Contra Australis: Firefox ist kaputt

1. Mai 2014

Software-Entwickler bringen manchmal eine gewisse Betriebsblindheit mit sich. Da werden Einstellungen nur auf großen Bildschirmen oder schnellen Rechnern getestet, da werden Farben und Formen anhand von Moden gewählt, und es werden zugunsten der Stromlinienförmigkeit Einstellungen abgeschafft, von denen man glaubt, dass sie nicht wirklich benötigt oder zu selten verwendet werden. Es wirkt wie der Trend, zugunsten der Massenkompatibilität die Minderheiten zu vergessen. Diejenigen, die nicht im Betrieb, aber wirklich blind oder sehbehindert sind, haben dann den Salat. Wie Jennifer Rößler am neuen Firefox scheitert …

Wenn ich Firefox 29 sehe, frage ich mich, warum man eigentlich immer alles kaputtbauen muss. Nicht nur, dass ich die Adressleiste schon seit längerem nicht mehr über den Tabs platzieren kann, woran ich mich notgedrungen gewöhnt habe, ich mich mit einer Erweiterung behelfen musste, um meine Statuszeile wiederzubekommen, was jetzt auch nicht mehr geht, jetzt muss ich mit einem Menü arbeiten, dass so für mich eigentlich unbrauchbar ist. Ein großes Plus am Firefox war für mich das einfache Umstellen der Farben, ohne lange danach suchen zu müssen. Will ich aber das Menü nach meinen Bedürfnissen anpassen, ist es da aber mit der Farbanpassung an mein System vorbei.


Elegantes neues Australis-Design

Man macht das Fenster auf und hat den Eindruck, sämtliche Farbeinstellungen verstellt zu haben, bis auf die Schriftfarbe unter den Symbolen im Hauptmenü: die ist weiterhin gelb, wie die Schriftfarbe im Rest des Firefox und meines Systems auch. Man stelle sich nun gelbe Schrift auf weißem Hintergrund vor. Während das Menü selbst mit grauer Schrift auf schwarz daherkommt (zur Erklärung: bei mir ist der Hintergrund grundsätzlich schwarz eingestellt). Somit wird dieser Schritt zum richtig anstrengenden Akt und wenn man dann nach einem Neustart auch noch feststellt, dass die ganze Mühe für die Katz war, weil das Menü sich wieder auf Standardeinstellung zurückgesetzt hat, fühlt man sich rundum veräppelt.

Sollte sich diese Unanpassbarkeit in den nächsten Versionen auf den kompletten Fuchs ausdehnen, kann ich auch Firefox als sehbehinderte Nutzerin vergessen.

Eine weitere Besonderheit ist die Tatsache, dass das Programmfenster, sobald ich auf „Anpassen“ klicke, plötzlich nicht mehr auf den ganzen Bildschirm passt und dies auch nach Schließen des Anpassen-Fensters so bleibt. Ich muss das Firefox-Fenster neu maximieren, damit es wieder auf den ganzen Bildschirm passt.

Schick sind am neuen Design nur die neuen Tabs und praktisch ist die alte Symbolleiste, in die man nun leider alles quetschen darf, was man dringend immer sofort erreichbar haben will, ohne sich erst irgendwo durchklicken zu müssen. Auf einem großen Monitor mag das Kachelmenü ja wirklich toll wirken. Aber auf einem Netbook wirkt es einfach nur aufgeblasen. Ich frage mich ja, wie Leute mit noch kleinerem Display wie Tablets damit klarkommen, da muss das doch noch klobiger wirken.

Da zur Zeit der Firefox aber die einzige Alternative ist, die mir bleibt, werde ich ihn trotz allem weiterverwenden und hoffen, dass das unfertige Menü noch ein bisschen Schliff bekommt und nicht mehr wie ein Fremdkörper wirkt. Vielleicht sollte ab und zu mal daran gedacht werden, dass nicht jeder Standardfarben verwendet und nicht immer alles ein Einheitsbrei werden muss.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Firefox-Schwerpunkts:

Firefox down under: Australis ist da
Pro Australis: Gewöhnt euch dran!
• Contra Australis: Firefox ist kaputt
Browser für Konservative – Firefox-Alternativen


aus der Kategorie: / Tratsch / Browser
(jr)

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Kommentare

Ich finde Australische einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Wobei es auf Windows viel besser passt und wirkt als unter Linux.

— Patrick · 1. Mai 2014, 17:59

Warum macht Mozilla sowas mit FF Australis Mozilla bekommt seit der Vertragsverlängerung für die Googlesuchleiste 300 Millionen von Google oder ist dort so eine Heuschreche die Personalabbau mach und die Statistik macht gleich Google welchen Interessen..?

— Ralle · 1. Mai 2014, 23:54

Diese Uniformierung und Gleichmachereien von manchen Browserkonzerne da kommt einen das Frühstück hoch, Ubuntu hat auch mit Barrierefreiheit geworben jetzt hat Canonical es nicht mehr nötig!

— Ralle · 2. Mai 2014, 00:02

Man man Ralle, was haben denn Google und Canonical jetzt wieder damit zu tun?… Und bitte, benutz Punkt und Komma mal etwas regelmäßiger. Nicht für mich, für alle hier!

Ich finde die in diesem Artikel angebrachte Kritik an Australis die “beste” bisher. Bei vielen anderen Nutzern spricht immer nur eine diffuse Angst vor jedweder Veränderung aus ihren “objektiven Einschätzungen”. Auch wenn ich selbst keine Sehprobleme habe, habe ich sehr oft das Gefühl, dass Barrierefreiheit trotz zur Verfügung stehender Technologien sehr oft vernachlässigt wird. Gerade in Deutschland (auch wenn Mozilla natürlich großteils amerikanisch ist) fehlt da bei vielen Entwicklern das Bewusstsein für.

Heutzutage sollte es eigentlich kein Problem sein, ein Design eines Programms oder einer Webseite erstens auch für Sehbehinderte anpassbar zu machen und zweitens auch für Blinde erfassbar (also z.B. Screenreader-tauglich) zu gestalten.

— · 2. Mai 2014, 15:24

Das Design ist nicht so schlimm, ob die Tabs rund sind oder nur runde Ecken haben ist mir egal.
Was nervt, ist die fehlende App-Leiste unten. Die Icons von dort müssen sich nun den Platz teilen mit einer unverrückbaren Adresszeile, dem Lesezeichen-bearbeiten und Homebutton, Sage/Flashblock/Cookieculler-Buttons und lächerlichen 5(!) ersten Lesezeichen, die vor dem Update die restlichen 3/4 des Platzes innehatten.

Durch diese Anordnung habe ich nie die Lesezeichen-Leiste gebraucht, wenn ich die jetzt einschalten muss, um meine Lesezeichen zu sehen, verbrauche ich mehr Platz als vorher..

Dafür ist ganz oben in der Menüzeile der ganze restliche Platz ungenutzt, da hab ich sonst immer die Adresszeile verankert.

Was solls, ich werde mal probieren ob ich das mit Addons wieder einigermaßen hinbekommen, aber elegant is was anderes..

— rumpel · 2. Mai 2014, 15:32

rumpel@
Da muß dir recht geben ich möchte auch Käpten vom Schiff sein und nicht umgekehrt dh ich möchte nicht erst suchen wo alle Knöpfe versteckt sind und bei Downs möchte ich wissen wo ich die Datei aus dem Web in welchen Ordner sie abgelegt werden sol

— Ralle · 5. Mai 2014, 00:44

Nicht nur, dass ich die Adressleiste schon seit längerem nicht mehr über den Tabs platzieren kann, woran ich mich notgedrungen gewöhnt habe,

Das ging bis zur Version 28 noch über die Einstellungen (browser.tabs.onTop) und ist in der Version 29 nur noch über AddOns anpassbar.

Ich finde die runden und vor allem deutlich größeren Tabs nicht unbedingt schöner. Aber auch das läßt sich anpassen.

Ansonsten spricht der Artikel mir aus dem Herzen, diejenigen die gerne ihre Software anpassen sind “die gejagten” und müssen sich der schweigenden Mehrheit unterwerfen, das ist aber bei Firefox seit der Version 4 so.

— Struppi · 5. Mai 2014, 16:53

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