

Interessant ist auch ein Blick auf Seamonkey: Obwohl die Browsersuite dieselbe technische Basis verwendet wie Firefox und sich praktisch nur durch das Interface von diesem unterscheidet, macht er in Sachen Einstellungen einiges besser als das Schwesterprodukt mit dem Rotfuchs im Logo.

Schauen wir uns daher mal mittels einer Stichprobe im Detail an, wie weit man mit Bordmitteln in puncto Datenschutz kommt, ohne auf Erweiterungen oder ausgiebige Internetrecherche zurückgreifen zu müssen. Welche Browser haben welche Funktionen gut oder weniger gut erreichbar eingebaut? Ist eine Option aus Datenschutzsicht gut umgesetzt, ist der Eintrag grün gefärbt, bei schlechter Umsetzung rot.

1. Link-Prefetching

Firefox
aktiv, versteckt
Seamonkey
aktiv, Checkbox vorhanden
Opera
nicht implementiert
Chrome
aktiv, Checkbox vorhanden

2. Do-not-Track-Funktion

Firefox
zuschaltbar
Seamonkey
zuschaltbar
Opera
nicht implementiert
Chrome
nicht implementiert

3. Flashkontrolle

Firefox
nicht vorhanden
Seamonkey
nicht vorhanden
Opera
vorhanden
Chrome
vorhanden

4. Referrer abschaltbar

Firefox
via about:config
Seamonkey
via about:config
Opera
ja
Chrome
nein

5. Cookies seitenspezifisch zulassen

Firefox
ja, 5 Klicks
Seamonkey
ja, 2 Klicks
Opera
ja, 4 Klicks
Chrome
ja, 3 Klicks

6. Javascript schnell deaktivierbar

Firefox
nein
Seamonkey
nein
Opera
ja
Chrome
nein

7. Proxy leicht zuschaltbar

Firefox
nein
Seamonkey
nein
Opera
ja
Chrome
nein


Vergibt man nun für jeden grünen Eintrag einen Punkt und zieht man für jeden roten einen Punkt ab, kommt man zu folgendem Ergebnis:

Firefox: Minus 3 Punkte
Seamonkey: Plus/minus 0 Punkte
Opera: 3 Punkte
Chrome: Minus 1 Punkt

Opera lässt sich in unserer Stichprobe mit Blick auf den Datenschutz am freundlichsten bedienen, Seamonkey gleicht Schwächen mit Positivem aus – und Firefox und Chrome schneiden auffällig schlecht ab, sie machen es dem Nutzer eher schwer, datenschutzfreundliche Einstellungen vorzunehmen.

Installiert man entsprechende Erweiterungen hinzu (gerade für Firefox und Chrome sind unzählige Datenschutz-Add-ons verfügbar) mag die Sache schon wieder ganz anders aussehen, doch solche Erweiterungen muss sich der Anwender erst zusammensuchen, installieren und auch aktuell halten.


Siehe auch:

Firefox und der Datenschutz
Mehr Komfort beim Datenschutz
4 Browser im Datenschutzvergleich


aus der Kategorie: / Tests / Browser

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Kommentare

Ein kleiner Hinweis zu Opera:

Die “Do-not-Track-Funktion” ist in den aktuellen Opera 12.00 Builds (Beta) schon implementiert! Demzufolge würde Opera dann mit der finalen Ausgabe 4 Punkte erreichen.

Wenn Opera aber von Facebook übernommen werden sollte, dann muss es -7 Punkte erhalten, denn dann ist der Datenschutz (spätestens zur ersten FB-Opera Version) ausgehebelt, unabhängig davon, welche Funktionen FB-Opera zum “angeblichen” Datenschutz bietet!

— kar · 3. Juni 2012, 10:27

Die “Do-not-Track-Funktion” ist in den aktuellen Opera 12.00 Builds (Beta) schon implementiert!

Tja, zu spät. :) Aber allein für die Erwähnung von Facebook sollte es schon 10 Punkte Abzug geben. ;)

Pinguinzubehör · 3. Juni 2012, 10:48

Woher kommt das Gerede mit Facebook? Das lese ich hier zum ersten Mal. Ich bin schon jahrelanger Oper-Nutzer, lehne FB aber strikt ab. Diese Kombination wäre wirklich eine Katastrophe.

— Rayman · 3. Juni 2012, 11:00

@Rayman
http://lmgtfy.com/?q=facebook+opera

zwar funktionieren nicht alls google-services in opera fehlerfrei, aber die suche sollte schon gehen ;)

— · 3. Juni 2012, 11:26

wenn man in chrome cookies blockiert erscheint rechts in der omni-box ein cookie-button zum cookies erlauben -> 2 klicks

— · 3. Juni 2012, 11:36

erscheint rechts in der omni-box ein cookie-button zum cookies erlauben -> 2 klicks

Huch, tatsächlich. Danke. Ich zähle allerdings 3 Klicks, weil die Änderung auch noch bestätigt werden muss. Test oben ist korrigiert.

Pinguinzubehör · 3. Juni 2012, 11:43

@Rayman

Ich bin auch schon jahrelanger Opera-Nutzer, aber wenn Facebook wirklich Opera übernehmen sollte, dann war es das für mich mit Opera und auch FastMail.

Aber ich will noch erwähnen, dass es auch noch andere “Bewerber” auf eine Opera-Übernahme gibt (z.B. Google). Aber bisher gibt es noch keine offiziellen Aussagen diesbezüglich!

Ich werde jedenfalls erst mal bei Opera (und auch FastMail) bleiben und abwarten wie sich das alles entwickelt.

Aber wenn Opera an FB gehen sollte, dann werde ich mir einen anderen Browser suchen müssen. Das Problem dabei ist leider, dass es keinen Browser gibt, der Opera auch nur annähernd das Wasser reichen kann. Wahrscheinlich würde ich aber bei Firefox landen, denn die Addons ermöglichen mir zumindest ansatzweise ein paar Opera-Funktionalitäten nachzurüsten. Mit Chrome/Chromium konnte ich mich bisher aber irgendwie nicht anfreunden.

Auf lange Sicht hoffe ich aber, dass sich QupZilla (www.qupzilla.com) zu einer guten Opera-Alternative entwickelt. Die aktuelle Version finde ich schon saehr gut, aber leider auch noch etwas zu spartanisch, so dass er mir derzeit bestenfalls als Zweitbrowser dienen kann.

— kar · 3. Juni 2012, 12:10

hallo

vielen dank für den ausfühlichen und gut recherchierten artikel
leider ist für viele bloger datenschutz noch ein frendwort und behandeln es sehr stiefmütterlich
vor allem in der android szene wird das thema datenschutz als rotes tuch angesehen

wie sieht es den mit den broser in android aus und welche möglichkeiten gibt es inzwischen um sich zu schützen?

ich vermisse in android die möglichkeit wie in firefox die cockys zu kontrolieren, aber da gibt es leider nur friss oder stirb

grüsse

— Heim · 3. Juni 2012, 12:29

„und Firefox und Chrome schneiden auffällig schlecht ab, sie machen es dem Nutzer eher schwer, datenschutzfreundliche Einstellungen vorzunehmen.“

Die sind schon vernünftig eingestellt, du zeichnest hier ein völlig falsches Bild. Was du hier auflistet sind „coole“ Skript-Kiddie-Hacker-Tipps und haben mit Sicherheit nichts zu tun.

— Sebastian · 3. Juni 2012, 13:36

Tja, leider gibt es aber für Opera eine nicht abschaltbare Datenschutzfehlfunktion: Der Browser ist so selten, dass er sich in Kombination z.B. mit einem auch seltenen Betriebssystem ala Linux in den Logs relativ leicht wiederfinden und zuordnen lässt. Gegen sowas hilft dann nur noch Windows mit IE oder Firefox… ;-)

— Pwnge! · 3. Juni 2012, 13:45

Das Prefetching im Firefox lässt sich auch unter about:config abschalten.
Für mich als Laie sind die Änderungen
(u.a. Sicherheitseinstellung) im Firefox einfacher zuhandhaben; da übersichtlicher. Im Chrome leider
nicht. Was mich bei Chrome aber besonders stört – suche ich Add-ons
für die Sicherheit, so werde ich
mit allerlei Zeugs erschlagen, die
ich dafür nicht gebrauchen kann.
Trotzalledem werde ich auf meinem
Notebook wohl Chrome belassen, habe
ich doch auf meine Hauptrechner
Firefox.

— Torsten67 · 3. Juni 2012, 15:51

Tja, leider gibt es aber für Opera eine nicht abschaltbare Datenschutzfehlfunktion: Der Browser ist so selten, dass er sich in Kombination z.B. mit einem auch seltenen Betriebssystem ala Linux in den Logs relativ leicht wiederfinden und zuordnen lässt. Gegen sowas hilft dann nur noch Windows mit IE oder Firefox… ;-)

Doch ist abschaltbar. Der Referrer lässt sich ändern, so zum Beispiel auch zu IE+Windows (auch von einem anderen OS her).

— TADA · 3. Juni 2012, 16:17

Nix Referrer. Check: http://whatsmyuseragent.com/ – die Kombination Opera/Linux ist halt seltener als andere.

— Pwnge! · 3. Juni 2012, 16:41

@Pwnge! “Nix Referrer. Check: http://whatsmyuseragent.com/ – die Kombination Opera/Linux ist halt seltener als andere.”

Du kannst mit dich mit Opera sehr einfach als Firefox oder IE maskieren (geht in den seitenspezifischen Einstellungen per GUI). Global muss mans in opera:config machen (Eine Suche nach “agent” bringt einem genau zur richten Einstellungsmöglichkeit)

@kar: Ja, ich habe mich im Heise-Forum bereits nach Alternativen umgesehen, waas derzeit viele machen. Es wäre wirklich genial, wenn ein Browser entstehen würde, der Opera nachfolgen kann. Aber am besten wäre natürlich ein Leak des Opera-Codes :D Wo bleibt CodeLeaksz?!

sebix · 3. Juni 2012, 18:41

“Du kannst mit dich mit Opera sehr einfach als Firefox oder IE maskieren”.

Browser-Spoofing funktioniert beim Opera unter Linux nicht. Im übrigen: Als IE maskieren unter zB. Ubuntu? – Sehr witzig.

— Pwnge! · 3. Juni 2012, 19:05

Der Referrer lässt sich ändern, so zum Beispiel auch zu IE+Windows (auch von einem anderen OS her).

Ich dachte bis eben, Opera wäre das Betriebssystem. :)

Pinguinzubehör · 3. Juni 2012, 19:08

Herzlichsten Dank!!

Für diesen guten Artikel! Es ist unsäglich, dass die “Fachpresse” diese Dinge seit langem ignoriert.

Auch die “Erfindung” des “private browsing” ist ein Schuss, der (absichtlich?!) nach hinten losgeht: Ich habe schon viele gesprochen, die dachten, dass dies die Datensammelei im Internet reduziere bzw. verhindere! ;-)

— Klara Morke · 4. Juni 2012, 10:07

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